Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 48 (26.11.1909)
- Date
- 1909-11-26
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 48 Dr. Blochs Wochenschrift. Sette 827 und warte nur mit Sehnsucht, sich auf die von Irrigations- Ingenieuren urbar gemachten Felder stürzen zu können. Daher ist hier ein rasches Steigen der Bodenpreise natürlich, aus dem die Anteilbesitzer ihren Nutzen ziehen. In Mesopotamien hingegen ist die Bevölkerung, soweit sie vorhanden ist, ein Nomadenvolk, steht nur nominell unter türkischer Kontrolle und ist der ständigen Fehde zwischen den Schafhirten und Landwirten preisgegeben. Eine Rednerin des Abends meinte, daß die Arbeitskräfte zur Herstellung der Dämme und Eisenbahnen aus der einheimischen Bevölkerung werden beschafft werden können, da das Volk dort so geldlos sei, daß Viele lange Strecken wandern, um nur auch die kleinste Summe in barem Gelde zu verdienen. Stimmt diese Behauptung, so wäre ja diese Bevölkerung auch nicht in der Lage, den Pacht für den kulturfähig gemachten Boden zu zahlen, es sei denn, daß ihnen ihre Arbeitslöhne zurückgehalten würden. Aber selbst Willcocks hat nicht behauptet, daß die Arbeitskräfte so leicht zu haben wären. Im Gegenteile, er sprach von der Notwendigkeit, zu diesem Zwecke Kulis zu importieren. Ein solcher Import müßte jedoch unausbleiblich das Problem der färbigen Raffe heraufbeschwören und die Türkei, die von dem fanatischen Wunsche beseelt ist, ein homogenes, konstitutionelles ottomanisches Reich zu schaffen, würde sich bald vor ein schwieriges Dilemma gestellt sehen. Es ist wahr, daß Ahmed Riza Bey, Präfident der türkischen Deputiertenkammer, die Juden eingeladen hat, nach Mesopotamien zu emigrieren, und es ist kein Zweifel, daß die Juden geeignet wären, die Situation finanziell und politisch zu retten, aber Zangwill konnte diese Einladung nicht akzeptieren, und so weit sein Einfluß reicht, wird kein einziger Jude nach Mesopotamien auswandern, so lange nicht mit der türkischen Regierung klare und entsprechende politische Bedingungen hergestellt find. Er möchte es die Regierung wiffen taffen und sage es jetzt Willcocks als dem offiziellen Berater derselben, daß, solange das türkische Parlament nicht seine Zustimmung gibt, Mesopotamien oder vorzugsweise ein bestimmtes und begrenztes Gebiet dieses Landes als ein jüdisches Land der Zuflucht anzuerkennen, er seinerseits mit dem Projekte nichts zu tun haben will, sondern im Gegenteile alle ihm zu Gebote stehenden Mittel änwenden würde, um den Strom der jüdischen Emigration nach einem andern Lande abzulenken. Die Erklärungen Zangwills haben in der überaus zahlreich besuchten Versammlung begreifliches Aufsehen erregt. Vermischtes. Bortrag aus jüdischer Geschichte, Literatur und Kultur. Donnerstag den 2. Dezember 1909, präzise x/28 Uhr abends, findet im Festsaale des Ingenieur- und Architekten- Vereines, Wien, I., Eschenbachgaffe 9, ein Vortrag des Herrn Rabbiners Dr. Max Grunwald statt. Thema: „Zmn 150. Geburtstage Friedrich Schillers." — Eintritt frei, ohne Karten. Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis. Der Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis, II., Taborstraße 59, hält am 27. d. M. um 7 Uhr abends im Sitzungssaale der israelitischen Kultusgemeinde, I., Seitenstettengaffe 4, seine X. ordentliche Generalversammlung ab. Der Bericht wird fich diesmal außerordentlich intereffant gestalten, da er einen Rückblick auf die Tätigkeit des Vereines während seines zehnjährigen Bestandes enthalten wird und mehrere sehr instruktive, statistische Tabellen zur Verlesung gelangen werden. Freunde und Förderer dieser segensreich wirkenden, humanitären Institution mögen es daher nicht unterlaffen, die Versammlung zu besuchen. Gäste find willkommen. Wien. (Beth-Hamidrasch Talmud-Thora), II., Malzgasse 16. Freitag, den 26. November 1909, abends halb 8 Uhr, findet ein Vortrag des Herrn Religionslehrers Josef Pick statt. Thema: Geschichtsbilder aus der Thora. Verein zur Beförderung der Handwerke unter den «ländischen Israeliten. Der enorme Andrang von Knaben, welche sich aus allen Ländern der österreichisch-ungarischen Monarchie um Aufnahme an den Verein wenden und die bedeutenden Auslagen, welche die Bekleidung und Versorgung des dermaligen Standes von über 800 Zöglingen erfordern, haben den Vorstand des genannten Vereines zu dem Beschlüsse genötigt, die Aufnahme von Knaben während der Monate Dezember und Jänner zu fistieren. Wien. (Verlobung.) Fräulein Recha Ehrenfeld, Tochter des Herrn Dr. N. Ehrenfeld, Oberrabbiners in Prag, verlobte sich mit Herrn Alexander D anziger, Gesellschafter der Firma Danziger & Wosner in Wien. Wien. Der Jüdisch-Akademische Juristenverein beginnt seine diesjährige Tätigkeit mit einem Vortrage des Kollegen cand. jur D. Klinghofer, der Freitag den 3. Dezember, 7 Uhr abends, im neuen Vereinslokale, IX., Hahngasse 15, über das Thema: „Warum studieren wir jüdisches Recht" sprechen wird. Gäste herzlichst willkommen. — Das Seminar für jüdische Rechtswissenschaft, deffen Leitung Herr Dr. S. Rubin übernommen hat, findet Dienstag von 7—8 Uhr statt. (Aenderung Vorbehalten.) Vorkenntniffe im jüdischen Recht find nicht erforderlich. — Weiters veranstaltet der Verein einen Vorbereitungskurs für die rechtshistorische Staatsprüfung (April-Termin), den Herr Dr. Karl Hahn leiten wird. Der Kurs findet dreimal in der Woche zu je 2 Stunden statt und ist nur Mitgliedern zugänglich. Honorar 6 Kronen monatlich. — Für das Mittwoch den 26. Jänner 1910 vom Verein veranstaltete Juristenkränzchen werden schon jetzt Anmeldungen für das Herren- und Damen ko mitee entgegengenommen. — Auskünfte in allen Vereins- und Studienangelegenheiten werden im Vereinslokale, IX., Hahngaffe 15, täglich von 11 bis 1 Uhr erteilt. Jüdifche Toynbeehalle, Wien, XX., Othmargaffe 46. Der Samstag den 20. d. M. von der Gesangsmeisterin Frau Else Frennd-Fnnk mit ihren Schülerinnen veranstaltete Konzertabend brachte sowohl der Arrangeurin als auch den Mitwirkenden lebhafte und dankbare Anerkennung. Die Damen: Frau Matauschek. Frl. Fischbein und Frl. Friedmann legten im Vorträge von Opernarien und Liedern p'ächtige Stimmittel und reiches Können an den Tag. Verdienstvoll akkompagnierte Fcl. Frankl die Gesangsvorträge, wahrend in Klavierpiecen von Chopin, Leschetitzky und Schubert Frl. Czerniawska ihre Virtuofität zeigte. Das nächstwöchentliche Programm wurde, wie folgt, festgesetzt: Freitag den 26.: Rab.-Kand. Bela Fischer: Bibelvortrag. Samstag den 27.: Orchesterkonzert. Arrangement von Frau Wodniansky. Sonntag den 28.: N. Schatz: „Palästina als Kolon sationsland". Montag den 29.: Dr. M.Reiß: Rechtswiffenschaftlicher Zyk-us (I). Dienstag den 30.: Oberlehrer M. Grünspan: Naturwiffenschaftlicher Zyklus (mit Lichtbildern). I. Die Tierwelt. Mittwoch den 1. Dezember 1909: Prof. Dr. Edm. Jerusalem: „Das Zeitalter der Aufklärung" (Zyklus). Donnerstag den 2. Dezember: Dr. Fischl: Literar Abend II. David. Freitag den 3. Dezember: Dr. G. Frendmanu: Bibelvortrag. Die Vorträge beginnen an Wochentagen um 7a8 Uhr abends, Samstag sowie an Sonn- und Feiertagen um 7 Uhr abends. Eintritt frei für jeden Erwachsenen. Jüdische Toynbeehalle. XIV., Herklotzgaffe 21. Die Geschichte des gelben Fleckes war der Titel des Vortrages, den der treffliche Kenner der jüdischen Geschichte Herr Oberlehrer R i e s e n f e l d am 20. d. M. vor zahlreichen, verständnisinnigen Zuhörern hielt. Insbesondere die Ausführungen des Redners, in welchen er auch auf die Gegenwart zu sprechen kam und den unsichtbaren „Gelben Fleck" kennzeichnete, den diesem die Feinde des Judentums zu oktroyieren versuchen, gaben zu einer intereffanten Diskussion Anlaß. Herr Oberlehrer Riesenfeld erntete am Schluffe reichen Beifall. Die Vorträge finden jeden Samstag abends statt. Beginn genau halb 8 Uhr. Wien Samstag, den 27. d. M. wird Schriftsteller Alfred Fekete eigene Dichtungen und Novellen vortragen, sodann musikalische Vorträge unter Leitung des Herrn Kommerzialrates Baß. Wien. Sonntag den 5. Dezember, 3 Uhr nachmittags, findet im Etabliffement Ronacher eine Wohltätigkeitsvorstellung zugunsten des Vereines zur Bekleidung armer, alter Männer israelitischer Konfeffion statt. Karten find zu haben vom Bereinskaffier I. Goldblatt („Cafo Fetzer") und ab 1. Dezember an der Tageskaffa des Etabliffement Ronacher.