Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 38 (17.9.1909)
- Date
- 1909-09-17
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 640 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 38 ist, welchem unser Geschlecht inmitten aller möglichen Schwankungen, Abweichungen, Erschütterungen und Umwälzungen mit stets zunehmendem Bewußtsein gehorcht. Die Verwirklichung der Einheit all des allumsafsenden Prinzips durch Mittel, welche theorisch und praktisch immer mehr und mehr den höchsten Anforderungen Genüge tun, ist demgemäß die Aufgabe, welcher es seine besten und edelsten Kräfte widmet. (Fortsetzung folgt.) Anteil der Juden an der Entdeckung des Uardpols- Von Dr. Max Grunwald. Schon im 16. Jahrhundert hatte der holländische Jude P l a n c i u s die Theorie vom offenen Polarmeer aufgestellt und hier durch den theoretischen Grund zum Versuche der Nordost-Pafsage und der Fahrten zum Pol gelegt. 1596 schoffen einige reiche jüdische Amsterdamer Kaufleute Geld zusammen und schickten Barentz mit sieben Schiffen, schwer mit Waaren beladen, in die Kara-See. An Bord befanden sich auch mehrere Juden, die als Dolmetscher bei den sarazenischen Völkern dienen sollten, die man in Ostsibiren vermutete. Diese Expedition endete unglücklich. Spitzbergen wurde entdeckt, Novaja-Semlja umsegelt, aber die Schiffe wurden im Eise zerdrückt, der Führer starb und nur zwölf Mann kehrten nach Europa zurück. Fast an allen amerikanischen Nordpolexpeditionen der Neuzeit haben Juden teilgenommen. Unter Elisha Kent Kanes Begleitern im Smith-Sund 1853 befanden sich die Juden Gary und Becker. Dieser war einer der Teilnehmer jener verunglückten Schlittenpartie, die, bei — 35 Grad Reaumur im Schnee begraben, geschwollen und verstört, unfähig zu sprechen, erstarrt und verhungert am 20. März liegen geblieben waren. Es wäre unmöglich gewesen, die Armen aufzufinden, wenn nicht eine kleine Freimaurerflagge die Stelle bezeichnet hätte, an der die Leute unter dem Schnee lebendig begraben waren. August Sonntag, im Jahre 1858 zweiter Direktor auf der Dudley-Sternwarte in Albany, opferte seine angesehene Stellung, um sich dem Dr. Isaak Israel Hayes auf seiner Fahrt zum Nordpol 1860 anzuschließen. Auf einer Schlittenfahrt mit einem Eskimo fand er im Dezember desselben Jahres im Alter von 28 Jahren bei Sorfalik unterhalb Cap Alexander seinen Tod. Dr. Hayes ehrte das Andenken seines Gefährten in folgender Grabschrift: „In der traurigen Einsamkeit der arktischen Wüste schläft unser Kamerad den Schlaf, der in dieser geplagten Welt kein Erwachen kennt, hier, wo keine liebenden Hände Blumen auf sein Grab streuen und keine Augen von Trauer sich trüben. Aber die sanften Sterne, die er im Leben so liebte, werden über ihn ewiges Totenamt halten und die Winde werden über ihn jammern und die Natur wird ihre gefrorenen Tränen ewig auf sein Grab fallen lasten." Ob Jsaac Israel Hayes selbst Jude war, läßt sich zur Zeit nicht mit Bestimmtheit behaupten. Auch er wurde 1853 nach dem Fehlschlagen der de Haven und Graffin'schen Nordpolexpedition mit Elisha Kent Kane ausgesandt, um Franklins Schicksal zu erkunden. Ihre Entdeckungen führten dahin, daß ein offenes Polarmeer angenommen wurde, auf dem es möglich sei, bis zum Pol vorzudringen. 1860 machte Hayes eine Expedition nach dem Smithsund, wo er überwinterte und von wo aus er zu Schlitten die Küsten von Ellesmereland und Grinnell-Land bis SOVa0 nördl. Br. untersuchte. Hier sei auch des Nachrufes gedacht, den Adolf Greely dem Astronomen der Lady-Franklin-Bay-Expedition 1881 bis 1884 Eduard Israel widmete. Diese Polarfahrt war eine der unglücklichsten, denn Zweidrittel der Teilnehmer find bei Cap Sabine elend verhungert, darunter auch Eduard Israel. Ueber ihn schreibt Greely: „Israel war ein junger Mann von einigem Vermögen, graduiert an der Ann-Arbor-Univerfität, ein vielversprechender Astronom, der eine Zukunft vor sich hatte. Sein Tod ging mir sehr nahe, denn während der langen Monate, die er mein Schlafgenoffe war, hatten seine freundlichen Worte dazu beigetragen, mich zu ermutigen. Er hatte sich bei Jedermann beliebt gemacht und bei Sabine nannten wir ihn oft unseren Benjamin. Seine Dienste waren sehr wertvoll für unsere wissenschaftlichen Arbeiten und Forschungsreisen. Beim Lesen des Begräbnisformulares ließ ich alles weg, was seinen Religionsgenosten anstößig sein konnte." Daß der Arzt der österreichisch-ungarischen Polarexpedition 1872 bis 1874 Dr. Kepes ein Jude war, ist bekannt. Ueber seine wichtigen und erfolgreichen Dienste als Arzt und Zoologe hat sich Payer in seinem populären Buche äußerst lobend ausgesprochen. Auch Charles Francis Hall und Rares zählten Juden zu ihren Begleitern. Israel Bessels (geb. in Heidelberg am 2. Juni 1847, gestorben in Stuttgart am 30. März 1888) unternahm, durch Petermann in Gotha ermutigt, 1869 die erste Reise in den arktischen Ozean, um den Einfluß des Golfstromes auf den Osten von Spitzbergen zu studieren. 1870 betätigte er sich als Feldchirurg im deutsch-französischen Kriege, wofür er vom Großherzog von Baden öffentlich belobt wurde. 1871 beteiligte er sich als Chirurg und Naturforscher an der Hall-Expedition auf der „Polaris", wo er Hall in seiner schweren Krankheit behandelte. Seine Forschungsergebnisse veröffentlichte er in den Publikationen der Smithonian Institution 1876 Auf einer ethnologischen Reise nach dem nordwestlichen Amerika scheiterte das Schiff. Für die Cook und Peary so förderliche Kenntnis der Sprache und des Charakters der Eskimos hat Dr. F. Boa s. Professor an der Clark-University in Worcester, Hervorragendes geleistet. Der aus Berlin stammende Forscher sammelte sein Material drei Jahre lang, die er unter den Eskimostämmen des nördlichsten Amerika und unter den Chinook-Indianern verlebt hat. Als Erforscher Nordsibiriens wäre in diesem Zusammenhänge noch Waldemar Jochelson zu nennen,' ferner L. I. S t e r n b e r g, der die Giljaken auf der Insel Sachalin studiert, über die man dem 1887 in Petersburg verstorbenen JwanSemenowitsch Poljako w ein auch ins Deutsche übersetztes grundlegendes Werk verdankt. Besondere Beachtung verdient mit Rücksicht auf Peary's Erfolg Angela Heilprin als Führer der Peary -Hilfsexpedition nach Grönland im Jahre 1892, die er in seinem Buche über „Ido Brette Problem etc.“ (1893) beschrieben hat. Heilprin, ein geborener Ungar, aus einer bekannten Gelehrtenfamilie, gegenwärtig Professor der Paläontologie und Geologie in Philadelphia, war unter anderem auch Jahre hindurch Präsident der dortigen geographischen Gesellschaft. Nach dem fürchterlichen Erdbeben auf Martinique hat er, während der Vulkan noch rauchte, an Ort und Stelle eine wissenschaftliche Untersuchung der Katastrophe unternommen und glücklich vollendet. Wie Payer betätigt sich Heilprin auch als Landschaftsmaler. Er war der erste, der (in seiner Schrift „The geological and geographical distribution of animals“) die geologischen Veränderungen der Erdoberfläche zur Erklärung der heutigen Verbreitung der Tierwelt heranzog (1894). Aus Cooks Jugend. Zu dem Charakterbild des kühnen Entdeckers, um dessen große Tat so erbittert gestritten wird, bieten die Tatsachen über seine Jugendgeschichte und erste Entwicklung, die in der „Jewish World" zusammengetragen werden, die notwendige Basis. Wenn in dem Knaben und Jüngling die Wesenszüge des Mannes sich bereits ausbilden, dann wird man in Cooks harter Jugend unschwer die Bedingungen finden, unter denen sich seine zähe Energie, seine Tatkraft, sein Emporstreben entfalteten. Sein Vater war ein deutscher Arzt. Dr. Cook, der aus einer bekannten Frankfurter jüdischen Familie stammte, wie die „Jewish World" aus zuverläßlicher Quelle Mitteilen kann, wunderte in jungen Jahren nach den Vereinigten Staaten aus, erwarb sich in einem Landdistrikt im