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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-09-17 · 38 (17.9.1909) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
38 (17.9.1909)
Date
1909-09-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 38 Dr. Blochs Wochenschrift. Seile 641 Staate New-Iork eine kleine Praxis und änderte seinen Namen in „Cook" um, wie dies viele Tausende vor und nach ihm getan haben, wenn sie fanden, daß ein angelsächsischer Name in Amerika ein Vorteil ist. Der Vater Cooks starb, als sein Sohn, der spätere Entdecker des Nordpols, sechs Jahre alt war, und hinterließ seiner Witwe und seinen vier Kindern eine winzige Farm, von der sie ihren Unterhalt bestreiten mußten. Da kamen denn Zeiten der Not und des Elends, und schließlich zog die Familie nach Brooklyn, um dort ihr Auskommen zu finden. Der junge Cook mußte hier tüchtig Geld verdienen helfen und verkaufte Gemüse auf dem Markt. Die kurze Zeit, die er für sich übrig behielt, verbrachte er mit Lesen. Mit eiserner Energie sparte er jeden Pfennig und hatte allmählich so viel beisammen, daß er ein Milchgeschäft ausmachen konnte. Er trug selbst die Milch bei seinen Kunden aus und mußte schon um 1 Uhr nachts anfangen, die Milch einzukaufen; bis 7 Uhr morgens hatte er dann mit dem Austragen zu tun. Um. 9 Uhr saß er schon wieder auf den Studienbänken der Columbia-Universität und widmete sich einem angestrengten medizinischen Studium bis um vier Uhr nachmittags. Dann machte er die lange Reise von der Universität nach Brooklyn zurück und las und studierte bis in den Abend hinein. So verdiente sich der Knabe selbst sein Geld, um studieren zu können, aber die ganze Woche mußte er mit einem Minimum von Schlaf auskommen. Nur Sonnabend und Sonntag, wo er keine Kollegs hatte, konnte er ein wenig von dem verlorenen Schlaf nachholen. Sechs Jahre lang führte er dieses Leben der energischesten Anstrengung und größten Entbehrung tapfer durch, bis er sein Diplom als Arzt erlangt hatte. Das war im Jahre 1891, und gleich darauf hatte er, über viele Mitbewerber den Sieg davontragend, das Glück, als Arzt von der Peary- Expedition nach Nordgrönland mitgenommen zu werden. Nachdem er wieder nach Hause zurückgekehrt war, mühte er sich als Arzt sechs Jahre lang in Brooklyn um sein Brot; als aber ein Arzt für die belgische antarktische Expedition gesucht wurde, telegraphierte er sofort an die Expeditionsleitung und stellte sich als Freiwilliger zur Verfügung. Das Anerbieten wurde angenommen, und er stieß in Rio de Janeiro zu der Expedition. Seit dieser Zeit hat er sich dann an einem kühnen Forschungsunternehmen nach dem anderen erfolgreich beteiligt. „Jewish World", 3. September, schreibt ferner: Juden waren Polarforscher lange vor Cook und im Jahre 1871 hat Julius von Payer Franz Josephsland entdeckt, der gleichfalls mit Frankfurter jüdischen Familien verwandt (?) ist. In der Wollmann-Expedition ist der Photograph ein Jude. Einer der bekanntesten jüdischen Forscher war Emin Pascha (Dr. Schnitzler), den Stanley aus dem dunkelsten Afrika gerettet hat. 10om Aabrmarkt des Lebens. Das russische Luftschiff eines jüdischen Studenten. Aus Petersburg wird gemeldet: Ein jüdischer Hochschüler, namens Kaufmann, machte dem Kriegsmiuisterium die Mitteilung, daß er das Projekt eines Luftschiffes entworfen habe, das von den bisherigen bekannten Systemen in wesentlichen Punkten abweicht und gegenüber denselben einen wichtigen technischen Fortschritt aufweist. Da er seine Erfindung nicht im Auslande ausproben und verwerten möchte, suche er um eine geringe Unterstützung und um Ueberlassung eines Platzes behufs Lonstruierung seines Luftschiffes an. Gewitzigt durch die große Blamage mit dem Bauern Tatarinow, der bekanntlich der Regierung große Summen für die Herstellung eines angeblich von ihm entworfenen Luftschiffes herausgelockt hat, ließ das Lriegsministerium die von Kaufmann vorgelegten Pläne und Modelle durch eine Fachkommission überprüfen. Auf Grund des abgegebenen fachmännischen Gutachtens wurde dem Gesuche Laufmanns stattgegeben, so daß er .jetzt ungestört an der Durchführung feines Planes arbeiten kann. Der Aviatiker Liewenthal in Genf. Der Genfer Aviatiker Liewenthal hat seinen Monoplan vollendet, dessen Gestell aus Bambus besteht. Der ganze Apparat wiegt nur 250 Kilogramm. Liewenthal benützt einen 14HP dreizylindrigen Anzanimotor. Die Tragflächen messen 24 Quadratmeter. Zum Start verwendet Liewenthal eine Schlittenvorrichtung mit Gegengewicht, wie Wright. Vor einigen Tagen fand der erste Versuch statt, wobei die Kurbelwelle brach. Dieser Tage wiederholte Liewenthal in Anwesenheit einer gewaltigen Volksmenge seinen Versuch. In einer Höhe von fünf Metern legte Liewenthal 20 Meter zurück, als der Monoplan infolge eines Defektes plötzlich zur Erde stürzte, wobei die Schraube in Brüche ging. Liewenthal ist unverletzt. Die amerikanisch-jüdische Paßfrage in Rußland. Wie erinnerlich, hat der Präsident der Vereinigten Staaten, William Taft, vor seiner Wahl unter anderem auch die Regelung der amerikanisch-jüdischen Paßfrage in Rußland in sein Regierungsprogramm ausgenommen. Auch in der ihm zu Gebote stehenden Presse gab Taft damals das bündige Versprechen, gleich nach seinem Regierungsantritte die nötigen Schritte eknzuleiten, um dem amerikanischen Paß in Rußland auch dann Geltung zu verschaffen, wenn dessen Besitzer ein Jude ist. Fast erschien es, daß der nunmehrige Präsident Taft sein damaliges Versprechen vergessen habe, denn er tat nichts dergleichen, uin es auch zu erfüllen. Und nun wird in gut informierten Newyorker Blättern berichtet, der neuernannte amerikanische Botschafter für Rußland. Mr. R o ck h i l l. habe vor seiner Abreise nach Petersburg erklärt, daß er den strikten Auftrag des Präsidenten Taft habe, die Paßfrage zu gunsten der Juden durchzuführen. Hierzu melden die „Rewyork Times": Am Tage vor der Abreise des Botschafters Rockhill und des Präsidenten Taft luden sie den bekannten jüdischen Politiker Simon Wolf aus Washington. ferner den Richter Sulzberger aus Philadelphia und den Rektor des Dropsie College Dr. Cyrus Adler zu einer gemeinsamen Konferenz mit dem Botschafter Rockhill ein. Die erwähnten jüdischen Vertreter überreichten dem Botschafter das gesamte in Betracht kommende Material und gpben alle gewünschten Aufklärungen Botschafter Rockhill, der Mitte September in Petersburg ankommt, gab die Versicherung, die Aktion gleich nach seiner Ankunft auf seinem Posten mit aller Energie in Angriff zu nehmen. Die Hinrichtung eines Fürste» Windischgrätz wegen Gotteslästerung im XVH. Jahrhundert In den Gesetzgebungen aller Länder und Staaten von den ältesten Zeiten bis auf unsere Tage ist die Gotteslästerung verboten und mit geringeren oder schärferen Strafen belegt, je nach dem Kulturgrade der Zeiten und Völker; das erste Verbot der Gotteslästerung befindet sich in der Mosaischen Gesetzgebung, da heißt es: „Elohim ((Sott) sollst Du nicht lüstern und dem Fürsten in Deinem Lanoe sollst Du nicht fluchen!" (II. B. M. 22. 27.) In dem römischen Corpus juris, sowie in der Peinlichen GesetzorRmng Carls Y. (Carolina) wird dieses Verbrechen mit schweren Strafen geahndet, ja auch mit dem Tode bestraft. In der Ferdinand'schen Landesgerichtsordnung von; 656 wird für das Verbrechen der Gotteslästerung ein grausamer Feuertod verhängt. Da heißt es: „Riemen ans seinem Leib geschnitten, zur Richtftätte geschleift, die Hand, welche er etwa dazu gebraucht, abgehauen, die gotteslästerische Zunge, so weit sie aus dem Munde zu bringen, abgeschnitten, und der Leib lebendig zu Staub und Asche verbrannt werden." Nach dem jetzigen in Kraft ft henden deutschen Gesetz wird die Gotteslästerung mit Gefängnis bis zu drei Jahren bestraft.

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