Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 24 (11.6.1909)
- Date
- 1909-06-11
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 24 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 417 x Juden. Ihre Beziehungen zu den Arabern find nicht immer die gleichen. Eine Zeit lang gibt es Frieden, der dann wieder durch Zwistigkeiten unterbrochen wird. Aber hier find wir bereits erbgesessen und die städtische Bevölkerung ist doch zivilisierter als die wilden Beduinen. Hier in der Stadt hat die Regierung eine Macht und ist in der Lage, die Ruhe aufrecht zu erhalten und das Leben und Gut der Bevölkerung zu schützen." 4. Professor Gottheil, Eduard Lauterbach, Jsak Seligmann. Schließlich sei noch erwähnt, daß Professor Richard Gottheil, ein Führer der amerikanischen Zionisten, der behufs Uebernahme der Rektorstelle der amerikanischen Hochschule für orientalische Angelegenheiten in Jerusalem bereits nach Palästina gefahren ist, vor seiner Abreise erklärte, daß er dem itoistischen Plane, Mesopotamien zu kolonisieren, eine große Zukunft prognostizieren könne. Es bestehe kein Zweifel, daß Mesopotamien nach Erfüllung der bekannten Vorbedingungen wieder derselben Blüte entgegengeführt werden könne, in welcher es in allen Zeiten gestanden. Er werde übrigens jetzt Gelegenheit nehmen, das Projekt in der Nähe zu studieren. Im selben Sinne haben sich auch die beiden amerikanischen Finanziers Eduard Lauterbach und Jsak Seligmann ausgesprochen, die überdies erklärt haben, dem Plane, sobald er spruchreif wird, ihre Förderung angedeihen zu lassen. Zn de« Aufsätzen «der Erzherzog Kart i« Ur. 23 dieses Klattes. Auf einige Anfragen. Von Dr. Max Grunwald. 1. Die Teilnahme der Juden an der damaligen patriotischen Erhebung Oesterreichs stellt ein Bild (auch in der Erzherzog Karl-Ausstellung) mit der Unterschrift dar: „Wetteifer der Wiener Judenschaft zur Unterstützung des allgemeinen Aufgebotes der biederen Oesterreicher am 14. April 1797". Es zeigt uns die Wertheimber, Arnsteiner, Leitersdorf, Eppinger, Hönig usw., die Wiener .Tolerierten", wie sie einer Kommission patriotische Spenden überreichen. 2. 1805 war auf freiwilliges Anerbieten der Wiener Judenschaft das Spital in der Seegasse mit russischen, 1809 mit österreichischen kranken und verwundeten Soldaten belegt. (Doz. Dr. Grünfeld im „Union-Kalender" 1900, S. 488.) 3. Die Zahl der jüdischen Mitkämpfer bei Aspern ist kaum zu bestimmen. Jkckel, Polens Staatsveränderung, Wien 1803, IV. S. 58, behauptet: „In den französischen Revolutionskriegen haben über fünfzehntausend Israeliten unter Oesterreichs Fahnen gedient". Dies ist offenbar' eine Uebertreibung. (Einzelnes siehe bei Grunwald, „Oesterreichs Juden in den Befreiungskriegen", Leipzig 1809.) 4. Daß Joseph II.. auch im Auslande Verehrer gefunden hat, dafür braucht nur an Klopstock und Schubert erinnert zu werden. Dem Wohnorte Klopstocks nicht fern, schrieb August von Hennings, der dänische Staatsmann und Freund Moses Mendelssohns:*) *) Aus dem handschriftlichen Nachlaß Hennings (vergl. Jahrbuch für jüd. Gesch. u. Lit." 1908 und „Monatsschr. f. d. Gesch. u. Miss, des Jud. 1909) sei hier noch ein Urteil H.'s über Mendelssohn angeführt: Bd. 14, S. 203. In dem Briefe dieses Mannes (des Schatzmeisters Grafen von Schimmelmann) war viel spekulative Philosophie, größtenteils aus Kants „Kritik der reinen Vernunft", von der ich, ich gestehe es, wenig verstehe! Und mich deucht überhaupt, daß alle tiefsinnigen Denker, Spinoza, Jacob i, Mendelssohn, Kant, Garve und wie sie alle heißen, sich so vom gemeinen Menschenverstände wegphilosophieren, daß nicht allein einer den andern, sondern am Ende sie sich selbst nicht verstehen und daher zu den Vorwürfen der Widersprüche Anlaß geben, die man in ihren Werken zu finden glaubt. Mendelssohns Urteil über Kant in seiner letzten Arbeit hienieden, Kants Urteil über Mendelssohn in der Berliner (Handschristl. Nachlaß, Bd. 27, S. 48:) Und wer will für die Staaten reden, die freiwillig ihrem Vorteile, dem Wohlstände des Landes und der individuellen Glückseligkeit der Menschen entsagen? Für diese (Staaten) ich wiederhole es, scheinen mir des Kaisers weise Anordnungen ebenso gefährlich als Amerikas Unabhängigkeit, wie noch ganz neuerlich die der Assekuranzkompagnie in Triest, sowie die der ostindischen Kompagnie erteilte Octroi beweisen. Wenn man liefet, daß der Kaiser in dem ersten Aufkommen seiner Schiffahrt Schiffe rund um die Erde segeln läffet1), welches alte handelnde Nationen erst daun taten, wenn sie zu einer ansehnlichen Höhe gelangt waren, wem fällt nicht des Dichters Ausdruck bey: Wer hat vollendet, wie Du begannst? Solche Veranstaltung, solche Anlagen, wie Joseph macht, seine Handlungsfreiheiten, seine Toleranzedikte, seine Sorgfalt für das Innere der Staaten, verdienen mehr die Aufmerksamkeit seiner Länder, die sich nicht nach ähnlich weisen Maßregeln richten, als das, was in fernen Weltteilen vorgehet, für die aber, die eben so väterlich behandelt werden, als des Kaisers Untertanen, wird das Feld der Geschäftigkeit und der Tätigkeit immer größer, je weiter sich Schiffahrt und Gewerbe auf dem Erdboden ausbreiten. (S. 85.) Es ist unmöglich, daß ein handelnder Staat mit Despotismus und Intoleranz bestehen kann. Man kann daher den Kaiser nicht genug bewundern, der, indem er den Handel ermuntert, der Industrie immer neue Hände erwirbt, Juden, Nonnen und fremde Religionsverwandte dem Staate wiedergibt, und indem er für die Volksmenge und für die Bereicherung seiner Länder sorgt, sich selbst einen Rückhalt schafft, mit dem er allen äußeren Feinden Trotz bieten kann, während der Papst den Aerzten Heilung verbietet, wenn nicht vorher die Sakramente erteilt sind. 5. Die Stellen in dem angeführten „Schweizer Boten" lauten: Jahrgang 1809. S. 566. Diese Tiroler halsstarrigen Landleute wollten Alles besser wissen, bis ihr unglückseliges Land das Opfer dieser Verwirrung geworden. S. 294. Der Jnsurgentenchef Hofer, Sandwirth im Passeyerthal, ein Mann, der wenig mehr als etwas Totschlägen und Spektakelmachen versteht, trug von jeher als frommes Bußwerk, wie er erzählt, einen Bart bis au den Gürtel. Ehe er Generalissimus war, trieb man auf den Bozenermessen um seiner popanzartigen Figur willen manchen Spuk mit ihm. So bestellen oft Völker ihr Zutrauen, wenn es sich um ihr Wichtigstes handelt! S. 301. Er hat sein Hauptquartier in der fürstlichen Burg zu Innsbruck und hat neulich eine Proklamation an sein Volk erlassen, weil doch einmal große Herren auch Proklamationen machen müssen. Aber die schönen Meidli, die sich ohnedem vor des Sandwirths gewaltigen Bart fürchten, werden mit seiner Proklamation nicht zufrieden sein. . . . S. 320 wird Hofer verspottet, wie er mit vier Schimmeln ausführt und sein Bart noch um einen Schuh länger geworden, besonders sein „grünes Tschöpli (S. 340), und seine Verordnung gegen die unzüchtige Frauenkleidung vom 25. August 1809. „Wer von Beiden," heißt es S. 376, „ist der klügste und bravste Mann gewesen? Der Schweizer oder der Tiroler? Empöre Dich nicht gegen die Obrigkeit und denke an Deinen Haushalt!" Die Nummer vom 1. Dezember 1809 bringt Hofers Bild. Aehnlich werden übrigens auch Schill und seine Husaren als „Räuber" und „Schwindler" behandelt. Von Wien heißt es (S. 108): Monatsschrift und mehrere Beispiele der Art haben mich in dieser Meinung bekräftigt. 262. Mögten wir alle behm Ausgehen aus der Welt ebenso wahr, als Mendelssohn sagen können, daß wir nie etwas bereuet! ') Das Schiff: der Graf Eobenzl, der Schiffer: Kap. Bauer, Rheder der Kaiser und Obristlieutenant Bolt. Jener für 50.000 fl.