Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 24 (11.6.1909)
- Date
- 1909-06-11
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3020846-3021818-3021843--18388-3043313- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 418 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 34 S. 108. Am 10. März ist die Wiener Landwehr ins Feld gerückt. Unter dieser Miliz sind 1200 Kaufmannsdiener von Wien, welche ein besonderes Bataillon bilden. Jedes Comptoir der angesehensten Handelshäuser hat wenigstens drei Kommis gestellt. 5. 257 wird berichtet, wie bei Aspern österreichische Krieger französische Verwundete in ein Gebüsch getragen haben, um sie vor den Flammen zu bewahren. 6. Gioacchino Basevi schrieb außer einem Kommentar zum österreichischen Zivilgesetz eine Studie „Lulle scioglimento dei feudi nel territorio della Republiea cisalpina“, ferner „Spiegazione della Legge generale di cambio“ und „Leggi attinenti al processo civile“. Die „Annotazioni pratiche al Codice civile austriaco“ sind nach dem Urteile Prof. Vittorio Polaccos in Padua, dem wir diese Angaben verdanken, eine achtungswerte Leistung. 7. Ueber Hönig folgen hier zwei Dokumente (aus dem Archiv der Wiener israelitischen Kultusgemeinde). (Copia.) Zeugniß. Daß Herr Hauptmann Hönig des Iten Deutschmeisterischeu Landwehr-Bataillons, in der Asfaire am 8. Februar am Mincio an der rechten Hand eine Schußwunde und am Unterleib eine Contusion erhielt und nach erhaltenem Verband wieder zur Division einrückte und allda bei mir bis in die Nacht unter dem feindlichen Kanoneufeuer aushielt, wird demselben auf sein Ansuchen hiemit bezeuget. Sign. Verona, den 13. März 1814. Carowe na. p. Coram me Freyherr Hptm. Commandant der v. Büchler m. p. 3. Division des 1. Landw.- Oberstlieut. Baons. des Rgts. Deutschmeister. Collationirt und dem Original gleichlautend befunden. Verona den 15. März 1814. Schwabenius, (?) Auditor von Deutschmeister-Inf. Zeugniß Wodurch wir Endesgefertigte bestätigen, daß der Herr Hauptmann v. Hönig durch das k. k. Plaz-Commando von Verona von dem dirigirenden Herrn Feldstabsarzt Hu. v. Ketrerer und den Unterzeichneten aufgefordert die Direction der Militaire-Spitäler von Verona zu übernehmen, welche in dem traurigsten Zustand sich befinden, indem die Kranken auf den blosen Steinen und ohne aller Aufsicht und Pflege lagen — so zwar, daß der größte Theil derselben zu Grunde gegangen wäre, wenn nicht gedachter Herr Hauptmann es durch seine rastlose Thätigkeit dahin gebracht hätte, daß die Kranken auf ein ordentliches Lager gekommen, gehörig verbunden und verpflegt worden wären. Indem wir uns verpflichtet sahen, gedachten Herrn Hauptmaun für die Mitwirkung an der Hülfe für die Kranken und Blessirten unfern grösteu Dank zu erstatten, ohne dessen raschen Diensteifer es nicht schnell erzweckt worden wäre, was zur Linderung der traurigen Lage der Kranken und Blessirten so nothwendig ist, ertheilen wir demselben dieses Zeugniß, ohne von ihm aufgefordert zu seyn, aus freyem Antriebe, zu seinem beliebigen Gebrauch. Zur Urkunde dessen unsere eigenhändige Fertigung und Siegel. Sign. Verona, am 22. Februar 1814. W. Lang Dr. Krauß na. p. Obrist Lieutenant k. k. dirigirender Feldstabsarzt und Plaz-Commandant bei der Feldspitäler Direction. Lands cron m. p. Rgmts.- und erster Chef-Arzt. Dr. Beysiegel m. p. Rgmts.-Feld-Arzt. Die Wuglrultur im Alte« Testament. Die Frage: wie entstand der Getreidebau oder die Pflugkultur? hat die Soziologie schon vielfach beschäftigt. Man ist im allgemeinen der Ansicht, daß durch das Seßhaftwerden der Hirten das Bestellen des Ackers und der Getreidebau entstanden find. Auch die Bibel, die in so viele soziologische und anthropologische Probleme hineinleuchtet, streift die Agrikulturfrage, und setzt die Entstehung des ganzen Agrikulturwesens in die Zeit der Erschaffung des Menschen: „Und keinerlei Feldgewächs war noch auf der Erde; keinerlei Kraut des Feldes war noch aufgekeimt, denn noch hatte der Herr nicht regnen lassen auf die Erde und kein Mensch war da, zu bestellen den Erdboden. Da sprach Gott, wir wollen einen Menschen schaffen in unserem Ebenbilde!" (Genesis 2, 5.) Ob diese biblische Auffassung äs facto zu nehmen oder als eine poetisch-religiöse Vorstellung zu betrachten ist, darüber zu entscheiden überlassen wir den Bibelkritikern und den Dogmatikern. Ueberzeugend ist keiner von ihnen. Das Eine aber steht fest, daß die Bibel bemüht ist, in das biologische und vegetabilische Werden Licht zu bringen. Allerdings tut sie dies auf transzendentale und metaphysische Weise, wohin ihr die exakte Wissenschaft und das moderne Denken nicht folgen wollen. Die Frage also, wie der Ackerbau entstand, wird in der Genesis mit der Frage nach dem biologischen Werden in gleicher Weise beantwortet. Daß die Bibelkritiker und Soziologen mit dieser biblischen Lösung nicht zufrieden sind, ist nur natürlich. Wird doch von ihnen jede biblische Erzählung mit großer Skepsis ausgenommen oder in das Reich der Legende verwiesen. Welche Mühe und Geistesschärfe haben die radikalen Kritiker in Bewegung gesetzt, um z. B. die Authentizität der Geschichte „Josef in Egypten" zu diskreditieren. Und doch haben die letzten Ausgrabungen im Orient Funde an das Tageslicht gefördert, die die biblische Erzählung von „Josef in Egypten" vollinhaltlich bestätigen. Gegen die biblische Auffassung des Agrikulturwesens führt ein Kritiker in der „Zeitschrift für Ethnologie", 35. Jahrg. Heft VI, folgendes an. „Es ist eigentümlich, daß sich die Hypothese der Entstehung unseres Ackerbaues durch das Seßhaftwerden der Hirten so lange halten konnte, da kommt nun freilich noch etwas merkwürdiges heraus, wenn wir bedenken, daß die durch lange Jahrhunderte allein ausschlaggebende Bibel ja davon gar nichts weiß; ohne daß die Rede davon ist, was auf dem Acker angebaut werden soll, wird dem ersten Menschen die Bestellung des Feldes zur Pflicht gemacht. Zugleich wird aber, wie dem menschlichen Weibe seine Bestimmung, das Mutterwerden zur Strafe gemacht wird, so auch dem Manne die auf seine und der Seinen Ernährung gerichtete, von der Gottheit selbst dazu bestimmte Tätigkeit, die Bestellung des Feldes a l s Strafe aufgelegt, der Acker wird nicht gesegnet, sondern verflucht." Allerdings, wenn man den Geist der Bibel aus sekundären Quellen schöpft oder man sich nur mit großer Mühe und Anstrengung im Urtext zurechtfinden kann, entstehen solche Syllogismen. In Wahrheit faßt die Bibel weder das Mutterwerden als Strafe auf, noch stellt sie den Ackerbau und dessen Ertrag als Fluch hin. Das gerade Gegenteil ist das Richtige. Erziehungsmaßregeln sollten, wie die Verweisung aus dem Paradiese, selbst auch die Lebensbedingungen sein, unter denen die Menschheit fortan sich zu betätigen hatte. Das gilt von der schmerzvollen physiologischen Gestaltung der Menschenfortpflanzung und mehr noch ton der Einführung des Ackerbaues. „Tau des Himmels und Fett der Erde" (Genesis 27, 28) ist eine der höchsten irdischen Segnungen, die die Bibel kennt. Ja, sie stellt sogar als unmittelbaren Lohn für Tugend und gottgefälligen Wandel den Segen des Feldes in Aussicht.