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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-04-23 · 17 (23.4.1909) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
17 (23.4.1909)
Date
1909-04-23
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Dr. Blochs Wochenschrift.!>ik. 17 Seite 3YL> Studien^-gewährten dem ans Zimmer Gefesselten Zerstreuung, doch dauerte es des Augenübels wegen noch geraume. Zeit, ehe er. seine Entdeckungen ordnen und yerausgeoen konnte. Den gesamten Traditionsstoff in dem Ziffernwert der Buchstaben nachzuweisen, dazu reicht ein einzelner Mensch kaum mit seinen Kräften aus, doch glaubte der Verfasser, daß er eine Sünde aus sich laden würde, wollte er das Gefundene länger der Öffentlichkeit vorenrhalten, da damit der Glorifizierung der Bibel ebenso sehr als dem Gedächtnisse gedient ist." «Neuzeit. Jahrg. 5, S. 55.) . Trotz seiner immensen talmudischen Gelehrsamkeit, die von den hervorragendsten rabbinischen Koryphäen der damaligen Zeit, wie Rabbi Markus Benedict in Nikolsburg, Rabbi Moses Sofer in Preßburg, Rabbi Wolf Wertheimer in Dobruschka, Rabbi Wolf Löw, Verfasser des bekannten Werkes „Schaäre Thora" usw. bewundert und besonders gewürdigt wurde, verschmähte es Rabbi Aron, ein offizielles Amt zu bekleiden. Wie sein sel. Vater, in dessen Fußstapfen zu treten er sich zur Lebensaufgabe gemacht, betrieb auch er ein Geschäft —^ er war nämlich Besitzer einer Branntweinbrennerei — und lehnte jeden, von irgend einer Großgemeinde an ihn ergangenen Ruf dankend ab. Den jeweiligen Ortsrabbiner von Jenikau achtete und schätzte er als geistlichen Funktionär, als religiöses Oberhaupt, als „Mara deatra", dem er.selbst die in seinem Hause vorgekommenen rituellen Fragen „Schaalot" zur Entscheidung vorlegen ließ. Dieses schöne Beispiel wirkte anregend auch auf die andern Gemeindemitglieder: daher kam es, datz in Jenikau der Rabbiner,, wie kaum in .einer anderen Gemeinde Böhmens, eine sehr geachtete einflußreiche Stelle einnahm. Sämtliche Gemeindemitglieder scharten sich um ihn, da sie ihn als ihren geistigen Vater und Berater betrachteten und verehrten'. Das Haus des Rabbiners bildete gleichsam den „Salon" der Gemeinde. Von einem Protzentum war damals in Jenikau noch keine Spur, obwohl es dort sehr reich begüterte Leute gab. Selbst diese rechneten es sich als Ehre an, sich gleich Rabbi Aron Kornfeld Hausfreunde des Rabbiners nennen zu dürfen. In seiner großen Bescheidenheit lehnte Rabbi Aron es entschieden ab, in seiner Gemeinde, der er mit allen Fasern seines Lebens, mit der ganzen Glut seines großen edlen Herzens bis zu seinem Lebensende treu anhänglich war, ein Vorsteheramt zu beficiöeu, sondern er Muo Zen seines Lebens ein schlichtes Mitglied seiner Gemeinde, zahlte seine Steuern wie jeder andere Jenikauer Jude, und war zugleich beflissen, arme Jünger — als er noch die „Jeschiba" in seinem Hause hatte — aus eigenen Mitteln zu unterstützen und ihnen Unterstand zu gewähren. Nicht nur die Talmudjünger, sondern auch viele arme und dürftige Leute ohne Unterschied der Konfession fanden im Kornfeldschen Hause zu jeder Zeit Unterstützung. R. Aron widmete überhaupt von dem Momente an, als er nach dem Tode seines Vaters das Geschäft übernahm, bis zu seinem Lebensende jährlich den fünften Teil seiner Einnahmen wohltätigen Zwecken. Kein Opfer war ihm zu groß, wenn es galt, Not zu mildern und zu lindern. Wenn er Gelegenheit fand, verschämte Arme im Geheimen zu unterstützen, fühlte er sich überglücklich, und war immer rasch zur Hand. Und wie Herzensgüte, ebenso zierte und schmückte ihn die Tugend der Gottergebenheit. Mit einer Resignation sondergleichen ertrug er, gleich einem Hillel das herbste Geschick und die Bitternis des Lebens, ohne daß je ein klagendes Wort seinen Lippen entfahren wäre. Im Jahre 1865 brach in G. Jenikau eine Feuersbrunst aus, Rabbi Aron, der hierdurch den größten Schaden erlitt, da sowohl sein Wohnhaus, als seine Fabrik ein Raub der Flammen wurde, stand felsenfest, unerschütterlich und unverzagt da. Er griff rasch nach seinem Talisbeutel, — das einzige, was er retten konnte, — verließ das brennende Haus und dankte dem Allgütigen, daß er ihn heimgesucht. Bald nach dieser Katastrophe eilte ein Freund zu ihm und wollte ihn trösten, allein der Rabbi bedurfte seines Trostes nicht. Der Besucher, der da glaubte einen Tiefgebeugten zu finden, war höchst überrascht, als er den frommen Mann traf, in dem Momente, da er mit einem Talmudgelehrten in einer lebhaften Diskussion über eine schwierige Rambamstelle begriffen war. Vier Wochen später, am 17. Ab 1865 feierte Rabbi Aron seinen siebzigsten Geburtstag. In seiner Bescheidenheit beabsichtigte er, dieses Fest im Stillen, im engsten Kreise seiner Familie zu begehen, allein von nah' und fern eilten Freunde und Verwandte herbei,. um dem berühmten Lehrer Beweise ihrer Hochachtung und Verehrung zu liefern. Mit seiner edlen, frommen und wackern Gattin Julie lebte Rabbi Aron 65 Jahre langhin äußerst glücklicher Ehe. Als sie am 18. September 1880 das Zeitliche gesegnet, rief er aus: „Ich danke dir, o guter Gott, daß du mir die große Gnade erwiesen, mir sie. so lange zu schenken." Von diesem Momente an begann er, der sich bis dahin der besten Gesundheit und Geistesfrische erfreut hatte und sogar noch ein Jahr vor seinem Tode am Neujahrsfeste als Baal Tokea in der Synagoge fungierte, zu siechen, und in der Nacht.vom;26. auf den 27. Oktober 1881 wurde dieser Gaon, diese Leuchte..- Israels, vom Schauplatze seiner langjährigen segensreichen Tätigkeit abberufen. Das Leichenbegängnis fand Sonntag den 30. Oktober 1881 unter ungewöhnlich großer Teilnahme statt. Zahlreiche Deputationen aus vielen Gemeinden waren erschienen, um dem edlen Heimgegangenen das letzte Geleite zu geben. Aus Prag waren Oberrabbiner Hirsch, Rabbiner Adler, Rabbiner Dr. Bak, eine Deputation der Chewra Kadischa, deren Ehrenmitglied der Verewigte war, und viele andere Honoratioren erschienen. Auch die Rabbiner Dr. Guggenheimer, Polatschek, Lengsfelder usw. waren anwesend. Um 1 Uhr nachmittags waren die Trauernden, zu denen sich auch viele christliche Bürger, die Stadtvertretung und die Geistlichen des Ortes gesellten, um die Bahre versammelt. Die Rabbiner traten ein und stellten sich an den Sarg. Die erste Trauerrede hielt der Ortsrabbiner Zacharias Spitz sel. And., der in dem Verewigten einen überaus treuen Freund und Gönner besessen hatte. Wehmutsvoll rief er aus: „Viel, unsäglich viel haben die Söhne, die Geschwister und Verwandten, die Gemeinde, die ganze jüdische Welt verloren: aber in meinem tiefen Schmerze rufe ich aus: Mein Lehrer, mein Meister, mein Vater, mem Freund, imm Ratgeber, meine Stütze, mein Stab, Mate Aharon, der Blüten und Früchte getragen, liegt vor mir gebrochen. Bei meinem Eintritte in Jenikau, vor einem Vrerteljahrhundert, ging mir Aron entgegen, und da folgte ihm die ganze Gemeinde nach, mich zu begrüßen. Dir, Rabbenu Hakodausch, hatte ich es zu verdanken, daß ich zu jener Zeit, da so viele Lomde Thora hier waren, meine Stellung behaupten konnte: du warst mir auch K'suß Enaji.n nach außen hin. Von dir und deinem großen Bruder Rabbi Misch! Kornfeld, konnte ich sagen : „Aron und Mischl unterstützten mich, von dieser Seite einer, und von dieser Seite einer." Dann wurde der Sarg von den Verwandten des Verewigten aus . dem Trauerhause in den schwarz dekorierten großen Tempel getragen und vor der Bundes-

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