Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 17 (23.4.1909)
- Date
- 1909-04-23
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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;>*r. 17 Dr. Blochs Wochemchrift. Geste 303 lade aufgestellt, wo Herr Oberrabbiner Hirsch dem großen Lehrer in Israel einen äußerst warmen Nachruf widmete. Auch die Rabbiner Lengsfelder und Polatschek schilderten in beredten Worten die hohen Tugenden und unvergänglichen Verdienste des Verewigten. R. Mordechai Bär hatte neben R. Aron noch andere Kinder. Sein jüngster Sohn Moriz war der Vater des Barons Sigmund Kornfeld. Moriz Kornfeld heiratete eine Dame von hoher Intelligenz, Marie Rosenbacher, eine Tochter des Simon und der Libuscha Rosenbacher, letztere geb. Bloch aus Sulzbach in Bayern. Soviel zur Biographie der Familie Kornfeld. Literatur. Zur Tragödie der Wiener Jüdin Leonore (LULL). Ein demnächst zur Ausgabe gelangendes Buch, „D a s Wiener Ghetto. Seine Häuser und seine Bew o h n e r". (Quellen und Forschungen zur Geschichte der Juden in Deutsch-Oesterreich, 2. Band), enthält in einem Anhang eine fär die Geschichte der Juden in Wien bisher unberücksichtigt gebliebene Quelle, nämlich das Totenprotokoll der Stadt Wien, das mit dem Jahre 1648 beginnend bis zum Jahre 1669 auch die auf Juden bezüglichen Beschaudaten registriert. Hier findet sich nun unter dem 17. März 1651 folgende Eintragung (Seite 267 meines Buches): „Dann die Lenora Jüdin Wittib, welche gestern vorm rothen Thurn erschossen worden, ist vom Khay. Stattgericht beschaut, a l t 50 I." . Diese wichtige Eintragung gibt also über das Datun des Ereignisses, Stand und Alter der Ermordeten befriedigende Auskunft. Dr. Jgn. Schwarz. Der Kabbalist, Trauerspiel in drei Auszügen von I. E. de Sinoja, ist unlängst in E. Piersons Verlag, ' Dresden, erschienen. Der. Verfasser, obwohl Oekonom und Großindustrieller, ist doch kein Neuling auf schriftstellerischem Gebiete; denn außer zahlreich :n Aufiätzen in verschiedenen Zeitschriften und Fachblättern hat er auch, mehrere, gehaltvolle Werke verfaßt. „Der Kabbalist", dem Herzog von Sachsen-Meiningen und Hildbürghausen gewidmet, ist ein Werk, welches Beachtung und Anerkennung verdient. Ort der Handlung ist Toledo in der zweiten Hälfte des vierzehnten Jahrhunderts. Wer dps Buch zu lesen beginnt, wird es nicht aus der Hand geben, bis er die Lektüre beendet hat; denn die Handlung ist spannend, die Dialoge dem Milieu angepaßt und in klassischem Stile gehalten. Ueberdies enthält der „Der Kabbalist" eine Menge von prächtigen Sentenzen, die anregend auf Herz und Gemüt wirken. Es seien nureinige hier angeführt: „Ein häßlich Laster ist der Undank — hüte Dich, ihm nicht anheimzufallen." (S. 5.) „Das Wissen findet an sich selbst Genügen; dem Studium unserer heiligen Bücher winkt kein irdischer Lohn." (S. 6.) „Nur eine Geistestat ist groß und ewig, weil Gottes Geist sie .wiederspiegelt: Die Thora unseres großen Lehrers Moses." (S. 10). „Nur döse Menschen plagen böse Träume." (S. 13.) „Bitteres Weh^'geduldig tragen — Tiefsten Schmerz in sich begraben — Das ist Judas.traurig Los." (S. 45.) Das Werk braucht nicht empfohlen zu werden, weil es sich selbst empfiehlt; aber^ aufmerksam möchte ich unsere Glaubensgenossen, namentlich die jüngere Generation, auf dasselbe machen. Ad. St. Neue Bücher. Heinrich Grünau. „Unterwe g s", Drama aus dem jüdischen Leben. Preis broch. M. 1.50, geb. M. 2.—. „Jüdischer Verlag" G. m. b. H., K ö ln und L e i p z i g, 1909. B. Manassewitsch s Grammatik der hebräischen Sprache für den Selbstunterricht. Theoretisch-praktische Sprachlehre für Deutsche. Völlig umgearbeitet von Dr. Bernhard T e m P l e r. Dritte Auflage. A. H a r t l e b e n's Verlag in Wien und Leipzig. Neue Gutuchte» über das jüdisch-rituelle Schlachtverfahren (Schächten). Gesammelt von Doktor Hirsch-Hildesheimer. Herausgegeben vom Verband der deutschen Juden. Berlin 1908. §vitfkafkm* S. N. Die Porträtausstellung des Kaiser Friedrich-Mufeums- Vereines in Berlin zeigt eine Liste von Ausstellern mit den Namen Arnhold, Berl, v. Dirksen, Feist, Frenkel, v. Friedländer-Fould, Gans, Hainauer, v. Hollitscher. Huldschinsky, Kappel, Kocherthaler,, Koppel, v. Mendelssohn, Rosenberg, v. Schwabach, Ed. Simon, James Simon, Weisbach. Es findet sich kein Name von altem Adel darunter, aber viele erst jüngst nobilitierte Herren und viele jüdischer Abstammung. Mit Recht fragen die Künstler und Kunstsachverständigen, warum man die Namen jener schwerreichen Leute aus dem grundbesitzenden Hochadel in der Liste vermißt. Gehört keiner von ibnen dem Kaiser Friedrich- Museums-Verein an und fand sich in ihren Häusern nie Einer, der neben der traditionellen Sportpassion auch ein vornehmes Mäzenatentum pflegte? Die Kgl. Bibliothek hat jüngst eine Karolingische Prachthandschrift erworben: das Prümer Evangelienbuch Kaiser Lothars. Um den Ankauf (für 80.000 Mk. D. Red.) zu ermöglichen, mußte Geheimrat Harnack sich an den Patriotismus wohlhabender Gönner wenden. Da gesellten sich den Namen Arnhold, v. Mendelssohn, Rosenthal, Scherl, Speyer, Darmstädter, Werthauer auch der Graf Tiele-Winckter und der Fürst Hrnkel-Donnersmark an. Im Allgemeinen aber wird man staunend fragen können: wo steckt der reiche alte Adel,. wenn es sich um die Forderung von Kunst, Wissenschaft undLiteratur handelt?" Dr.L.Schw in E. Die gewünschte Adresse ist: Meran, Villa Ruth. H. U. in B. „Und Carmen Sylva dichtet": „Was Gott hat aufgetragen, — Es ist mit Gott erreicht". — Durch welche Propheten hat Gott dem König Carol aufgetragen, 600.000 Juden als Fremdlinge zu entrechten? Die Anrufung Gottes für derlei Negierungsgrundsätze ist nahezu Blasphemie. Dr. K. § 61 des österreichischen bürgerlichen Gesetzbuches ckann als Ehehindernis nur in dem Falle Geltung haben, wenn der christliche Ehewerber österreichische Staatsbürgerschaft besitzt, nicht aber, wenn der jüdische Ehewerber österreichischer Staatsbürger ist. Proßnitz, jüdische Kaffeegäste. Jawohl, das Aufrufen dieses Jünglings anläßlich seiner Barunzwah ist wohl gestattet. R. Ein solches Heim existrert in Wien nicht. Rabbiner Dr. K. in K. In dem von Ihnen erwähnten Falle ist es Aufgabe und Pflicht der Kultusgemeinde, bei dem Bezirksschulrat schriftlich Beschwerde zu erh.'ben und im Falle der Erfolglosigkeit an den Landesschulrat heranzuleten. Dr^ M. St. in R. In Wiener Beihäusern bleibt wahrend des „Aushebens" die heilige Lade geöffnet bis nach Rezitation des Schema. Notizen. Wiener Versicherungs-Gesellschaft. Unter dem Vorsitze des VerwaUungsrats-Präsioenten Herrn Paul Ritter von Schoeller hat diese Gesellschaft am 17. April d. I. ihre XXVIIl. ordentliche Generalversammlung abgehalten. Vor Erledigung der Tagesordnung wid-' mete der Vorsitzende dem im Dezember vorigen Jahres verstorbenen, verdienstvollen Verwaltungsrate Herrn Johann Edlen von Medinger einen ehrenden Nachruf Dem Jahresberichte ist zu entnehmen, daß die Entwicklung des Geschäftes neuerdings erfreuliche Fortschritte gemacht hat und daß die Gesellschaft in der Lage ist, obgleich das Jahr 1908 in der Feuer- und Hagelversicherungsbranche außerordentlich schadenreich war, dennoch bei reichlicher Dotierung sämtlicher Reserven eine gleich Hobe Dividende wie im Vorjahre zur Verteilung zu bringen. In der Feuerversichernngsbranche, sowie in den Nebenbranchen wurden Werte im Belaufe von K 2.272,901.507'— versichert und eine Prämieneinnahme von X 11,842.970-98 erzielt. Die Schadenzahlungen betrugen unter Berücksichtigung der pendenten Schäden L 8,273.341-88. In der Transportversicherungsbranche wurden nach einem Versicherungswerte von K 55,060.951-— zuzüglich der Polizzengebühren X 555.869-71 an Prämien vereinnahmt, dagegen beliefen sich die bezahlten und reservierten Schäden auf X 404.947-70. Die Versicherungssumme in der Hagelversicherungsbranche betrug X 56,911.235-—, die Prämieneinnahme X 1,989.788 80, während für Schadenzahlungen L 2,293.853-92 verausgabt wurden. Das Portefeuille der in späteren Jahren fälligen Pramienschrine bezifferte sich Ende des Jahres 1908 auf X 25,855.60816. Die Fonds der Gesellschaft betrugen mit Schluß des Jahres 1908 X 8,883.810-50 und erscheinen durchwegs in erstklaffigen Werten plaziert. Nach Erteilung des Abwlutoriums wurde beschlossen, von dem Reingewinne per X 459.024-28 nach Kürzung der statutenmäßigen Tantiemen an den Verwaltungsrat und Vorstand a) dem Allgemeinen Kapital-Reservefonde X 50.000'— zuzuwenden, wodurch derselbe die Höhe von X 1,050.817-70 erreicht; d) dem Pensionsfonde der Beamten und Diener der Gesellschaft die laut Statut zuzesicherte Beitragsleistung, welche per 1909 zirka X 54.000-— betragen würde, auf X 60.000-— abgerundet, zuzuwenden, wonach sich das Vermögen dieses Fonds auf X 761.010-67 beläuft; e) X 260.000 -