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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-04-23 · 17 (23.4.1909) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
17 (23.4.1909)
Date
1909-04-23
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 17 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 30l Feuilleton. Uabbi Aron Kornfeld ans G.-Iemka». Voll Dr. M. H. Fricdländer. 2n G. Jenikau, einer allen Gemeinde, die einst zu den intelligentesten Gemeinden Böhmens zählte, lebte im achtzehnten Jahrhundert ein äußerst würdiger und. gelehrter Mann, namens Mordechai Beer Kornfeld, der in seiner Jugend die talm. Hochschule des berühmten Prager Oberrabbiners Ezechiel Landau besucht und sich nicht nur durch gründliche talm. Gelehrsamkeit, sondern auch durch Seelenadel, Herzensgüte und Eharakterfesligkeit ausgezeichnet hatte. 51. Mordechai Beer, bekleidete kein offizielles Amt, obgleich er zu den hervorragendsten rabbinischen Autoritäten damaliger Zeit gezählt wurde, sondern widmete einen Teil seiner Zeit dem Geschäfte, während er in seinen Mußestunden zahlreichen wißbegierigen Jüngern talmudische Vorträge hielt. Am 17. Ab 1795 wurde ihm sein erster Sohn geboren, dem er den Namen Aron beilegte. Der geistig begabte Aron wurde nach damaliger Sitte frühzeitig in Bibel und Talmud unterrichtet. Er war kaum zehn Jahre alt, als er schon seines seltenen Scharfsinnes und staunenswerten Gedächtnisses wegen die Aufmerksamkeit der Talmudisten seiner Heimatsgemeinde, deren Zahl eine nicht unbeträchrliche war, auf sich lenkte und deren Bewunderung erregte. Sein Lehrer war sein Vater R. Mordechai Be^r. Als jedoch dieser im Jahre 1813 das Zeitliche gesegnet, übernahm sein Sohn Aron im Alter von 18 Jahren die von jenem so trefflich geleitete „Jeschiba" und versammelte um sich eine Jüngerschar, die er zu den Aposteln des talmudischen Studiums heranbilden wollte. Männer wie Jg. Kuranda, S. Szanto, Rabbiner W. Landau, Kreisrabbiner Friedmann, Rabb. A. Mauders, Haller, Lengsfelder und viele andere gingen aus dieser trefflichen Schule, in der wohl die Lügenwirtschaft der von Jakob Pollak im 16. Jahrhundert eingeführten sophistisch-pilpulistischen Methode, nicht aber das Studium der profanen Wissenschaften verpönt war, hervor. Sehr treffend charakterisierte sein Schüler Dr. E. Kraus seine Vortragsweise, indem er schreibt: „Bei seinen talmudischen Vorträgen war seine Methode eine doppelte." In erster Reihe war es ihm um den einfach-richtigen logischen Sinn schwieriger, widersprechender oder undeutlicher Stellen im Talmud, dessen Kommentatoren und sogenannten Dezisoren (Poskim) zu tun. Er verfolgte dann den Gegenstand der Forschung bis auf die ursprünglichen Grundlagen, und selten, beinahe nie, mißlang es ihm, die richtige Deutung durch eine Reihe logischer Schlüsse zu finden und aufs Ueberzeugendste darzulegen. Dies war das eigentliche Ziel und das charakteristische Wahrzeichen seiner Lehrmethode. Dabei verschmähte er nicht, nach Art der besseren späteren Talmudforscher. Acharonim. etwa nach jener des „Zelach" oder „Pene Jehofchua" u. dergl. schwierige Stellen der Rischonim, namentlich des Maimonides, Raschi, Tosafoth usw. durch Aneinanderreihung scharfsinniger, aber der eigentlichen tieferen reellen Basis entbehrender, mitunter sophistischer Argumente zu lösen, dann aber verleugnete er es den Hörern nicht, daß dieses nicht die wahre Methode sei, und fügte bei, diese Art des Talmudlehrens geschehe nur aus didaktischen Rücksichten, zur Schärfung der dialektischen Kräfte der Lernenden, lechidude, habe aber keinen reellen Wert und dürfe nie dort angewendet werden, wo es sich um praktische Konsequenzen für die dogmatische oder rituelle Entscheidung, ledina, handle." R. Aron, der ein Kenner der Geschichte, Geographie und Mathematik war, empfahl seinen Schülern das Studium der Bibel-Eregese aus das Angelegentlichste. Ungefähr drei Dezennien widmete er seine ganze Kraft in edelster und uneigennützigster Weise dieser Schule. Als ihn jedoch im Jahre 1843 ein heftiges Wechselfieder überfiel und für lange Zeit einen intensiven Kopfschmerz zurücklietz, sah er sich zu seinem tiefsten Bedauern genötigt, die „Jeschiba" aufzulassen. Zwei Jahre später hatte sich sein Zustand derart gebessert, daß er sich wieder seinen Studien hingeben und allsabbathlich vor einem talmudisch gebildeten Auditorium in seinem Hause Vorträge halten konnte. Im Jahre 1861 mußte er infolge eines hartnäckigen Augenleidens auch diese sistieren. Während seiner Augenkrantheit verfaßte er lediglich aus dem Gedächtnisse ein Werkchen unter dem Titel „Zijunim ledibre hakabala" (Merkzeichen für traditionelle Diskussionen), worin mehr als dreihundert Dezisionen und Auslegungen durch den Zahlenwert der betreffenden Schriftstelle mnemotechnisch dargestellt werden. Ueber dieses treffliche Werkchen äußerte sich Szanto unter anderem in folgender Weise: Der Verfasser gehl von der Ansicht aus, daß in Gottes Werken und Schöpfungen kein Zufall walten könne und daß in der Natur wie in der Geschichte die Nebenumstände und die selbst äußerliche Form mit in den Plan der Vorsehung gehören und durch den letzten Endzweck alles Seienden bedingt sind. Es ist nicht Zufall, daß das eine Tier behaart, das andere nackt, des einen Baumes Laub gerändert, des andern ungerändert erscheint, vielmehr ist jede Form und jede Konstruktion in den Bestimmungen und in dem individuellen Wesen, also in dem ursprüngWhen Zweck vorbedacht und prädestiniert. Es kann also auch in der Bibel, in dem Buche Gottes, weder die Wahl, der Ausdrücke, noch der Lautgehalt der einzelnen Wörter etwas Zufälliges sein, sondern es muß jede anscheinende Aeußerlichkeit als Mittel des großen Offenbarungszweckes betrachtet werden, in der sich irgendwie ein besonderer Wille Gottes manifestiert. Da aber die hebräiischen Buchstaben auch einen Zahlenwert haben und mithin jedes Wort als bestimmte Ziffer angesehen werden kann, so wird ohne Zweifel auch dieser zufällig scheinende Zahlenwert irgend eine Revelation des göttlichen Willens andeuten. „Wende man", sagt der Verfasser, „dagegen ein, daß nach diesem Prinzipe ja auch das erste Wort der Thora „Bereschit", das gleich 913 ist, einen Zahlenwert wie „Schaw woscheker" (Lug und Trug) hätte, so sei darauf zu erwidern, daß eben die Tradition als Regulativ für die Ausdeutung des Zifferinhalles zu gellen habe. Ebenso wie Gott es zuläßt, daß auch falsche Propheten Wunder verrichten, um durch den Kampf mit der Versuchung die Kraft des Glaubens zu Wen, fo gestattet sein heiliges Thorawort auch die falsche Zifferndeutung, um die Wahrheit nur im Wege der Tradition eruieren zu lassen, die mündliche Satzung durch Berechnung wieder zu finden. Es gelte nun den Versuch zu machen, wie sich die mündliche Lehre durch Entzifferung in des Wortes engstem Sinne, d. h. durch Transponierung der Ziffer in eine gleiche Zahlengröße mittels Mutation die Buchstaben wieder herausfinden ließe. Nun ist der Verfasser im Jahre 1863 durch die göttliche Hilfe von seinem Staar am linken Auge geheilt worden: während der Kur, die mehrere Monate dauerte, verhindert zu lesen, suchte er geistige Beschäftigung in der Meditation über talmudische Themata. Dabei geriet der Verfasser auf eine auffallende Verschiedenheit in den Parallelstellen eines Gesetzes, die er sich nur durch Anwendung der geschilderten Methode erklären konnte, und so wuchs denn alljährlich eine stattliche Kollektion von Entzifferungen an. die er einstweilen seinen Söhnen und Verwandten in die Feder diktierte. Diese

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