Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 11 (12.3.1909)
- Date
- 1909-03-12
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 186 De. Blochs Wochenschrift. Nr. 11 Ein Dankschreiben des Asyles für mittellose, kranke Israeliten in Meran für die Glückwünsche des Kultusvorstandes anläßlich der Eröffnung des neuen Hauses. Eine Mitteilung des Wohltätigkeitsamtes, daß der Hietzinger israelitische Frauenwohltätigkeitsverein aus der Reihe der verlaffenen Kinder 25 Kinder mit vollständiger Bekleidung und 48 Kinder mit Wäsche beteilt hat. Im Präsidialberichte teilt der Präsident mit, daß, wie aus den Tagesblättern bereits bekannt ist, am 8. Februar 1909 das Spital der israelitischen Kultusgemeinde durch einen Besuch Sr. kais. und kön. Hoheit des Herrn Erzherzogs Josef Ferdinand ausgezeichnet wurde. Der hohe Besuch war der Gemeinde wenige Stunden vorher in sehr überraschender Weise angekündigt worden und waren bei dem Empfange Sr. kais. Hoheit die Aerzte dieses Spitales, an deren Spitze der Spitalsdirektor Hofrat O s e r, ferner die Pflegerinnen mit der Oberin Fräulein Emma L e w i und für den Vorstand der Präsident der Kultusgemeinde und Baurat S t i a ß n y, welcher als Erbauer des Spitales telephonisch eingeladen war, anwesend. Der Präsident hatte die Ehre, Se. kais. Hoheit zu empfangen und Herrn Hofrat Oser, sowie die anderen Anwesenden vorzustellen. Se. kais. Hoheit bemerkte gleich beim Empfange, daß ihm über die Behandlung der Kranken viel Rühmliches mitgeteilt wurde und . dies die Veranlassung seines Besuches sei. Se. kais. Hoheit unterzog sohin das Spital einer eingehenden Besichtigung, drückte über die Einrichtung seine vollste Anerkennung aus und sprach auch mehrere Kranke an. Einer derselben, ein Hauptmann, ist vor wenigen Tagen gestorben und eine letzte Genugtuung und Freude waren für denselben die huldvollen Worte, welche Se. kais. Hoheit an ihn richtete. Die Tagesblätter, welche einen ausführlichen Bericht brachten, werden dem Protokolle der heutigen Sitzung angeschlossen. In Bezug auf die Errichtung des vom israelitischen Waisenvereine in Gemeinschaft mit der Kultusgemeinde geplanten Knabenwaisenhauses teilt der Präsident namens des Vertreterkollegiums mit, daß der Beginn des Baues deshalb, verzögert wurde, weil der bereits erteilte Baukonsens in mancherlei Beziehung derartige Bestimmungen enthalte, daß auf dieselben nicht eingegangen werden kann. Der Vorstand des Waisenvereines habe auch über Anregung des Kultusvo.standes gegen die betreffenden Bedingungen den Rekurs an den Landesschulrat erhoben, bis zu dessen Erledigung mit dem Baue nicht begonnen werden wird. Der Bericht wird zur Kenntnis genommen und werden die in dieser Angelegenheit getroffenen Verfügungen des Präsidiums und des Vertreterkollegiums einhellig gutgeheißen. Am 4. März 1909 wurde der Zyklus der vom Kultusvorstande veranstalteten Vorträge geschlossen. Die in dieser Saison abgehaltenen Vorträge waren folgende: Morris R o s e n f e l d: Rezitation eigener Dichtungen. Rabbiner Dr. Max Grunwald 6 Vorträge und zwar: Oesterreichs Juden unter Kaiser Franz Joseph I. — Das Kind in der jüdischen Geschichte und Volkskunde. — Ein jüdischer Künstler. — Juden als Elfinder und Entdecker. — Jüdische Maler. — Mark Antokolski. Kustos Dr. S. Frankfurter: Das altjüdische Erziehungswesen im Lichte moderner Bestrebungen. Rabbiner Dr. L. G o l d s ch m i d t, Proßnitz : lieber jüdisches Fremdenrecht. Heinrich Ior k-S t e i n e r: Vorlesung eigener Dichtungen. Skizzen und Novellen. Köuigl. Geheim. Regierungsrat Professor Dr. Ludwig Geiger, Berlin: Johann Reuchlin und sein Kampf um die Bücher der Juden. Rabbiner Dr. D. F e u ch t w a n g : Der Rabbi von Rothenburg. Oberrabbiner Dr. M. G ü d e m a n n : Wie sollen wir die Bibel lesen? Mit vollem Fug und Recht muß ausgesprochen werden, daß diese Vorträge, wie deren Anführung zeigt, ein weites Gebiet des Wissens umfassen, durchwegs, sowohl im Inhalte als auch der Form nach auf der Höhe standen, bei den zahlreichen Anwesenden das lebhafteste Interesse, den vollsten Beifall fanden, so daß der Wunsch nach Weiterentwicklung dieser vortrefflichen Einrichtung laut wurde. Allen Vortragenden, sowohl den hier wohnhaften, als auch den von auswärts gekommenen Herren gebühre der vollste, wärmste Dank. — (Lebhafte Zustimmung). In der wirkungsvollsten Weise wurde die Reihe der Vorträge durch den geradezu glänzenden Vortrag unseres Herrn Oberrabbiners geschlossen, und wenn wir uns gegenwärtig halten einerseits den hohen Wert dessen, was geboten, andererseits die Empfänglichkeit, mit der das Gebotene ausgenommen wurde, so dürfen wir mit einer kleinen Einschaltung einen Vers der gestern verlesenen Megilla uns sagen: „Bei den Juden war und ist Licht". Endlich berichtet der Präsident über jene Schritte, welche der Vorstand der Kultusgemeinde gemeinsam mit dem Allgem. österr. israel. Bund in Angelegenheit der Vertretung der Juden in dem demnächst zu schaffenden Landtag für Bosnien und die Herzegowina unternommen hat. Dieser Bericht wird mit Befriedigung zur Kenntnis genommen. Zu Mitgliedern des Bethausvorstandes für die Bezirke XII—XV werden die Herren Jonas K ö n i g st e i n, Siegmund Oesterreicher und Alexander Simon berufen. Nach Erledigung von Personalien und Steuer-Angelegenheiten wird die Sitzung um 2 Uhr nachmittags geschloffen. Zur Frage der Gememdesparkasse. Seitdem Herr Kultusvorsteher Mar Frank gelegentlich seines Referates über den Rechnungsabschluß .pro 1907 den Gedanken ausgesprochen hat, daß zur Mehrung der Einkünfte der Gemeinde eine Sparkaffe errichtet werden sollte, ist dieser Gedanke wiederholt publizistisch erörtert worden (zuletzt in Nr. 10 der „Oesterr. Wochenschrift") , ohne daß irgend welche Zweifel an der Durchführbarkeit dieses Projektes geäußert worden wären. Ja, die ganze Angelegenheit wurde als so einfach und selbstverständlich aufgefaßt, daß dem. Kultusvorstande insgesamt und dem Herrn Referenten insbesondere Saumseligkeit zum Vorwurf gemacht wurde. Der Kultusvorstand hatte aber bisher noch keine Gelegenheit, sich mit der Frage zu befassen und zu derselben Stellung zu nehmen, weil ein formeller Antrag auf Errichtung einer Gemeindesparkasse von keiner Seite gestellt worden war. Es ist eben bisher nur bei der oben erwähnten gelegentlichen Anregung geblieben. Sobald nun ein präziser Antrag vorliegt, müßte der Kultusvorstand zunächst mit sich zu Rate gehen, ob die Errichtung einer Sparkasse in seine Kompetenz fällt. Gewiß wird man geneigt sein, Bedenken durch Hinweis auf die vielen Sparkassen, welche von Gemeinden errichtet wurden, zu begegnen. Man darf aber nicht übersehen, daß die Aufgaben der politischen Gemeinden, insbesondere der Kommune Wien, viel weiter gesteckt sind, als jone der Kultusgemeinden, und daß die Konnivenz der Behörden gegenüber der Kommune Wien manche Anstalten ermöglicht, welche nicht in den Rahmen des statutarischen Wirkungskreises der Gemeinden gehören. Ganz anders steht es nun mit den Kultusgemeinden, deren Aufgabe nach dem Gesetze die Befriedigung der religiösen Bedürfnisse ihrer Mitglieder ist. Selbst das Statut der Wiener Kultusgemeinde, welches eine Erweiterung des Pflichtenkreises vollzogen hat. indem dasselbe auch die Errichtung und Förderung von Wohltätigkeitsanstalten nach. Maßgabe der vorhandenen Mittel in die Aufgabe der Gemeinde einreihte, vermag die Errichtung einer Sparkaffe oder — wie weiter vorgeschlagen wurde — einer Versicherungsanstalt nicht zu rechtfertigen. Derartige Anstalten bedürfen einer staatlichen Konzession, und es kann gewiß nicht damit gerechnet werden, daß eine Kompetenzüberschreitung übersehen oder gar gebilligt werden wird. Dazu kommt, daß Sparkassen nur dann prosperieren können, wenn den Einlegern die Sicherheit ihrer Ein-