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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-03-12 · 11 (12.3.1909) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
11 (12.3.1909)
Date
1909-03-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 11 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 185 zeichnet werden. Dadurch wird im Hinblick darauf, daß sich, wie die Knaben, auch die Mädchen freiwillig zum Prüfen melden und bald das eine, bald das andere Eebetstück aufsuchen müssen, das Orientieren im Gebetbuche wesentlich gefördert. Die Erfahrungen, die bisher mit dem Mädchenunterrichte in Bibel- und Religionsschulen gemacht wurden, sind überaus erfreulich und ermutigend, so daß die Ausgestaltung der Vibelschulen nach dieser Richtung hin dringend zu empfehlen ist. — Ein Moment, welcher sich im Unterrichtsbetriebe der Bibelschule weit mehr geltend macht und von größerer Bedeutung ist, als man gewöhnlich annimmt, ist der Beginn und Schluß des Unterrichtes am Anfänge und Ende des Schuljahres. Es soll Bibelschulen geben, welche die Schülereinschreibungen und die Aufnahme des Unterrichtes nicht frühzeitig genug ansetzen können. Roch ehe an den öffentlichen Schulen die Stundenpläne festgesetzt wurden und eine gewisse Ordnung und Stetigkeit platzgegriffen haben, ist an der Vibelschule der Apparat bereits in Tätigkeit. Solcher Uebereifer gereicht unserer Ansicht nach dem Unterrichte und der Disziplin an der Bibelschule nur zum Nachteile. Ist der Unterricht an den öffentlichen Schulen, aus welchen sich die betreffenden Schüler rekrutieren, nach einiger Zeit nach definitiv festgelegtem Stundenpläne in vollem Umfange ausgenommen, so ergeben sich infolge Stundenkollision Schwierigkeiten und Hindernisse, die mehreren Schülern den Besuch der Vibelschule unmöglich machen. Französisch, Turnen, Singen sind gewöhnlich die Klippen, an welchen der Besuch der Vibelschule scheitert. Der allzufrühe Einschreibungstermin bedingt ein ewiges Gehen und Kommen, ein Durcheinander, eine Unordnung, so daß von einem ruhigen Unterrichtsgange keine Rede ist. Dies und viel vergebliche Arbeit des Lehrers bleiben erspart, wenn man die Einschreibung und den Unterrichtsbeginn auf einen späteren Termin ansetzt, an welchem die Verhältnisse an der öffentlichen Schule bereits geklärt und die Schüler mit ihrer Zeiteinteilung im Reinen sind. Auch hierauf ist das Wort Rousseaus zu beziehen: Die Unterweisung der Kinder ist eine Beschäftigung, wo man Zeit zu verlieren verstehen muß, um welche zu gewinnen. Aehnlich verhält es sich mit dem Schulschlusse an der Bibelschule'. Sowie die schöne Jahreszeit sich einstellt, besonders aber mit dem Inkrafttreten des ungeteilten Vormittagsunterrichtes, wird erfahrungsgemäß die Frequenz der Bibelschule allmählich geringer. Der Lehrer ist nicht imstande, das Sinken der Schülerzahl aufzuhalten, und es soll Vorkommen, daß er gegen Ende des Monates Juni auf das Erscheinen weniger Schüler warten muß, um den Unterricht beginnen zu können. Welchen Wert hat nun ein Unterricht, der infolge der unregelmäßigen Frequenz der Schüler an den vorher behandelten Lehrstoff nicht anknüpfen kann und überdies bei drückender Hitze Kindern erteilt wird, deren Gedanken am Spielplätze weilen, von weißem sie eben hergelaufen kamen. Es ist aber, glauben wir, auch dem Ansehen der Bibelschule abträglich, wenn man den Unterricht am Ende des Schuljahres, anstatt feierlich zu schließen, sozusagen an Kinderlosigkeit eines langsamen Todes sterben läßt. Ein zeitlicherer Schulschluß, etwa mit Mitte Juni, tut den Unterrichtserfolgen nicht nur keinen Eintrag, sondern ist von pädagogischem Standpunkte dem trägen, interesselosen Unterrichte, wie er sich in den letzten vierzehn Tagen des Schuljahres bei nahezu leeren Bänken gestaltet, entschieden vorzuziehen. Der Schulschluß an der Bibelschule soll, wie bereits erwähnt, nicht sang- und klanglos erfolgen. Der Schüler hat ein Anrecht auf ein Wort der Belobung oder ein Zeichen der Anerkennung seines während eines ganzen Jahres bekundeten Fleißes. Von dieser Auffassung geht zweifellos auch die neue Schul- und Unterrichtsordnung aus, wenn sie (§ 80) sagt, daß bei geeigneten Anlässen, wie bei der Ausfolgung von Zeugnissen, im Falle des Vorhandenseins zulänglicher Mittel, die Schulkinder mit guten Büchern und anderen zweckmäßigen Gaben beschenkt werden können, daß die Beschenkung auf möglichst viele Kinder auszudehnen sei und nur die Nachlässigen und Ungesitteten davon auszuschließen wären. Was an der öffentlichen Schule zulässig und empfehlenswert ist. erscheint an der Bibelschule, in Anbetracht des fakultativen Schulbesuches, notwendig und darf mit vollstem Rechte als Forderung geltend gemacht werden. Es braucht am Schulschlusse nicht gerade eine öffentliche Schau- und Reklameprüfung mit großer Einladung stattzufinden. Von Zeit zu Zeit soll allerdings auch eine solche Veranstaltung nicht fehlen. Für gewöhnlich genügt es, wenn der letzten Unterrichtsstunde des Jahres durch Anwesenheit des Rabbiners, des Vereinsvorstandes, eventuell auch eines Delegierten des Kultusvorstandes ein gewisses feierliches Gepräge verliehen und in einer Ansprache der regelmäßige Besuch, der besondere Fleiß einzelner Schüler hervorgehoben wird. Besonders tüchtige Schüler und Schülerinnen aber wären durch Prämien in Form von entsprechenden Büchern auszuzeichnen. Die Vibelschule darf auf ein solch kräftiges Agens, das bei den Kindern einen nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen geeignet ist, nicht Verzicht leisten. Die am Schulschlusse zu gewärtigende Belobung oder Prämiierung würde für manches Kind ein Ansporn sein, während des Jahres, besonders aber auch gegen Ende desselben, an dem Unterrichte regeren und regelmäßigeren Anteil zu nehmen. In Anbetracht der hohen Wichtigkeit, die die Bibelschule beanspruchen darf, ist die Ausgestaltung derselben eine dringende Forderung der Zeit. Denn es kann echt jüdischem Denken und Fühlen nichts ferner liegen als der Gedanke, den israelitischen Religionsunterricht von der hebräischen Sprache, als dem uralten heimatlichen Boden, loszulösen. Wie eine Beleidigung muß es ein frommes jüdisches Gemüt empfinden, die Sprache der Bibel, welche den lebendigen Quell religiöser Erkenntnis und Belehrung bildet, als tot bezeichnen zu hören. Die Bibelschule bietet die einzige Gelegenheit, den Kindern einige über das Lehrprogramm des öffentlichen Religionsunterrichtes hinausgehende Kenntnisse im Pentateuch beizubringen. In Anbetracht der außerordentlichen Bedeutung, welche der Bibelschule unzweifelhaft zugesprochen werden muß, wäre es wünschenswert, wenn sämtliche an Bibelschulen wirkende Lehrer, äbnlich wie die an öffentlichen Schulen fungierenden, von Zeit zu Zeit zu gemeinsamen Konferenzen zusammentreten würden, um die Bibelschule betreffende Fragen zu erörtern und sich gegenseitig ihre Erfahrungen mitzuteilen. Aufgabe der Gesamtlehrerschaft muß es sein, die Jugend für die Bibelschule zu interessieren, aller derer aber, die für das Judentum noch warm fühlen, das Gedeihen der Bibelschule tatkräftigst zu fördern. Korrespondenzen Ans der Plenarsitzung des Knltusvorftandes vom 7. März 1909 unter dem Borfitze des Präsidenten Dr. Alfred Stern. Beginn V2II Uhr vormittags. Im Einlaufe befinden sich: Eine Zuschrift des Professors Dr. Ludwig Geiger-Berlin, in welcher derselbe für die ihm gewordenen Ehrungen anläßlich seines Vortrages in Wien den Dank ausspricht.

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