Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 6 (5.2.1909)
- Date
- 1909-02-05
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Dr. Blochs Wochenschrift. ütr. 6 Seite 106 unter ihrem schwächlichen Sohne Mohammed III. <1592 bis 1603). Gelang es doch nu r mit Mühe, einen von der Baffa gewünschten Befehl des Sultans, alle Christen im Reiche umzubringen. Zu verhindern. Besonders erbost waren die Sipahis (Lehnlruppen) über das Regiment der Baffa und ihres Schützlings, der Chierra. Um einen Aufstand zu verhüten, der der Sultanin-Mutter und der ganzen Regierung den Untergang zu bringen drohte, sah der Großwesir Lhalil kein anderes Mittel mehr, als die Chierra zu opfern. Er ließ sie (am 30. März 1600) mit ihren Söhnen zum Palaste des Großwesirs holen. Als die Unglückliche voll Todesahnungen die Treppe zum Saale des Diwan emporstieg, fielen die dort lauernden Sipahis über sie her und ermordeten sie mitsamt den Söhnen in der schmachvollsten Weise. Ihre Leichen wurden buchstäblich in Stücke gerissen, und die einzelnen Teile den Würdenträgern als Warnung an die Türe der Häuser gehängt, die sich der Vermittlung Chierras bedient hatten. Von ihren vier Söhnen lieh man nur den jüngsten, der den Islam annahm, am Leben. Chierras Vermögen wurde natürlich eingezogen, und ihr Nachlaß betrug nicht weniger als fünf Millionen Aspern, eine für damalige Zeiten sehr große Summe. Das war der Untergang der sechzehn Jahre hindurch mächtigen Chierra. Nach ihr hat nie wieder am Hofe und in der Staatsverwaltung ein Jude solchen Einfluß öffentlich auszuüben vermocht. Dagegen blieben die Juden lange in den Vertrauensstellungen als Leibärzte, so daß z. B. noch 1745 die in Konstantinopel rivalisierenden Mächte dadurch indirekten Einfluß zu gewinnen trachteten, daß die eine Macht den jüdischen Leibarzt des Sultans, die andere den jüdischen Leibarzt des Großwesirs für sich zu gewinnen trachtete. .Am großen und ganzen war die Lage der Juden in der alten Türkei sehr erträglich. Sie standen den Christen gleich. Ihre kirchlichen Angelegenheiten ordneten sie selbständig und der Staat ließ sie vollständig in Ruhe. Dazu kam, daß sie nie eine Rebellion erregten, sondern bei Aufständen fast immer die Partei der Türken nahmen, besonders noch während des Aufstandes der Griechen (1821. S. Pougueville). Doch ist das 17., 18. und 19. Jahrhundert nicht entfernt so interessant für die Geschichte einzelner Juden als das 16. allein. Höchstens wäre noch das Auftreten des türkischen Juden und Messias Zwi als Stifter der noch heute bestehenden moslimisch-jüdischen Sekte der Schabbathai-Zwi (1660) zu erwähnen. Allein das würde ein Kapitel für sich erfordern. _ Literatur. Strack, Prof. D. Dr. Herrn. 8- Einleitung in den Talmud. Vierte, neubearbeilete Auflage. Leipzig. I. C. Hinrichs'sche Buchhandlung. 1808. VIII 175. Wenn man auf irgend ein literarisches Werk mit vollem Recht daS'alte Wort boTCtr n«D Vra« biaa ^bn ban oder wie der Lateiner a.gt: „habeiit sua fata libelli“ anwenden darf, so ist es der Talmud. Während die christlichen Hebraisten des XVII. und XVIII. Jahrhunderts .sich mit vollem Eifer dem Studium der jüdischen Literatur widmeten, so fand man später für die geistigen Schätze des Judentums wenig Zeit und Muße. Wenn auch der eine oder der andere, wie zum Beispiele Buxtorf (Lexikon p. 977 „malitia Judaica“) seine Antipathie gegen Juden und Judentum nicht unterdrücken konnte, so müssen wir doch die Verdienste dieser Männer anerkennen. Wie im Zeitalter nach Reuchtin, so ist auch nach dem unseligen Wirken der Talmudschneider und -Falscher, Rohling und Genoffen — den. Kauchf gegen die säubern Ritter brauchen wir den Lesern dieser „Wochenschrift" nicht ausführlicher zu schildern — eine Gegenströmung unter den christlichen Gelehrten entstanden. Dieser Strömung verdankt auch diese Einleitung ihre Entstehung. Diese Einleitung in den Talmud war „der erste Versuch, objektiv und wissenschaftlich über das Ganze des Talmuds zu belehren." Leider muß die Belehrung immer, wenn eS sich mu den Talmud und die jüdische Literatur handelt, mit einer energischen Abwehr verbunden werten, damit das Wahngebilde, als wären Talmud und andere jüdische Schriften gefährliche Geheimwerke, wie Staub vor dem Waide vergehe. „Geheimwerke sind sie nur für diejenigen — Juden nicht minder, als Christen—welche weder die zum Lesen der Grundtexte erforderlichen Kenntnisse sich erworben haben, noch von den vorhandenen Uebersetzungen wissen. Für solche ist auch Casars „Bellum Gallicum" ein Geheimbuch." Nun liegt Prof. Strack's Einleitung in der vierten, neubearbeiteten Auflage vor nnd wird die empfindliche Lücke auch diesedmal ausfüllen. Hier sei uns gestattet, einige Bemerkungen, die wir bei der Lektüre der Schrift notierten, zu veröffentlichen, damit sie in einer neuen fünften Auflage Berücksichtigung finden. 1. S. 5, 2, 14 Der aus dem Exrl mitgebrachte Midrasch (G.-R. 42), wird b. Megila 10 b als atua ■’iMKö irTa miDö, als eine von den Männern der großen Sgnagoge überlieferte Tradition erwähnt, vgl. Chajes Einleitung in den Talmud p. 19. col. 3. 2. S. 14. Einen schwerwiegenden Beleg für das Aufschreiben der Hälachot sehe ich in j. Abooa zara. R. 1. H. 1. bl7 N2D8 Krranp vgl. dazu j. Ab. zara R. 1. H. 4. mna naarc bsp. Daß die Amoräer geschriebene Halachabücher hatten, beweist ja klar und deutlich b, Sabbat 156 a. -iök? bsab ma . . . n'jn rrnpraK a^na “ima tbk .piob in» “tick 3. S. 16. vgl. I. S. Bloch. Einblicke in die Geschichte der Entstehung der lalmudrichen Literatur. 1884. p. 2. 4. Zu S. 45. Note 2. vgl. meine Schrift, Talmud und Neues Testament. Pozsony 1908. p. 35. Zum Ausdruck b’tfann rrnpn v. Be rächst 17 b; Ebd. 34 a und b. Sanh. 103 a mparc T&bn 2lb'V211 5. Zu S. 50. N. 1. s. meine obengenannte Schrift p. 22 und vgl. Sifre Numeri 8. 6. Zu S. 70 fehlt Pirke d. Nabbenu Hakados o er Borajta Masse Tora; herausgegeven von Schönblum, D'nnai .cnao '3 Lemberg, 187i, vgl. L. Grünhut Sefer ha likkutim III. 33 ff. und 17 und soll sogar dem Redakteur des Talmuds als Quelle gedient haben. 7. Zu S. 82 fehlen Jawitz. Wolf. Die Geschichte Israels nach den Urquellen neu und selbständig bearbeitet. Bd. VI. Von dem Untergange des jüdischen Staates bis zum Tode Jehuda II. 1907 und Sliwkin n-msn Knbpaoi London. 5667 (1907). f 8. Zu S. 93. Ueber R. Simon ben Jochai schrieb noch F. Löwy: R. Simon ben Jochai elete es szentiiäsmagyarazata. Budapest 1892 (Diss.). 9. Zu S. 101. R. Jochanan's Lebensbild schildert: Doktor S. Jordan: R. I. dar Nappocha. Budapest. 1895. (Diss.). 1895. Wir wünschen der Schrift die weiteste Verbreuung und viele Leser in jüdischen Kreisen! Vinkovce (Slavonien) den 30. Dezember 1908. Dr. A. M a r m o r st e i n. Neue Bücher. Liberales Judentum. Monatsschrift für die religiösen Interessen des Judentums, herausgegeben von der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland unter der Redaktion von Caesar Seligmann, Rabbiner in Frankfurt a. M., 1909. Jahrgang 1., Heft 5. Inhalt: Dr. C. Seligmann—Frankfurt a. M.: Wie gewinnen wir unsere Kinder für das Judentum. Privatdozent Dr. Th. Lessin g—Hannover: Jüdische Lebensfragen. Dr. Max Freudenthal—Nürnberg: Frömmigkeit. Hermance M e tz l e r—Landau (Pfalz): Jüdische Frauenbewegung. Beate Mann: Die vier Seelen vor der Himmelspforte. Edward N. Calis ch—Richmond: Ueber das europäische Judentum. Geheimrat Prof. Dr. Lazarus: Gedanken über „Liberales Judentum." Rundschau. Dr. Julius Lewkowitz, Rabbiner in Schneidemühl. Judentum und moderne Weltanschauung. Preis M. 2.—. I. Kauffmann, Frankfurt a. M. 1909. Dr. M. Ginsburger, Rabbiner in Sulz (Ob.-Els.): Der israelitische Friedhof in Jungholz, Eebroeiler, 1904. Kriefkaste«. L. L. in D. Sowohl das Schulgeld, als auch die Beträge für Tempelsitze können nur gerichtlich eingeklagt werden. Die ex.kutive Eintreibung durch die politischen Behörden erfolgt lediglich bei Kultussteuern.