Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 4 (22.1.1909)
- Date
- 1909-01-22
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 70 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 4 gehänselt: „das wird doch ein ganz kostbarer Spatz für die fidelen Wiener werden". „Herr College", antwortete der Redakteur eines anderen Tagesjournales, „loben Sie nicht den Tag, ehe der Nachmittag ganz vorüber, wer weitz, ob der Rabbi Sie nicht nasführen wird. Das sind wellkluge Männer, reich an Erfahrungen, und so leicht, wie Sie es sich denken, lätzt sich der Mann vielleicht denn doch nicht narren." „Aus Ihnen spricht der Neid", replizierte Dr. B.: „Ihnen, Herr College, tut es eben leid, datz Ihrer sonst so guten Spürnase dieser fette Braten entgangen: in der stieren Zeit der sauren Gurken ist eine solche Neuigkeit für eine Tageszeitung ganz unbezahlbar." Dann zog er die Uhr aus der Tasche und erhob sich von seinem Platze. „Durch den Streit um des Rabbi Bart hätte ich den Rabbi selbst, das heitzt die von ihm festgesetzte Stunde fast versäumt, nun mutz ich mich aber spulen, damit ich nicht des Rabbi Ungeduld errege oder gar noch mit des Rabbi "Fluch mein ohnehin schon sündenschweres Haupt belade." Mit einem flüchtigen Grütze verlietz er eilends das Kaffeehaus. . Itsche harrte bereits des vormittägigen Bittstellers und führte ihn unverzüglich zu dem Rabbi. „Hier", sprach der Rabbi, dabei zeigte er auf ein geöffnetes Schächtelchen, welches eine einzige braune Pille enthielt, „nehmt und Ihr seid geheilt." „Wann soll ich den Versuch machen", fragte Dr. B., der das Lachen kaum mehr unterdrücken konnte. „Ietzt", erwiderte der Rabbi. Dr. B. führte die Pille in den Mund, verzerrte aber, kaum datz diese zerbissen war, das Gesicht und spie dabei heftig aus: „pfui Teufel, das ist doch D." „Ihr seid geheilt", antwortete der Rabbi, „denn Ihr habet bie Wahrheit gesprochen und einen Taam <Geschmack) ausgenommen." Dr. B. trat noch am selben Tage eine längere Erholungsreise an. Der Rabbi hatte sich ihm auf die Nerven geschlagen. Literatur. Die Osotschniks. ein Trauerspiel in 3 Aufzügen von I. Rabbi- » o w i c z. (E, Pierson, Dresden.) Abermals laßt Rabbinowicz anschließend an seine in Novellen und dramatischen Arbeiten aufgerollten Bilder aus dem Kleinleben des ruffischen Volkes, ein solches Heimatsgemälde voll Lebenswahrheit und markiger Individualisierung folgen. Von uns ungeahnte Lebensverhältnisse haben Menschen geschaffen, die trotz der lebenslangen Einsamkeit, die ihnen auferlegt ist, sich lebhafte menschliche Impulse zu bewahren gewußt haben, im guten wie im böten Sinne. Es gehört gewiß zu den kulturellen Aufgaben jedes Landes, seinen naturgeschichtlichen Eigentümlichkeiten Erhaltung und Pflege angedeihen zu laffen. Um also das Aussterben' der in den Wäldern des Kaukasus «och vorhandenen Büffelfamilien, Subers genannt, zu verhindern, werden Waldhüter, Osotschniks, in jenen, kaum noch der Zagd erschloffeucn Gebieten angesiedelt, verurteilt, um der Tiere willen ein fast tierisches Leben zu führen. Kein Wunder, deß die Instinkte verrohen, der geistige Gesichtskreis verengt, die Elastizität der Seele unterbunden wird. Geistige und seelische Unbeholfenheit ist das Erbteil dieser Waldmenschen. Und doch erblüht auch in diesen umkrusteten Herzen die blaue Wunderblume der Liebe, doch keimt sie auch hier in ihrer lieblichsten Gestalt, schüchtern und keusch, unter den WaldhüterSkindern rein und edel, wie nur unter den bcstbehüteten und bestveranlagten Sprößlingen unserer Bürgershäuser. Aber auch die kräftigere Spielart der blauen Blume, die Nächstenliebe und dus Mitleid, hat neben Rachsucht und' Aberglauben Wurzeln geschlagen und schöne Schößlinge getrieben. Doch uicht das allein ist es, was uns der Verfasser zeigen wollte. Er läßt uns den jüdischen Hausierer begleiten, der in wochenlangen einsamen Wanderungen die Osotschniks anssucht, um die Felle der verendeten Tiere zu erhandeln, er läßt uns Einblick tun in das ärmliche Hauswesen, das'typisch ist für das ruffische Ghetto, und wir erfahren, daß auch die wesentlich verschiedenen, durch die räumliche Enge bedingten Verhältnisse im Ghetto Charaktere erzeugen, ähnlich jenen der Waldhüter, die durch Nasse, Religion und Lebensweise scheinbar von Grund aus anders geartet sind. Die Figuren sind mit fester Hand hingezeichnet, der Dialog ist stramm geführt, die Pointen sind geradezu naiv-sicher herausgearbeitet. Auf die Szene gestellt, würden diese Personen und ihre inneren Erlebnisse das Publikum eines literarischen Abends zweifelsohne interessieren. L. St., * * Der Artikel „Talmud und Neues Testament" in der Literaturrubrik unserer vorwöchentlichen Nummer stammt aus der Feder des Herrn Dr. C. D u s ch i n s k y in London (früher Rabbiner in Kostel, Mähren). Neue Bücher. Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums. Begründet von Dr. Z. Frankel. Organ der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums. Herausgegeben von Dr. M. B r a n n. 52. Jahrgang. Neue Folge, sechzehnter Jahrgang. Heft 11/12. November- Dezember 1908. Breslau. Koebnersche Verlagsbuchhandlung. (Barasch und Riesenfeld.) Inhalt: Jakob Guttmann: Die Stellung des Simon ben Z^mach Duran in der Geschichte der jüdischen Religionsphilosophie. H. Rosenb e r g: Das Geschlecht der Hauptwörter in der Mischna. (Schluß.) S. H o r o w i tz: Der Sifre sutta nach dem Jalkut und anderen Quellen. (Fortsetzung.) W. Bacher: Schammai als Tradent einer alten Kalenderregel. A. Epstein: Der Pardes als Quelle für die Literaturgeschichte der Juden in Deutschland. Besprechungen: Büchler Ad: Der galiläische Am ha- Arez des zweiten Jahrhunderts. Von B. O p t o w i tz e r. Funk S.: Die Juden in Babylonien von 200—500. Von Dr. Feuchtwan g. Maybaum S.: Predigten und Schristerklärungen zum 2., 3. und 4. Buch Moses. Von S. Behrens. Wengeroff Pauline: Memoiren einer Großmutter. Von E. B r a n n. Bibliographische Uebersicht über die im Jahre 1907 erschienenen Schriften. Von M. B r a n n. Dr. Mehemed Emin Efendi (Pseudonym). Natur und Kunst. Ein psychologisch-ethischer Versuch. Verlag O. Gracklauer, (Richard Goldacker) Leipzig-, 1909. Dr. B. Aptowitzer. Das Schriftwort in der rabbinischen Literatur. II. Heft. Aus den Sitzungsberichten der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien. In Kommission bei Alfred H ö l d e r, k. k. Hof- und Universitätsbuchhändler, Wien 1908. Kriefkastrrr. „Bibelstark". In Georgia (Ver. Staaten) geriet unlängst ein Richter durch seine Bibelfestigkeit in eine recht peinliche Lage. Zwei Frauen kamen mit einem sechs Monate alten Kinde zu ihm, und jede behauptete, die Mutter des Kindes zu sein. Der Richter hatte nicht umsonst die Heilige Schrift studiert. Er ließ sich, nach dem Beispiel des weisen Königs Salomo, ein Messer bringen, legte das Kind auf den Tisch und wollte es entzwei schneiden, um jeder von den beiden Frauen eine Hälfte zu geben. Die Frauen aber riefen „wie ein Mann": „Nein, nein, tun Sie das nicht, Herr Richter! Behalten Eie lieber das Kind!" Sprachen's und tiefen davon. Der Richter aber hat das Kind bei sich aufnehmen müssen und sucht ihm fttzt eine dritte Mutter. Für Purim-Feiern eignen sich besonders gut zum Verkauf oder zur Verlosung Erzeugnisse der Kunstgewerbeschule „Bezalel" in Jerusalem. Die Schule hat zu diesem Zwecke paffende Kollektionen, welche Filigran-Arbeiten in Silber, Damaskus-Arbeiten in Kupfer, Bilderrahmen, Teppiche oder Kissenplatten enthalten, zum Preise von 2 Pfd. Sr. (Frcs. 50.—, Mk. 40—, Kr. 50.—, Rilb. 9.50, Doll. 5 —) und mehr zusammengestellt. Bestellungen unter gleichzeitiger Uebersendung des Betrages an die Anglo Palestine Company in Jerusalem sind zu richten an die Kunstgewerbeschule „Bezalel' in Jerusalem. Mit Rücksicht auf die tauge Reisedauer von Paketsendungen ist eine baldige Uebermittlung der Bestellung notwendig, damit sie rechtzeitig ausgeführt werden kann. N. Eigentlich hätte der Knabe bereits Samstag den 9. Jänner (16. Tebelh) die Barmizwah-Feier abhaltcn sollen. Da das nicht geschehen ist. so kann er einen der nächsten Sabbate wählen. Samstag, am 30. d. M. ist die Haftorah Jer. Kap. 46. tzaschoel. Das' sind zu viele Anfragen aus einmal. „Historieus". Aus Mangel an Raum.