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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-10-30 · 44 (30.10.1908) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
44 (30.10.1908)
Date
1908-10-30
Page
– (sequence 13)
Language
German
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, Nr. 44 Seite 777 Vr. Lwcv s MocöenscvrM. (Gott, gelobt sei er) beschieden, möge er das behalten, was ihm Gott bescheert hat. Steht doch geschrieben: „Er sammelt zusammen und weiß nicht, wer es heimführt." (Ps. 39, 7.) Er richtete dann einen warmen, aus der Tiefe seiner Seele kommenden Appell an das jüdische Herz und schloß mit einer seltsamen Geschichte, die — wie der weltberühmte Rabbi Moses Sofer erzählte — in Frankfurt am Main, seiner Vaterstadt, sich zugetragen hat. (S. Chassan sofer Einleitung.) Dort saß an einem bestimmten Tage der Woche das Rabbinerkollegium, um Recht zu sprechen." Da kam eines Tages eine Frau und führte Klage gegen ihren Gatten und wessen klagte sie ihn an? Daß er — zu wohltätig sei, zuviel an Arme verteile, weit über seine Kräfte." „Unmittelbar nach der Frau kam ein armer, kranker Mann, der gegen seinen Bruder Klage führte, daß er ihn und seine Familie darben lasse und vor dessen Weinen und Jammern hartherzig sich verschließe." Die beiden Geklagten wurden vorgeladen. Man fragte den Einen: „Warum gibst Du denn gar so viel den Armen, über Deine Kräfte?" Und er antwortete: „Es steht geschrieben: (Kohelet 9,12) „Es kennt der Mensch seine Zeit nicht;" weiß nicht, wann seine Stunde schlägt. Und da muß ich mich beeilen, etwas Gutes zu tun, damit ich nicht mit leeren Händen vor den Richterstuhl Gottes komme." Man fragte den Anderen: „Warum bist Du denn so hartherzig gegen Dein eigen Fleisch und Blut? Warum erbarmst Du Dich des leiblichen Bruders nicht und läßt ihn und seine Familie zugrunde gehen?" Und er antwortete: „Es steht geschrieben: „Es kennt der Mensch seine Zeit nicht." Ich kann auch hundert Jahre alt werden, bin dann erwerbsunfähig; soll ich dann meinen Kindern zur Last fallen? Ich muß daher mein Vermögen für jene Zeit mir zusammenhalten und kann davon nichts weggeben." Und der Gerichtshof sprach: „Möge Gott Euch beide vor dem bewahren, vor dem Ihr Euch fürchtet! Du fürchtest, Du könntest schon morgen sterben, — Er möge Dich davor bewahren und Dir ein langes Leben verleihen, wie Du es verdienst; D u aber fürchtest, Du könntest hundert Jahre leben, nun, — auch Lavor wird Dich Gott bewahren!" Die Rede war also inhaltreich, besonders aber durch Lie interessanten Geschichten, welche auch die großen Kinder so sehr lieben, geeignet, Beifall zu finden, aber der Vortrag — daß sich Gott erbarm'! Es war, als würde er ein Blatt Talmud hersagen, derselbe Sing-Sang, dasselbe immerwährende Schaukeln mit dem Oberkörper. O mit welcher Sorgfalt hatte der Arme die Sprache gewählt, so „erhaben", so blumenreich! — aber der schönste Periodenbau klang wie ein talmudisches „Pschettl". Man mußte sich an diesen den ästhetischen Sinn beleidigenden Vortrag gewöhnen, um den Inhalt zu verstehen. Das Urteil war ein ungeteiltes: Goldener Schmuck in schlechter Einfassung. Beim Nachmittagsbesuch unterhielt Deutsch seine Gäste ausschließlich mit der Erklärung des Wochenabschnittes der heiligen Schrift, wobei er öfter Gelegenheit nahm, seines Urgroßvaters zu gedenken, indem er dessen Geistesprodukte den Gästen mitteilte. Damit schloß in würdiger Weise der Sabbat. (Fortsetzung folgt.) Literatur. Ein literarischer Windbeutel und Aufschneider. Auf die in der „Oesterr. Wochenschrift" erschienene Besprechung seiner „Scheeltoth" publiziert Dr. A. Kaminka in einem Wiener Blatt eine neun Spalten umfassende sogenannte „Erwiderung", die nach Ton und Inhalt eine besondere Würdigung verdient. Die meisten Jrrtümer und Verstöße, die wir ihm notiert haben, werden vorsichtig übergangen; nur gegen wenige Vorhaltungen wurde der Einwand versucht, ohne sachlichen Gehalt — wohl aber mit einem Wortschwall von Lamentationen und persönlichen Jnvektiven, daß man unwillkürlich ausrufen möchte: zu viel Gemüt, zu wenig Fleisch! Und es reizt förmlich den Humor, wie ein über das andere Mal versichert wird, daß der Rezensent, dessen Verdienste „ja auch auf anderem Gebiete liegen", von der Sache eigentlich nichts verstehe, „in völliger Unkenntnis des Wesens einer wissenschaftlichen Edition" sei, „vom wissenschaftlichen Betriebe knne Ahnung hat" — ohne daß es Herrn Kaminka, trotzdem er sich dreht, krümmt und windet, verzweifelte Klopffechterkunststücke versucht, gelingen will, auch nur eine einzige der vielen ihm vorgehaltenen groben Fehltritte und Entgleisungen befriedigend aufzuklären. Richtig ist, daß es zu den Aufgaben der „Oesterreichischen Wochenschrift" gehört, „den Verfasser oder Herausgeber eines wissenschaftlichen Werkes zu ermutigen und weitere Kreise zur Förderung des Unternehmens aufzurütteln" — vorausgesetzt, daß das Werk gut, dem Judentum und der Wissenschaft von Nutzen ist. Wenn aber das Werk als verdorben sich erweist, so daß es weder dem Judentum noch der Wissenschaft zur Ehre gereicht, dann ist es Pflicht jeder den allgemeinen jüdischen Angelegenheiten gewidmeten Zeitschrift, die Oeffentlichkeit rechtzeitig aufzu- . klären, vor der literarischen Mißgeburt zu warnen. K. bringt es fertig, der Reihe nach alle jene Männer, welche die Zusendung des Druckbogens mit einem höflichen Dankeswort beantworteten, als Kronzeugen und Gewährsmänner für Zuverlässigkeit und Trefflichkeit der Edition mit Namen vorzuführen. Gewiß hat keiner dieser Männer den Druckbogen sofort kritisch geprüft, mit den. älteren Ausgaben verglichen. Von einem der angerufenen Gewährsmänner aber kommt das Wort: „Jedenfalls hat die „Oesterr. Wochenschr." gezeigt, daß man in dieser Art es nicht machen darf." Dr. Kaminka beklagt sich, daß man, um seine „literarische Vergangenheit" (!?) anzuschwärzen, an die von ihm edierte Tachkemoni - Ausgabe und die Rezension Dr. Brodys erinnert habe. Dr. K. tut uns bitter Unrecht. Zur Beleuchtung der „literarischen Vergangenheit" K a m i n k a s bietet die zitierte Rezension in der „Zeitschrift für hebräische Bibliographie" andere Stellen, die ungleich signifikanter sind, als die von uns angeführten. Uns galt es lediglich, „die wissenschaftliche Arbeitsmethode" Kaminkas zu illustrieren, welche bei der Edition der „Scheeltoth" keine andere war, als bei der Herstellung der 'iaelikowoui-Ausgabe. Im Texte selbst bietet er die schlechtesten Lesarten — nach Handschriften —, während die gedruckt vorliegenden älteren Ausgaben die besseren Texte enthalten. Daß solches Verfahren „zum Wesen einer wissenschaftlichen Edition" gehört, darüber waren und sind wir allerdings in „gänzlicher Unkenntnis". Jndeß einer allgemeinen ungeteilten Zustimmung zu solchem „wissenschaftlichen Betriebe" scheint auch er selber nicht ganz sicher zu sein. Denn er sicht sich darum veranlaßt, in Bezug auf seine „nach Handschriften" hergestellte Ausgabe des laekkswoni zu erklären, daß der Text „ohne seine Kontrolle gedruckt worden und daß er bloß für die vorangedruckte Einleitung und Biographie des Dichters die volle Verantwortung übernahm!" Die „Verantwortung" — wem gegenüber? Doch wohl der Oeffentlichkeit gegenüber! Nun ist aber auf jedem der beiden Bändchen zu lesen: rr ti '«>' n«w nnnnoi '“na Nprosp „Ediert nach Handschriften und verschiedenen Ausgaben von Dr. A. Kaminka". Wo liegt die Wahrheit und wer hat gelogen? Und wenn die Edition nicht sein Werk war und er nur die Einleitung zu liefern hatte,

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