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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-01-24 · 4 (24.1.1908) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
4 (24.1.1908)
Date
1908-01-24
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 4 Dr. Llocb's Mocdenscbrm. Seite 88 Gold anstellen zu lassen. Dem Beispiele des Königs folgend, beeilten sich die Minister, ebenso auch die Großen des Landes und viele in Bangkok residierende einheimische und fremde Kapitalisten, Herrn Luzzatti beträchtliche Summen zur Verfügung zu stellen. Biele Europäer in Bangkok, die sich schon seit Jahren vergeblich bei der siamesischen Regierung bemüht haben, um die Konzession zur Ausbeutung einiger Bergwerke zu erlangen, sahen es mit Neid, daß Herrn Luzzat ti binnen kurzer Zeit das gelungen ist, wonach sie schon seit Jahren vergebens gestrebt. Der »Siam Weekly Adversitor«, der in Bangkok erscheint, nannte diese Konzessions-Erteilung an Herrn Luzzatti „eines der wichtigsten Ereignisse im Königreich Siam". Korrespondenzen. IV. ordentliche Generalversammlung des Tempelvereines des XIII. Bezirkes der Stadt Wien. Selbe fand am 15. Jänner d. I. statt und war recht gut besucht. Als Gäste wurden lebhaft begrüßt Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Max Grunwald, dann der Delegierte des löblichen Kultusvorstandes Herr Dr. Samuel Mohr, der Obmann der Bezirkskommission für den 12. bis 15. Bezirk, endlich die Damen Laura Krenberger und FranziskaBirm a n n für den „Hietzinger Frauen-Wohltätigkeitsverein". Den Vorsitz führte der Obmann des Tempelvereines Herr Schuldirektor Dr. S. K r e n b e r g e r. Nach Verifizierung des Protokolles über die III. ordentliche Gineralversammlung erstattete der Vorsitzende den Tätigkeitsbericht. Er hob die langsame, aber stetige Entwicklung des Vereines hervor, erwähnte des immer guten Besuches des Bethauses, in dem die Funktionäre den Gottesdienst würdig versehen. Eine besondere Sorge des Vorstandes ist der Jugendgottesdienst. Hier für die Volks- und Bürgerschulen einen dauernden Exhortanten zu gewinnen, wird sehr angestrebt. Der Verein erhielt wieder Geschenke, so von Frau Birmann und den Herren Bernhard Bernfeld, Max Zirner, Gouverneur-Stellvertreter Theodor R. v. T a u s s i g, Direktor, Ludwig Wolf und Kommerzialrat Ed. D o ktor. Das Programm der nächsten Zeit ist, alle in Hietzing wohnenden Juden heranzuziehen. Den Kassenbericht erstattete der Revisor Herr Gustav Löbl und beantragte mit Dank an den umsichtigen und geschäftstüchtigen Kassier Herrn S. H o f f m a n n das Absolutorium, das dann unter Beifall erteilt wurde. Der Jugendgottesdienst bildete hierauf den Gegenstand einer lebhaften, sachlichen und anregenden Erörterung, an der sich fast alle Anwesenden beteiligten. Die Herren Dr. Grunwald und S. M o h r begrüßten ihrerseits die Erschienenen und hoben die Verdienste des Vorstandes hervor. Zu Revisoren wurden einstimmig wiedergewählt die Herren Advokat Dr. Isidor Spielmann sau., Gustav Löbl und Franz Josef Klein. Nachdem noch eine interne Angelegenheit rege erörtert worden war, schloß der Vorsitzende mit Dank an die Anwesenden die Generalversammlung. Eine Taufschule in Lemberg. In Lemberg besteht schon seit längerer Zeit eine mit Oeffentlichkeitsrecht ausgestattete Privatschule für erwachsene Mädchen, die als Pflanzstätte des Antisemitismus und als Borbereitungsschule für die Taufe jüdischer Mädchen schon oft hat von sich reden gemacht. Die Besitzerin und Leiterin der Schule ist eine Frau Nepzialkowska. Die Schule steht unter dem Protektorate des Lemberger Bischofs. Dieser hohen Protektion dankt es Frau Nepzialkowska, daß sie das Gesetz umgehen darf und für die leider zahlreichen jüdischen Schülerinnen keinen Religionslehrer bestellt. Aber nicht nur, daß die genannte Leiterin der Mädchenschule auf diese Weise verhindert, daß die jüdischen Mädchen in ihrer Religion unterrichtet werden, zwingt sie sie auch, an den katholischen kirchlichen Feierlichkeiten in der Kirche teilzunehmen und sich auf diese Weise für die Taufe vorzubereiten. Zahlreiche öffentliche Skandale waren die Folge solcher gegen den Willen der Eltern herbeigeführter Taufen. Diejenigen jüdischen Mädchen, die den Bekehrungsversuchen der Frau Direktorin und ihrer Lehrerinnen Widerstand entgegensetzen, werden nach dem antisemitischen Rezept behandelt. Sie werden beschimpft und müffen es ruhig anhören, wie ihre Eltern beschimpft werden, die, wie die Frau Direktorin ihnen vorwirft, „als Handelsjuden nach Polen gekommen find und sich an den Christen bereichert haben". Hat nun gar eine jüdische Schülerin den Mut, zu verlangen, daß ihr ein jüdischer Feiertag freigegeben werde, dann muß die Arme in Anwesenheit der christlichen Mitschülerinnen wieder hören, daß „die Juden Faullenzer seien, die, nur um nicht arbeiten zu müffen, jeden Augenblick Feiertag machen". Am letzten Jom-Kippur konnte die edle „christliche" Pädagogin nicht mehr umhin, den Bitten der jüdischen Schülerinnen um Befreiung von dem Schulbesuch nachzugeben. Da bekamen die jungen Kinder die folgende Erbauungsrede dieser polnischen Jugendbildnerin auf den Weg mit: „Betet für die Sünden eurer Eltern und des ganzen Volkes Israel, das sich so schwer gegen das Christentum und die ganze Menschheit versündigt hat." Diese Unverschämtheit war selbst den Schülerinnen zu viel und sie hatten damals schon beschloffen, ihre Eltern zu zwingen, sie aus dieser Anstalt herauszunehmen. Merkwürdigerweise haben sich nicht mehr als fünf gefunden, die dem Wunsche ihrer Kinder und dem Gebote der Ehrenhaftigkeit gefolgt find. Diese fünf Schülerinnen find vorige Woche aus dieser berüchtigten Schule ausgetreten. Bei solchen desolaten Zuständen ist es wahrhaftig nicht mehr zu verwundern, daß die galizischen Seelenfänger bei der Entführung jüdischer Mädchen ins Kloster so leichtes Spiel haben. Die Einberufung des ungarländischen israelitischen Landes-Kongresses. Bericht des VI. israelitischen Gemeindedistriktes. Die am letzten Samstag eröffnete Plenarversammlung des VI. israel. Gemeindedistrikts hat dieser Versammlung, und man darf wohl sagen: der gesamten ungarischen Judenschast, eine Ueberraschung gebracht. Was ein großer Teil der ungarischen Judenschaft seit vielen Jahren ersehnt und bisher vergeblich betrieben hat: die Einberufung des jüdischen Landeskongreffes zur Regelung der konfessionellen Angelegenheiten des Judentums und zur Schaffung einer autonomen Organisation, dazu ist nun von der Regierung ein erster Schritt geschehen. In der erwähnten Versammlung ist ein Erlaß des Kultus- und Unterrichtsministers Grafen Albert Apponyi an die israelitische Landeskanzlei verlesen worden, in welchem der Minister die Kanzlei auffordert, die nötigen Verfügungen zu treffen, damit die Versammlung der israelitischen Distriktsrepräsentanten dem Minister ein Gutachten darüber abgebe, welche Verfügungen sie zur Einberufung eines israelitischen Landeskongreffes für zweckmäßig erachten würde, der berufen wäre, eine einheitliche Organisation der israelitischen Konfession zu schaffen. Die Verlesung des Erlaffes hat in der Versammlung freudige Sensation hervorgerufen und wurde mit stürmischen Eljenrufen ausgenommen. Die Versammlung nahm folgenden Verlauf: Die Mitglieder des VI. israelitischen Gemeindedistrikts haben sich heute im Beratungssaale der Pester Religionsgemeinde sehr zahlreich zu einer Plenarversammlung eingefunden. Präsident Dr. Moriz M e z e i begrüßte die Versammlung und ersuchte Dr. Franz M e z e y, die Führung des Protokolls zu übernehmen. Der Präsident erinnerte an das Memorandum, welches die israelitische Landeskanzlei vor längerer Zeit bei dem Kultus- und Unterrichtsminister über die Regelung der konfessionellen Angelegenheiten der ungarischen Judenschaft und im Besonderen der Einberufung des israelitischen Landeskongreffes eingereicht hat. Eine Entscheidung über diese Eingabe ist bis in die neueste Zeit nicht erflossen, über das Schicksal derselben hat völlige Ungewißheit geherrscht. Vor einigen Tagen erst, am 17. Jänner, ist der Leitung der israelitischen Landeskanzlei ein Erlaß des Kultus- und Unterrichtsministers zugekommen. (Hört! Hört!) Präsident ersucht den Schriftführer Dr. Franz Mezey, den Erlaß zu verlesen. Der Erlaß lautet:

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