Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 4 (24.1.1908)
- Date
- 1908-01-24
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 64 Dr. Llocb s Mocdenscbrm. Nr. 4 Spende für die jüdischen Opfer der rumänischen Bauernrevolte. Sofort nach Bekanntwerden der ungefähr vor Jahresfrist in Rumänien ausgebrochenen Bauernrevolten leitete der „Verein zur Abwehr des Antisemitismus in Wien" ebenfalls eine Geldfammlung ein. als deren erstes Ergebnis die Summe von K 879.—*) der „Israelitischen Allianz" übergeben werden konnte. Da diese Hilfsaktion fortgesetzt ward, liefen noch weitere Spenden ein, welche zusammen K 753.— betrugen. Im Ganzen wurden somit der „Allianz" K 1632.— übergeben, darunter eine Spende des Vereines selbst per K 500.—, eine solche von K 500 — seitens des Herrn Baron Wilhelm Königswarter, K 200.— von Dr. F. Mandl, K 85.— als Ertrag einer ad hoe gelegentlich des Vortrages von Doktor Taglicht am 3. April 1907 eingeleiteten Sammlung, während sich die übrigen Beiträge auf K 50.— bis Kl.— verteilen. Die „Israelitische Allianz" quittierte nun diesen Empfang mit folgendem warmen Schreiben: „Sehr geehrte Herren! Ihr hochgeschätzter Verein, der mutig gegen den Rasten- und Glaubenshaß kämpft, hat in hochherziger Weise sich durch Veranstaltung einer Spendensammlung auch in den Dienst des Hilfswerkes für die verfolgten rumänisch,» Juden gesetzt, wie er so oft uns seine tatkräftige Mithilfe für unsere Hilfsaktionen gewährt hat. Wir beehren uns, Ihnen für die ergriffene Initiative und die freundliche Ueberweisung der Sammlung, deren Empfang wir separat bestätigten, hiemit unseren besonderen herzlichen Dank auszudrücken und zeichnen mit dem Ausdrucke vorzüglicher Hochachtung Für den Vorstand der „Israelitischen Allianz zu Wien" Wien, 17. Jänner 1908. ^Unterschriften.^ In einem Artikel von G. S e l l e über „Kurbrandenburgische Leibärzte älterer Zeit" findet sich folgender interessanter Passus: „Neben den Leibärzten des Kurfürsten Johann im eigentlichsten Sinne des Wortes kommt ein Augenarzt Hermann vor, über dessen Freiheit von den städtischen Abgaben in Berlin 1498 verhandelt wurde. Beflissene der Augenheilkunde, die sonst im Mittelalter, wie im Altertum eine große Zunft bildeten, werden zu jener Zeit in der Mark überhaupt nicht erwähnt, und so möchte man sich veranlaßt sehen, jenen für identisch mit einem anderen Berliner Augenarzt zu halten, welcher in dem großen Juden-Prozeß von 1510 mit verwickelt war. In der Nürnberger Ausgabe der Flugschrift von 1510 über diesen Prozeß heißt es nämlich, drei von den angeschuldigten Juden hätten sich taufen lassen und zwei davon seien hingerichtet, „der dritte, ein Augenarzt, darnach, daß er allein an Kindern schuldig gewest, d. h. daß er sich nur an dem angeblichen Kindermord, nicht an der Hostienschändung beteiligt), ist erpetten ins grau Kloster gangen." Dieser Gerettete wird nun zwar von Neueren Moses, mit seinem Taufnamen Petrus, genannt, doch ist dies reine Erfindung, ich weiß nicht, ob von Witten oder Ailka. Andererseits kommt aber unter den im Laufe des Prozeffes genannten Juden, deren Zahl die der 41 zum Tode Verurteilten weit übersteigt, auch keiner vor, welcher den Namen Hermann führte. Und so wird man wohl in der Tat zwei verschiedene Persönlichkeiten annehmen müssen. Die Richtigkeit der Angabe der im Jahre des Prozesses erschienenen Schrift, welche mit solcher Bestimmtheit gemucht wird, ist kaum anzuzweifeln, wenn auch der Augenarzt anderweitig nicht nachzuweisen wäre und wenn auch die unter Benutzung der Prozeßakten gearbeitete Flugschrift 1511 nur von zwei bekehrten, mit dem Schwert Hingerichteten Juden spricht, den dritten losgegebenen dagegen gar nicht zu kennen scheint. Denn ihr Verfasser schildert nichts als die Schicksale der verurteilten Juden, daß aber wirklich einer der in Untersuchung Gezogenen und für schuldig Befundenen mit dem Leben davon kam, wird durch Johann von Trittenheim bestätigt, der in seinem Oüronieon SiersauKieuss den Prozeß ausführlich nach einer authentischen, vielleicht vom Kurfürsten selbst herröhrenden Mitteilung bespricht. Dieser jüdische Augenarzt verdient Beachtung deswegen, weil sonst kein Arzt seines Glaubens während des Mittelalters in der Mark vorkommt: man wollte denn daran erinnern, daß in des Bernauers Rollenhagen „ergötzlichen Froschmäuseler" sich auf der Mäuseflotte ein Streiter befindet, „seiner Geburt jüdischer Art. an Haar und Bart überall schwarz, und der war der Schiffleut Wundarzt." (Frankfurter Ausgabe von 1683. p. 591) während sich anderswo „die jüdischen Aerzte oder Judenärzte unter den Christen des Mittelallers eines ganz besonderen Vertrauens erfreuten " Das allgemeine kirchliche Gebot, welches z. B. Bischof Heinrich von Brandenburg am 6. Juli 1406 für die Mark wiederholte: daß kein Geistlicher *) Siehe Nr. 16 der „Oesterr. Wochenschrift" vom Jahre >907, S. 272. oder Laie mit Juden zusammenwohne, in Krankheitsfällen einen Juden konsultiere oder Arzenei von ihm empfange, scheint danach in der Mark recht streng, und zwar auch noch später gewohnheitsmäßig besorgt worden zu sein. Leitunger nennt zwar den durch sein schreckliches Ende bekannten Günstling Joachim's II., den Juden Li pp old dessen „konsultierenden Arzt" (wsäieus consiiiarius), berichtigt aber stillschweigend in einer späteren Stelle seiner Kommentarien seine Angabe." Folgende merkwürdige Geschichte erzählt das russisch-jüdische Blatt „Der Weg". Danach wohnte in der Trockastraße in Wilna ein alter Jude, der allgemein für einen sehr armen Mann galt. Als er jüngst seine Wohnung auf kurze Zeit verlassen hatte, erschienen dort einige Männer, die man für Geheimagenten hielt, und nahmen eine genaue Durchsuchung vor. Einige Tage später wurde dem Alten ein kleines Paket mit einem Begleitschreiben zugeschickt. Das erstere enthielt drei Prämienlose, das Begleitschreiben stammte von einer der radikalen Parteien, die dem Empfänger mitteilte, die Haussuchung sei in ihrem eigenen Aufträge ausgeführt worden, da man gegen ihn einen Verdacht (offenbar wegen Spionage) gehabt habe; aus Versehen hätten die Beauftragten der Partei die drei Prämienlose mitgenommen, die somit zurückgestellt werden. Zugleich machten die Absender des Schreibens den Mann aufmerksam, daß auf eines der Lose bereits vor einigen Jahren ein Gewinn von 75.000 Rubeln gefallen sei; da er diese Entdeckung der Partei verdanke, so werde er aufgefordert, 35 000 Rubel für Parteizwecke herzugeben. Der Gewinner sucht nun mit der Partei in Fühlung zu treten, um sie zur Ermäßigung ihres Anspruches zu bewegen. _ Das Königreich Siam gehörte bis in die neueste Zeit zu den Ländern, welche von den Juden grundsätzlich gemieden wurden, weil die Religion und die Sprache ihrer Bevölkerung sie von einer Ansiedelung abgeschreckt haben. Die Religion der Siamesen ist bekanntlich ber krasseste Buddhismus: in einem weißen Elephanten verehren sie das Symbol der höchsten Gottheit. Ihre Sprache, welche zu dem indochinesischen Sprachzweige gehört, steht in gar keiner Verwandtschaft zu den semitischen Sprachen, welche die Juden dieses Weltteils mit solcher Vorliebe und solchen Eifer pflegen. Die Juden Asiens kamen daher über den Ganges, den Hauptstrom Indiens, in welchem Lande neben den einheimischen auch die beiden semitischen Sprachen, das Arabische und das Persische, ungemein verbreitet sind, nicht hinaus, und Calcutta war noch vor vierzig Jahren die letzte jüdische Gemeinde Süd- und Ostasiens. Die jüdischen Gemeinden, welche sich heute in Hongkong, Shanghai und Yokohama finden, datieren erst aus der neuesten Zeit und wurden von dorthin eingewanderten englischen, deutschen, französischen und amerikanischen Juden gegründet. Auch nach Siam sind in der neuesten Zeit einzelne Juden gekommen, um dort zeitweilig zu bleiben, aber dauernd wollte sich keiner daselbst niederlaffen. So starb vor mehreren Jahren in London ein galizischer Jude, Namens Goldmann, der auf seinen abenteuerlichen Wanderungen durch das östliche Asien auch nach Siam kam, wo er etliche Jahre verblieb und dasselbe dann mit groben Reichtümern wieder verließ. Diese Scheu der Juden vor Siam und seinen Bewohnern konnte indeß den europäisch erzogenen und hochgebildeten König dieses Landes, Chululonkorn, nicht abhalten, einen jüdischen Kaufmann, Herrn Schönberger, zu seinem Konsul in Wien zu ernennen, und er lieferte so den Beweis, daß Bildung und Wissen von allen konfessionellen Vorurteilen frei macht. Ein anderer Glaubensgenosse hat. sich die Gunst dieses Fürsten in so hohem Grade erworben, daß er ihm gestattete, einige Minen auf der Halbinsel Malacca, die zu Siam gehört, auszubeuten, und ihm zugleich auch jede mögliche Unterstützung dabei zusagte. Derselbe heißt Angela L u z z a t t i, stammt aus der oberitalienischen Stadt Asti und ist seinem Berufe nach Ingenieur. Herr L u z z a t t i, der bisher in Indien gelebt und gewirkt hatte, kam mit einem Empfehlungsschreiben des Vizekönigs dieses Reiches, Lord D u f f e r i n, an den englischen Gesandten in Bangkok, der Hauptstadt Siams, nach dieser Stadt; es gelang ihm, sich die Sympathien der dortigen europäischen Kolonie, besonders des englischen Gesandten, zu erwerben, so daß er schon nach kurzem Aufenthalt Zutritt in die besten Häuser und Kreise fand. Bald darauf wurde er auch vom Könige Chulnlonkorn zur Audienz befohlen, und die Gunst des Landesfürsten öffnete ihm die Pforten zu den Ministern und Großen des Reiches. Einen besonderen Freund fand er an dem Minister des Auswärtigen, Prinz Chrom Mon Deva Wongze, der gleich seinem Souverän eine gründliche abendländische Bildung besitzt. Unser Glaubensgenosse verstand es, sich in kurzer Zeit bei diesem Staatsmann so beliebt und geachtet zu machen, daß dieser ihn in Begleitung eines hohen siamesischen Funktionärs und auf einem eigens dazu ausgerüsteten Kriegsdampfer nach der Halbinsel Malacca schickte, damit er die ärarischen Bergwerke durchforsche, und er gab ihm auch die nötigen Empfehlungsschreiben an die dortigen Statthalter mit. Nach Bangkok zurückkehrt, überreichte er seinem Gönner, deni Minister des Auswärtigen, ein Memorandum über die Ergebnisse seiner Forschungsreise, das dieser dem Könige unterbreitete. Letztere befahl, das Schriftstück in's Siamesische zu übertragen, auf Staatskosten drucken und im ganzen Lande verteilen zu lassen. Als Lohn für seine Arbeit erhielt der Autor des Memorandums von der Kröne ein Stück Land in der Provinz Bangtaphen, das zehn Meilen lang und vier Meilen breit ist, überwiesen, um auf demselben Nachgrabungen nach