Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-09-13 · 37 (13.9.1907) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
37 (13.9.1907)
Date
1907-09-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3020846-3021710-3021748--16671-3041505
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

«Sette 602 Dr. Llocv s Mocbenscdrltt. Rr. 87 brechern Menschenleben mit kühlem Vorbedacht und sorgsamem P^ue geopfert. Aber selbst wenn wir Juden in der Majorität wären, würde es, außer etwa einem Insassen der Irrenanstalt in Mauer-Oehling, gewiß keiner Seele einfallen, eine Anklage gegen jemanden anderen zu erheben als gegen Maria Nikolajewna Tarnowskaja, gegen Prilukow und Naumow. Einmal ja, da ist es den Christen so ergangen wie jetzt den Juden. Da hat mau auch ihre Verbrecher oder die vermeintlichen Verbrecher ihnen allen aufs Konto gesetzt und hat sie alle wegen der Vergehen einzelner verfolgt und mißhandelt. Das war zur Zeit der Römerherrschaft und aus den unschuldig verfolgten Christen entstanden die angebeteteu Märtyrer der chrijrlichen Kirche. Aber das Andenken und die Geschichte dieser Heiligen, die historische Anklage gegen die heidnischen Römer scheint die Christen nicht davor zu bewahren, daß sie Taten in Neros Geiste begehen. Ohne Bedenken hetzen sie und schüren sie wie einst die Auguren und Haruspices jetzt gegen die Juden, erdichten Verbrechen von einzelnen, überwälzen die Verbrechen einzelner auf alle und rufen zu Gewalttätigkeiten gegen eine wehrlose Minderheit aus. Nicht die Kultur unseres Jahrhunderts, nicht unsere Gesetze schützen uns vor dieser Barbarei. Wollten wir etwa dasselbe tun, wollten wir die von schmutziger Gemeinheit starrenden Verbrechen der Tarnowskaja und ihrer Helfershelfer als „echt christlich" hinstellen, die christliche Moral und Ethik angreifen, hui, wie säße uns die Gendarmenfaust am Kragen, auf wie lange schickte uns der empörte Staatsanwalt in den tiefsten seiner Kerker. Sofort würde man sich der Paragraphe über Beschimpfung einer gesetzlich anerkannten Kirche, über Verhetzung zu Haß und Verachtung erinnern. Wir machen die antisemitische Methode nicht einmal im Traume nach, weniger aus Furcht vor dem Verdacht eines Vergehens, als vor dem Verdacht der Trottelei, Weder das eine, noch das andere, weder Furcht noch Verstand halten aber unsere Gegner zurück und so müssen sich denn unsere parlamentarischen Vertreter wohl baldigst bemühen, da eine Hilfe und einen Ausweg zu suchen. Es wäre sehr lächerlich, einem neuartigen Schlagwort nach die Antisemiten und den Antisemitismus vornehm zu ignorieren. Versicherungen von Gerechtigkeit seitens des Ministerpräsidenten besitzen wir ja, gegenüber der Verleumdungstaktik der antisemitischen Presse wäre wohl die erste Notwendigkeit, die schönen Worte auszunützen. Da darf es keine Faulheit geben. Denn die verachteten Hetzartikel der Judenfeinde sind Zündstoff am flachen Land und man kann nicht wachsam und energisch genug sein, um ein Feuer zu verhüten. I. Uprimny. Lol nidre. Aus „Beruri a". Gebet- und Andachtsbuch. Von Rabbiner Dr. Max Grunwald. Verlag von Jos. Schlesinger, Wien. Schon erblinkt der Stern der Nacht Und der Tag des Herrn erwacht! Unsre bangen Herzen beben. Dir zu nahen, Herr der Welten, Der, zu strafen, zu vergelten, Richtet über unser Leben. Unsre Seele fühlt ein Bangen Wie ein müdes Heimverlangen In den Schoß der ewigen Gnade, Die erbarmungsvoll verzeiht Jedem Sünder, der bereut. Bebst du auch, mein armes Herz, Schwer gebeugt von Schuld und Fehle, Fasse Mut, du meine Seele, Blicke hoffend himmelwärts! Denn der Herr der ew'gen Liebe Neigt sich gnadenvoll zu dir, Und in himmlischem Verzeih'« Dich der Qualen zu befrei'«, Stillt er aller niedern Triebe Sündige Begier! Haucht in deine Seele gnädig Seiner Liebe Himmelslicht, Daß du allen Kummers ledig Hebst das Haupt voll Zuverficht, Und mit neugestärkter Seele Wandelst auf dem Pfad der Pflicht. Herr! Vergib uns Sünd' und Fehle, Strafe nicht die Missetat, Blick' barmherzig auf uns nieder, Nimm uns voll Erbarmen wieder Auf in Deiner Gnade Huld Und verzeihe unsre Schuld! Hört ihr's sanft und mild erklingen, Mahnend in die Herzen dringen In des Abends stillem Wehen? Wie ein Bitten, wie ein Flehen Klingt es wundersam und weich, Gottes Stimme spricht zu euch! Spricht zu euch in süßen Tönen: „Menschen, eilt, euch zu versöhnen, Löscht des Haffes frevle Glut In der Liebe Tränenflut, Reichet euch versöhnt die Hände, Seid barmherzig, liebereich, Daß des Schöpfers Huld auch euch Wieder zu ihr Antlitz wende! Blicket auf zum Herrn der Welten, Lernt vergeben, statt vergelten! Rache weiche dem Verzeih'« — Menschen, lernt barmherzig sein!" So durchglüht vom Strahl der Liebe, Der die Nacht des Herzens segnend Hellet wie ein lichter Stern, Komm heran, du Tag des Herrn! Streue hin dein mildes Licht, Das in alle Herzen bricht, Das der Menschheit finstre Triebe, Siegend über Haß und Spott, Wandelt in den Geist der Liebe, Der die Herzen hebt zu Gott! Und vom Abend bis zum Abend Fülle Andacht unfern Sinn, Trage zu des Himmels Höhen Unsrer Reue banges Flehen Vor den Herrn der Schöpfung hin! Zu dem Thron des Weltenherrschers Steige unser Lied empor, Mische mit der Sphären Hymnen Preisend fich zum Jubelchor! Sei willkommen, Tag des Herrn, Sei gegrüßt als heil'ger Bote, Der du mit dem Abendröte Nahst — und bis zum Abend weilest, Der du unser Sehnen stillest, Unser Herz mit Hoffnung füllest, Allen Kummer sänftigst, heilest! Du, der Zagen kehrt in Hoffen, Gnade jedem Sünder weiht, Alles Leid, das uns betroffen, Wandelst um in Seligkeit —, Du, der auf dem lichten Pfade Des Vergebens und der Gnade Unsres Lebens nichtig Teil Führt zum ewigen Seelenheil —, Schon erblinkt dein erster Stern, Sei gegrüßt, du Tag des Herrn!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.