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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-09-13 · 37 (13.9.1907) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
37 (13.9.1907)
Date
1907-09-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 37 L>r. J&locD ö lüiocDenscDiiti, Seite 603 iDotn Aakrmarkt des Lebens. Aufruf des engeren Aktionskomitees. Der achte Kongreß war ein würdiges Glied in der Kette unserer Kongresse. Von einem edlen Idealismus durchflutet, besaßen alle unsere Kongresse die unwiderstehlich wirkende Kraft des Wahren und Echten, die die öffentliche Meinung mächtig anregen. Mit all unseren Kongressen ist das Interesse der Außenwelt gewachsen, und auch der letzte Kongreß hat nach außen kräftig gewirkt. Die warme Anteilnahme der großen Oeffentlichkeit hat bewiesen, daß das Interesse an unseren Bestrebungen durch den letzten Kongreß in neue Kreise gedrungen ist und daß dieser auf unserer Bahn eine neue, bedeutungsvolle Etappe bedeutet. Auch nach innen hat der letzte Kongreß nicht Unbedeutendes geleistet. Er hat tiefe Eindrücke in den Gemütern hinterlassen, das Verständnis für unsere Idee in verschiedenen jüdischen Bevölkerungsklassen vertieft und ausgebreitet. Er wirkte durch die Wucht altheiliger Erinnerungen und durch die Logik und Notwendigkeit seiner Bestrebungen auf die jüdische Seele. Das sind die moralischen Erfolge. Aber die zionistischen Kongresse find nicht nur dazu bestimmt, Propagandadienste zu leisten. Ihre Hauptaufgabe besteht in der Stärkung der Organisation, in der Fortsetzung der Arbeit und in der Fassung grundlegender Beschlüsse. Mit diesen Problemen befaßte sich der achte Kongreß mit großem Ernst. Alle im Zionismus vorhandenen Richtungen haben sich mit voller Klarheit ausgesprochen, und stark ist der Zionismus aus diesem harten Ringen hervorgegangen. Der Kongreß hat durch seine Arbeiten und Beschlüsse bestätigt, daß der Zionismus sich auf drei Grundlagen aufbaut: auf Politik, Vorbereitung des Volkes und Vorbereitung des Landes. Der Grundsatz, daß der Zionismus seinen ursprünglichen politischen Charakter wahren muß, ist in bündigster und klarster Form zum Ausdruck gekommen. Ebenso steht es fest, daß dazu die Vorbereitung des Volkes durch Belebung, Förderung und Stärkung des zionistischen Geistes gehört und daß daran sich die Vorbereitung des Landes reiht, die unter dem politischen Gesichtspunkte, mit Zustimmung der türkischen Regierung, in loyaler Weise im Verhältnis zu den Machtfaktoren und praktisch im Verhältnis zu den ökonomischen Bedingungen zur Ausführung gebracht werden soll. Parallel mit dieser Auffassung läuft die Linie der letzten Beschlüsse. Es tritt dies klar vor die Augen, wenn man das Fazit des letzten Kongresses zieht. Der Kongreß hat zuvörderst in der Art der Leitung. Wandel geschaffen, indem er ein engeres und örtlich mehr konzentriertes Präsidium eingesetzt hat. Indem wir selbst für diese Reform eingetreten sind, waren es wahrlich keine Herrschsuchtsneigungen, die uns dabei beeinflußten. Praktische Erwägungen und Erfahrungen haben uns die Notwendigkeit dieser Neugestaltung zum Bewußtsein gebracht, und wir hoffen, unsere Arbeit hierdurch zur positiveren Entfaltung und fortschreitender Entwicklung zu bringen. In dem Beschlüsse, in dem sich diese Anschauung in konkreter Form verdichtete, trat mit genügender Deutlichkeit der Wille in die Erscheinung, ein harmonisches Zusammenarbeiten aller zionistischen Faktoren mit der Sicherstellung des politischen Standpunktes durch ein innerliches Bündnis herbeizuführen. Der Kongreß hat ferner im Hinblick auf die Notwendigkeit der Vorbereitung des Volkes dem allgemein empfundenen Bedürfnis einer Verinnerlichung Rechnung getragen. Neben dem Schulwesen in Palästina, dessen Förderung angeregt zu haben eines der erfreulichsten Ergebnisse des achten Kongresses ist, wurde der geistigen Hebung in der Diaspora volle Aufmerksamkeit gewidmet, ein Ausschuß gewählt, der die ersten Ansätze zu einer jüdisch-erziehlichen Tätigkeit machen wird. Auf die Arbeiten, die wir in der Formel „Vorbereitung des Landes" zusammengefaßt haben, hat der Kongreß seine größte Aufmerksamkeit konzentriert und Beschlüsse gefaßt, die einen gesunden Fortschritt und eine erfolgreiche Tätigkeit uns ermöglichen. Schlicht und geradlinig gelangte der Wille des Kongresses in seinen Beschlüssen zum Ausdruck: Die Leitung, vereinfacht und näher aneinandergerückt, soll es möglich machen, die ineinandergreifenden Arbeiten auf allen Gebieten harmonisch zu fördern, die vorhandenen Einrichtungen auszubessern und die Organisation mit allen Hebeln einzusetzen. Und um es möglich zu machen, die Beschlüffe in die lebendige Praxis überzuführen, wurde die Gründung eines Parteifonds beschlossen. Dadurch soll die Möglichkeit gegeben werden, auf sicherer Basis mit einem geordneten Budget arbeiten zu können. Er hat hierdurch seinen Willen bekundet, daß die Beschlüffe nicht mehr papierene Beschlüsse bleiben, sondern daß wir sie, wie es einer ernsten und starken Organisation gebührt, zur Ausführung bringen sollen. Nun ist der Kongreß vorüber, und wir schreiten an die Arbeit. Die gefaßten Beschlüffe bezeichnen die Richtlinien unseres Programms. Wir werden uns bemühen, unsere Institutionen so auszubauen und auszugestalten, daß sie in der Lage sein sollen, selbständig und als Glieder des Ganzen zu wirken. Wir werden besorgt sein, den Geist zu stärken, die Bewegung auszubreiten und in dem Geschaffenen Ordnung zu halten. Wir find uns der Schwierigkeiten unserer Aufgabe bewußt. Um unsere Aufgabe erfüllen zu können, ist eine Mitwirkung aller Zionisten erforderlich. Wenn der Kongreß einen enger umgrenzten, intensiveren Mittelpunkt der Zentralleitung geschaffen hat, so bedeutet dies nicht eine Verminderung der Gesamtkräste und Beschränkung der Arbeitsgebiete, sondern im Gegenteil die Schaffung eines leichter zu handhabenden, wirklichen Arbeitszentrums zwecks wirksamer Belebung und Befruchtung aller Sphären zionistischen Schaffens. Der Kongreß hat die Mitgliederzahl des Aktionskomitees vergrößert, die Vorsteher der Landsmannschaften in dieses ausgenommen und, um einer Differenzierung der Richtungen einen freieren Spielraum zu geben, die Möglichkeit geschaffen, neue Föderationen zu bilden. Diese Bestimmungen haben den Rahmen unserer Organisation in einer volkstümlichen Weise erweitert. Es handelt sich nun darum, diesen Rahmen mit zionistischer Arbeit von Gestaltungsfähigkeit und organischer Schöpfungskraft auszufüllen. Wir werden uns unsererseits bemühen, einen kräftigeren Zusammenhang mit den Mitgliedern des großen A. C., mit den Landsmannschaften und Federationen zu bewahren. Wir werden einen innigeren Kontakt mit den jüdischen Massen suchen und eine Fühlungnahme mit den entferntesten Kreisen unserer Organisation anstreben. Damit aber die Kongreßbeschlüffe nicht graue Theorien bleiben, damit wir in die Lage gesetzt werden, die schwierigen Probleme, denen wir gegenüberstehen, zu lösen, den Hindernissen zielbewußt und kraftvoll Trotz zu bieten und Schritt für Schritt ohne Hast, aber auch ohne Rast uns unserm Ziele zu nähern, muß nun die Arbeit auf der ganzen zionistischen Linie energisch fortgesetzt werden. Alles ist von dieser Arbeit abhängig. Die Möglichkeitsgrenzen der politischen Aktion, die Aussichten der praktischen Unternehmungen, die Ausgestaltung unserer Behörden und Bureaus, die Leistungsfähigkeit der Zentrale find durch die Größe, die Tüchtigkeit, die Begeisterung und — last not least — die Spendekraft unserer Gefinnungsgenoffen bedingt. Niemand darf in breitem Behagen sitzen und von den anderen Wunder erwarten, niemand darf teilnahmslos und grollend abseits stehen, um zur Stunde der Abrechnung wohlfeile Fragen zu stellen, warum man dies oder jenes nicht getan habe. Alle müffen eifrig mittun. Die Zeit der Diskuffioncn ist vorüber. Was wir zu tun haben, darüber find alle einig. Geeint in unseren Bestrebungen, mit Begeisterung und straffer Disziplin, mit richtiger Arbeitsteilung und strenger Ausrechterhaltung der von uns allen und für uns alle geschaffenen Organisation werden wir auf dem Wege, der uns zu unserem Ziele führt, unermüdlich vorwärtsschreiten. Und wir glauben zuversichtlich, daß sich bei unserer Arbeit alle zusammenfinden werden, die unser gemeinsames Ziel aufrichtig und innig wünschen. Das Engere Aktionskomitee: David W o l f f s o h n, Vorsitzender. Jakobus Kann. Prof. O. Marburg.

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