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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-09-06 · 36 (6.9.1907) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
36 (6.9.1907)
Date
1907-09-06
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 36 Dr. Lldcv's MocbenscbE. Seite s»i von Moses Heß gelesen, die vor 45 Jahren erschienen ist: „Rom un d I e r u s a l e m, die letzteNationalitätsfrage", und zuerst das Thema von der jüdischen Nation behandelt. _ Jüdische Staatsmänner in den Bereinigten Staaten. Anläßlich der Ernennung Oskar Straus' zum Handels- Minister verzeichnet American Hebrew die Namen aller Juden, Welche bisher ein hohes Regierungsamt in den Vereinigten Staaten von Nordamerika bekleidet haben. Bereits zu Beginn des vorigen Jahrhunderts (von 1813—1816) war Mordechai M. Noah Konsul in Tunis. Edwin de Leon und der bekannte Politiker Simon Wolff waren Generalkonsuln in Egypten. Ersterer im Jahre 1854, Letzterer im Jahre 1881, Max Judd in gleicher Eigenschaft in Wien (1893—1897), Benjamin L. Peixotto in Bukarest (1870—1876) tätig. Endlich war Salomon Hirsch von 1889—1892 amerikanischer Botschafter beider Türkei und ist Lewis Einstein Legationsrat in London. Was die jüdischen Parlamentarier betrifft, so find im ganzen Verlauf des. vorigen Jahrhunderts nur drei Glaubensgenoffen zu Senatoren gewählt worden, nämlich David L. Iulee (1845 bis 1861), Benjamin F. Jonas (1879—1885) und Josef Simon (1897 — 1903). Gegenwärtig ist Isidor Rayner der einzige jüdische Senator. Eine ganz besondere Stellung nahm Juda P. Benjamin ein. Für die Jahre 1852—1861 von einem der Südstaaten in das Weiße Haus entsendet, schloß er fich später der Rebellion an und war als erster Sekretär des Präsidenten Jeffersohn Davids die Seele der Bewegung gegen die Präsidentenschaft Lincoln's. Nach Niederwerfung der Rebellion ging er nach England, wo er bis zu seinem Lebensende verblieb. Größer als die der jüdischen Senatoren war die Zahl der jüdischen Kongreß-Mitglieder, deren es insgesamt vierzig gab. Gegenwärtig zählt das Unterhaus vier Juden, nämlich Henry M. Goldfogle und Lucien N. Littauer für New-Aork, Julius Kahn -für -Californien und Ad. Meyer.> für Louisiana. Das Grab Mordechais und Esthers. Prof. A. V. Williams Jackson von der Columbia Universität, dessen indo-iranische Sprach- und Geschichtsforschungen auch in deutschen Gelehrtenkreisen warme Anerkennung gefunden haben, bat kürzlich im Verlage der Macmillan Company in New-Aork und London ein mit Illustrationen reich ausgestattetes Werk unter dem Titel „?ersia past and present“ (Persien einst und jetzt) erscheinen lasten. Eines der anregendsten Kapitel behandelt die Stadt Hamadan, das alte Ekbatana, einst die Residenz der medischen Könige, in der noch heute Sagen von Isländer — Alexander dem Großen — lebendig sind. Auch aus der jüdischen Geschichte haben sich dort mancherlei Ueberlieferungen erhalten und wie es im Orient häufig der Fall ist/ werden altisraelitische Helden heute in gleicher Weise von Mohammedanern, wie von Juden verehrt. Ein Beispiel hiefür ist das Grab Esthers und Mordechais, über das Prof. Jackson Folgendes schreibt: „Es ist auf einem alten jüdischen Friedhof gelegen, südlich vom Zentrum der Stadt und es soll denselben Platz einnehmen, wie das ursprüngliche Grabmal, das bei der Erstürmung von Hamadan durch Tamerlan zerstört wurde. Das Gebäude ist ein niedriger Backsteinbau . mit einer hohen,. spitz zulaufenden Kuppel, die ihre Stuck- und Ziegelbekleidung zum größten Teil verloren hat. Der Eingang besteht aus einem anspruchslosen Spitzbogen, durchbrochen von einer ganz niedrigen Tür, die aus einem einzigen Steinblock gefertigt ist. Sie dreht sich schwerfällig in den roh behauenen Angeln, die aus demselben Stein gemeißelt und in tiefe Zapfenlager eingesetzt sind. Man muß kriechen, um durch die enge Pforte hindurchzukommen und gelangt dann in einen niedrigen, gewundenen Gang, der in die Krypta führt. Die schmutzigen Mauern dieses gewölbten Raumes find vom Rauch der Kerzen und von den Lampen der Hunderte von Pilgern — Mohammedanern und Juden — die das Heiligtum besuchen, so verqualmt, daß die in verschiedenen Sprachen gehaltenen Inschriften kaum zu erkennen sind. Dicht neben einander liegen in der Mitte der Kammern die beiden Grabstätten, jede bedeckt mit einem kastenförmigen Sarkophag aus Ebenholz, der eine ein wenig kleiner als der andere und beschrieben mit Schriftzeichen. Diese Inschriften und die Texte an den Wänden enthalten Stellen aus dem Buche Esther, Lobgesänge auf die jüdische Heldin und auf Mordechai und verschiedene andere Ueberlieferungen. Fragmente von Pergamentrollen der Heiligeu Schrift, aber doch zu heilig, um vernichtet zn werden, liegen umhergestreut. Betreffs der Glaubwürdigkeit der Grabstätten geht die Schulmeinung dahin, daß die Juden von Hamadan die Opfer eines frommen Wahnes sind und daß die Ueberlieferung, das Grabmal umfasse tatsächlich die Ruhestätten Esther's und Mordechai's, deren Namen auf den Kenothapien stehen, sich historisch nicht begründen läßt. Gleichwohl halten die Juden in Hamadan die Authentizität der Gräber für untrüglich. Sie glauben fest daran, daß noch heute Wunder an dem Grabmal geschehen, namentlich zur Zeit des PurimfesteS." * * * Albert Ballin, dem General-Direktor der Hamburg- Amerika-Linie, widmet das „Hamburger Fremdenblatt" zu seinem 50. Geburtstage einen auf das Lebenswerk des Mannes rückschauenden Artikel, dem wir das Folgende entnehmen: „Er hat sein Werk geschaffen aus Verhältnissen heraus, die im Vergleich zum Lande der unbegrenzten Möglichkeiten klein erscheinen müssen. Müßig ists, zu fragen, wie ein Ballin, dem nichts unüberwindbar scheint, in jenem Lande die Spuren seiner Erdentage eingegraben hätte. Und doch hätte diese Frage eine praktische Bedeutung erhalten können, wenn ihn der Reichtum, den ein großer Cancern ihm bot, gelockt hätte, die Arbeiten dieses Concerns zu übernehmen. Man bot ihm das jährliche Einkommen, das den Leiter des großen Stahltrusts belohnt: eine Million Dollar! Er dankte und blieb in Hamburg als kühner, unternehmender Hanseat. So hatte ihn laut und vor allem Volk der Kaiser genannt. Es war 1901, bei einem Festmahl auf der „Prinzessin Viktoria Luise" der Hamburg-Amerika-Linie: „Ich erkenne mit Dank an, daß der Direktor dieser Gesellschaft, der dieses wunderbare Schiff, nach dem Namen meiner Tochter getauft, uns heute zur Verfügung gestellt hat, als kühner, unternehmender Hanseat hinausgegangen ist, um uns friedliche Eroberungen zu machen, Eroberungen, deren Früchte dereinst unsere Enkel einheimsen werden." Und ein Bild des Kaisers, dessen Verleihung des Monarchen Anerkennung wiederholte, trug desKarsers eigenhändige Unterschrift: „Dem weitblickenden, unermüdlichen Bahnbrecher für unseren Handel und unsere Ausfuhr." Noch größere Auszeichnung ward Ballin zuteil. Der Kaiser besuchte ihn vor zwei Jahren in seiner Wohnung und fand sich auch, einer plötzlichen Eingebung folgend, eines Tages bei ihm im Verwaltungsgebäude der Hamburg-Amerika-Linie ein. Da stand es für viele fest: Ballin sollte Minister werden. Eisenbahnminister oder Finanzminister. Wär's verwunderlich gewesen, wenn ihm der Kaiser ein Portefeuille angeboten hätte? Nein, verwunderlich wär's nur gewesen, wenn Ballin es angenommen hätte. Er wäre kein Dutzendminister geworden Aber auf dem Platze, auf dem er stand, war ein Mann von der Qualität Ballins dringlicher als auf einem Ministersessel. Wir wissen nicht, ob Ballin jemals Minister werden sollte. Ballin selbst spricht, auch in seiner näheren Umgebung nicht, niemals über solche Dinge. Es ist auch kaum anzunehmen, daß ein Ruf ins Ministerium des Reiches oder Preußens, der seiner Wirksamkeit engere Grenzen gezogen, ihn gereizt hätte. Umspannen die Verbindungen seiner Gesellschaft doch den ganzen Erdball. Nahezu 20.000 Menschen halten im Dienst der Hamburg-Amerika-Linie das gewaltige Räderwerk des grandiosen Betriebes in sausendem Schwung. Könnte fich da einer, dessen überlegener Persönlichkeit diese Mitwirkung zu danken ist, in einem Betrieb, besten Budget dasjenige manches Königreiches übertrifft, nicht selbst als Herrscher fühlen? Aber gerade seine stets gleich gebliebene prachtvolle Einfachheit ist es, die auf alle, auf Große und Geringe» so seltsam anziehend wirkt; jene große Einfachheit der Persönlichkeit, die nur Menschen von wahrhaft vornehmer Gesinnung und Geisteshoheit eigen ist; eine Einfachheit der Persönlichkeit, deren Bewußtsein ihrer Bedeutung und Kraft das Wesen schlichter Größe trägt. Mit manchem anderen großen Jndustriemagnaten teilt auch er die Abneigung gegen Titelwesen, soweit seine Person in Frage kommt. Als er infolge einer Reorganisation in der Oberleitung den Titel „Generaldirektor" ablegte und sich Vorsitzender des Direktoriums nannte, wurde er von einem Angestellten gefragt, wie er in Zukunft tituliert werden möchte. „Gar nicht", antwortete er, „ich bin froh, daß ich es nach zwanzig Jahren erreicht habe. Ballin zu heißen." Korrespondenzen. Prof. D. August Wünsche in Dresden über „Beruria", Gebet- und Andachtsbuch für jüdische Frauen und Mädchen. An den Verfaffer von „Beruria", Herrn Rabbiner Doktor Max Grunwald in Wien, richtete Herr Prof. D. August Wünsche aus Dresden nachstehendes Schreiben: Dresden, Albrechtstr. 15. 31. August 1907. Hochgeehrter Herr Doktor! Nehmen Sie meinen herzlichsten Dank für Ihre herrliche literarische Gabe. Sie haben ein Werk geschaffen, das sicher Gottes Segen begleiten wird. Die Andachten, soweit ich sie bis

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