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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-09-06 · 36 (6.9.1907) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
36 (6.9.1907)
Date
1907-09-06
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 892 Nr. 36 Vr. Llocb's Mocbenscbrttt. jetzt, gelesen versetzen den Betenden in Stimmung und fassen das Gemüt. Ein poetischer Zug weht in den Gebeten. Fast wollen mir die Prosastücke in dieser Beziehung noch besser gefallen, als manche poetische. Fast alle Situationen des Lebens haben in Ihrem Werke einen schönen Gebetsausdruck gefunden, der zum Herzen spricht und die Bedeutung in lebendiger Schilderung vor die Seele führt. Als einen besonderen Vorzug Ihrer „Beruria" erachte ich, daß sie den Siddur begleitet. Möge dem herrlichen Werke ein reicher Absatz beschieden sein! In größter Hochachtung Ihr ergebener D. August Wünsche. Die Juden als politischer Machtfaktor in Oesterreich. In der polnischen Presse wird die bevorstehende Laudtagswahlreform bereits lebhaft diskutiert. Denn nicht anders wie bei der Rcichsratswahlreform wird gerade in Galizien die Aenderuug des bestehenden Wahlrechtes für den Landtag zum Problem. Was in den anderen Ländern der österreichischen Krone einfach die Durchführung beschlossener Gesetze ist, wird in Galizien als Beuteobjekt der Schlachta erst einer gründlichen Prüfung unterzogen, ehe mau sich entschließt, das Gesetzliche als Gesetz anzuerkennen. Für die Juden Galiziens bedeutet die Aenderung des Wahlrechtes für die Landtage sehr viel. Eigentlich das Um und Auf ihrer politischen Rechte. Wie bei den Reichsratswahleu werden die galizischen Machthaber auch jetzt alle Mittel und Mittelchen in Bewegung setzen, um die Juden ihrer Rechte zu berauben. Sie werden sich diesmal umso weniger scheuen, als sie ja die Reichsratswahlen belehrten, daß Recht. und Gesetz vor den Toren Galiziens eine Schranke finden. . . . Und noch immer köunen's die Herren nicht verschmerzen, daß jüdische Wähler gegen Terror und WillAr sich wehren. Die vier jüdisch-nationalen Vertreter sind den patentierten, galizischen Seelsorgern ein Dorn im Auge. Auch die Ruthenen haben eine Kraftprobe abgelegt und bewiesen, daß sie sich nicht länger dem Willen der galizischen Machthaber beugen. Sie werden auch bei den Landtagswahlen gerüstet in den Kampf ziehen und dem „Nationalrat" das Leben, das sich für seine Mitglieder so schön gestaltet, sauer machen. Der Ansturm der Sozialdemokraten wird die oppositionelle Phalanx noch fester schließen. Und an der Tatkraft der Opposition wird es liegen, ob die Schlachta noch immer die unumschränkte Herrin des Landtages sein soll. ... Wie entscheidend die Stellungnahme der galizischen Juden, von welcher Bedeutung ihr Eingreifen sein kann, das lehrt eine Broschüre, die urz vor den Reichsratswahlen erschien. *) In knappen Zügen schildert der Verfasser den historischen Werdegang der galizisch-jüdischen Politik, vom „Verfassungsjahre" angefangen. Die soziale Lage der galizischen Juden erfährt eine eingehende Behandlung; aus dem Werke des unvergeßlichen Stanislaus Szcepauiski's „D as El end G alizi en s ziffernmäßig beleuchtet", gibt Dr. S. R. Landau eine erschütternde Statistik wieder. Wie die Assimilation, wie das feige, knechtische Jsraelitentum zusammenbrechen mußte, wie die jüdisch-nationale Idee immer mehr Boden gewann, ist überzeugend und als Konsequenz der politischen Entwicklung der galizischen Juden dargestellt. Das Resümee des Verfassers ist ein Wahl- und Kampf programmfür die galizische Judeuschaft: 1. Die politische Gleichberechtigung der Juden als Staatsbürger. 2. Die nationale Gleichberechtigung der Juden als Volk. 3. Die soziale Fürsorge für das jüdische Massenproletariat. Dieses Minimalprogramm hat auch Dr. Sträuchen dem Ministerpräsi- *) „Der Polenklub und seine Hansjude n." Von Dr. R. S. Landau. Verlag E. W. Stern, Wien, I., Franzensring. Preis 60 Heller. deuten Baron Beck bei der letzten Unterredung unter-, breitet. Der Verfasser verdient den Dank und die Anerkennung all Jener, die für Recht und Gesetz eintreten. M. Sch-l. Marranen in Rußland. Petersburg. Ein kaiserlicher Ukas vom 21. August bestimmt ergänzend zu dem Gesetze über die Glaubensfreiheit, daß Juden, die früher zum orthodoxen Glauben übergetreten sind und jetzt wieder den jüdischen Glauben annehmen, ihre durch den Uebertritt zum Prawoslaventum erworbenen Bürgerrechte verlieren und in das Ansiedelungsgebiet auszuweisen sind. Odessa. Um den Tod des Offiziers und der drei Polizeileute, die beim Entladen einer bei einer Hausdurchsuchung gefundenen Bombe verunglückten, zu rächen, organisierte der Verband russischer Leute einen Pogrom, der noch andauert. Die Raufbolde laufen durch alle Straßen und schießen auf die Juden. Drei Juden wurden getötet, gegen sechzig schwer verwundet. Es herrscht große Panik. Petersburg. Ueber den Pogrom in Odessa wird vom 2. d. M. telegraphiert: Seit drei Tagen werden von den Mitgliedern des russischen Volksverbandes scheußliche Greueltaten verübt. Als Vorwand diente ihnen die am Sonnabend im Petropawlowski- Polizeibezirk erfolgte Explosion einer Bombe, welche dort schon lange verwahrt worden, und die Ermordung eines Polizeiaufsehers und dreier Schutzleute durch unbekannte Täter. Sofort nach diesen Ermordungen begann die Schwarze Bande in den Straßen des Stadtteils Moldawanka, besonders beim jüdischen Hospital, auf Vorübergehende, namentlich auf Juden, zu schießen und sie zu mißhandeln. Am Abend des 1. d. M. überfielen Volksverbändler in den zentralen Stadtteilen sowie in den Vorstadtbezirken vor den Augen der Polizei vorübergehende Juden und Studenten, schossen, stachen mit Messern und schlugen mit Gummiknüppeln auf sie. Es kam vor, daß Studenten und Gymnasiasten sich in Droschken retten wollten, jedoch von Polizisten angehalten wurden, bis sie von der Schwarzen Bande erreicht und halbtot geprügelt wurden. Am 2. d. M., nach Beerdigung der Opfer der Explosion, machten Volksverbändler Massenüberfälle auf die Derebisowskaja-Straße, umzingelten den Stadtgarten und prügelten die Spaziergänger. Am selben Tage wüteten sie im Stadtteil Moldawanka, wohin Kosaken geschickt wurden. In diesen drei Tagen sind zwei Juden getötet und hunderte verwundet und viele Läden geplündert worden. Die Selbstschutzorganisation ist mehrfach zum Schutze des Publikums gegen die Schwarze Bande aufgetreten und hat mit ihr Schüsse gewechselt, wobei es auf beiden Seiten Verwundete gab. Unter der Bevölkerung herrscht Panik und viele Juden verlassen die Stadt. Die Krankenhäuser sind mit Verwundeten überfüllt. Die Börse sowie die Getreidebörse sind geschlossen. Eine Deputation des Börsenkomitees erschien beim Generalgouverneur, um wegen der Ausschreitungen der „Schwarzen Banden" Klage zu führen. Der Gouverneur erklärte, die Polizei sei machtlos. An allen Ausschreitungen seien die Juden schuld, weil sie den revolutionären Organisationen angehören. Petersburg. Wie aus Petersburg gemeldet wird, hat der Verband des russischen Volkes an den Zaren eine Adresse gesandt, in welcher der vollständige Ausschluß der Juden von der Duma verlangt wird, damit eine echt russische Duma zustande komme. An den Rand dieser Adresse habe der Zar geschrieben: „Mit Vergnügen gelesen." Ein Flugblatt der „Schwarzen Hundert". Berlin. Die Ruffische Korrespondenz teilt ein Flugblatt mit von dem Verbände der „Schwarzen Hundert", worin dieser die Juden und Polen beschuldigt, daß sie die Ursache der Cholera und anderer Seuchen seien. Die Juden hätten eingesehen, daß sie aus dem Wege der alten Revolution nicht zum Ziele kämen. Deshalb verbreiten sie jetzt Seuchen unter den Russen.

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