Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 16 (19.4.1907)
- Date
- 1907-04-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 266 jp'c. r>!orr^s rVmtzenrchrM 16 Im Dezember 1902 trat die lang geplante Vorbereitungs- Abteilung ins Leben und Religionslehrer Herr Franz Teltsch erhalt die Aufgabe zugeteilt, hier den Grundstock für die höheren Schulklassen zu schaffen. Im Herbste 1903 trat Rabbiner Dr. Max Grunwald an die Spitze der Vereinsleitung. Seine begeisterte Hingabe für alles, was die Schule betrifft, wirkt aneifernd in der Vereinsleitung selbst und beim Unterrichte. In treuer Gefolgschaft unterstützt die Vereinsleitung sein unentwegtes Bemühen, Erfolg an Erfolg zu reihen. Seiner Tatkraft ist die Einführung des Müdchenunterrichtes an der Talmud-Thora-Schule zu danken. Wichtiger vielleicht noch wie beim Knaben erscheint es den Samen echter Religiosität, die Liebe zum Glauben in das Herz des Mädchens, der zukünftigen jüdischen Mutter, zu legen. Es ist ein herzerhebender Augenblick, wenn zur Zeit der Jahresschlußfeier die Talmud-Thora-Schule ihre Schüler und Schülerinnen öffentlich Proben ihres Könnens und Wissens ablegen läßt und hunderte jüdischem Knaben und Mädchen mit schlagfertiger und oft überraschender Kenntnis uns Beweise liefern, wie tief die Lernbegier im jüdischen Herzen noch wurzelt, wie Liebe zur Sache bei Lehrer und Schüler die schönsten Erfolge zu zeitigen vermag. Und daß die Mädchen vielfach hier noch die Knaben überflügeln, ist eine Tatsache, die mit ungetrübter Freude festgestellt werden darf. Es ist ein sicheres Zeichen für die richtige Erkenntnis des hohen Werkes dieser Schule in der jüdischen Bevölkerung der umliegenden Bezirke, daß mit einer Mädchenabteilung allein gar bald nicht mehr das Auslangen gefunden werden konnte. Die große Zahl der Anmeldung von Schülerinnen erbrachte die Notwendigkeit, sofort eine zweite Mädchenabteilung ins Leben zu rufen, und neuerdings wurde als Vorstufe zu den übrigen Klaffen für Anfänger eine gemischte Knaben- und Mädchenabteilung eingerichtet. Die Schule, die gegenwärtig von annähernd 300 Schülern — gegen 40 vor zehn Jahren — besucht wird, besteht demnach aus drei Knaben-, zwei Mädchenabteilungen und einer gemischten Klaffe, die von zwei überaus tüchtigen Lehrern geleitet werden Der eminenten Bedeutung der Jugendlektüre Rechnung tragend, bat Herr Rabbiner Dr. Grunwald vor zwei Jahren auch eine Schulerbibliothek angelegt, die, obwohl noch klein, sehr gute Dienste leistet. Bedenkt man, daß die allgemeinen Schülerbibliotheken zuweilen Schriften enthalten, welche, von ihrem christlich-religiösen Charakter abgesehen, nicht selten das jüdische Gefübl verletzen und die Seele des Kindes vergiften, so wird man das Bestreben, unseren Kindern Erzählungen aus dem jüdischen Familienleben oder aus der jüdischen Geschichte zu bieten, zu würdigen verstehen. Gönner seien hier auf ein Feld verwiesen, auf dem jede Spende reiche Früchte trägt. Auf dem Gebiete der Unterstützung jüdischer Schülerdibliotheken bleibt dem Freunde und Förderer echt jüdischer Bestrebungen ein weites Feld edler Betätigung offen. Mit berechtigtem Stolze blicken Wiens westliche Bezirke auf ihre Talmud-Thora-Schule hin, die aus kleinen Anfängen, dank sorgsamer Pflege, zu solch schöner Blüte gelangte. Möge sie vorbildlich wirken, überall dort, wo solch erhabene Stätten unserer Jugend noch fehlen! Möge das Beispiel der Männer, die unverzagt durch Jahre Stein um Stein mühsehlig zusawmentrugen, um diesen echten Hort zu schaffen, insbesondere aber das Wirken jener hochverdienten Männer, die durch treffliche Leitung der Anstalt deren Erfolge sicherten, aneifcrnd wirkend zum Heile und Wohle der Zukunft unseres Volkes. Der Schule selbst und ihrer Leitung rufe ich aber zu: Inas -an hv am Strach. * -ft * G eueralv ersarnmlung des Talnrud-Dhora-Bereines für die westliche« Bezirke Wiens. Am 14. d. M. fand die XI. Generalversammlung des Vereines unter Leitung des Obmannes Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Max Grmrwald statt. Mit gehobenen Gefühlen nahm die Versammlung den Rechenschaftsbericht, der die außerordentlichen Erfolge der Schule, insbesondere in den letzten Jahren kennzeichnete, zur Kenntnis, und Kommerzialrat Herr Leopold Baß beantragte, der Vereinsleitung für die umsichtige und segensreiche Tätigkeit den Dank auszusprechen, welcher Antrag zur einstimmigen Annahme gelangte. Durch die vorgenommenen Wahlen wurden die ausscheidenden Vorstandsmitglieder, die Herren Moritz Stärk, Ludwig Spitzer und Moritz Oesterreicher, wiedergewählt, und Kommerzialrat Herr Leopold Baß, sowie Herr Julius Straßnow in den Vorstand berufen. Dem verstorbenen Obmanstellvertreter Herr» Kommerzialrat und Knltusvorstand Gottlieb Taussig hielt der Vorsitzende einen ergreifenden Nachruf, in dem die besonderen Verdienste dieses Mannes als eines eifrigen Förderers des Vereines die gebührende Hervorhebung fanden. Den Herren Lazar W i e s n e r und Franz T e l t s ch wurde für ihr erfolgreiches Wirken der Dank der Versammlung ausg sprachen. In der folgenden konstituierenden Sitzung des Vereinsausschuffes wurde Herr Kommerzialrat Leopold Baß zum 1. Obmannstellvertreter und Herrn Ignaz Sonnenfeld zum II. Obmannstellvertreter gewählt. Zum Kassier wurde Herr Moritz Stärk, zum Schriftführer Herr Isidor Gelhart und zn Revisoren die Herren Jonas Königstein und Sigmund Daniel gewählt. Korrespondenzen. Aus der Plenarsitzung des Kultusvorstandes vom 14. April 1907 unter dem Borsitze des Präsidenten Herrn Dr. Alfred Stern. Beginn 10 Uhr vormittags. Der Präsident eröffnet die Sitzung, konstatiert die Beschlußfähigkeit und wendet sich mit herzlichen Worten der Begrüßung an die zwei zum ersten Male erschienenen Mitglieder aus dem 21. Bezirk, die Herren Dr. I. König und Emanuel G r ü n w a l d. Der Präsident erwähnt rühmend das Wirken dieser Männer und der bisherigen Kultusgemeinde Floridsdorf und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß es ihnen nunmehr in dem gemeinsamen Wirkungskreis vergönnt sein wird, Ersprießliches zu schaffen. — Herr Dr. I. König dankt dem Präsidenten für die liebenswürdige Begrüßung und verspricht im eigenen Namen sowohl als im Namen seines Kollegen, den Aufgaben der Kultusgemeinde Eifer und Gewissenhaftigkeit widmen zu wollen. Der Präsident wendet sich sodann an das Mitglied des Vertreterkollegiums kaiserl. Rat B. von Pollak und spricht ihm zu der ihm in den jüngsten Tagen gewordenen kaiserlichen Auszeichnung (Adelsverleihung) den Glückwunsch aus. Redner erwähnt, daß die kaiserliche Auszeichnung nicht bloß eine wohlverdiente sei, sondern durch die Art, wie sie erfolgte, eine hohe Bedeutung erlangt habe, über welche das Vertreterkollegium der besonderen Genugtuung und Freude Ausdruck gebe. Kaiserl. Rat B. von Pollak spricht dem Präsidenten und den Kollegen für diese Kundgebung der Sympathie seinen Dank aus. Im Einlaufe befinden sich: Dankschreiben des Herrn Dr. Adolf H o f f m a n n für die Gratulation des Kultusvorstehers anläßlich seines 85. Geburtstages. Dankschreiben der Frau Helene Rosner für die Aufnahme des Namens ihres Gatten Salomon Rosner sel. A. in die Haskarah des Gemeindebethauses, XVI., Hubergasse 8. Dankschreiben des Vorstandes des israelitischen Volksschulvereines „Talmud Thora" für die vom Kultusvorstande zum Neubaue eines Schulhauses bewilligte Subvention per K 30.000. Dankschreiben des Ehepaares Leopold und Rosalia Lilienfeld für die Glückwünsche und das Ehrengeschenk des Kultusvorstandes anläßlich ihrer goldenen Hochzeit. Dankschreiben der Administrativbeamten für die erfolgte Neusystemisierung. Mitteilung der k. k. n. ö. Statthalterei betreffs Zurückziehung der Auflösungsanzeige des Tempelvereines im X. Bezirk Spendenliste. Von Herrn Dr. Alfred Rapoport Edlen von Porada und namens seiner Schwestern zum Andenken an ihren verewigten Vater Herrn Dr. Arnold Rapoport Edlen von Porada, für Wohltätigkeitszwecke.K 5000.— Von Herrn Ignaz Ehrenfeld für Wohltätigkeitszwecke. . „ 3000:— Von Herrn Wilhelm Abeles & Eo. im Namen und Aufträge der Erben nach dem verstorbenen Herrn k. k. Kommerzialrat Sigmund Mendel für das Siechenhaus.‘.. 3000.— Von Herrn Salo Cohn zur Deckung des Defizites der Armen-Anstalt der isr. Kultusgemeinde 'pro 1906 „ 2800.— weiters als Beitrag für die Verpflegung eines stummen Knaben behufs Erlangung der Sprachfähigkeit... 100.— Von Herrn Julius Wolf anläßlich der Verheiratung seiner Tochter für diverse Wohltätigkeitsverciue . „ 2000.—