Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 52 (28.12.1906)
- Date
- 1906-12-28
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 896 Nr. Llocb s Mocbenscbrln. Nr. 53 Seite gekämpft, sowie die jüngeren, die ihn nie persönlich sahen, werden stets mit Liebe und Bewunderung das Andenken an sein Lebenswerk und an die Feuerseele Ernst Josephsons bewahren." Seine bedeutendsten Gemälde sind nach harten Kämpfen, die frühzeitig seine Kraft gebrochen, doch fast sämtlich vom Staate angekauft und den Nationalgalerien Stockholms, Christianias und Gothenburgs einverleibt. Gin jüdischer Militärgottesdienst in London. Am Sonntag fand zur Feier des Ehanuka-Festes zum Vierzehntenmale in der Zentralsynagoge in London ein jüdischer Militärgottesdienst statt. Unter den Erschienenen befanden sich viele hervorragende Militärs und Zivilisten, die nicht der jüdischen Gemeinde angehören, wie z.B. der Feldmarschall Sir George S. White, der Sekretär des Kriegsmini« steriums Oberst Ward, der Lordmajor und die Sheriffs, die in Amtstracht erschienen waren, sowie viele Aldermen und Stadträte. Der intereffante Gottesdienst fand hauptsächlich in hebräischer Sprache statt. Die Festrede hielt der Rabbiner Adler, der Feldgeistlicher für die jüdischen Matrosen und die Soldaten der englischen Flotte und des Heeres ist. Zum Texte wählte er die Aufforderung des Judas Makkabäus an seine Begleiter, tapfer und stets kampfbereit zu sein, für das glorreiche Reich zu kämpfen. Er ermahnte die Soldaten, sich von dem Geiste der Makkabäer beseelen zu laffen. Englische Juden würden stets berett sein, für das glorreiche Reich zu kämpfen. Sie hätten dies in Südafrika bewiesen, wo mehr als hundert Juden auf dem Schlachtfelde starben. Es sei Pflicht der Soldaten, wenn sich Gelegenheit biete, zu Ehren des jüdischen Namens beizutragen. Es waren im Ganzen 305. jüdische Soldaten erschienen unter dem Kommando des jüdischen Obersten Eohen von den Ost-Londoner Pionieren. Bei einer Versammlung am Abend verglich ein anderer Redner, Mr. Felix A. Davis in packender Rede die Lage der jüdischen Soldaten in England mit derjenigen ihrer Glaubensgenossen in Rußland. Der neue Arzt des Sultans. Kostantiuopel. Nach Informationen aus dem Iildiz hat Profeffor Bier den Antrag des Sultans, definitiv in seine Dienste zu treten und hieher zu übersiedeln, angenommen. Profeffor Bier, der Jude ist, soll gleichzeitig an der hiesigen medizinischen Schule wirken. Der Chirurg Profeffor Dr. R. Bier ist bereits im Juli dieses Jahres, zur Zeit der schweren Erkrankung des Sultans Abdul Hamid, zusammen mit Profeffor Bergmann in Konstantinopel gewesen, um die Behandlung des kranken Padischah zu letten. Als Bergmann nach Berlin zurückkehrte, verblieb Bier noch längere Zeit in der Haupstadt des türkischen Reiches und hat auch seine Frau und seine Kinder dahin Nachkommen lassen. Profeffor Bier steht gegenwärtig im 45. Lebensjahre. Bier hat zahlreiche wissenschaftliche Abhandlungen veröffentlicht. Eine neue jüdische Kolonie in den Bereinigten Staaten. New-Iork, 19. November 1906. Nahe an 1000 Juden aus allen Teilen New-Iorks wohnten gestern Abend einer Versammlung der Jewish Colony Organization, 62 East 4th Street bei. Verschiedene Redner, die sich an die Versammlung in englischer, deutscher und jüdischer Sprache wandten, berichteten von dem Plan der Gründung einer jüdischen Kolonie auf einem großen.Landstriche in Nassau County, direkt gegenüber dem Belmont Race Track. Pläne zur Etablierung von 400 Heimstätten sind bereits vorbereitet worden und man erwartet, daß diese Heimstätten Anfang nächsten Jahres zum Beziehen fertig sein werden. Diese 400 Heimstätten sind von Juden aus der ganzen Stadt und von Long Island gekauft worden. Die Mehrzahl der Käufer kam von der Ostseite, wo, wie einer der Redner sich ausdrückte, „die Leute nach frischer Lust und Sonnenlicht schmachten". Es ist die Absicht der Philanthropen, die an der Spitze dieser Bewegung stehen, abgesonderte Heimstätten für 1685 Familien zu gründen. Die Förderer dieser Kolonie wollen diese Stadt zu einer Muster- Munizipalität machen. — Ansprachen sind gehalten worden von: Morris Becker. Max H. Thuna, Max Welkowitz und Samuel Wolkoff, den Hauptorganisatoren der Kolonie, und Profeffor Becker (New-Iork Times). Vermischtes. Borttagszyklus aus jüdischer Geschichte. Donnerstag den 3. Jänner 1907, präzise halb 8 Uhr abends, findet im Festsaale des Ingenieur- und Architektenvereines, I., Eschenbachgasse 9, ein Vortrag der Frau Regina N e i s s e r aus Breslau statt. Thema: „Bedeutende jüdische Frauen des XIX. Jahrhunderts in Literatur, Kunst und Humanität." Eintritt frei. Wien. Am 23. d. M. fand im Tempel des IX. Bezirkes die Trauung des Fräuleins Emma E h r m a n n, Tochter des Herrn Ingenieurs Albert E h r m a n n, mit dem Herrn Ingenieur Otto Steinhauer statt. Eine große Schar distinguierter Gäste war erschienen, unter denen man den Bruder des Brautvaters Herrn Kultusvorsteher Prof. Salomon E h r m a n n bemerkte. Rabbiner Dr. G e l b h a u s hielt die Trauungsrede, welche erhebenden Eindruck machte. Oberkantor Kläger exekutierte die Gesänge in schöner und stimmungsvoller Weise. Wien. (Israelitischer Humanitäts-Verein für die westlichen Bezirke Wiens „Nachlat Jeschurun“ veranstaltet Samstag den 29. um 7 Uhr abends im Vereinslokale Restaurant G o l d n e r, VI., Kollergerngasse 1 die XXXIX. ordentliche Generalversammlung. Wien. (Verlobung.) Fräulein Stefi H e i m a n n, Tochter des Chordirigenten Herrn Julius Heimann, hat sich mit Herrn Carl Schnitzer, Sohn des Herrn Alois Schnitzer, Gesellschafter der Firma Löwy u. Schnitzer, verlobt. Wien. (Verlobung.) Fräulein Elsa Engel hat sich mit dem Beamten der israelitischen Kultusgemeinde Herrn Remy Fried mann, Sohn des Herrn Lektor M. Friedmann, verlobt. Wien. (Chanuka-Bescherung.) Der „Hietzinger Frauen-Wohltätigkeitsverein", der noch nicht ein Jahr besteht und unter der tüchtigen Führung der Frau Eugenie Hoffm a n n bereits bedeutende Erfolge aufweist, hat am 16. Dezember in den gastlichen Räumen des ersten Wiener jüdischen Vereinshauses 20 arme Kinder vollständig mit Wäsche und Kleider ausgestattet und den Müttern auch je einen Laib Brot und ein Kilo Mehl verabreicht, die Kinder sodann mit Jause bewirtet und mit Bäckerei beschenkt. An den vorzüglichen Gaben für die Beschenkten, die durch Gedichte ihren Dank aussprachen, war die besondere soziale Umsicht zu bemerken. Um die schöne Feier, der auch Ehrwürden Dr. Max Grunwald und Frau Gemahlin, die Präsidentin Frau Regine Landeis und Tochter beiwohnten, hatten sich noch große Verdienste erworben die Frauen Laura Krenberger, Jda Berliner, Hermine Bernfeld, Regina Küner, Direktor Wolf und Juwelier Zirner. Es war ein guter Anfang, der durch die Art der Darbietung auch zu loben ist. Konzert. Am 14. d. M. fand das angekündigte Violinkonzert der 13jährigen Virtuosin Lola Test im Bösendorfer Saale statt. Kein Wunderkind — dennoch fand die vielversprechende Mädchenknospe ungeteilten Beifall, der sich bis zum höchsten Entzücken steigerte, als die kleine Künstlerin ihre eiste Befangenheit überwunden hatte und nunmehr mit dem herrlichsten Bogenstrich und in vollendeter Reinheit das so schwierige Adagio im „Concert romantique“ von Godard vorirug. Sie konnte geradezu bis zn Tränen rühren. Auch in den technisch schwierigsten Piecen wie Leonard's „8ouvenir äs Haydn“ (mit Variationen) und dem Ungarischen Hubay's meisterte sie ihr Instrument so vortrefflich, daß sie auf die stürmische Forderung „Bis" dreimal zugeben mußte. Zweifellos steht ihr eine glänzende Zukunft bevor. Durch die gefällige Mitwirkung der Opern- und Konzertsängerin Frau Raja Barber-Waldberg, welche in gewohnter Weise ihre schönen Lieder abgerundet zum besten gab, erhielten diese Darbietungen der kleinen Lola eine angenehme Abwechslung. In ihr bewährt sich die treffliche Schule R o s 6 wieder vorzüglich.