Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 52 (28.12.1906)
- Date
- 1906-12-28
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 52 Dr. JSlocö s MocbenscvrM. Sette 899 Wien. Der langjährige Direktor der Hof- und Kammer- Toiletteseifen- und Parfümerienfabrik Gottlieb Taussig, Herr Leopold Baß, wurde zum Kommerzialrat ernannt. Wien. (Verlobung.) Am 24. d. hat sich in Großwardein, wie von dort telegraphisch berichtet wird, Honorable Charles de Rothschild, Sohn des Lord Nathaniel Rothschild of Rothschild, mit Fräulein Rosa von W e r t h e i m st e in, Tochter des k. und k. Rittmeisters a. D. Alfons v. Werthe tmstein, der in der Nähe von Großwardein begütert iß, verlobt. Der Bräutigam, der im 29. Lebensjahre steht, ist im Hause seines Vaters tätig, während der ältere Bruder Lyonel de Rothschild Naturforscher ist. Die Braut ist die dritte Tochter des Herrn Alfons von Wertheimstein, ihre älteste Schwester ist an Herrn Alfred S t r a ß e r verehelicht. Wien. (Kinderfest.) Der Verein zur Ausspeisung armer israelitischer Schulkinder für die Bezirke XII—XV veranstaltete am 25. d. M. nachmittags ein Kinderfest. Der schöne Saal des Arbeiterverbandsheimes in der Königsegggasse war schon lange vor 3 Uhr dicht gefüllt. Aus allen Bezirken kamen Mitglieder und Freunde des Vereines mit ihren Kleinen, die sich ein paar Stunden an Darbietungen erfreuten, welche vornehmlich von Wiener Theaterkünstlern bestritten wurden. Kleine Tänzerinnen, Sängerinnen und Sänger entzückten die Kinderschar und als sich gar Zauberer und Bauchredner zeigten, wollte der Jubel schier kein Ende nehmen. Dank der Rührigkeit des Damenkomitees dürfte das Reinerträgnis dieser Veranstaltung tausend Kronen weit übersteigen. Hebräischer Klub. Samstag den 29. Dezember 1906, halb 8 Uhr abends, findet in der Lese- und Redehalle jüdischer Hvchschüler ein hebräischer Vortrag statt. Wien. Im provisorischen Bethause „Talmud-Tora", II., Rembrandtstraße 18, findet Sonntag den 30. Dezember a. c. um 4 Uhr nachmittags ein nsc.n (Trauergottesdienst) für den jüngst verstorbenen Oberrabbiner B. Schreiber in Preßburg, gehalten vom Herrn Rabbiner H. Schenk, statt. Gäste sind willkommen! Chanuka-Feier im Mädchen-Erziehnngsinstitnte der L. D. Königsberg schen Stiftung. Dienstag den 18. Dezember fand in dem neuen Heime der Anstalt, II., Valeriestraße 21, eine Chanvkafeier statt, bei welcher die Enthüllung einer Gedenktafel für die 1904 verstorbene Vorstandsdame Frau Regine Wertheimber vorgenommen wurde. Zu dieser Feier hatten sich nebst den Damen und Herren des Kuratoriums eingefunden : Der Präsident der Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern, der I. Vizepräsident Dr. Gustav K o h n, die Vorsteher Salo Cohn, Professor Dr. E h r m a n n, kaiserl. Rat Sachs, Dr. L ö w i, Banrat Marmore!, Kultnsvocsteher L. S t e i n e r, Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n n und Gemahlin, die Rabbiner Dr. David und Dr. Feuchtwang, Herr Wertheimber, die Vorsteher der Chewra-Kadischa I. K a n n und S.S i m o n. kaiserl. Rat Dr. Lieben, Dr. Emil Adler, Direktor Fischer und Gemahlin, Frau Doktor David, Frl. Nellh v. G o m p e r z. Nach dem Entzünden der Chanukalichter durch Oberkantor Kläger sangen die Anstaltszöglinge ein Weihelied. Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann hielt eine Ansprache, in der er die Zöglinge ermahnte, das Licht der Religion nnd das Licht des Wissens jetzt im Lenze ihres Lebens aufzunehmen und aufzubewahren in voller Betätigung alles Guten und Schönen für den Herbst und Winter; sich dankbar zu zeigen den hochherzigen Vorstandsmitgliedern, die ihnen dieses schöne, lichtfreundliche Heim bieten und des edlen Spenders immer zu gedenken, der es ermöglicht hat, daß sie aus den dumpfen Räumen des Hauses im IX. Bezirk hieher an die Pheripherie des Praters in einen prächtigen Neubau kommen konnten. Se. Ehrwürden Dr. Güdemann, gedachte auch des Gründers der Anstalt, sowie der Vorstandsdame Frau Regine Wertheimber, die in mütterlicher Fürsorge stets um das Wohl und Gedeihen jedes einzelnen Zöglings sich bemühte; Ehre ihrem Angedenken. Nach dieser Rede sangen die Zöglinge das Halleluja und den Psalm 111 von Sulz er, bei welchem ein Zögling den Kantor vertrat. Volle Anerkennung verdient Herr Oberkantor Kläger, welcher mit vieler Mühe den Gesangsunterricht des Institutes leitet und so schöne Erfolge erzielte, die allgemein belobt wurden. Der Obmann des Kuratoriums Baurat Theodor Ritter von Goldschmidt wies in seiner Ansprache auf die Verdienste hin, die sich durch ihre Fürsorge und Inspizierung die Damen des Kuratoriums und durch ihre ausgezeichneten Leistungen die Verwalterin und der Lehrkörper erworben haben und dankte Herrn Salo Cohn für seine munisizente Spenden, sowie dem Herrn Baurat Oskar Marmorek für das freundliche Entgegenkommen bei dem Baue und der Adaptierung der Instituts-Räumlichkeiten. Herr Salo Cohn dankte in einer kurzen Erwiderung für die Anerkennung und sagte auch für fernerhin sein Wohlwollen für dieses Institut zu. Herr Präsident Dr. Stern sprach namens der Kultusgemeinde dem Kuratorium seinen Dank für sein ersprießliches Wirken aus und hob hervor, daß es ihn freue, jüdischen Güst in dieser Anstalt zu finden, er wünsche stetes Gedeihen dieser schönen Institution. Herr Wertheimber dankte dem Kuratorium für das ehrende Andenken an seine Mutter. Nach einigen Musik- und Deklamationsvorträgen wurde von zwei Zöglingen ein kleines französisches Singspiel sehr gelungen aufgefiihrt. Mit dem Vortrage der Volkshymne endete diese schöne Feier. R. K. Jüdische Toynbee-Halle, XX., Othmargasse 4« Wochenprogramm: Samstag, 29. Dezember 1906: Konzert. Arrangeur Herr Stock. — Sonntag. 30. Dezember: Aus der Geschichte der Juden in Wien: „Wi'N, die alte Jndenstadt." (I.) Kustos Dr. S. Frankfurter. (Mit Skioptikon.) — Montag, 31. Dezember: „Die Tatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens. (IV.) Herr Professor Dr. W. Jerusalem. — Dienstag, 1. Jänner 1907: „Altjüdische Sagen und Märchen." Herr Rabbiner Dr. Wilhelm K a m i n k a. — Mittwoch, 2. Jänner: Literarischer Abend. — Donnerstag. 3. Jänner: Aus der Geschichte der Juden in Wien: „Die alten Friedhöfe." (II.) Herr Kustos Dr. S. Fr a n kf u r t e r. (Mit Skioptikon). — Freitag, 4. Jänner: Bibelvortrag. Herr Dr. Arnold Frankfurter. — Samstag, Konzert. Arrangeurin : Pianistin Dora Popper. Beginn an Wochentagen um halb 8 Uhr; Samstag, sowie au Sonn- und Feiertagen 7 Uhr abends. — Anmeldungen von Vorträgen und Mitwirkungen wolle man an den Obmann Herrn Dr. I. S a m u e l y, I.. Fischerstiege 6. gelangen lassen. Das Arrangement des am 22. Dezember d. I in der Toynbee- Halle stattgehabten Konzertes hatte in dankenswerter Weise Herr Prof. M e l i o n übernommen, der sich neuerdings als vorzüglicher Meister der Geige erwies. Reicher Beifall lohnte ihn, sowie die anderen Mitwirkenden Frl. Rosenthal (Klavier), Fr. Schorr (Deklamation) und Herrn Altmann (Gesang.) Wien. Der humanitäre Geselligkeitsverein derBoskowitzer veranstaltet Sonntag den 13. Jänner 1907 im Festsaale des „Hotel Continental", II., Taborstraße 6, eine Wohltätigkeits-Akademie mit anschließendem Tanzkränzchen. Hervorragende Kunstkräfte haben ihre Mitwirkung zugesagt. Das Reinerträgnis fließt zum Teil dem Hilfsfond für die Opfer der Boskowitzer Brandkatastrophe zu. Eintrittskarten zu 3 Kronen, Familienkarten (für 3 Personen giltig) zu 8 Kronen sind im Vorverkauf erhältlich im Galanteriewarenhause M. Munk jun., I., Stefansplatz 11, und bei allen Vereinsmitgliedern. Wien. (P o ale Zion.) Samstag den 29. l. I., halb 8 Uhr abends, findet im Vereinslokale, Cafe Stefanie, ein Vortrag des Herrn M. Waldmann statt. Thema: „Spiuozza." Wien Mariahilf. Wie alljährlich, wurden auch Heuer von dem rührigen Vorstande des israelitischen Frauen-Wohltätigkeitsvereine für Mariahilf und Neubau 60 arme, in beiden Bezirken wohnhafte Schulmädchen in besonders reicher Weise mit kompletter Wintergarderobe beteilt; die Beteilung erfolgte am 13. Dezember im Vereinslokale mit Ausschluß der Oeffentlichkeit. Aus diesem Anlasse find dem Vereine durch Vermittlung der Präsidentin Frau Cäcilie Eisenberger und der Vizepräfidentin Frau Frida Strauß zahlreiche Spenden zugekommen, für welche der Verein auch an dieser Stelle den edlen Wohltäterinnen seinen verbindlichsten Dank zum Ausdrucke bringt. Wien. (Todesfall.) Fabrikant Herr Leopold Frischauer hat durch den am 23. d. M. erfolgten Tod seiner Gattin Frau Sofie F r i s ch a n e r, Tochter des vor einigen Jabren dahingeschiedenen verdienstvollen und hochverehrten Oberkantors Leopold Stern einen schmerzlichen Verlust erlitten. In ein seltenes Fauiilienglück, getragen von den edelsten Empfindungen aller hierzu gehörigen Mitglieder, hat der unerbittliche Tod einen grausamen Eingriff getan. In dieser Zeit der Zerfahrenheit, der mannigfachen Kämpfe, Aufregungen und Disharmonien, die auch vielfach ihren Atempel dem häuslichen Leben aufzuprägen pflegen, hat die allzu früh verblichene im Vereine mit ihrer in seltener Harmonie zusammenhaltender Familie es verstanden, ihr Haus in altpatriarchalischer Weise zu einem Heiligtum zu gestalten. Diese infolge ihrer außerordentlicher Herzensgüte und warmeu Empfindungsfähigkeit von den Ihren abgöttisch geliebte Frau hat durch ibr unvergleichlich liebenswürdiges Wesen und durch ihre vornehme aus-