Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 52 (28.12.1906)
- Date
- 1906-12-28
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 63 Dr. Llocd's Mocbenscbritt, Sette 897 Lastet nicht in Anbetracht dessen eine schwere Verantwortung auf den Kreisen, die hier einzugreifen berufen wären und. es gleiche wohl unterlassen, den schwachen Söhnen unserer Zeit die stützende Hand zu bieten? Warum sollen die Gesetzestrenen Oesterreich-Ungarns in dieser Beziehung so wert zurück sein? Wem die Interessen deS Judentumam Herzen liegen, dem wird es der allseitiger Erwägung zur Gewiß, heit werden, daß, wenn diese Anregung greifbare Gestalt annimmt der Nutzen für ^2 ein ekklatanter wird und daß nur so der Zukunft deS Judentums, die ja identisch ist mit dem Bestehen der gesetzestreuen Richtung, auf die Füße geholfen werde. Möge jeder jüdische Geschäftsinhaber, der seinen Stolz darin erblickt, zu den gelichteten Reihen der Gesetzestreuen zu zählen, sich unserer Bewegung anschließen. Möge diese meine Anregung Beherzigung finden. So verdienstlich ein solcher Anschluß, so verantwortungsvoll ist die Abweisung einer solchen Anregung, deren Nutzen und heilsame Folgen sich gar nicht ermessen lassen. Dvody, das auf humanitärem Gebiete jederzeit Hervorragendes geleistet und trotz seines leider forschreitenden materiellen Verfalles noch gegenwärtig in der Krankenpflege sehr viel tut, hat unter seinen zahlreichen Wohltätigkeitsinstituten den Verein „Chesed Weemeth", der soeben das 40. Jahr seines Bestandes vollendete. Der Zweck 'des Vereines ist die Unterstützung seiner Mitglieder im Falle der Erkrankung, die Unterstützung armer Wöchnerinnen, die selbst oder deren Gatten dem Vereine angehörten, Krankenbesuch, ferner die Beitragsleistung zur Bestattung und die Abhaltung der jährlichen Seelenandacht für gewesene Mitglieder. An der Spitze des segensreich wirkenden Vereines steht der Präsident der hiesigen Kultusgemeinde, Herr Lazar Bloch, der Sohn des rühmlichst bekannten Rektors des Pester Rabbinerseminars Moses Bloch. H.rr Präsident Lazar Bloch, der hohe weltliche Bildung mit profundem', hebräischem Wissen vereinigt, zeichnet sich durch große Frömmigkeit, wie durch die weitgehendste Toleranz Anderen gegenüber aus, wodurch er sich zu eiuem geradezu idealen Kultuspräsidenten qualifiziert. Seine Rechtlichkeit, die Gradheit seines Charakters haben ihm die Achtung der gesamten Bevölkerung erworben und wurden ihm zahlreiche Ehrenämter übergeben. Jetzt zählt Brody nicht einen Verein, nicht ein, der Wohlfahrts¬ und Armenpflege gewidmetes Institut, zu dessen Verwaltung Herr Präsident Bloch nicht gehören würde. Und all' die zahlreichen Ehrenämter, deren Verwaltung oft die ganze Spannkraft eines Mannes erfordern, versieht er mit seltener Gewissenhaftigkeit. Am Chanukasamstag wurde ein feierlicher Gottesdienst, zu dem außer sämtlichen Vereinsmitgliedern viele geladene Gäste erschienen, abgehalten. Nach dem Vorlesen des betreffenden Toraabschnittes hielt Herr Präsident Bloch eine in Form und Inhalt gleich vollendete Predigt, die auf alle Anwesenden einen tiefen Eindruck machte. Am Abende des folgenden Tages wurde eine Generalversammlung abgehalten, in der Herr Präsident Bloch einen Rechenschaftsbericht zur Verlesung brachte, dem wir folgende Daten entnehmen: der Verein „Chesed Weemeth" hat in der Zeit seines 40jährigen Bestandes ^verausgabt: An Vereinsbüchsen 60:252 X, an Krankenwärter 3896 X, an das Siechenhaus für untergebrachte Mitglieder 1160 X, an Leichenbestattungen 8760 X, Gedächtnisfeier 27637 X, außerordentliche Unterstützungen 18176 X. Diese Ziffern sprechen eine beredte Sprache und sind der rühmlichste Beweis für die Vitalität des Vereines. Ueber Antrag des Herrn Vizepräsidenten Moritz Landau wurde der Verwaltung der Dank der Versammlung durch Aufstehen von den Sitzen votiert und derselben hierauf das Absolutorium erteilt. Spatz. Bndweis. (Tschechischer Boykott gegen die Juden.) Den Budweiser tschechischen Juden wurde für ihre den Tschechen bei den Wahlen geleistete Hilfe schlechter Dank zuteil. Der von den Tschechen eröffnete wirtschaftliche Kampf wird von diesen in erster Linie gegen die Kaufleute israelitischer Konfession ohne Unterschied der Nation geführt. So wurde in den Boykottversammlungen, welche die Tschechen nach der Wahl abhielten, den Tschechen in erster Linie verboten, bei Juden zu kaufen. Die „Ndrodni jednota Posumovska“ versendet auch ein Verzeichnis von christlichen tschechischen Firmen an die tschechischen Gemeinden. An die deutschen Gemeinden der Budweiser Sprachinsel wurden Plakate mit dem Inhalte „Kauft nicht bei Juden!" gesendet mit Begleitschreiben ohne Unterschrift, worin dieselben gebeten werden, die Plakate zu affichieren. Auch das erwies sich nur als tschechisches Manöver. Israelitische Erziehungsanstalt zn Ahlem. Am 18. d. M. veranstaltete die Israelitische Erziehungsanstalt zu Ahl'.m eine Chanukafeier für ihre Zöglinge. In einem zu diesem Zweck gemieteten Lokal „im Limmerbrunnen" versammelten sich die aus Hannover und Linden herbeigeeilten Gäste, um die sehr schönen Leistungen der Zöglinge in Deklamation, Gesang, Turnen und Reigentanz mit anzusehen. Ein dramatisches Kinderspiel „Die Heinzelmännchen", von den Jungen und Mädchen der Anstalt aufgeführt, ergötzte die im Saale anwesenden Kinder. Die Damen und Herren bewunderten das sehr schöne, verständnisvolle Spiel der Kleinen. Die vielen, freundlich flimmernden Makkabäerkerzchen und die in der Luft schwingenden Töne des Channkaliedes: „Moans Zar jeschusd“ schufen eine feierliche Stimmung. Der Direktor der Anstalt, Herr Silberberg, hielt eine Ansprache an die Zöglinge über die Bedeutung des Festes, erwähnte des leider zu früh verstorbenen Gründers der Anstalt Herrn Konsul Simon; dankte den Gönnern, die für die Idee der Anstalt wirken und kämpfen — leider ist es noch immer ein Kampf — und appellierte an die Zöglnige, stets trotz Mühe und schwerer Arbeit ihrem Gärtnerberufe treu zu bleiben, so wie es die meisten der ehemaligen Ahlemer getan. Mit dem Verteilen der von dem Damenkomitee gespendeten, sehr schönen Geschenke schloß der offizielle Teil der Feier. Der familiäre Teil (wenn man so sagen darf) bot den zurückgebliebenen Zuschauern eine innige, herzliche Freude, die nur der empfinden kann, der sie mit angesehen hat. Der erste Vorsitzende des Kuratoriums Herr Sartorius Rheinhold, der Gönner der Anstalt und Freund der Jugend, der als Nachfolger im erhabenen Werke des Konsuls Simon zn betrachten ist, spielte zum Tanz auf, und die Mädchen und Jungen hüpften fröhlich und lustig dahin — wie im liebevollen, herzlichen EUeriihause. Ein Anblick wahrer Freude war es, zu sehen, wie die Kleinsten der Kleinen sich an ihren Lehrer und Erzieher Herrn Direktor Silberberg schmiegten und anhängte». Er ist der Jugend wahrhafter Vater und Freund. Ihm zur Seite seine liebevolle Gemahlin, für die die kleinen Herzchen für so manches gute Wort und manche mütterliche Tat warm und dankerfüllt schlagen. Der Lehrer Lampel, ein ehemaliger Ahlemer, ist der Dritte im Bunde der aufopfernden Arbeit an dem vom seligen Konsul Simon ins Leben gerufenen Erziehungswerke. Man sah bei der Feier die Früchte der Arbeit eines Meisters der Erziehung, wie es der Direktor Silberberg im wahren Sinne des Wortes ist. Unter seiner Leitung gedeiht und entwickelt sich die Anstalt, und die Jugend findet in Ahlem eine zweite Heimat. Ein donnerndes Hoch für Herrn Rheinhold aus den jugendlichen Kehlen der Zöglinge und ein minutenlang anhaltendes Wandern des lieben Erziehers hoch in der Luft in den starke» Gärtnerhänden der jungen Juden war herzlicher Dank für die schöne Feier. S. D. Ein jüdischer Künstler in Schweden. „Der schwedische Künstlerkreis hat erneu seiner Führer verlöre», ein glänzendes künstlerisches Talent, eine echte Künstlernatur ist dahin. E r n st I 0 s e p h s 0 n ist seinem jahrelangen Leide» aur Donnerstag, den 20. November, in seinem Heim, nur 5k Jahre alt. erlegen." So beginnt eine der ersten Stockholmer Tageszeitungen einen langen Artikel über den Künstler, seine hervorragenden Leistungen auf dem Gebiete der Malerei und Dichtkunst und bringt auch sein Bild und viele Rest-oduktionen seiner Gemälde. Ernst Jasephson entstammte einer Stockholmer höchst angesehenen jüdischen Familie, bei der künstlerische Begabung ein Erbe des Geschlechtes zu sein scheint. Er begann seine Künstlerlaufbahn als hoffnungsvoller Schüler der Stockholmer Akademie, erhielt als solcher für ein Bild, das später die schwedische Königin ankaufen ließ und das noch jetzt ihre Privatgemächer schmückt, die königliche Medaille und ein Reisestipendium, das ihn nach dem Süden führte. Es würde zu weit führen, seinen Entwicklungsgang hier zn verfolgen; ich will nur einige Worte, die einer unserer größten Künstler in einem Nachrufe von seinem Freunde und Gesinnungsgenossen sagte, hinzufügeu. „Nun ist er fort für immer, er, der in den bahnbrechenden Achtziger- Jahren das Zentrum der Neugestaltung unserer Kunst und Kunstverhältnisse war." Und ferner sagt er von ihm, daß er Jasephson „für den bedeutend st en Maler dieser an großen Künstlern so reichen Zeit ansah". Der Präsident des Künstlervereins sprach am Grabe warme Worte, von denen ich folgende hervorheben möchte: „Von ihm sagte man, daß er die organisierende Kraft, die Seele bei der großen Arbeit der Renaissance Schwedens, der zentrale Punkt in einem großen Künstlerkreise gewesen war. Immer war er es, der die Parole, das erste Zeichen zum Kampfe gegeben hat. Alle Künstler unserer Zeit, sowohl die älteren, die an seiner