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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-12-28 · 52 (28.12.1906) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
52 (28.12.1906)
Date
1906-12-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 52 Dr. Bloche Wochenschrift. Deue 891 würdigen wissen, welche eigentlich hauptsächlich dazu beigetragen, daß nach seinen eigenen Worten — „eine segensreiche Institution in wirklich rationeller Weise" Hilfe leistet. Die wirklich rationelle Hilfe bewirken hauptsächlich die Helferinnen dieser Institution, die Recherchentinnen der Frauenvereine, welche mit Sorgfalt und Umsicht ihres Amtes walten und dieses schöne Werk in glänzender Weise stützen. Aus dieser Pionierarbeit des Wöchnerinnen-Unterstützungsverbandes sowie aus den oben angeführten Artikeln des Regulativs dürfte zur Genüge erhellen, daß das Projekt des Herrn Kraus — wie der treffliche Lichtenstadt'sche Artikel zeigt — durch das starre Festhalten an der Superiorität des berufsmäßigen, bureaukratischen Elementes, das die freiwilligen Armenpfleger sozusagen unter seine Kuratel stellen möchte, an s e i n e n auf die Zentralisation abzielenden Bestrebungen scheitern muß. Mögen vorstehende Zeilen zu einer beschleunigten Verwirklichung der von mir vertretenen guten Sache beitragen. Ich werde dies als meinen schönsten Lohn betrachten. Kaiserl. Rat Dr. S. Krüger. * * * Wir erhalten folgende Zuschrift: Die Ausübung der Wohltätigkeit, die sich zunächst auf die den Armen freiwillig zu spendenden Gaben und dann auf jedwede aus Liebe und Erbarmen dem Notleidenden zu reichende Hilfe erstreckte war eine bereits im hohen Altertum gern geübte und sehr geachtete Tugend, deren Anfänge man schon in der Wiege des Menschengeschlechtes zu entdecken hat. Wie und auf welche Weise man sich der Almosengaben bedienen darf, das war eben ein ebenso wichtiger Gegenstand der Betrachtung für die Talmudlehrer, als die genaue Erörterung der Pflicht der Almosenspendung selbst. ' Acht Namen heißt es, besitzt der Arme, die als die acht Rangunterschiede gelten, die bei dem Almosenspendcn zu beachten sind. Diese sind: Armer, Dürftiger, Verschämter, Verarmter, vom Vermögen Herabgekommener, Gedrückter, Gebeugter und endlich Wandernder. Wenn Herr Kraus als Leiter der Wohltätigkeits-Sektion nach Zentralisation des Armenwesens verlangt, so hat er gewiß seine triftigen Gründe hiefür, aber die Armenpflege in die Hände von Beamten zu legen, kann nicht ernst genommen werden. Die Armenpflege kann nur durch unabhängige Almosenvorsteher oder Almosenverwalter gewissenhaft geregelt werden, die ihre Leute und deren Bedürfnisse genau kennen. Almosenvorsteher oder Almosenverwaller, so wnrden die Männer genannt, die über die öffentlich abzuhaltenden Almosensammlungen und Almosenverteilungen gesetzt waren. In jedem einzelnen Bezirk, wo Juden wohnen, ist es unumgänglich notwendig, solche Männer zn wählen, die über die Almosenbeiträge zu wachen haben. Zn den Eigenschaften eines solchen Mannes gehören: Treue, allgemeines Vertrauen, Rechtschaffenheit und Weisheit. Die Machtvollkommenheit, die den Almosenvorstehern bei der Uebernahme ihres Amtes eingeräumt wird, erstreckt sich vorzüglich darauf, daß ohne dessen Wissen und Erlaubnis nichts veranstaltet werden darf, daß sie ganz allein alle Bittgesuche zu prüfen, über die Gelder zu verfügen haben und bei Privatgeschenken, wenn der Geber seinen Willen nicht offenbart, die Verwendung ihnen überlaffen bleibt. Auch in strittigen Vcrhältniffen ist ihre Stimme entscheidend. Budapest. _ S. Läufer. Das Schriftworl in der rabbinischen Literatur. Prologomena von Dr. V. Aptowitzer. Sitzungsberichte der kais. Akademie der Wissenschaften in Wien. Philosophischhistorische Klasse. Bd. CLIII. Wien 1906. Die vorliegenden Prologomena bilden einen Teil einer größeren Sammlung von Varianten aus der talmudischen und der späteren rabbinischen und karaitischen Literatur zum mafforetischen Text der heiligen Schrift. Die Tatsache selbst, daß sich in den talmudischen Schriftwerken vom rezipierten Texte abweichende Lesearten vorfinden, wurde schon frühzeitig erkannt. Schon die Gaonim beschäftigten sich mit dieser Frage und suchen in ihrer Art eine Lösung zu geben. Bekannt ist der Grundstock von Varianten, die die Tossafisten bringen (Sabbat 55 b, Nidda 33 a u. a. a. £).), die von hervorragenden rabbinischen Autoritäten (man vergleiche beispielsweise die Note des R. Akiba Eger Sabbat 55 b in der Editio Wilna) immer aufs neue behandelt wurden. Die Frage erscheint den Toffafisten noch durchaus nicht in einem dogmatischen Gewände und so konstatieren fie einfach die Tatsache cr-ias bv pbm trrn oder auch umgekehrt E"trr, bv pbin micanw irsta. Die Sache erscheint sehr einfach, wenn man an die Gemütsvoraussetzungen von Gelehrten denkt, die in einer von Parteikämpfen freien Zeit wirken und mit gleicher Pietät der mündlichen und schriftlichen Lehre gegenüberstehen. Ein alter Bericht (Sifre Deuteron. Piska 356 und Parallelstelleu) erzählt ja selbst von drei aufgefundenen Toracodices, die von einander, allerdings wenige, abweichende Lesearten hatten. nsat -Livn iacn awa nac* .ttj» iksq a-nao a 'öi Kn. Warum sollten sich anderswo auch nicht andere Differenzen ergeben haben? Ohne die Meinung einer Reihe von jüdischen Gelehrten zu teilen, die in den alten Talmudlehrern neuzeitliche Reformatoren sehen wollten, muß zugegeben werden, daß die alten Lehrer, soferne fie nicht durch zeitgeschichtliche Momente zum Gegenteil getrieben wurden, eine Freiheit der Auffassung bekundeten, die erst später durch schwere operative Eingriffe errungen werden mußte, die die edelsten Teile des Judaismus, wenn man so sagen darf, tief verletzt haben. In Tatsachen nur Tatsachen zu sehen, nicht aber dogmatische Voraussetzungen und Folgerungen, diese keusche Naivität haben auch die mittelalterlichen Koryphäen besessen und zwar je mehr, je weniger sie die überkommene Lehre nach dem System einer Schulphilosoph'e zu machen suchten. Es kann hier nicht auf die weitere Entwicklung der Frage eingegangen werden. Der Leser wird auf 8etiorr in he-Chaluz I und Bardowiez Studien zur Geschichte der Orthographie des Althebräischen (S. 41—55) verwiesen. Bei der Verbreitung hebräischer Studien im 16. und 17. Jahrhundert konnte es nicht fehlen, daß auch christliche Gelehrte sich mit dieser Frage beschäftigten. Die verschiedensten Motive spielen da mit, wissenschaftliche, konfessionelle und nicht zuletzt das Bestreben, den bösen Rabbinen etwas am Zeug zu flicken. Während man den beiden Buxtorf auch jüdischerseits viel Dank wissen muß, betreiben andere ihre Sache mit wenig kritischem Geschick. Ein Kuriosum von einer Variante teilt Aptowitzer u. a. aus Fcomanns Opuseala philologica mit, die dann ungeprüft weiteraus übernommen wurde. In Llisebna psab VII 4, wo eine Grenzbestimmung von nnav gegeben wird, wird schließlich resümiert nnav ttk atrn bzz mt nnaw aurn ^aa U1.-IV ba bbz nt Fromann sieht nun awn ba eine Variante zu Deuter. 24, 19 aian *6 . nnasn . . “npn 'a Die Nichtexistenz-dieser Variante erst Nachweisen zu müssen, scheint mir ganz überflüssig zu sein. In der neueren Zeit wurde diese Frage meist von textkritischen Gesichtspunkten wieder ausgenommen. Indirekt wurde die diesbezügliche Forschung durch die Variantensammlungen zum Talmud selbst insoweit gefördert, als die Basis der Untersuchung dadurch eine verläßlichere und solidere geworden ist. Die gelehrten Ausgaben der rabbinischen Midraschim verzeichnen ebenfalls die vom mafforetischen Texte abweichenden biblischen Zitate! Namentlich hat M. Friedmann in seinen Editionen mit Peinlicher Gewissenhaftigkeit diese Materie behandelt. In seinem Tana d'be Eliahu finden sich überdies einige wertvolle, kritische Bemerkungen (Einleitung, S. 13 An.) über die Natur der Variante überhaupt. Eine auf Grund einer kritischen Prüfung gewonnene Sammlung sämtlicher im nachbiblischen Schrifttum enthaltener Varianten ist jedoch bis jetzt nicht vorhanden. Die letzte größere Arbeit auf diesem Gebiete ist das Rosenfeld'sche Werk nrtawa ö'nav (Wilna 1883). Ich kann zwar das harte Urteil Aptowitzers über dieses Buch nicht teilen, es muß jedoch zugegeben werden, daß es unvollständig und vielfach kritiklos ist. Wenn Rosenseld aus der agadistischen Auslegung des Verses tnana v-a pnz jnv (Prov. 12,10) te-a* «?£t cb'V bv tpnac jrrr tnarta aus eine Variante mana schließt, so ist es gewiß ein unverzeihlicher Schnitzer. Durch die äußere Form, die den Drusch nicht ausdrücklich hervortreten läßt, irregeleitet, hätte er an das bekannte rrr6 wn ra rw-rt asn vraena *6 denken müssen, was bereits schon H. Deutsch in Berliners Magazin 1886 bemerkte. Daß er aber für die von

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