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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-09-28 · 39 (28.9.1906) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
39 (28.9.1906)
Date
1906-09-28
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 39 Dr. Llocb's Mocbenscbrlrr, Sette 659 Tagen, wo sie die öffentliche Schule in Anspruch nimmt, kaum belastet werden; der Unterricht wird hauptsächlich an schulfreien Tagen und Halbtagen erteilt. Das Lehrpersonal ist vermehrt worden und die Klaffeneinteilung hat eine kleine, zweckentsprechende Aenderung erfahren. Einerseits um dem Raummangel im alten Gebäude der Anstalt (Altschulgasse 17) abzuhelfen, andererseits aber um den Kindern, die in entfernten Stadtgegenden wohnen, die Teilnahme am Unterricht zu erleichtern, sind in der Neustadt. Wenzelsplatz 26. Parallelklassen der „Talmud-Thora" kreiert worden, in welchen nach denselben Plänen und in gleicher Weise wie in der Hauptanstalt unterrichtet werden wird. Das neue Schuljahr beginnt Sonntag den 14. Oktober, die Einschreibungen erfolgen vom 23.-37. September. Dachau. Sonntag den 16. September l. I. fand im hiesigen Tempel die Trauung des Fräulein Frieda Adler. Tochter des Großindustriellen Herrn Heinrich Adler von hier, mit Herrn Med.-Dr. Emil Wlllner aus Neuern statt. Das altehrwürdige Gotteshaus war bis zum letzten Plätzchen gefüllt. Sehr viele Fremde, alle Schichten der Bevölkerung waren vertreten. Den Trauungsakt hat Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Moritz Wohl unter Assistenz des Herrn Oberkantors Josef S ck ö n mit einem geschulten Ehore vorgenommen. Das Diner, welches Herr Restaurateur Leitn er aus Marienbad in ausgezeichneter Weise, unter Bedachtnahme aller rituellen Vorschriften, beistellte, wurde mit vielen launigen und ernsten Reden gewürzt. Herr Heinrich Adler hat anläßlich der Vermählung seiner Tochter einen Tempelbau-Verein ins Leben gerufen, dem wir das beste Gedeihen wünschen. Kattowitz. (Landgerichtsrat Dr. Max Hirschel.) Auf Wunsch der Hinterbliebenen wurde der in Wien so jäh aus dem Leben geschiedene Landgerichtsrat Dr. H i r s ch e l aus Gleiwitz am Dienstag auf dem hiesigen Friedhofe beerdigt; beredter, als jeder Nachruf bewies die in unserer Stadt Wohl selten gesehene Teilnahme an der Trauerfeier, welch großer Beliebtheit der Dahingegangene sich erfreute, welch edler Charakter und Philanthrop er war. Die Spitzen der Gerichtsbehörden von Kattowitz, der Magistrat, die Vorstände der israelitischen Gemeinde hatten sich lange vor Beginn der Feier im Trauerhause eingefunden, wo auch später Landgerichtspräsident N e n t w i ch mit sämtlichen Richtern und Rechtsanwälten aus Gleiwitz e schien; mächtige Blumengewinde, getragen von Gerichtsdtenern, eröffueten den Trauerzug, den eine schier unübersehbare Menschenkette bildete. In der Friedhofhalle sang zunächst Herr Oberkantor Singer mit bekannter Meisterschaft den Trauerpsalm, worauf Herr Rabbiner Dr. Cohn die Kanzel bestieg und in einer formvollendeten, tief ergreifenden Rede des unersetzlichen Verlustes gedachte, den der Heimgang Dr. Max H i r s ch e l s nicht nur für die Behörden in Gleiwitz, für seine Familie und nächste Umgebung, sondern auch besonders für die Notleidenden, A> men. Ratbedürftigen bedeutet, denen der Verblichene mit seinen seltenen, edlen und guten Herzienseigenschaften stets ein Helfer gewesen. Das Andenken dieses Mannes wird für immer, nicht nur in der Stadt seiner Wirksamkeit, auch weit über die Grenzen derselben in Ehren erhalten bleiben. Elberfeld. Se. Majestät der König hat Herrn Rabbiner Dr. Z. A u e r b a ch „in Anerkennung seiner langjährigen erfolgreichen Tätigkeit als Rabbiner der Gemeinde und Religionslehrer an den hiesigen höheren Lehranstalten" den Roten Adlerorden 4. Klasse verliehen, der dem Herrn Rabbiner am 10. d. in Gegenwart einer Abordnung des Vorstandes und der Repräsentanten durch den hiesigen Oberbürgermeister feierlichst überreicht wurde. Todesurteile gegen Juden in Siedlee. Warschau, 26. September. Aus Siedlee wird gemeldet: Das Kriegsgericht hat ohne Berücksichtigung der Erlässe des Ministerpräsidenten neuerdings vier Juden zum Tod verurteilt und nach Fällung des Urteils durch ein Jnfanteriepeloton sofort erschießen lassen. Jüdische Kosaken. Es dürfte nur wenigen bekannt sein, daß es auch jüdische Kosaken gibt. In der „Jewish Encyclopedia" wird berichtet, daß sie bereits zu Beginn des Mittelalters existierten. Auf der jüngst in London erfolgten Internationalen Territorialorganisation konstatierte ein russischer Delegierter, daß die jüdischen Kosaken noch existieren, was man nicht gewußt hatte. Die jüdische Kosakenkolonie besteht aus etwa 600 Familien. Sie find äußerst fromme Juden, unterscheiden sich im übrigen gar nicht von ihrer wilden Umgebung. Sie sind vorzügliche Schützen, sehr geschickte Reiter, aber auch tüchtige Landwirte. Auch sonst haben sie alle Gewohnheiten und Sitten ihrer Landsleute adoptiert. Sie find aber bereit, in ein jüdisches Neuland überzufiedeln. London. In Simoustown (Südafrika), Perrh (Australien) und Shanghai sind neue „Jto"-Organisationen gegründet worden. Petersburg. Unter den Opfern des Bombenattentats auf den Ministerpräsidenten Stolypin befinden sich auch drei Juden, ein jüdischer Arzt Dr. Munk, der von einem Bombensplitter am Fuß verwundet, ein zweiter jüdischer Arzt, der getötet wurde, und der Druckereibesitzer Busse l. dessen, tragisches Ende allgemeines Bedauern erregt. In seiner Offizin hat die Revolution-» Partei gewaltsam 150.000 Exemplare des bekannten Wiborger Aufrufes hergestellt Selbstredend wurde die Druckerei von der Polizei sofort geschloffen. Büffel begab sich nun zum Ministerpräsidenten, um bei ihm die Wiedereröfstmng seiner Druckerei zu erwirken und fand hier seinen Tod. New-Uork. Die am 24. v. M. zu New-Iork verstorbene Witwe des bekannten amerikanischen Porträtmalers Jakob Lazarus. Frau Amelie Lazarus, hat ein Vermögen von 500.000 Dollars hinterläffen. Davon find 180.000 Dollarfür 16 verschiedene New-Horker Wohltätigkeitsanstalten bestimmt. Unter diesen befinden fich acht jüdische Institutionen, welche zusammen 95.000 Dollars erhielten. Der Rest im Betrage von 320.000 Dollars wird nach Abzug einer Reihe von Legaten zu gleichen Teilen unter vier jüdischen Wohltätigkeitsanstalten verteilt werden. Feuilleton. Anetbanne tanket. Gebet. Aus dem demnächst erscheinenden Werke: „Beruria. Ein Buch für Jsrael's Frauen und Töchter", herausgegeben von Rabbiner Dr. Max Grunwald in Wien. Verlag von Josef Schlesinger, Wien und Budapest. Herr, erbarmend schau hernieder, sieh vor Dir «ns zagend stehen. Laß vor Dich gelangen heute unsrer Lippen heißes Flehenk Unsre Seele tief erschauert ob des Tags Erhabenheit, Steht gebannt vor seinen Schrecken, seiner Macht und Heiligkeit. Der im Glanze des Gerichtes Dich ans höchstem Throne zeigte Wenn Dein Slntlitz prüfend, richtend sich zu uns herniederneigt. Herr, Du zahlst die Erdenkinder, Deiner Völker reich' Geschlecht Und Du prüfst der Menschen Wirken, wägest ihre Schuld gerecht. Was der Menschen Tun geschaffen, Heil «nd Segen oder Fluch, Steht von ihrer Hand verzeichnet in dem ew'geu Weltenbuch, Laut verkündend die Gedanken, die wir heimlich nur gedacht. Jede Regung unsrer Seele, jeden Wunsch im Traum der Rächt. Und Du rufst mit Donnertosen Deine Menschheit von Gericht, Forderst alle, die da wandeln, vor Dein göttlich' Augeficht. Hoch ertönet die Drommete, schmettert den Posaune» Schall, Weckend in des Abgrunds Tiefen schauerlichen Widerhall. Durch der Welten fernste Räume hallt geheimnisvolles Rauschen, Zart und leise hörbar denen, die der Seele Stimme lausche». Selbst der Engel fromme Scharen find von Angst und Furcht erfaßt. Zitternd und in leisem Flüstern nahen fie herbei mit Haft Denn der Tag des Weltgerichtes, der Vergeltung ist gekommen. Und fie find nicht ohne Fehle, wenn Du richtend fie vernommen. Alle Wesen, die da wandeln, ziehen stumm an Dir vorbei. Unabsehbar ist die Menge, ohne Ende scheint die Reih'. Wie die Schafe vor dem Schäfer, der da zählet seine Herde, Zieh'« an Dir vorbei die Völker und Geschlechter dieser Erde. Ja, Du wägst und prüfest alle, keiner birgt fich Deinem Blick, Und Dein Ratschluß, Herr, bestimmet allen Wesen ihr Geschick. Setzest jedem, der da lebet, seiner Taten Ziel und Frist. Du, der aller Welten Richter «nd des Schicksals Lenker bist. Du bestimmest Tod und Leben, alles Werden und Vergeh'». Du bestimmst, die aufwärts schreiten, und die achttos «ntergelf n.

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