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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-01-19 · 3 (19.1.1906) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
3 (19.1.1906)
Date
1906-01-19
Page
– (sequence 7)
Language
German
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!»t. 3 Dr. Bloch's Wochen srlirift. Seite 33 abgeordrrete Dr. v. Rapoport und der Präsident der Lemberger Handelskammer v. Horowitz sollen in das Herrenhaus berufen werden. Diese Gerüchte sind Ergänzungen von Mitteilungen, die Abg. Dr. Byk gegenüber einem Mitarbeiter des Lemberger „Slowo Polskie" gemacht hat. Bielrtz. Gegen die für Sonntag vom jüdischen Wahlrechtskomitee einberufene Volksversammlung veröffentlichte die jüdische Kultusgemeinde von Bielitz eine Erklärung, in der sie betonte, daß sie die von zionistischer Seite nach Schlesien hineingetragene Bewegung verurteile. Die Versammlung selbst verlief ziemlich stürmisch, da die erschienenen Sozialdemokraten lebhafte Opposition machten. Schließlich wurde eine Resolution angenommen, in der die Errichtung einer jüdischen Kurie und Schaffung der jüdischen Autonomie gefordert wird. Professor Dr. Gustav Bickell. Montag den 15. d. M., nachmittags 2 Uhr, ist hier der berühmte Syrologe Dr. Gustav B i ck e l l, einer der hervorragendsten wissenschaftlichen Vertreter unserer philosophischen Fakultät, im Alter von 67 Jahren an einer Lungenentzündung gestorben. Aus einer alten protestantischen Beamtenfamilie stammend — sein Vater war in den Dreißiger-Jahren des vorigen Jahrhunderts Justizminister in Cassel — widmete sich der im Jahre 1838 in Cassel geborne Gustav Bickell dem Studium der Theologie und der semitischen wie der indogermanischen Sprachen. Mit 26 Jahren habilitierte er sich in Marburg; ungefähr um dieselbe Zeit trat er zum Katholizismus über und empfing in Fulda die Weihen; 1867 war er bereits Extraordinarius für orientalische Sprachen und Literatur in München und 1874 folgte er einer Berufung an die theologische Fakultät in Innsbruck, 1891 endlich der Berufung als Professor für die syrische und hebräische Sprache nach Wien. Unbestritten war hierin seine wissenschaftliche Autorität; ja man nannte ihn vielfach den bedeutendsten Syrologen der Welt. Von nah und fern strömten ihm denn auch Jünger zu. Auch der bekannte ausgezeichnete Publizist Dr. Dillon, der seine Lehrkanzel an der Charkower Universität mit der Redaktionsstube des „Daily Telegraph" vertauschte, ist ein Schüler Bickells. Ueberhaupt hatte Bickell ein geradezu grandioses Sprachentalent; er beherrschte in Wort und Schrift sechsundzwanzig Sprachen: sämtliche europäische und den größten Teil der orientalischen Sprachen. Bei dem jüngsten Glatteis, das so viele Opfer forderte, stürzte auch Bickell auf offener Straße; seine Verletzungen waren aber keine bedeutenden, denn er verließ bald wieder das Zimmer. Montag den 8. d. traten aber die Symptome einer Lungenentzündung auf. Von feinen Werken seien hier angeführt: „Grundriß der hebräischen Grammatik", „Gründe für die Unfehlbarkeit des Kirchenoberhauptes", „Conspectus rei Syrorum litterariae“, „Messe und Pascha", „Ausgewählte Gedichte der syrischen Kirchenväter", „Kalilag und Damnag", „Carmina veteris testamenti metrice", „Dichtungen der Hebräer", „Der Prediger", „Das Buch Job" und außerdem zwei Bände syrische Texte, die demnächst erscheinen werden. Sein Uebertritt vom Protestantismus zur katholischen Kirche war ein Akt innigster religiöser Ueberzeugung, er trat deswegen auch für die Unfehlbarkeit des Papstes ein. Allein feine strenge Wahrheitsliebe hatte ihn im Kreise der Jesuiten und der Wiener Antisemiten mißliebig gemacht und auch in Rom sah man auf den Mann mit Mißtrauen, der von der Wahrheit nicht um des Haares Breite abweichen wollte. Berühmt wurde sein Brief an das k. k. Wiener Landesgericht aus Anlaß des Prozesses R o h l i n g—B l o ch, als er von Gerichtswegen zu einer gutachtlichen Aeußerung über die Streitpunkte dieses Prozesses aufgefordert wurde. Er lehnte es ab, weil er sich nicht genug Fachmann erachtete auf dem Gebiete des Talmud und hat bei dieser Gelegenheit naiverweise über das Treiben sogenannter katholischer Talmudisten sensationelle Enthüllungen geboten, welche in der gesamten Oeffentlichkeit allgemeines Aufsehen erregten und auch nicht ohne Folgen geblieben sind. Für den berüchtigten Paulus Meyer, bekannt aus dem berühmten Schwurgerichisprozeß des verstorbenen Pfarrer Deckert, versuchte Bickell bei Dr. Bloch zu intervenieren. Zweimal erschien der Profeffor in der Redaktion der „Oesterr. Wochenschrift", um Schonung für seinen Schützling zu erbitten, der angeblich seine Tat bereut haben soll. Der gute Mann hat nicht eingesehen, daß, nachdem die Erzählung des Paulus Meyer von feinen Ritualmorderlebniffen im elterlichen Hause im „Vaterland" publiziert und telegraphisch als sensationelle Enthüllungen in die Welt hinausgenkeldet worden, auf eine gerichtliche Klarlegung und ein gerichtliches Ermittlungsverfahren nicht verzichtet werden konnte. Trotz alledem wird sein Name in jüdischen Kreisen ehrend gedacht bleiben. Generalversammlung des Tempelvereines des XIII. Bezirkes. Am 10. Jänner fand die 3. Generalversammlung des Vereines unter dem Vorsitze des Obmannes Direktor Dr. S. Krenberger statt. Es feblte dabei leider der Vertreter des Kultusvorstandes, Herr kais. Rat Siegmund Kauders. Die Beteiligung war eine verhältnismäßig gute. Es beginnt wieder im XIII. Bezirk jüdisches Leben zu erwachen. Das verflossene Jahr war für den neuen Verein ein erfolgreiches Nach langem Ruhen in denk großen und meist von Villen oder Fabriken besetzten Bezirke wurde ein geeignetes Lokal für das Bethaus gefunden, aber es scheint, daß bald an eme Vergrößerung gedacht werden muß. In dieses Lokal machte der Verein Investitionen, um es zu einer würdigen Betstätte zu gestalten. An Freitag-Abenden und an Samstagen wird hier Gottesdienst abgehalten. Der Jugendgottesdienst wurde eingeführt. In Herrn Gotthold Friedlander gewann der Verein einen stimmbegabten Sänger. Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Max Grunwald wird die rabbinischenFunktionen der Gemeinde, in welcher 180 Kultussteuerträger sind, von denen schon 50 dem Vereine angehören, versehen. Als Exbortant fungiert Herr Religionslehrer Josef Pick. Dem Vereine hat sich ein Damenkomitee angegliedert, um neue Mitglieder zu werben und die Mittel für die Ausschmückung des Bethauses zu beschaffen Dieses Komitee wirkt sehr eifrig und erfolgreich. Die Nachwahlen ergaben die Wahlen der Herren Emanuel Schwarz und Jacob Popper in den Ausschuß, der Herren Dr. Jul. Fleischer, Friedrich Herzog und Philipp Weil zu Ausschußstellvertretern und des Advokaten Dr. Isidor S p i e l m a n n zum 3. Revisor. Mil der Entwicklung des nächstjährigen Arbeitsprogrammes schloß die Sitzung. Linz. (Ehrung.) Der verdienstvolle und bei Jedermann sehr beliebte und hochgeachtete Vorsteher der hiesigen Gemeinde Herr Ignaz Hahn sah sich leider infolge Kränklichkeit veranlaßt, seine Stelle als Vorsteher, die er volle 15 Jahre hindurch inne hatte, zurückzulegen. Da er insolgedeffen auch jede Wiederwahl für die am 11. Februar d. I. anberaumte Vorstandswahl ablehnte, beschloß der Vorstand in Anerkennung der eminent großen Verdienste, die sich Herr Hahn sowohl durch seine 30jährige Tätigkeit als Vorstandsmitglied, als auch durch sein 15jähriges selbstloses und äußerst umsichtiges Wirken als Vorsteher der hiesigen Gemeinde erworben, in einer Festsitzung, die am 14. d. M. im dekorierten Sitzungssaale stattsand, dessen lebensgroßes Bildnis in seiner Gegenwart zu enthüllen. Da auch der greise, 75 Jahre alte Tempelvorsteher Herr Elias P o l l a k gerade 25 Jahre als Vorstandsmitglied und Tempelvorsteher in ausgezeichneter Weise tätig ist, so wurde in dieser Festsitzung auch ihm durch Ueberreichung eines großen silbernen Pokales eine Ehrung erwiesen. Der Vorsteher-Stellvertreter Herr Benedikt Schwager begrüßte als Vorsitzender dieser Festsitzung die erschienenen Festgäste, entschuldigte das Fernbleiben des Herrn Rabbiner Friedmann, der infolge einer Trauung in Salzburg diesem schönen Feste nicht beiwohnen konnte. In einer schwungvollen Rede schilderte nun Herr Schwager die großen Verdienste, die Herr Hahn als Vorsteher sich daselbst erworben, und schloß mit nachstehenden Worten seine mit allfeitigem Beifall aufgenommene Rede: „Wenn wir leider nicht mehr das Glück haben werden, den allverehrten Vorsteher Herrn Ignaz Hahn, der infolge seiner hohen Intelligenz, seiner Besonnenheit und Ruhe es verstanden hat, die Vorstandsfitzungen in wunderbarer Weise zu leiten, an der Spitze unserer Gemeindevertretung zu sehen, so wird dieses Bildnis, das zu enthüllen ich mir nun erlaube, uns stets als Ideal vorschweben, und in seinen edlen Intentionen mit allen unseren Kräften für das Gedeihen dieser mmmnsam m

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