Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 3 (19.1.1906)
- Date
- 1906-01-19
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 40 Dr. Llocb's MocbenscbrlN. Nr. 3 Gemeinde tätig zu sein, sei daher unser festes Bestreben." Nun beglückwünschte noch Herr Schwager den greisen Jubilar Herrn Elias Pollak zu seiner 25 jährigen Tätigkeit als Vorstandsmitglied und Tempelvorsteher und überreichte ihm als Anerkennung für seine Verdienste einen silbernen Pokal. Nachdem noch Herr Bernhard Taussig im Namen des Armeninstitutes, Vorstandsmitglied Herr A. Hartmann in seinem eigenen Namen und Herr Sekretär Piskaty im Namen der Angestellten der Kultusgemeinde sowohl an Herrn Vorsteher Hahn, als auch an Herrn Tempelvorsteher Pollak rührende Ansprachen gehalten hatten, dankten sowohl Herr Hahn, als auch Herr Pollak sichtlich gerührt für die äußerst ehrenden Ovationen, die man ihnen entgegenbrachte, und damit schloß die wahrhaft erhebende Festsitzung. Budapest. Kultusminister L u k ä c s hat in Angelegenheit des Organisationsstatuts der Landes-Repräsentanz, Zentralkomitees und Zentralkanzlei der aut. orth. israelitischen Konfession an sämtliche Munizipien folgende Verordnung gerichtet: „Solange bezüglich der Israeliten unseres Vaterlandes die Landes-Autonomie in entsprechender Weise, im Wege gemeinsamen Üebereiukommens nicht verwirklicht werden kann oder die königliche Kultus- und Unterrichtsverwaltung die orthodoxen Israeliten betreffend keine anderweitige Verfügungen treffen wird, erhebe ich kraft des obersten Aufsichtsrechtes jenes Statut zur Geltung, welches das Vermittlungskomitee der orthodoxen israelitischen Konfession mittelst Unterbreitung Lud Z. 10874 vom 29. November v. I. mir vorlegte und welches Statut die Organisation und Wirksamkeit der an Stelle des auf Grund der Verordnung des Kultus- und Unterrichtsministers Z. 26915 vom 15. November 1871 provisorisch wirkenden orthodoxisraelitischen Vermittlungskomitees treten orthodox-israelitischen Landes- Repräsentanz, Zentralkomitees und Zentralkanzlei regelt. Ich bemerke, daß dieses Statut den Kreis jener Rechte nicht beeinflussen kann, welche gemäß der bestehenden Normen im Ausfluß des Oberaufsichtsrechtes von der Kultus- und Unterrichtsverwaltung auf die orthodoxisraelitischen Angelegenheiten ausgeübt werden und kraft deren die Verfügungen der an Stelle des Vermittlungskomitees tretenden neuen Organisationen durch diese Verwaltung der Ueberprüfung unterzogen werden können. Ich bemerke ferner, daß das Organisationsstatut der orthodoxen Israeliten, welches vom Kultus- und Unterrichtsminister auf Grund der a. h. Ermächtigung Sr. Majestät vom 22. Oktober 1871 am 15. November desselben Jahres unter Z. 26915 publiziert wurde, auch fortab in Wirksamkeit verbleibt. Schließlich bemerke ich, daß unsere Gesetze, obwohl sie die Mannigfaltigkeit der Organisationen nicht behindern, nur eine israelitische Konfession kennen, demzufolge das gegenwärtige Statut zu einer gegenteiligen Interpretation keine Grundlage bieten kann." Prag. Das Stadtverordneten-Kollegium beschloß, die im Josefftädter Assauierungsrayon gelegenen Großenhof- und Zigeuner-Synagogen behufs Demolierung anzukaufen. Anstatt dieser Synagogen wird eine neue in der Jerusalemsgaffe gebaut. Die Großenhof-Synagoge liegt knapp an der neuen St. Niklasstraße an der Ecke der Schächtergasse gegenüber den ehemaligen Josefftädter Fleischbänken und trägt die Nummer 201/2. Sie war zum größten Teile Eigentum der Josefftädter Fleischergenoffenschast. Auf dieser Stelle hatte im 16. Jahrhunderte die reiche jüdische Familie Nosek ein Haus; vordem stand hier das Hadische Haus mit einer Mälzerei, ein weitläufiges Gebäude, das bis in die Rote Gaffe reichte, mit einem großen Hof, daher die Benennung „im großen Hof". Von diesem Hause wurden dann einzelne Bauparzellen abverkauft. Der ganze Platz hieß damals „Hinter den Juden" (Retro Judaeos) und die ganze Umgebung „Großenhosgasse". — Die Zigeuner-Synagoge wurde von einem gewissen „Zigeuner" gegründet; der Name wurde dann ins Tschechische mit „Cikänskä synagoga“ übersetzt. Doch hatte hier in dieser Gasse ein jüdischer Schächter Namens Moses CikLn ein Haus. Die Synagoge hat ihren Eingang durch das Haus Nr. 181/33 und steht im Hofe der Häuser 178 und 277/31. Saaz Bei der Konstituierung der neugewählten Vertretung der Saazer israelitischen Kultusgemeinde wurde als Vorsteher der Advokat und Stadtrat Dr. Ad. Anspach einstimmig wiedergewählt. Dr. Anspach bekleidet bereits durch fünf Wahlperioden dieses Ehrenamt. Ferner wurden gewählt kais. Rat Sigmund Lederer zum Vorsteherstellvertreter, Siegfried Kohn zum Tempelvorsteher, Moritz Rindskopf zum Tempelvorsteherstellvertreter, Karl Schwager zum Kassier, Sigmund Weiner zum Rechnungsführer und Leopold Bechert, Gustav Brod, Dr. Eugen Grünfeld, Eduard Kohn, Eduard Löbl, Sigmund Löwy, Heinrich Melzer, Jul. Sommer zu Mitgliedern des Vorstandes. Pisek. In der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde fand am 14. d. M. die Neuwahl des Vorstandes statt. Gewählt wurden in den Vorstand die Herren: M. Spitz (Präses), Dr. L. Bloch (Präses-Stellvertreter), I. F a n t l, Ad. H a h n jun., Tempelvorsteher, M. Klein, E. V. Jg. Adler, G. Roubicek, L. Kafka, I. Wodicka und I. Vogl. Tabor. Bei den jüngst stattgehabten Wahlen in die hiesige Kultusgemeinde-Repräsentanz wurden gewählt die Herren: Alois Freund, Bernhard Guttmann, Dr. Friedrich Guttmann, Heinrich Guttmann, Karl Mendl, Richard Mendl, Siegmund Rein, Eduard Stern, Moritz Penizek, Isidor Wodicka. Dieser Tage konstituierte sich die Repräsentanz nachstehend: Präses: Herr Dr. Friedrich Guttmann; Präses-Stellvertreter: Herr Alois Freund; Tempelvorsteher: Herren Karl Mendl, Richard Mendl, Moritz Penizek; Rechnungsführer: Herr Karl Mendl; Kassier: Herr Heinrich Guttmann. Die Inspizierung der Talmud-Thora- Schule wurde den Herren Karl Mendl und Siegmund Rein überwiesen. Konstantinopek. (Der Sultan und die Hilfsaktion.) Der lebhafte Wunsch der türkischen Judenheit, sich gleichfalls an der Hilfsaktion zugunsten der Opfer der Katastrophe in Rußland zu beteiligen, konnte bis jetzt nicht verwirklicht werden, da den türkischen Blättern streng verboten war, über die Vorgänge in Rußland auch nur eine Silbe zu schreiben. Am 28. Dezember ließ der Chacham Baschi von Konstantinopel Rabbi Moses Levy durch Vermittlung des Justizministers, Abdul Rama Pascha, dem Sultan, eine Petition überreichen, in welcher um die Erlaubnis gebeten wird, Sammlungen zugunsten der jüdischen Waisen und Witwen in Rußland zu veranstalten. Das Ergebnis dieser Intervention war eine bereits am 30. Dezember veröffentlichte Jrade, welche ungefähr wie folgt lautet: In Anbetracht der Treue, durch welche unsere jüdischen Untertanen sich bis jetzt ausgezeichnet haben, wird ihnen das Recht gegeben, eine Notablenkonferenz einzusetzen, um Sammlungen zugunsten der Familien der unschuldigen Opfer, welche in Odessa und anderen Städten Rußlands massakriert worden sind, zu veranstalten. Da es eine Pflicht der Humanität ist, für diese Familien zu sorgen, so liegt kein Grund vor, um den Angehörigen anderes Glaubens zu verbieten, sich gleichfalls an diesen Sammlungen zu beteiligen. Eine größere Anzahl Zeichenlisten sollen auch dem Sultan zugestellt werden. Dem Minister des Innern wird besohlen, diese Jrade zu vollziehen. Gleich am zweiten Tage nach der Bekanntmachung dieser Jrade wurden in Konstantinopel 6000 Francs zugunsten der russischen Juden gesammelt. Arisches Christentum. Als ein zeitgeschichtliches Dokument für die frömmelnde Blutgier und Zerstörungswut, die in Rußland auf die ungebildeten Klassen mit wahnwitziger Verhetzung wirkt, kann ein Flugblatt gegen die Polen und Juden gelten, das in Kiew und Umgegend in den beiden letzten Monaten in Tausenden von Exemplaren verbreitet wurde. Das Flugblatt lautet nach der „Volkszeitung" in deutscher Uebersetzung: „Im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. Der große Heilige des Kiew-Petscherrer Klosters befiehlt, dem Volke mitzuteilen, daß der heilige Wladimir, der Rußland getauft hat, aus seinem Grabe aufstehe jede Nacht, die Heiligen des Klosters wecke und mit ihnen unsere von den Polen und Juden beschimpfte Heimat beweine. Mein Gott, so ist jene Glanzzeit hin, da die mächtigen Heere der fremden Stämme (Andersgläubige) zurückgeschlagen wurden I Schimpf und Schande den Nachkommen des heiligen Wladimir, die sich vor dem Häufchen feiger Juden und einer von diesen angenommenen Bande Studentenbengels fürchten! So wisse denn Jeder, dem der russische Name noch teuer ist, daß die Juden und Polen nach unserem Blute dürsten, daß sie uns gegenseitig aufhetzen wollen, um auf unseren Leichnamen zum Throne zu gelangen und den Kaiser niederzuwerfen. Wiffe denn, wenn dieses geschieht, dann ist