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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-11-24 · 47 (24.11.1905) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
47 (24.11.1905)
Date
1905-11-24
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 754 Dr. Mocv's Mocbenscbrltt. Nr. 47 reiche Spenden von Geld und Material, namentlich das Ergebnis der Sammellisten junger Damen es dem „Frauenhort" immer wieder ermöglichen, in seiner altgewohnten Art Glück und Freude in so vielen jüdischen Familien zu verbreiten und den Eltern und Kindern durch die die diskrete Versendung jede Beschämung zu ersparen. Spenden nimmt der Vorstand IX., Müllnergasse 21 dankendst entgegen, die umso dringender sind, als noch nie eine so große Anzahl von Kindern, u. zw. aus allen Wiener Bezirken beteilt wurde. Jüdische Toynbeehalle. Die von der Leitung des Vereines „jüdische Toynbeehalle in Wien" in Fünfhaus (Sitzungssaal der israelitischen Kultusgemeinde, Turnergasse 22) veranstalteten Wandervorträge finden eine immer steigende Teilnahme. Bei dem am 18. d. von Herrn Rabbiner Dr. Max Grunwald gehaltenen Vortrage „Die sozialen Einrichtungen im alten jüdischen Reiche" war nicht nur der Vortragssaal, sondern auch der anstoßende Vorraum dicht gefüllt und wärmster Beifall lohnt den ebenso lehrreichen als interessanten Vortrag. Nach demselben erfreuten die Herren Baß und Friedmann die Zuhörer durch ihre ausgezeichneten Klavier- und Violinvorträge. Samstag den 25. November, halb 8 Uhr abends, spricht Prof. Dr. Ehrmann über „Kunst und Volksgeist". Nach dem Vortrage findet eine Streichquartett- Aufführung statt. Sonntag den 26. November veranstaltet ein Damenkomitee, an dessen Spitze Frau Em. Schnabel steht, eine Kinderjause, für welche bereits eine große Zahl armer Kinder aus dem Bezirke vorgemerkt ist. Wien. Der Verein der Religionslehrer der israelitischen Kultusgemeinde „Esra" veranstaltet Samstag den 25. November d. I. um halb 8 Uhr abends im Lokale der Religionsschule, I., Seitenstettengasse 2, II. Stock, einen Vortrag des Herrn Dr. Adolf Weiß, k. k. Professor: „Der Unterricht in der biblischen Geschichte". Wien. Der Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis, Wien, II., Taborstraße 59 hält Samstag den 25. November a. e., um 7 Uhr abends im Lesesaal des „Wiener Kaufmännischen Vereines", I., Johannesgasse 4 die ordentliche Generalversammlung ab. Wien. (Promotion.) Vorige Woche wurde Herr Isidor S ch w a r z m a n n, ein Sohn weiland des Industriellen David Schwarzmann, an der Wiener Universität zum jurls uriusque Doctor promoviert. Wien. Der israelitische Frauen-Wohltätigkeitsverein im VIII. Bezirke veranstaltet Sonntag den 26. November l. I., 4 Uhr nachmittags, im Tempelgebäude, VIII., Neudeggergasse Nr. 12, eine Kinderbekleidung. Wien. Herr Kalman Abrahamer, II., Floßgasse 1 a feierte am 11. d. M. mit seiner Gattin das Fest der goldenen Hochzeit. Die Feierlichkeit fand im Tempel rm X. Bezirke (woselbst der Vater des Herrn Kalman Abrahame r,Herr Leon Abraham er, Vorstandsmitgeied ist) statt. Der Rabbiner Herr Dr. Mandl hielt eine rührende Ansprache an den Jubilar, dem es gegönnt ist, in voller Rüstigkeit und Körperfrische ein so seltenes Fest zu begehen. Gleichzeitig am selben Sabbathtage (11. Rov,) fand daselbst auch die Barmizwah- Feier des Sohnes Julius des Herrn Leon Abrahamer, Enkels des Jubilars, statt und auch an den Konfirmanden hielt Herr Dr. Mandl eine sehr schöne Ansprache. Am 12. d. abends fand das Familienfest der goldenen Hochzeit im Hause des Herrn Leon Abraham er statt, zu welchem sich zahlreiche geladene Gäste einfandett. Die Festrede hielt Herr Alexander Joachim, Buchhalter der Firma Leon A b r a h a m e r. In derselben würdigte er insbesondere als hervorragende Charaktereigenschaften des Jubilars sein u n e r s ch ü t t e rl i ch e s Festhalten an den Geboten unserer Religion, seine Gottesfurcht, seine grenzenlose Ehrlichkeit und seine Herzensgüte. Dem Jubilar sind von Nah und Fern Zeichen der Sympathie zugekommen. Falkenau. Die in der hiesigen Kultusgemeinde durch Se. Ehrwörden Herrn Rabbiner Dr. S. F e u e r st e i n in den Orten Bleistadt, Chodau, Elbogen, Falkenau und Graslitz für die unglücklichen Glaubensbrüder in Rußland eingeleitete Sammlung ergab eine Summe von 612 Kronen, wozu dann noch die Kultusgemeinde in Falkenau So Kronen und die Chewra-Kadischa detto 50 Kronen spendeten. Der Betrag wurde an Herrn Dr. Arnold Rosenbacher, Advokat in Prag, abgeführt. Straffnitz. Sonntag den 19. d. M. wurde in der hiefigen Synagoge unter Beteiligung der Elite der Kultus- und politischen israelitischen Gemeinde, als auch der Schuljugend unter Führung des Oberlehrers Herrn I. Robitschek eine weihevolle Trauerseier für die unschuldigen Opfer der entsetzlichen Judenmassakres in Rußland abgehalten. Rabbiner Herr Dr. Friedmann hielt die Predigt und verrichtete ein ergreifendes Gebet bei der offenen heiligen Bundeslade für das Seelenh eil der gefallenen Märtyrer. Pribram. Bei der Konstituierung des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde in Ptibram am 9. November 1905 wurden gewählt die Herren: M. Kohn als Vorsteher (wiedergewählt), B. Löwi als Stellvertreter (wiedergewählt), Emil Singer als Kassier (neugewählt), Ludwig Langer als Rechnungsführer (neugewählt). In den Tempelvorstand wurden gewählt die Herren: B. Löwy als Präses, M. Kohn, Jindrich Mühlstein. In den engeren Ausschuß wurden gewählt die Herren: JUDr. Jind. Steiner, Bohumil Reinisch, Ludwig Edlstein, Karl Reichner, Hynek Abeles. Troppau. Mit dem Vortrage unseres rührigen Obmannes Herrn Dr. Robert Lichtwitz: „Die Inden als Rasse", trat der jüdischtiterarische Verein in sein zehntes Vcreinsjahr. Wie in der Begrüßung der zahlreich erschienenen Anwesenden ausgeführt wurde, hat der Verein es sich zur ausschließlichen Aufgabe gemacht, nur durch Abvaltuug von Vorträgen seinen Mitgliedern Gediegenes zu bieten und sind wir gerade Heuer in der Lage, mehrere in kurzen Intervallen folgen zu lassen. Herr Dr. Lichtwitz führte ungefähr in seinem Vortrage folgendes aus: In der Rassenfrage stehen sich im großen und ganzen drei Ansichten gegenüber: 1. Die von der Einheitlichkeit der heutigen Juden seit altersher; 2. Ihre Gruppierung in der Aschkenasim und Sephardim; 3. Die Juden von heute sind erst durch Vermischung mit verschiedenen Völkern entstanden. Die hauptsächlichsten Kriterien, welche die Anthropologie heranzieht, wie: Kopfform, Farbe von Haut und Haaren, Gesichtsbildung, weniger die Körpergröße lassen auch bei den heutigen Juden eine gewisse Einheitlichkeit erkennen, deren Grundlage die gemeinsame Abstammung vor semitisch-syrischen Volksstämmen der astatischen Heimat bildet. Der heutige jüdische Typus hat sich eben erst im Laufe einer 4000jährigen Entwicklung unter dem Einflüsse des Milieus, der strengen religiösen Vorschriften, der gemeinsamen Geschichte, nach den für alle Lebewesen giltigen Gesetzen der Auswahl, Vermischung und Inzucht gebildet. Durch Heranziehung der semitischen Sprache (hebräisch) wird ein künstlicher Nassengegensatz von Juden als Sennten und Ariern geschaffen. Weit stärker als die physischen schlingen die geistigen Gemeinsamkeitsmerkmale auch heute noch ein festes Band um alle Juden, und läßt das zu neuem Leben erwachte Vollsgefühl, die allenthalben sich regende jüdische Renaissance. Juda verheißungsvoll in die Zukunft blicken." Langandauernder Beifall lohnte den Redner für seine trefflichen Ausführungen des so interessanten Themas. Jamnitz. Der hiesige Kultusvorsteher Herr Samuel Kohn beging am 29. v. M. in vollster körperlicher und geistiger Rüstigkeit, Frische sein siebzigstes Geburtsfest. Bei seiner bekannten Bescheidenheit und Anspruchslosigkeit begav er sich bereits vor einigen Wochen mit seiner Gemahlin nach Abbazia, um allen ihm zugedachten Ovationen zu entgehen. Herr Samuel Kohn ist schon durch mehrere Wahlperioden Vorsteher der hiesigen Gemeinde, deren Institutionen unter seiner weisen und taktvollen Leitung bestens blühen und gedeihen. Bereits zwei Dezennien ist derselbe ein geschätztes Mitglied des k. k. Bezirksschulrates, wo er sich immer als Freund der Schule und Lehrer bewährte. Budapest. Herr Kantor Jenö Weiß, ein Schüler des Wiener Oberkantors Bela G u t t m a n n, hielt am 10. und 11. d. M. im Rombachtempel (an Stelle des gottsel. Oberkantors Bachmann) einen Probevortrag und erzielte mit seiner prachtvollen Tenorstimme allgemeinen Beifall. Liegnitz. In gemeinschaftlicher Sitzung der städtischen Körperschaften wurde Herr Heinrich Cohn, der Vorsteher der jüdischen Gemeinde, neben dem Oberbürgermeister zum Provinziallandtagsabgeordneten gewählt. Leipzig. Hier ist der allbekannte Kammersänger Albert Goldberg, Oberregiffeur der Oper am Stadttheater, nach schwerem Leiden gestorben. Er war 1847 in Braunschweig als Sohn des dortigen Kantors geboren und wandte sich zunächst auf Wunsch seiner Eltern dem kaufmännischen Berufe zu. Dem 18jährigen Jünglinge drängte sich aber die Erkenntnis, daß er Künstler werden müßte, so stark auf, daß er 1865 ins Leipziger Konservatorium trat, wo seine Baritonstimme Professor Götz ausbildete. Am 2. Mai 1869 debütierte Goldberg als Oberbrahmine in Meyerbeers „Afrikanerin" auf der Münchener Hofbühne. Dann kam er über Mainz, Bremen, Neustrelitz, Straßburg, Augsburg nach Königsberg, wo er am dortigen Stadttheater des Direktors Max Staegemann nicht nur als erster Bariton, sondern auch als Regisseur mehrere Jahre hindurch, bis 1880, wirkte. Nach Staegemanns Uebersiedlung nach Leipzig wurde Goldberg sogar Direktor des Königsberger Stadt-

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