Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 47 (24.11.1905)
- Date
- 1905-11-24
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 47 Dr. Mori^ensrirrift Seite 755 theaters, welchetl Posten er aber nach drei Jahren aufgab, um am Leipziger Stadttheater, dessen Direktor Staegemann inzwischen geworden war, den Posten als Oberregisseur der Oper zu übernehmen. — Goldberg verschaffte sich den Ruf eines der ersten deutschen Opernregisseure; vor allem rühmte man seine feinsinnigen Inszenierungen Waguer'scher Opern. Feuilleton. Hlnsftsche Irrvenlieder. i. Als ich es Hab' vernommen, Was in Rußland ist gescheh'n, Da sind mir die Tränen gekommen, Als hält' ich's mit angeseh'n. Da hat mir das Blatt gezittert, Gebebt in meiner Hand, Da Hab ich es zerknittert, Geworfen an die Wand. Dann bin ich zusammengesunken Und war als wie gelähmt: „Ihr habt unser Blut getrunken! . . . Ich Hab' mich für euch — geschüm t!" II. Großer Gott, im hohen Himmel, Schau erbarmend auf uns nieder Und beschütze und beschirme, Die noch leben unsrer Brüder. Die noch leben, die noch atmen, Die noch beben von den Armen, Großer Gott in deinem Himmel, Hab' Erbarmen, Hab' Erbarmen! Viele Tausend hingemordet, Unter Schmerzen, unter Qualen, Viele Tausend brave Brüder Um die „Freiheit" zu bezahlen. Großer Gott in deinem Himmel, Laß' uns doch nicht ganz zertreten, Laß' in Gnaden so viel übrig, Um zu weinen, um zu beten. So viel laß, Erbarmer, übrig, Daß wir so viel Juden haben, Um die Toten nach den Bräuchen Unter Tränen zu begraben! III. Ihr seid Helden, große Helden, Aber ein klein wenig ehrlos,. Ihr habt Mut, das muß man melden, Gegen alle, die da wehrlos. In der Schlacht da seid ihr kleinlaut, Da wißt ihr den Mut zu dämpfen, Zögert weise, eh' ihr einhaut, Gilt's nicht — Juden zu bekämpfen. Ferne Feinde zu bekriegen, War gefährlich und auch schwierig, In der Judengass' zu siegen, Darauf brennt ihr kampsbegierig. Solche Helden muß man suchen, Laßt die Unschuld sterben, leiden — Gott soll alle die verfluchen Die um euren Ruhm euch neiden! IV. Gelobt der Tag! Die Freiheit ist erschienen — Sie strahlt zurück aus tausend bleichen Mienen. Die neue Freiheit habt ihr euch errungen, Die Opfer bluten — schön ist's euch gelungen! Es ist die Freiheit: raschen Griffs beerben, Die rings von euren Henkershänden sterben. Die Freiheit ist es, gierig zu berauben, Die anders als die feigen Räuber glauben. Die Freiheit ist es: Schauder, Schuld und Schande, Zu wälzen schmachvoll durch die weiten Lande. Es ist die Freiheit: schamlos hinzuschreiten, Mit Fluch bedeckt — durch Zeit und Ewigkeiten! V. Ihr, die ihr eure Töchter In Zucht und Ehren hegt, Und sie dem würd'gen Gatten Jn's reine Brautbett legt, — Ihr, die ihr edle Frauen In Sitte ehrt und Zucht, Vernehmt mit Scham und Grauen, W i e man uns heimgesucht: Nicht tierisch mehr zu nennen, Ist, was geschehen hier — Das hieße die Tierheit schmähen, S o tierisch — i st kein Tier! VI. Sie ringen rings die welken Hände: Erbarmen Allmächtiger — vollende, beende! Wir haben gesündigt, wir haben verschuldet, Wir haben gebüßt und wir haben geduldet. Die Trümmer, sie qualmen, — Kommt, betet die Psalmen, Die Psalmen der Toten, So wie sie geboten. Nackt bist du gekommen. Nackt wirst du genommen . . . Die Güter der Erden, Zerstampft von den Pferden, Die Frucht unseres Fleißes, Das Werk unseres Schweißes Besudelt — zertreten, — Kommt Brüder zu beten. Ist alles verloren, Sei Gott uns erkoren, Getödtet die Lieben, Gott ist uns geblieben. Er hat es gegeben, Das Licht und das Leben, Er hat es genommen, Den Sündern und Frommen. Er hat uns geprüft Und er hat uns erprobt, Der Name des Ew'gen . Sei ewig gelobt! VII. Ihr Satten und ihr Glatten, Heraus aus eurer Ruh', Ihr Flauen, Lauen, Matten, Schaut nicht mehr staunend zu! Wer sich im Wohlstand brüstet Und seinen Launen lebt, Wen es nach Ehren lüstet, Wer eifrig aufwärts strebt,