Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 47 (24.11.1905)
- Date
- 1905-11-24
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Dr. Mocb's MocbenscbrLtt. Seite 753 Nr. 47 szenen in Zukunft abzuwenden, nicht nur soweit die Juden in Rußland in Betracht kämen, sondern auch in Bezug auf die Armenier, Polen und Finnen. Herr Straus zeigte dem Präsidenten ein Kabeltelegramm des russischen Premiers Grafen Witte an Herrn Jakob H. Schiff in New-Iork, welches lautete: „Die Regierung ist entsetzt ob dieser Schandtaten. Sie wissen, daß ich am allerwenigsten mit solchen wilden Ausbrüchen sympathisiere. Alles, was ich tun kann, um diesen Unruhen ein Ende zu machen, geschieht, aber da das Land sich in einem solchen Zustande der Aufregung befindet, sind die Behörden oft machtlos." Präsident Roosevelt konstatierte, daß die Berichte, welche er erhalten, denselben Stand der Dinge kennzeichneten; er habe mit Staatssekretär Root konferiert, aber unter den gegenwärtigen Umständen sehe sich die hiesige Regierung nicht in der Lage, etwas zu tun. Die Exzesse seien allgemein und nicht speziell gegen die Juden gerichtet, und es scheine, daß die russischen Behörden täten, was sie könnten, um geordnete Zustände wiederherzustellen. Keine Hoffnung. Washington. Herr Simon Wolf sprach heute im Staats-Departement vor, um sich nach dem Schicksal der Mitteilungen zu erkundigen, welche er in jüngster Zeit bezüglich der neuesten Judenverfolgungen Staatssekretär Root übermittelt hatte. Der zweite Hilfs-Staatssekretär Adee teilte Herrn Wolf mit, daß Herr Root seine (Wolf's) Mitteilungen bereits beantwortet habe und daß der betreffende Brief schon der Post übergeben sei. Herr Adee ließ deutlich durchblicken, die Zustände in Rußland seien augenblicklich derartige, daß eine Intervention seitens der amerikanischen Regierung nichts nützen könne, eine Auffassung, welche Herr Wolf in vollem Maße teilt und welcher er auch in einem Briefe an Rabbi Leventhal in Philadelphia Ausdruck verliehen hat, als derselbe ihn jüngst telegraphisch ersuchte, zugunsten der russischen Juden sich an die amerikanische Regierung zu wenden. Gompers depeschiert an Witte. Der Präsident der American Federation of Labor, Samuel Gompers, richtete die folgende Depesche an den Grafen Witte in St. Petersburg: „Als die ganze Welt den großen Errungenschaften der Arbeiter Rußlands in dem großen Befreiungswerk Beifall zollte, erglühten auch die Herzen der Arbeiter Amerikas für sie. Aber die Sache der Freiheit und Gerechtigkeit darf nicht durch wilde Ausschreitungen und Verbrechen gebrandmarkt werden. Wenn Rußlands Arbeiter ebenso energisch ihre Macht brauchen wollen, um dem schändlichen Abschlachten von Menschenleben entgegenzutreten, so werden sie sich auch ferner den wärmsten Dank und die dauernde Zuneigung aller Gerechtigkeit und Freiheit liebenden Humanitarier in der ganzen Welt erwerben. Das Leben aller Menschen jedes Glaubens- und jedes Religionsbekenntnisses — Christen oder Juden — muß sicher sein, wo die wahre Freiheit nicht allein errungen, sondern auch für alle Zeiten bewahrt werden soll. Wollen Sie gütigst diese nicht nur im Namen der drei Millionen organisierten Arbeiter, sondern aller Arbeiter Amerikas Ihren Landsleuten und unfern Arbeitsgenoffen übermitteln?" Dermtecbtes. Großes Wohltätigkeitskonzert für die Opfer der rnsfifchen Judenexzeffe. Am 9. Dezember findet im Großen Mufikvereinssaale zugunsten der Opfer der großen Judenexzesse ein großes Wohltätigkeitsfest statt, bei welchem außer den Veranstaltern Herrn Oberkantor Guttmann und Hofmufiker Professor Josef S u l z e r die Opernsängerin Frau Raja Barbe r-Wal db e r g, der k. u. k. Hofschauspieler Herr Adolf v. Sonnenthal und der Komponist und Klaviervirtuose Professor Ignaz Brüll Mitwirken werden. Karten find bereits zu haben in der Hofmufikalienhandlung G u t t m a n (Opernhaus) und im Konzertbureau Ross zu haben. Sonnenthal-Borlefnng. Zugunsten der Gesellschaft für Sammlung jüdischer Kunstdenkmäler wird der Vizepräfident dieser Gesellschaft, Herr k. u. k. Hofschauspieler Adolf Ritter von Sonnenthal, Donnerstag den 30. November, halb 8 Uhr abends, im kleinen Mufikvereinssaale eine Vorlesung halten. Der Abend ist zur Gänze dem Vortrage von Dichtungen Heinrich Heine's gewidmet. Zum Vortrage gelangen: 1. Jehuda ben Halevy; 2. Belsazer; 3. Prinzessin Sabbath; 4. Donna Clara; 5. Pferd und Esel. Für Freunde des Dichters und der Kunst Sonnenthals wird dieser Abend sicherlich einen großen Genuß bringen. Die Mitglieder der Gesellschaft können die ihnen zukommenden Sitze Donnerstag den 23. und Freitag den 24. November von 2—4 Uhr im jüdischen Museum, II., Praterstraße 23, beheben. Von diesem Zeitpunkt angefangen, erfolgt der Kartenverkauf zu den üblichen Preisen in der Musikalienhandlung Hugo Kepler, I., Habsburgergasse 2, Ecke Graben. Hoffchaufpieler für die ruffifchen Juden. Aus Künstlerkreisen des Burgtheaters kommt uns folgende interessante Mitteilung zu: Seit einigen Tagen besprechen hervorragende Mitglieder der Hosbühne eine Wohltätigkeits-Aktion für die Hinterbliebenen der Opfer der jüngsten Judenmaffakres in Rußland. Der Vorschlag, eine Matinee in einem Privattheater zu veranstalten und den Erlös dem gedachten Zwecke zuzuführen, fand allgemeine Zustimmung. Man möchte am liebsten in dieser Matinee dem Publikum die Bekanntschaft mit einer Novität übermitteln, von der man einen starken Anreiz auf die weitesten Kreise der Residenz erwartet. Von einer Seite wurde vorgeschlagen, Heyermann's „Ghetto" zu geben, welches Schauspiel für Kainz, Sonnenthal und Frau Medelsky große Rollen enthält. Auch der Gedanke wurde ventiliert, ob man nicht Tschirikow's „Die Juden" für diesen Zweck erwerben könnte. Man wird bald Näheres über diese Angelegenheit erfahren. Wien. (Verband der israel. Religionslehrer an den österreichischen Mittelschulen.) Die 5. Generalversammlung dieses Verbandes findet Montag, den 27. und 28. Dezember d. I., 10 Uhr vormittags, in der Religionsschule der israelitischen Kultusgemeinde (I., Seitenstettengaffe 2) mit folgender Tagesordnung statt: 1. Rechenschaftsbericht des Obmannes über die Tätigkeit des Ausschusses in der abgelaufenen Vereinsperiode; 2. Bericht der Kassaverwaltung; 3. Bericht der Revisoren; 4. Neuwahl des Ausschuffes; 5. Neuwahl der Revisoren; 6. Vorträge und freie Anträge. (Die Themen der Vorträge, sowie etwaige Anträge find bis spätestens 10. Dezember beim Obmanne Ehrw. Herrn Rabbiner Dr. D. Feuchtwang, XVIII., Hofftattgasse 27 anzumelden.) Spezielle Einladungen werden den Herrn Kollegen baldigst zugesendet werden. Kinderbekleidung des Vereines „Franenhort". Die Kinderbekleidung des Vereines „Frauenhort" im IX. Bezirke, an deffen Spitze die Damen Rosa Zifferer als Präsidentin, Regine Kopstein und Johanna Fröhlich als Vizepräfidentinnen ebenso unermüdlich wie verdienstlich wirken,hat wieder am 19. November, dem Gedenktage der verewigten Kaiserin Elisabeth, 259 brave Wiener Schulkinder beglückt. Wäsche und Kleider, Mäntel, Hüte und Schuhe, Schulrequifiten, Leckwerk, Spielerei und Bücher find unserer fleißigen und darbenden jüdischen Schuljugend Bedürfnis, Belohnung und Ansporn, den Eltern Befreiung von drückendster Sorge. Wie sehr es dem Vorstande gelang, trotz immer schwieriger werdender Verhältnisse sein gestecktes Ziel zu erreichen, davon überzeugten sich die Gönner des Vereines, die sich am 17. November im gütig zur Verfügung gestellten Saale des Handwerkervereines, IX., Grüne Thorgaffe 26 einfanden, wie: Frau Baronin Charlotte Königswarter, Herr Präsident Gottlieb Bettelheim u. a. Mögen zahl-