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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-11-17 · 46 (17.11.1905) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
46 (17.11.1905)
Date
1905-11-17
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Sekt 734 Dr. Blocb’s THttocbenscbdft. Nr. 46 schritten ihrer Religion strengstens verboten ist, einen Andersgläubigen WM Uebertritt ins Judentum zu veranlassen, und obwohl ihnen, wenn sie sich darum nicht kümmern, doch gar nichts daran liegen kann. Proselyten zu machen, haben die Juden, weil sie offenbar im Märchenlande vor den Christen in jeder Hinsicht von Staat und Gesellschaft besonders bevorzugt werden, kein eifrigeres Bestreben, als ihre christlichen Mündel, besonders aber evangelisch-lutherische Kinder von dieser zwar in viele feindselige Sekten gespaltenen, aber betreffs jeder Sekte einzig wahren Gotteslehre abwendig zu machen und dem Judentum zuzuführen. Das Amtsgericht und auch das Landgericht im Märchenlande fanden jedoch kein Fehl an dem jüdischen Vormund und lehnten den Antrag der frommen, ledigen, evangelisch-lutherischen Mutter ab. Die gute, brave und fromme, lutherisch-evangelische Mutter aber ließ nicht nach. Und es gibt Gott sei Dank im Märchenlande auch ein Kammergericht, gleich dem, vor welchem schon der gewiß tapfere Friedrich der Große Respekt hatte. Zwar bestimmt nun im Märchenlande das bürgerliche Gesetzbuch im § 1785, daß jeder Deutsche (Evangelischlutherische oder Juden oder andere Konfessionen werden dort nicht erwähnt) die Vormundschaft übernehmen muß, wenn nicht einer der Gründe der §§ 1780 bis 1784 vorliegt, oder falls er sie nicht nach § 1786 ablebnen kann — zwar steht in diesen 1780 bis 1784 und 1786 kein Wort von der Konfession, weder von evangelisch-lutherischer noch von jüdischer und es findet sich nur im § 1779 die Vorschrift, daß bei der Auswahl (nicht bei der Absetzung) auf das religiöse Bekenntnis des Mündels Rücksicht zu nehmen ist — und zwar bestimmt endlich im Märchenlande § 1801, daß die „Sorge für die religiöse Erziehung dem Vormund entzogen werden kann, wenn der Vormund nicht den« Bekenntnis angehört, in dem das Mündel zu erziehen ist" — aber das Kammergericht erwähnte gerade alle diese Gesetzesbestimmungen nicht; es machte ganze Arbeit und ordnete an, „daß, wenn besondere Gründe für Bestellung eines Vormundes mit abweichendem Bekenntnisse nicht vorlägen, dieser Vormund (dem man seine Abstammung nicht ansehen konnte) zu entlassen sei." So wurde das evangelisch-lutherische Rothkäppchen aus dem Rachen des bösen Wolfes gerettet, noch ehe es vom Judentum verschlungen war. Das geschah zugleich auch zum Nutzen des bösen, jüdischen Wolfes, dem daher der Bauch nicht ausgeschnitten zu werden brauchte, der auch keine Wackersteine eingefüllt bekam und der also auch nicht im Brunnen elendlglich ersaufen mußte. Hoffentlich hat das vangelisch-lutherische Kind nun auch einen evangelisch-lutherischen ormund, und zwar genau derselben Richtung, b eileibekeinen auch nur evaligellsch-reformierten erhalten, so daß es auch betreffs Lesen, Schreiben und Rechnen auf evangelisch-lutherischem Standpunkt bleibt. Es sind nun in Eintracht. Glück und im evangelisch-lutherischen Bekenntnisse vereint: Mutter, Kind und Vormund — und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie heute noch. So geschehen im Jahre des Heiles l904 im Deutschen Reiche und gar rührend und erbaulich zu lesen in einer mit großer Gelehrsamkeit verfaßten und mit unzähligen Zitaten geschmückten, im Jahrbuch der Entscheidungen des Kammergerichtes Band 29, Seite 13 bis 18 im Sommer 1905 hundert Jahre nach Schillers Tode veröffentlichten Entscheidung. (Aus der „Frankfurter Zeitung".) Korrespondenzen. Wien. Montag, den 6. d., fand die vierte Generalversammlung des „Vereines zur Ausspeisung armer isralitischer Schulkinder des XII., XIII., XIV. und XV. Bezirkes in Wien" statt. Erschienen waren Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Max Grunwald, ferner die Kultusvorsteher Herren Kommerzialrat Gottlieb Taussig und kaiserlicher Rat Wilhelm Pollak, der Obmann des Bethausvorstandes Herr S. Steiner, der Präses der Chewra-Kadischa in Fünfhaus Herr Heinrich Neufeld, Frau Rabbiner Dr. Grunwald in Vertretung des Vereines „Maskil el Dol", die Herren Kantoren Jurberger und Schleifer, sowie eine große Anzahl von Vereinsmitgliedern. Die Sitzung wurde von der Präsidentin des Vereines, Frau Regine Landeis, um halb 6 Uhr abends eröffnet und das Protokoll der letzten Generalversammlung verlesen und genehmigt. Ueber Antrag des Herrn Gelbhart wurde von der Verlesung des Rechenschafts- und Kassenberichtes Abstand genommen und der Leitung des Vereines das Absolutorium erteilt. Auf Anregung des Herrn A. Stern wurde die Präsidentin des Vereines einstimmig zum Ehrenmitgliede ernannt. Die vom Beirat des Vereines Herrn Dr. Morgenstern ausgearbeiteten und vorgetragenen Statutenänderungen, §§ 3 und 10 der Vereinsstatuten betreffend, wurden ebenfalls einstimmig angenommen. Es wurde ferner beschlossen, Herrn Emanuel Fischer, k. k. Professor in Prag, für den künstlerischen Entwurf zum Titelbilde des Jahresberichtes den Dank der Generalversammlung auszusprechen. Herr Kommerzialrat Gottlieb Taussig wies auf die geringen Spesen des Vereines hin und betonte, daß der Verein mit bloß 9 Prozent Regie Quote sich vorteilhaft von vielen Vereinen unterscheide, bei denen die Regien das Dreifache und noch mehr betragen. Der Vorstand wurde hierauf per Akklamation für das Vereinsjahr 1905/06 wiedergewählt. Zum Schluffe wandte sich Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Max Grunwald an die Generalversammlung. In treffender, launiger Weise beleuchtete der Redner die Tätigkeit der Präsidentin und der Vorstandsdamen und wünschte dem Vereine ein weiteres Blühen, Wachsen und Gedeihen. Die Gründung einer Universität in Preßburg und die Rabbinatsschule daselbst. Der erste und berühmteste Verein der ungarischen Literatur welcher unter den Namen Toldy-kör in Preßburg seinen Sitz hat, beschloß in seiner letzten Ausschußsitzung, welche vom Präsidenten dem Reichstagsabgeordneten Dr. Koloman T h a l y einberufen war, die Gründung einer Universität in Preßburg von keiner Tagesordnung der literarischen Kommission des Vereines herabzusetzen, zumal diese angesehenste literarische Vereinigung in erster Reihe berufen ist, für die Gründung dieses gewaltigen Kulturfaktors einzutreten. Prof. Dr. Wagner führt nun in seinem gehaltvollen Referate über diese Frage unter anderem aus, daß die zu gründende Universität auch ein Segen für die Schüler der Preßburger Rabbinatsschule sein werde, um ihnen die Möglichkeit zur Heranbildung wissenschaftlicher Theologen zu gewähren. Rabbiner Dr. Funk nahm im Laufe der Diskussion das Wort. Bezugnehmend auf eine denkwürdige Bemerkung des Präsidenten Koloman Thaly, welche er in einem Gespräche mit Dr. Funk vor Jahren hatte, in welchem Thaly ausführte, daß der verstorbene ungarische Kultusminister August Trefort Thaly ersuchte, er möge in der Stadt Debreczin, deren Reichstagsabgeordneter Thaly schon seit Jahrzehnten ist. für die Gründung einer kalvinischen Universität eintreten, worauf dannTrefort in Preßburg eine katholischeU niversitä t gründen werde.Thaly, der urwüchsig liberale Protestant, gab dem Minister gtir Antwort: Exzellenz, ich bin wohl ein guter Calviner, verzichte aber auf jede Universitätsgründung, wenn dadurch die Möglichkeit gegeben werden sollte, eine katholische Universität zu gründen. Die Universität muß eine Universität der Wissenschaft und nicht der Konfession sein. (Stürmische Eljenrufe.) Ehrw. Dr. Funk führt nun unter spannender Aufmerksamkeit aller die geistige Elite Preßburgs bildenden Anwesenden aus, daß die Universitätsgründungskommission zunächst vom Geiste unverbrüchlicher Voraussetzungslosigkeit durchdrungen sein muß, denn diese ist das Naturgesetz aller Wissenschaft. Damit dieses Heiligtum der Forschung, auf welchem das Kulturheil des wirkenden Menschentums beruhe, dauernd gesichert erscheine, möge man in die Kommission zunächst die Professoren der protestantischtheologischen Akademie berufen, da deren auf der Höhe der wissenschaftlichen Anforderungen stehende Tätigkeit die Bürgschaft für den voraussetzungslosen Geist der zu gründenden Universität sichere. Der Antrag Dr. Funks wurde mit großem Beifall einstimmig angenommen. Breslau. Hier feierte die Israelitische Waisenverpflegungsanstalt die Hundertjahrfeier ihres Bestehens. Der Vorabend des Jubiläums gehörte ganz den Zöglingen der Anstalt. An der Hauptfeier, die Sonntag Mittag in der Neuen Synagoge stattfand, beteiligte sich die ganze israelitische Gemeinde. Vom Magistrat erschienen Bürgermeister Muehl und die Stadträte Auras, Giesel, Martins, Milch, Müller und Weber; die Stadtverordneten versammelten sich um ihren Vorsteher, den Geh. Justizrat Dr. Freund. Wundersam ertönte hoch vom Chor herab, wo Herr B. Pulvermacher den Taktstock führte, der Psalm: „Die Himmel rühmen . . . ." Darauf hielt Rabbiner Doktor Guttmann die Festrede. Eine zweite Festansprache hielt Rabbiner Dr. Rosenthal. Nach der Beendigung der Feier wurden die Vertreter der städtischen Behörden nochmals sehr freundlich begrüßt, und zwar durch die Herren vom Vorstand des Israelitischen

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