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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-11-17 · 46 (17.11.1905) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
46 (17.11.1905)
Date
1905-11-17
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 46 Dr Slocb’s TRUocbenscbdft Seite 733 noch erleidet, ist unermeßlich. Es gibt kaum einen Industriezweig, der nicht durch die Kniffe und betrügerischen Praktiken .der vorwiegend jüdischen Spekulanten geschädigt worden wäre. Kaum daß es irgend einem Industriellen oder Gewerbetreibenden gelungen ist. irgendwohin sich einen Export zu schaffen, drängen sich schon jüdische Spekulanten heran, um durch ganz unqualifizierbare Preisunterbietungen das Geschäft an sich zu reißen; daß diese Preisunterbietungen jedoch nur auf Kosten der Qualität der Ware durchführbar sind, liegt für jeden halbwegs Geschäftskundigen auf der Hand. Diesem Umstande zu steuern, wäre eigentlich Aufgabe des Staates. Bei den gegenwärtigen traurigen parlamentarischen Verhältnissen ist jedoch an eine Schaffung ausgiebiger gesetzlicher Bestimmungen nicht zu denken und wir stehen vor der Frage, ob der Export Niederösterreichs angesichts dieser traurigen Umstände absolut schutzlos verbleiben soll. In dem vielverlästerten Mittelalter bestanden sogenannte Zechmeister, welche die Aufgabe hatten, die aus den Markt gelangenden Waren nach Qualität und Quantität zu prüfen. Dieser Einrichtung war es vielfach zuzuschreiben, daß Handwerke und Künste blühten und sich kräftig entwickelten. Die Unterzeichneten sind der Meinung, daß es im Interesse unserer Industrie und unseres Handwerkes, insbesondere aber unseres Exportes, auf den speziell Wien angewiesen ist, gelegen wäre, wenn Institutionen geschaffen werden würden, an welche sich das kaufende Publikum mit Vertrauen wenden könnte, um Waren, die bezogen werden sollen, vor ihrer Absendung gegen Erlag einer mäßigen Taxe bezüglich der vereinbarten Qualität und Quantität prüfen zu lassen. Es wird daher der Antrag gestellt: der Landesausschuß wird beauftragt, diesen Antrag in Beratung zu ziehen und in der nächsten Session Bericht zu erstatten und Anträge zu stellen." Der Antrag Schneiders muß tiefer gehängt werden, nicht deshalb, weil er auf erlogenen Prämissen beruht, sondern deshalb, um dessen Verderblichkeit darzutun. Wiederholt wurde an dieser Stelle hingewiesen, welch' große, unvergängliche Verdienste sich Juden auf dem Gebiete vaterländischer Industrie, insbesondere aber um die Förderung des heimischen Exportes erworben haben. Juden waren in diesem Belange schaffend und bahnbrechend, sie kreierten große weitausgreifende Industriezweige, die nicht nur für Oesterreich, sondern in der industriellen Welt überhaupt ein Novum bedeuteten und eine stehende Einrichtung im Handels- und Jndustrieverkehr für alle Zeiten bleiben werden. So zum Beispiel die Konfektionsindustrie in allen ihren Verzweigungen und Eigenarten. In der Männerkleiderindustrie — sie wurde durch die Firma M. u. I. Mandl um die Mitte des vorigen Jahrhunderts ins Leben gerufen — behauptet noch derzeit Oesterreich den ersten Rang im Export und hat die vaterländische Industrie auf beiden Hemisphären zu Ruhm und Ehren verholfen. Die Schirmkonfektion kreierte ein nach Wien eingewanderter galizischer Jude (Salomon K l i m o n t), auch diese eroberte sich mit überraschender Schnelligkeit den Weltmarkt. Die Erzeugnisse der Damenblousenkonfektion, die ausschließlich von jüdischen Firmen kultiviert wird und in Bezug auf Geschmack und Ausführung unerreicht dasteht, ist im Auslande begehrt und ton- und richtungangebend. Die Malzindustrie wurde von jüdischen Industriellen auf ihre derzeitige hohe Bedeutung für den heimischen Export gehoben. In der Zucker- und Glas- Fabrikation sind Juden hervorragend, nicht nur als Fachindustrielle, sondern auch dadurch, daß sie ihrem Fabrikate den Weg vomweiten Westen bisnach dem entferntesten Osten der Welt bahnten; daß sich die Fabrikate der jüdischen Industriellen aber nicht nur durch die Preisstellung, sondern auch durch Gediegenheit und Solidität gegen die Konkurrenz auf dem Weltmärkte zu behaupten vermögen, beweist der Umstand, daß die Nachfrage und der Absatz von Jahr zu Jahr an Ausdehnung gewinnt. Der Raum dieses Blattes gestattet leider nicht, alle die Industriezweige, welche Juden geschaffen, und die Exportindustrien, die sie kreirten, namentlich aufzuzählen, es kann dies wohl auch schon deshalb füglich unterbleiben, weil sie in der „Oesterreichischen Wochenschrift" in einem Artikelzyklus des Ausführlichen behandelt wurden. Der Antrag des Saufbruders Schneider ist deshalb zu beklagen, weil er den heimischen Export im Auslande diskreditiert. Die Konkurrenz beruft fich mit Recht darauf, die Verdächtigungen und Anklagen Schneider's müffen eine Berechtigung deshalb besitzen, weil sie ruhig hingenommen wurden, ohne daß dagegen von berufener Seite remonstriert wird. Wie in früheren ähnlichen Fällen, so werden auch diesmal die niederträchtigen, ehrlosen Verdächtigungen in Tausenden von Exemplaren verbreitet und von der Konkurrenz dazu benützt werden, den österreichischen Export zu verdrängen und dadurch die heimische Industrie zu schädigen, sie in ihrem empfindlichsten Nerv zu treffen. Und da gelangen wir eigentlich zum Kern der Sache. Dusel-Fusel-Schneider hat seinen Antrag in Gegenwart des Statthalters Grasen Kielmansegg gestellt, der die hohe Regierung im Landtage repräsentiert. Graf Kielmansegg hat den hirnrissigen Antrag angehört, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken. Würde es sich um eine antisemitische Liebedienerei gehandelt haben, Graf Kielmansegg würde mit Redseligkeit schnell bei der Hand gewesen sein. Allein auch die Pseudo-Liberalen im Landtage haben fich nicht gerührt, sie spüren eben keine Lust, fich der Juden halber zu exponieren. Was aber unbedingt zu brandmarken ist, das ist die traurige, betrübende Tatsache, daß auch die Vertreter der Wiener Handelskammer es nicht der Mühe wert fanden, über den verderblichen Schneider'schen Antrag auch nur ein Wort zu verlieren. Die von der Wiener Handelskammer in den Landtag zur Wahrung der kommerziellen Interessen entsendeten Abgeordneten haben sich hiedurch sehr wenig ausgezeichnet. Noch auf einen wichtigen, tief in die Wagschale fallenden Umstand soll hingewiesen werden. Der neue Handelsminister Graf Auersperg hat sich die löbliche Aufgabe gestellt, mit aller Macht auf die Förderung des heimischen Exportes hinzuwirken. Wochenlang schon werden unter seinem Vorsitz Beratungen gepflogen, der unter dem Zunftzwang verkümmernden vaterländischen Industrie und den heimischen Gewerben Exportabsatzgebiete zu erschließen, es werden Projekte, wie die Gründung von Export-Banken, Export-Anstalten usw. in Erwägung gezogen, den Außenhandel zu fördern, namhafte Subventionen werden dafür budgetiert und dennoch läßt man es ruhig gewähren, daß die solange gebraute Suppe von einem auf dem niedrigsten moralischen Niveau stehenden Subjekte im Landtage ausgeschüttet wird, ohne von berufener Seite die verdiente Züchtigung zu erfahren. Das begreife, wer mag. Eduard Beer. Rothkäppcheri, der Wolf und das Kammergericht. Ein modernes Märchen. König: „Ihr seid ein Protestant?" Marquis: „Ihr Glaube, Sire, ist auch der meinige." Es war einmal ein braves und frommes, evangelisch-lutherisches Mädchen, namens 36., und das bekam, wie das so manchmal vorkommt, ohne verheiratet zu sein, ein Kind und das Kind wurde nach dem Gesetze, ohne Rücksicht auf die Religion des Vaters, auch evangelisch-lutherisch getauft. Welcher der sehr zahlreichen Abarten des Luthertums die Mutte: oder gar das kleine Kind angehören, ob der Immanuel-Synode oder nicht, ob sie der Hengstenbergischen oder Hofmann'schen oder Thomasius'schen oder Kahnis'schen Ansicht zugetan sind, ist nicht überliefert. Run kam der gute Waisenrat und schlug einen Vormund N» vor und der gute Amtsrichter bestellte am 3. Mai 1904 diesen A. dessen Religion er nicht kannte, in Gegenwart der Mutter zum Vormund; denn das im Märchenlande übliche Schema kennt bei der Verpflichtung des Vormundes keinen Vermerk über die Religion, und dem Vormund war auch nach der amtlichen Erklärung des Richters „seine Abstammung (man denke!) nicht anzusehen. Solche Merkmale an Haar. Nase usw. fehlen manchmal im Märchenlande den Juden, ja es ereignet sich dort, daß ein Arier und Ehrist reinsten Blutes jüdisch aussiebt oder Jude wird, wenn er eine fromme und recht reiche Jüdin heiraten kann. Aber die brave, lutherisch-evangelische Mutter kam doch hinter diese Fallstricke des Bösen. Nach vier Monaten, am 16. September 104, ging sie zum Vormundschaftsgericht. Sie erklärte, „sie habe gegen ihn nichts einzuwenden, er kümmere sich um das Kind, aber sie fürchte, ohne Gründe hiefür angeben zu können, daß der Vormund das Kind der jüdischen Religion zusübren werde". Im Rothkäppchenlande sind nämlich die Juden von ganz besonderer Art; obwohl es ihnen sonst überall durch die Vo:-

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