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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-02-10 · 6 (10.2.1905) · page 3

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Sir. 6 Dr. Llocb's Moevenscbrttt. setre 83 diesbezüglichen Erläuterungen auch bildlich dargestellt erblicken können; hierdurch erweitert sich der ethische Wirkungskreis des Museums um ein Bedeutendes, da ja die Jugend durch eigene Anschauung die Größe und die Erhabenheit der angestammten Religion erkennen und in sich aufnehmen kann. Daß auch hier die bereits oberwähnte „Gute Stube" Meisters Kaufmann die Attraktionskraft xrlmissimo loeo ist. bedarf wohl nicht be sonders bemerkt zu werden. - Und nun zu den Vortragsabenden. Wir haben bereits auseinandergesetzt, daß die Gesellschaft alljährlich einen Zyklus von Vorträgen abhält, die zu den genußreichsten Abenden der Saison zählen, und hier ist wohl die beste sich bietende Gelegenheit, dahin aufmerksam zu machen, daß die Gesellschaft ihre allenthalben als unbestritten zu bezeichnenden großen Erfolge nebst dem Umstande, daß nur die ersten Kräfte für diese Zwecke herangezogen werden, auch dem glücklichen Gedanken zuzuschreiben hat, daß diese Abende in nur für derlei Veranstaltungen sich eignenden Räumlichkeiten abgehalten werden, wie z. B. die Musikvereinssäle, die Festsäle des Niederösterreichischen Gewerbevereines oder des Ingenieur- und Architektenvereines und mit den das Interesse an dem Vortragenden sowohl als auch des gewählten Themas so stark beeinträchtigenden Restaurationssälen gebrochen hat; der Gesellschaft, der auch die Priorität auf diesem Gebiete zufällt, gebührt denn auch der Dank all der Zahlreichen, die den Veranstaltungen beiwohnten, für diese allseitig freudigst begrüßte Neuerung. Diese Vortragsabende werden in kurzen Zwischenräumen nur von den hervorragendsten Gelehrten und wissenschaftlich auf höchster Stufe stehenden Männern abgehalten und erstrecken sich auf alle Felder des Judentums; sie bilden stets das Tagesgespräch in all den Kreisen, die Sinn und Verständnis für derlei Abende haben, und beherbergen immer die Creme der Wiener Gesellschaft in den betreffenden Lokalitäten, nicht nur die Zierden unserer Religionsgenossenschaft, auch Vertreter verschiedenartiger Konfessionen finden sich ein und verlassen den Saal mit gehobenem Gefühle und Bewunderung für den Vortragenden, als auch für die Gesellschaft, die das Arrangement so trefflich zu leiten versteht. Der Beginn dieser Vortragszyklen wurde Herrn Oberrabbiner Dr. M. Güdemann übertragen, der denn auch am 3. Jänner 1898 eine im Jahresberichte 1899 zum Abdrucke gelangte Vorlesung: „Das Judentum und die bildenden Künste" hielt; der hochinteressante Vortrag, dem u. A. Albert Freiherr v. Rothschild sowie viele hervorragende Namensträger beiwohnten, gab auch dem genannten Chef des allbekannten Welthauses Anlaß, eine großartige Stiftung zu kreiren, auf die wir später zurückkommen wollen. In weiterer Reihenfolge, ebensowohl noch anno 1898, als auch in den späteren Jahren veranstaltete die Gesellschaft zirka 40 solcher Abende und zwar wurden hierzu berufen die Herren: Prof. Dr. Sal. Ehrmann: „Die Juden in der Naturforschung und der Medizin", Baurat Max Fleischer: „lieber Wasserversorgung im alten Jerusalem", Dr. Gustav K a r p e l e s (Berlin): „Jüdische Troubadoure und Minnesänger", k. u. k. Hoffchauspieler und Oberregisseur Adolf Ritter v. Sonnenthal und Schriftsteller Heinrich G l ü ck m a n n: S. A. Weiß-Abend (über Anregung Meisters Sonnenthal), Rabbiner Dr. Adolf Schmiedl: „Das älteste Buchdrama und eine neue Konjunktur über die Grundidee und die Entstehungsgeschichte desselben", Josef B e ck: „Eine Palästinareise in Skioptikonbildern", Amanuensis Dr. Beruh. Münz: „Eine völkerpsychologische Betrachtung des Judentums", Professor Dr. I. Freudenthal (Breslau): „Spinoza und die modernen Denker Deutschlands", Hofrat Professor Dr. David Heinrich Müller: „Professor David Kaufmann. Ein Nachruf", Dozent Dr. Josef Grünfeld: „Die Geschichte des jüdischen Spitales in Wien und dessen Wandlungen seit dem Mittelalter", Rabbiner Dr. Aron Tänzer (Hohenems): Aus Sulzers Heimat", Prof. Dr. Cornill (Breslau): ,.8eb1r Laseinrim" oder das „hohe Lied", Rabbiner Dr. Max Grunwald (Hamburg): „Ein Kapitel aus der jüdischen Kunstgeschichte", Rektor Dr. Ad. Schwarz: „Der Talmud", Josef Beck: „Eine Reise durch Tunis und Algier in Skioptikonbildern". k. u. k. Hofschauspieler und Oberregisseur Adolf Ritter von Sonnenthal: „Des Kaisers Traum" (Dichtung von Gräfin Thun), Geh. Regierungsrat Prof. Tr. Hermann Cohen (Marburg, Deutschland): „Der Stil der Propheten", Prof. Dr. Wilhelm Bacher (Budapest): „Das altjüdische Schulwesen", Josef Beck: „Eine Reise durch Egypten in Skioptikonbildern", Baurat Max Fleischer: „Wiedergefundene Schätze" (mit Demonstrationen), Professor Dr. Herm. Cohn, Opthalmologe (Breslau): „Ostern in Tunis und Algier" (mit Skioptikonbildern), Professor Dr. Ernst Sellin: „Ausgrabungen in Palästina" (im Aufträge der k. k. Akademie der Wissenschaften vorgenommen), Schriftsteller Adolf Donath: „Eigene Dichtungen", Schriftsteller M. A. Klausner (Berlin): „Sprache und Nationalität", Baurat Max Fleischer: „Drei Meistersänger", k. u. k. Hoffchauspieler und Oberregisseur Adolf Ritter v. Sonnenthal: „Henoch". Gedicht von Dr. Heinrich Graf Coudenhove, „Lieder des Ghetto" von Morris Rosenseld, „Die Schweigerin", Novelle von Dr. Heinrich Kompert, Rabbiner Dr. Elieser David: „Heinrich Heine und seine Stellung zum Judentum", Rev. William H. H e ch l e r, königl. großbrit. Botschaftspfarrer: „Die Palästinareise Kaiser Wilhelm 11. im Jahre 1898", Oberrabbiner Dr. Immanuel Lüw (Szegedin): „Botanische Streiszüge", zur Geschichte der Kulturpflanzen aus der jüdischen Literatur. Zu diesen allgemeines Interesse beanspruchten Vortragsabenden, an deren Abhaltung Meister Sonnenthal, der unvergleichliche Künstler, den hervorragendsten Anteil hat, gesellten sich noch mehrere, der Pietät geweihte Akte, so z. B. fand am 20. Jänner 1900 anläßlich der 10. Wiederkehr des Todestages weil. Altmeisters des Synagogengesanges, Prof. Salomon S u l z e r, eine solenne Festfeier statt, bei welcher nach den Aufführungen von Kompositionen des Verewigten, aber auch Unvergeßlichen durch die vereinten Chöre unter Leitung des Sohnes des Heimgegangenen, des Chordirektors Joseph S u l z e r, der gute oder vielmehr der beste Genius der Gesellschaft, Meister Sonnenthal, eine Biographie, sowie die Trauerrede weil. Dr. Adolf I e l l i n e k's, gehalten am Sarge des Verblichenen im Stadttempel, mit zu Tränen gerührter Wärme vorlas, ferner wurde zu Ehren des 80. Geburtstages des gleichfalls bereits dahingeschiedenen Dichters Hieronymus Lorm unter abermaliger Mitwirkung Sonnenthal's eine Feier veranstaltet, die durch Dr. Beruh. Münz eingeleitet wurde, dann unterließ die Gesellschaft nicht, das -Andenken Heinrich Hein e's durch eine im großen Stile zur Abhaltung gelangte Festlichkeit zu ehren, die zur Freude aller zahlreichen Anwesenden, sowie zur Ehrung des Verstorbenen abermals Herrn von S o n n e n t h a l auf das durch ihn besonders ausgezeichnete Podium brachte; der „Rabbi von Bacharach", diese so hochsinnige poetische Dichtung, beziehungsweise Fragment, konnte oder hatte bisher wohl noch niemals einen derartigen Interpreten, und wahrlich, die Begeisterung, die sich aller Anwesenden bemächtigte und durch nicht endenwollenden Beifall zum stürmischen Ausdruck gebracht wurde, galt dem Werke, in erster Reihe jedoch dem großen Künstler, der alle Stellen, wie die Strophen vom Lämmchen rc., geradezu phänomenal vorgetragen. Das Jahr 1904, in welches das Säkulum der Geburt Sülze r's fiel, wurde von der Gesellschaft besonders begrüßt, sie hat Veranlassung genommen. daß in den großen Synagogen Wiens, besonders an der Stätte der 50jährigen Tätigkeit des Meisters, glänzende Feierlichkeiten abgehalten wurden; sie selbst veranstaltete eine Jubiläumsfestlichkeit am 12. Mai im großen Musikvereinssaal, der wohl nur selten eine derartig andächtig den Gesängen (gleichwie bei dem ersten Anlässe), sowie dem tief zu Herzen gehenden, von Frau Lisa T a r l a u verfaßten und vom k. u. k. Hoffchauspieler Konrad Loewe vorgetragenen Festgedichte lauschende Besucherzahl auswies; die gesanglichen Solostellen fanden in den Herren Oberkantor Bela Guttmann und Ersten Kantor Don Fuchs die prächtigsten Interpreten. Aber nicht nur auf wissenschaftlichem Gebiete kann die Gesellschaft auf das erste Dezennium mit gerechtem Stolze

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