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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-02-10 · 6 (10.2.1905) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
6 (10.2.1905)
Date
1905-02-10
Page
– (sequence 2)
Language
German
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€>eüe 82 Dr Zölocb s Mlocvenscbnkt. Sir. 6 mittelbar aus dem russischen Proletariat hervorgegangen. Das Judentum hat kein anderes Interesse an ihm, als jenes, das in jeder menschlichen Brust durch ein schweres Unglück geweckt wird, und über die rein menschliche Teilnahme hinaus auch noch das Gefühl der Sympathie und der Bewunderung für den großen Dichter und den großen Sohn eines geknechteten Volkes. In der ganzen Welt, selbst in Frankreich, wo man nur allzugeneigt ist, dem russischen Despotismus etwas nachzusehen, haben sich die Standes- und Berufsgenossen Gorki's zu einem flammenden Protest erhoben und verlangt, daß er statt der Willkür und Gewalt der Gerechtigkeit überantwortet werde. Die antisemitische Presse blieb stumm. Warum, da doch Gorki kein Jude und die Redensart von der jüdischen Solidarität doch absolut blödsinnig ist? Die Lösung ist einfach. Wie die Kannten, jene Ausläufer der Gnostiker, sich ein Bekenntnis schufen, indem sie die bestehende Lehrmeinung umkrempelten, hinaufsetzten, was unten und stürzten, was oben war, was als heilig galt verdammten und heilig sprachen, was bis dahin verdammt galt, so hat die antisemitische Presse das unfehlbar sichere Mittel für ein Urteil, wenn sie irgendwie ins Gedränge gerät. Sie braucht nur zu erfahren, was Freisinn und Freimut fordern, was Menschlichkeit und Gerechtigkeit vorschreibt, und sie weiß auf der Stelle, daß sie das Gegenteil zu verlangen hat. So wird die äußere Politik gemacht und so die innere, und so wird auch für den Lokalbedarf gesorgt. Im lokalen Teil des „Deutschen Volksblatt" fand sich dieser Tage ein Sensationsartikel. Es handelte sich um ein erfreuliches Ereignis. Einem Juden war die Konzession entzogen, das Cafs „Sansouci“ war geschlossen worden. Besonders beachtenswert ist die Orthographie des Fremdwortes, es ist die des „Deutschen Volksblattes". Unter normalen Umständen könnte man da ohneweiters einen Druckfehler annehmen. Beim „Deutschen Volksblatt" liegt es aber doch näher, auf Bildungslosigkeit zu schließen. Daß man daran nicht unrecht tut, das erhellt schon aus dem Kontext, wo es heißt: ^Lansonei" (schon wieder!) heißt bekanntlich (das auch noch!) „ohnegleichen". Das nur nebenbei zur Feststellung des Bildungsgrades, der erforderlich ist, um in antisemitischen Blättern Volksaufklärung zu betreiben. In jenem Kaffeehause nun soll unbefugter Weise Flaschenbier und Wein verabreicht worden sein. Wir kennen die näheren Umstände nicht; es kann wahr sein, obschon das „Deutsche Volksblatt" es behauptet. Von Interesse ist jedenfalls das redaktionelle Bekenntnis: „Unsere diesbezüglichen Mitteilungen lenkten endlich die Aufmerksamkeit der Gewerbebehörde auf dieses Lokal und vergangenen Montag wurde dasselbe geschlossen. Außerdem wurde dem Juden Kraus aus zwei Jahre die Konzession entzogen." Damit ist ein weites Feld für die Kulturmission der antisemitischen Presse eröffnet. Diese Nuance hat noch zur Vervollständigung ihres Charakterbildes gefehlt. War das ein Kaffeehaus! Allnächtlich wurde gerauft, gestritten, die Gäste auf die Straße geworfen, so daß das Wiener freiwillige Rettungskorps — bekanntlich die antisemitische Konkurrenzunternehmung gegen die Rettungsgesellschaft — zur Hilfeleistung gerufen werden mußte. So sind nämlich die Juden, vor deren Gewalttätigkeit sich die armen Antisemiten gar nicht mehr zu erretten vermögen. Dagegen gibt es keine andere Hilfe, als eine kleine Denunziation bei der Gewerbebehörde. Die antisemitische Presse, die für Gorki kein Wort der Teilnahme gefunden, hat sich da einen neuen Standpunkt erobert. Er paßt zu den übrigen. Wh. Gesellschaft für Sammlung und Konservierung vo« Kuust- und historischen Denkmälern des Judentums. (Zum zehnjährigen Bestandsjubiläum.) In aller Stille beging die „Gesellschaft für Sammlung und Konservierung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judentums" am 2. d. M. den Gedenktag.ihrer vor einem Dezennium erfolgten Gründung. Zehn Jahre spielen in der Chronik eines Vereines immer eine gewisse Rolle; sie bilden einen Abschnitt in dessen Geschichte und zumal bei einer Körperschaft, die, f ü r die Oeffentlichkeit bestimmt, nur durch die Oeffentlichkeit erhalten werden kann. Allein auch nach einer anderen Richtung hin kennzeichnet der Jubiläumstag einen Abschnitt für diese Gesellschaft; sie hat im Laufe ihres Bestandes zu öfterenmalen Proben abgelegt und den Beweis auf das sicherste geliefert, daß sie, trotz ihres verhältnismäßig kurzen Wirkens, im Stande war, sich die e r st e Stelle unter den wissenschaftlichen und namentlich die schönen Künste pflegenden Vereinen zu verschaffen und dieselbe auch unbestritten zu behaupten; die Ausstellungen in dem ihr unterstehenden Museum für jüdische Altertümer üben stets eine große Anziehungskraft auf Einheimische und Fremde aus, besonders aber die Vortragsabende sind als Rendezvous der vornehmsten Wiener Gesellschaft geworden und nehmen durch den ihnen innewohnenden feinen Ton der zum Vortrage gelangenden erstklassigen Kräfte das Interesse aller gebildeten und der Intelligenz angehörenden Kreise so sehr in Anspruch, daß es nur der Ankündigung bedarf, um einen Massenzuspruch in Aussicht stellen zu können. Das Jubiläum der Gesellschaft bietet denn auch uns den gewünschten Anlaß, mit einigen Worten der bisher geleisteten Tätigkeit derselben zu gedenken. Nach einigen Vorbesprechungen wurde am 2. Februar 1895 die Konstituierung der Gesellschaft vorgenommen, die wie folgt geschah: Zum Präsidenten wurde k. k. Baurat Wilhelm Stiaßny gewählt, als Vizepräsidenten die Herren k. u. k. Hofschauspieler und Oberregisseur Adolph Ritter von Sonnenthal und k. k. Hofrat Professor Dr. Adam Politzer, Schriftführer k. k. Baurat Max Fleischer, Kasiaführer k. k. Baurat Theodor Ritter von Goldschmidt, Kontrollor k. k. Hofrat Hafenbaudirektor Sigmund T a u s s i g; in das Kuratorium wurden nun durch Kooptation berufen die Herren Professor Ignaz Brüll, Abr. Epstein, H erreich ausmit^lied Hofrat Prof. Dr. C. S. G r ü n h u t, Oberrabbiner Dr. M. ©«bemann, die Maler Professor Leopold H o r o v i tz und Isidor Kaufmann und Advokat und Direktor der Kaiser Ferdinands-Nordbahn Dr. Adolph Stein. Nachdem die Gesellschaft nun äs kuoto ins Leben gerufen worden war, wurde zur Aufstellung der Sammlungen, die damals kaum 200 Nummern zählten, im Hause Nr. 13 der Rathausstraße ein allen Anforderungen entsprechendes Lokale gemietet, welches, Mitte November 1895 zur Besichtigung eröffnet, sich als bedeutend zu groß erwies, jedoch wegen der bis heute und für weitere Zeit das Schmuckkästchen des Museums bildenden „Guten Stube" vom Meister Isidor Kaufmann arrangiert, nach und nach immer mehr frequentiert wurde. Bald aber mußte die Leitung darauf Bedacht nehmen, neue Ubikationen zur Unterbringung der täglich durch gespendete Objekte an Ausdehnung zunehmenden Sammlungen zu mieten: die Uebersiedlung in die Krugerstraße vollzog sich bereits mit mehr als 1500 Nummern und namentlich zur Zeit, in der das Museum in diesen Räumen untergebracht, wuchs die Zahl der Besucher um ein Erkleckliches, nicht minder aber auch diejenige der einlangenden Gegenstände. So wurde denn auch in Folge anderweitiger Momente der Beschluß gefaßt, nochmals eine Veränderung der Lokalitäten ins Auge zu fassen und nun eine allen Ansprüchen entsprechende Wohnung im Hause II., Praterstraße 23, gegenüber der Asperngasse, ausgewählt und hierfür adaptiert und diese am 1. Jänner 1904 mit mehr als 3200 Nummern, von denen wegen neuerlichen Platzmangels auch nur immer ein Teil zur Ausstellung gelangen kann, der Besichtigung freigegeben. Gleich am ersten Tage, dann aber an Sonn- und Feiertagen der allgemeinen Zeitrechnung, an welchen das Museum in den Nachmiltagsstunden geöffnet ist, staut sich die kunstsinnige und sich Wissen aneignen wollende Menge in den Sälen, auch an Samstagen ist ein gewöhnlich lebhafter Verkehr zu verzeichnen, der sich dann auch gewöhnlich durch Ueberbringung historisch-denkwürdiger oder künstlerisch ausgeführter Gegenstände, die alle sich auf das Judentum beziehen, auszeichnet. Für Kinder zumal eignet sich das Museum im Besonderen, wenn sie, nach Schluß des Religionsunterrichtes, die Stiche und sonstigen zahlreichen Bilder aus der alttestamentarischen Epoche betrachten und hiedurch die ihnen von ihren Religionslehrern gegebenen

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