Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 6 (10.2.1905)
- Date
- 1905-02-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Veite 84 Dr. Dlocb's MocbenscvrlN. »Hi. 6 zurückblicken, sie hat auch auf dem sozialen Felde einen großen ungeahnten Erfolg zu verzeichnen, der allein bedingen müßte, daß der Bestand der Gesellschaft fest begründet erscheine. Wie oben erwähnt, fand sich bei di.m ersten veranstalteten Vortrage, den bekanntlich Oberrabbiner Dr. Güdemann über „Das Judentum und die bildenden Künste" hielt, Herr Albert Freiherr v. Rothschild, den die Gesellschaft dann auch wiederholt zu ihren ehrenwerten Gästen zählen konnte, ein. Durchdrungen von den gediegenen Ausführungen unseres verehrten Seelenhirten fand sich Baron v. Rothschild veranlaßt, eine Stiftung für jüdische Künstler (Maker, Bildhauer und Architekten) zu errichten, deren Zinsen im Betrage von K 8000.— alljährlich an die mit diesen Preisen durch eine eigens hiezu berufene Jury prämiierten Jünger verliehen werden; daß der Gesellschaft im Kuratorium dieser hochherzigen Stiftung mehrere Sitze eingeräumt sind, ist selbstredend, ebenso, daß sie verhalten ist, alle eingereichten, speziell aber die ausgezeichneten Objekte in ihrem Museum dnrch geraume Zeit zur Ausstellung zu bringen. Durch diese Schilderung glauben wir ein annäherndes Bild von der weiten und umsichtigen Tätigkeit der Gesellschaft entrollt zu haben und wir schließen unsere als Festgruß gedachten Bemerkungen mit dem Wunsche, es möge der rührigen Gesellschaft der hellleuchtende Stern, gleich unseren Vorfahren die Wolkensäule, voranleuchten, auf dem eingeschlagenen Wege rüstig vorwärts zu schreiten und nunmehr in das zweite Dezennium mit dem Bewußtsein einzutreten, im ersten ihre Pflicht voll und ganz getan zu haben; es mögen ihr aber in allererster Reihe reichlichst Spenden an Gegenständen, hauptsächlich aber an Mitteln zugehen, die chr gestatten, endlich den langersehnten Wunsch in Erfüllung zu bringen: ihre Sammlungen in einem Heime auszustellen, auf dessen Giebel die in alle Welt hinausflatternde Fahne aufgezogen ist: „Gesellschaft für Sammlung und Konservierung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judentums"! Dies walte Gott! Wien, im Februar 1905. Emil Jelinek. Propheten «rid Psnlmiste«. Von Dr. S. Gelbhaus, Gemeinderabbiner in Wien. Prophetie und Psalmendichtung stehen miteinander in enger Berührung, haben beide dieselbe Tendenz, dasselbe Ziel, nämlich die Manifestierung und Verbreitung der Ideen, welche in der T h o r a enthalten sind, gehen aber in der F o r m ihrer Aeußerung und in der Weise der Ausgestaltung der leitenden Gedanken auseinander. In den biblischen Urkunden werden die Träger dieser beiden Literaturgattungen nicht strenge auseinander gehalten und gar nicht selten wird ihnen die Ausübung beider Arten gemeinschaftlich zugeschrieben. Propheten erscheinen als Verfasser von Psalmen oder von psalmenartigen Liedern und berühmte Psalmisten werden prophezeiende Personen genannt. Auch die mündliche Tradition in dem talmudischen und midraschischen Schrifttume überliefert diese Meinung. Die griechischjüdischen Schriften bestätigen diese Ansicht. Der größte Prophet, der in Israel aufstand, war Moses und nach dem Berichte des fünften Buches des Pentateuch, Kapitel 31, Vers 30, ist er der Autor des großen Liedes, welches mit den Worten „Vernehmet o Himmel, denn ich rede und höre o Erde die Worte meines Mundes" anfängt (daselbst Kap. 32). Nach den Ueberschriften der Psalmen, in welchen die Namen der Verfasser angegeben werden, wird Moses als der Dichter des 90sten Psalms bezeichnet. Die größte weibliche Persönlichkeit des nachmosaischen Zeitalters ist die Prophetin Debora und von ihr rührt einer der ältesten Gesänge der althebräischen Gesaugsliteratur her (Richter 5), der den späteren Psalmisten und Propheten als Vorbild gedient hat und an welchen mehrere psalmistische Erzeugnisse direkt anklingen. Der Herzenserguß des Propheten Jona in dem Innern des Fisches hat psalmistische Form (Jona 22) und das Gebet des Propheten Chabakuk auf den Schigjonot ist eine regelrechte Psalmentefilah (Chabakuk 31 Treffend ist die Behauptung Hugo Winklers, daß die Prophetieen Jesajas 40—66 Lieder sind. (Schräder: Die Keilinschriften und das Alte Testament. S. 49) Als der größte Psalmendichter wird unstreitig König David angesehen. Derselbe sagt von der Beschaffenheit seiner Geistesmanifestationen fast dasselbe aus, was ein späterer Prophet von den seinigen behauptete. Der Seher Jesajas spricht: „Der Geist Gottes ist über mir, denn Gott hat mich gesalbt, den Demütigen frohe Botschaft zu bringen". (Jes. 61, 1.) Und von David heißt es: „Das ist das Wort Davids, des Sohnes Jsajas, das Wort des Mannes, der erhoben wurde, der Gesalbte des Gottes Jakobs, der liedersüße Mund Israels." „Der Geist Gottes spricht aus mir und sein Wort ist auf meiner Zunge." (II Samuel 23/ 1.) Von den bekanntesten Psalmensängern heißt es: „Und David samt seinen Feldhauptleuten sonderten unter den Kindern Assaphs für den Dienst ab, Heiman, Jedutun, welche prophezeiten cnnn mit Harfen, Violinen und Cymbeln." (I Chronik 25, 1.) „Unter den Kindern Assaphs war: Sakur, Josef, Nethanja, Asarela Kinder Assaphs, der da weissagte san zu Händen des Königs." (Das. 2.) „Die Kinder Jedutuns waren Gedalja Zeri, Jeschajahu, Chaschabjahu, Matitjahu, die sechs unter ihrem Vater Judutheu mit Harfe, der da weissagte *cn, zu danken und zu loben den Ewigen." (Das. 3.) Die Psalmendichtung war von Gesang und Instrumentalbegleitung unzertrennlich. Und die Prophezeiungsbetätigung hing mit ausübender Musik eng zusammen. Dem König Saul wird nach seiner Salbung prophezeit, daß ihm auf seinem Heimwege ein Haufen Propheten begegnen werde, vor welchen Psalter, Pauken und Flöten einherziehen, wobei sie weissagen werden. Dann wird der Geist Gottes über ihn kommen und er wird ein anderer Mann werden. Dieses traf auch ein, es kam über ihn der Geist Gottes und er prophezeite, daher das Sprichwort entstand: Ist auch Saul unter den Propheten? (I Samuel 10, 5—11.) Als Jehoram der König von Israel und Jehosaphat der König von Juda vom Propheten Elisa eine Prophezeiung erbaten, so sprach er nach vorangegangener Weigerung: „Bringet mir einen Spielmann", und da der Spielmann in die Saiten griff, da kam die Macht Gottes über ihn und er sprach: „So spricht der Ewige: Machet in diesem Tale tiefe Gräben, Ihr werdet weder Wind noch Regen sehen und dennoch wird das Bachbett voll Wasser werden". (II Könige 15—17.) In der talmudisch-midraschischen Literatur wird die Weissagung mit dem Namen tr-rpn nn „Heiliger Geist" bezeichnet. Die Würdigung der Ausgießung des heiligen Geistes wird für Propheten und Psalmisten gleichmäßig vorausgesetzt. „Als die ersten Propheten starben", heißt es, „da entschwand der heilige Geist, o'unr.n invwv .«nipn nn npbnos nnnPKnn (Joma 9.) „David kam darauf zurück und genehmigte es durch den heiligen Geist", nm nvvi nn nin .trmpn heißt es im Berachot 4. Josephus sagt von David, daß sein Geistesblick in die zukünftigen Verhältnisse eindrang. (VII 15, 4). Zehn Namen hat der heilige Geist und zwar: Gleichnis, Deutung, Rätsel, Spruch, Aussage, Herrlichkeit, Befehl, Vortrag, Prophezeiung, Vision. :jn Huivnip.n nn anp: misrc .jnn nun: uvv nn mxsn nn'vu nnn nrn narba ^»a (Abot de Rabbi Nathan, M. 34.) Nach einer mündlichen Ueberlieferung ist der Prophet Jeremijas der Verfasser des 102ten Psalms. •pöiK '„töt snoy n ')vb n'rsn In der Psalmensammlung gibt es 49 Stücke, welche anonym sind. Diese werden in den Ueberschriften der Septuaginta den Propheten Jeremijas, Chagai und Secharja zugeschrieben. Stehen Prophetie und Psalmdichtung in innerem Zusammenhänge, so ist die Methode der Behandlung der sich ihnen darbietenden Aufgaben eine verschiedene. Ein hervorragender Gegenstand, der sich ihnen darbot, war die altorientalische Ansicht über die Weltschöpfung. Es. sind über dieselbe mehrere Rezensionen erhalten. Eine rührt von den den Israeliten am nächsten stehenden Phöniziern her. Philo von Biblos überliefert eine Kosmogonie von Sanchuniathon, welcher ein Zeitgenosse des König David gewesen sein soll, den der