Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 40 (30.9.1904)
- Date
- 1904-09-30
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 40 Dr. Blocb s Mocdenscbrikr. Seite 645 und Tausende kommen hieher, um Heilung ihrer Leiden zu erhoffen und ihre Gesundheit wieder zu erlangen. Wenn nun jeder einen kleinen Beitrag leisten würde, den er zu den Reisekosten und sonstigen Auslagen zuschlägt, käme eine schöne Summe zusammen, so daß eine größere Anzahl von Pfleglingen ausgenommen werden könnte." — Die Wiener Kultusgemeinde hat in diesem Jahre dem Hospiz eine Subvention geleistet, wahrscheinlich noch andere Gemeinden; aber es müssen alle, große und kleine Gemeinden des In- und Auslandes, auch Private, die in der Lage sind, sich an diesem edelmütigen Werke beteiligen. Dann werden anstatt 240 Pfleglinge, in monatlichen Serien zu 40 seit April bis Oktober verteilt, etwa die doppelte Zahl ausgenommen werden können. Eine Anzahl der in diesem Jahre aufgenommenen Pfleglinge war des Lobes voll für die liebevolle Behandlung seitens der Hausverwaltung, und Mancher wird beim Verlassen der Anstalt denken, hätte ich es nur ebenso gut bei mir zu Hause. — Zum Schluffe erlauben wir uns unseren Dank auszusprechen dem Herrn Dr. B r ü l l für seine kollegiale Freundlichkeit, sowie dem Herrn Verwalter Moritz Wvtzilka für seine bereitwillige und zeitraubende Begleitung und Erklärung. Dr. Hermann L ö w i. Wien. (A u s s p e i s u n g s - B e r e i n für a r m e S ch u l k i n d e r.) Dieser junge, aber sehr rührige Verein übernimmt mit Beginn des heurigen Schuljahres die Ausspeisnng seiner Schützlinge in eigene Regie, Am 22. d. M. fand die Eröffnung des Ausspeiselokales, X V., Mariahilferstraße 177, in festlicher Weise statt. Sämtliche Damen und Herren des Vorstandes, mit Frau Regine L a n d e i s an der Spitze, hatten sich um halb 7 Uhr in den Ausspeisungsrüumen zur Begrüßung der zahlreich erschienenen Gäste eingefunden. Unter den Anwesenden bemerkte man u. A. Se. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Max Grunwald in Begleitung feiner Gemahlin und Frau Dr. I. Bloch, ferner Herrn Samuel Steine r, Obmann des Bethausvorstandes, Herrn Heinrich N e u f e l d, Präses der Chewra-Kadischa für Sechshaus, Herrn Samuel M o h r, Präses des Wohltätigkeitsvereines „Maskil el Dol", :c. k. Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Grunwald leitete die Feier mit einer Ansprache an die Schulkinder ein, in der er mit Bezug auf die bevorstehenden Feiertage ein auf die jungen Gemüter tief einwirkendes Gleichnis von dem Wunder des Sukkoth-Festes darlegte. Auch an den armen Schulkindern wirke der Allmächtige durch die Hand guter Menschen ein Wunder, wie damals jenes des „aufsteigenden Taues und des herabfallenden Mannahs. Die Kinder mögen die Gaben so empfangen, daß sie sich zunächst durch mustert iltiges Verhalten in Haus und Schule der Wohltat würdig erweisen, und in späteren Jahren, wenn es ihnen einmal vergönnt sei, sich selbst bessere Lebensstellungen zu erobern, in der Rückerinnerung ebenso von ganzem Herzen und mit offenen Händen geben. Zum Schluß forderte Se. Ehrwürden die Kleinen aus, mit ihm den Segen Gottes auf das weitere Gedeihen des Wohltätigkeitsunternehmens zu erflehen. Ein Schulmädchen trug hierauf ein von Frau Jda Berliner verfaßtes Dankgedicht vor, das in ein Hoch auf unseren erhabenen Monarchen ausklang, worauf die Kinder die Volkshhmne sangen. Während nun die erste Ausspeisung in den neuen Räumen erfolgte, besichtigten die Gaste die Ausspeifungssäle, Küche und Vorratskammer. Die ganze Anordnung, insbesondere das nette zweckentsprechende Inventar, welches der Verein der Großherzigkeit einiger hervorragender Wiener Firmen zu verdanken hat, erregten die Zufriedenheit der erschienenen Gäste. Allgemein lvurde auch die peinliche Sauberkeit anerkannt, mit welcher Frau Flora Fritz die rituelle Küche und Ausspeisung leitet. Spenden an Lebensmitteln nimmt der Verein gegen Bestätigung seitens der Frau Fritz stets Vormittags im Ausspeisungslokale entgegen. Brünn. Die Ruhe unseres Gemeindelebens lvurde in voriger Woche durch einen Vorfall unterbrochen, der selbst außerhalb des Kreises unserer Glaubensgenossen Aufsehen erregte und deshalb von den hiesigen und Wiener Tagesblättern registriert wurde. Es war dies der Rücktritt unseres Präsidenten Herrn Dr. Hieronymus F i a l l a vou seinem Ehrenamte und die Demission von drei anderen Mitgliedern des Vorstandes, die anläßlich der Ablehnung des Kredites von 300.000 Kronen zur Erbauung einer zweiten Synagoge seitens des Vorstandes erfolgte. Es hat sich hier nämlich seit längerer Zeit das Bedürfnis liach Errichtung eines zweiten Gotteshauses herrausgestellt, insbesondere seit der Katastrophe in Chicago die Sichcrheitsvvrkehrungen in öffentlichen Gebäuden durch die Baubehörden wesentlich verschärft wurden. Es wurde zu diesem Zwecke am 17. Februar l. I. vom verstärkten Vorstande der Beschluß gefaßt, das Haus Therefienglaeis Nr. 1t anzukaufen und auf dessen geräumiger Hofarea mit der Front nach einer Quergasse ein geräumiges Bethaus zu erbauen. Mit der Abfassung des Bauprojektes wurde Baurat Max Fleischer in Wien betraut und wurden die von ihm entworfenen Pläne für eine Synagoge mit 764 Sitzen vom Vorstände gutgeheißen und vom Bauamte des hiesigen Gemeinderates genehmigt, wobei es an der uneingeschränktesten Anerkennung für deren Vortrefflichkeit nicht fehlte. Allein einerseits die Kosten des Baues, die aus 300.000 Kronen veranschlagt wurden, und mehr noch die Lage der Baustelle riefen eine rührige Opposition innerhalb des Vorstandes hervor, der es wider Erwarten gelang, das bereits weit vorgeschrittene Unternehmen in letzter Stunde zu Falle zu bringen. Dieses unerwartete Verhalten des Vorstandes veranlaßte unseren hochverdienten Präsidenten und mehrere Kollegen zu der allgemein mit lebhaftem Bedauern anfgenommenen Demission, die auch durch die Erwägung veranlaßt wurde, daß im Innern der Stadt eine besser gelegene Stelle entweder gar nicht oder nur mit unverhältnismüßigen Opfern zu haben sei und daß die gewünschte Herabsetzung der Kosten des Tempetbaues nur auf Kosten der Solidität und Dauerhaftigkeit desselben zu erzielen wäre. Der Vorfall wird auch deshalb bedauert, weil daraus der irrige Schluß auf eine Zurückweisung der Fteischer'schen Pläne, gezogen werden könnte, während gerade umgekehrt selbst auf Seiten der Opposition nur eine Stimme der Bewunderung für dieses Werk eines echten Künstlers vorherrschte. Der Vorstand beschloß am 17. Februar, den Präsidenten durch eine Deputation aus feiner Mitte zur Zurücknahme seiner Resignation zu veranlassen, und gehen die den verstärkten Vorstand bildenden Vertrauensmänner mit demselben Gedanken um. Wie jedoch die Platz- und Baufrage gelöst werden soll, ist heute noch eine offene Frage. Hoffentlich gelingt auch deren Lösung zur allgemeinen Befriedigung. Brünn. Mit Beziehung auf die Brünner Notiz in der vorwöchentlichen Nummer Ihres geschätzten Blattes bemerke ich, daß Ihr Herr „Einsender" falsch berichtet ist. Es ist nämlich untvahr, daß ich den jüdischen Schülerinnen der Töchterschule befohlen habe, am Berföhnungstag zur Schule zu gehen. Wahr ist vielmehr, daß an dieser Schule gerade aus Rücksicht auf die jüdischen Kinder am Jom-Kippurder Unterricht überhaupt entfallen ist; wahr ist ferner, daß keine jüdische Schülerin gezwungen war, auch nur zur Verlesung der Schulgesetze an diesem Tage in die Anstalt zu kommen. Dr. Steinhart. Altstadt, Bezirk Friedek. (S i st i e r t e r Gemeind ea u s s ch u ß - B e s ch l u ß.) Aufmerksamen Lesern der „Silefia" dürfte in der Nummer vom 11. September l. I. ein Inserat des Gemeindevorstandes in Altstadt, Bezirk Friedek, behufs Verpachtung des Gemeindewirtshauses ausgefallen sein, in welchem nebst dem üblichen Vorbehalt der freien Wahl unter den Offerenten auch noch der Zusatz enthalten war: „Israelitische Bewerber sind vom Pacht ausgeschlossen." In der Nummer vom 22. September erschien das gleiche Inserat nochmals ohne den famosen Zusatz. Wir erfahren nun, daß dieser Wandel in den Anschauungen des Altstädter Gemeindevvrstandes durch eine Beschwerde der israelitischen Kultusgemeinde „Friedek-Mistek" an die k. k. Bezirkshauptmannschaft in Friedek herbeigeführt wurde. Die k. k. Bczirkshauptmannfchaft Friedek erkannte in Stattgebuug der Beschwerde, daß der seitens der Gemeindevorstehung