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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-09-30 · 40 (30.9.1904) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
40 (30.9.1904)
Date
1904-09-30
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 644 Dr. Blocb’s MocbenscdrM. Sir. 40 lich nahegelegt wurde. Der Bericht habe die maßgebenden Kreise Rumäniens in eine wahre Wuth versetzt. Am meisten ärgerte es Herrn Sturdza, daß Major Gordon die Lage der Juden in Rumänien mit jener der Juden in Rußland und Galizien aus die gleiche Stufe gestellt hat. Dieser Einwurf schien Mr. Wilson umso begründeter als „die Judenin Rumänien nie und niemals vom Pöbel angegriffen wurden." Der arme Wilson merkte also nicht, daß er von seinen Gewährsmännern in unverschämtester Weise belogen wurde. Selbstredend nimmt auch er das Märchen von der Masseneinwanderung russischer unk) galizischer Juden in Rumänien für bare Münze. Seinen Bericht schließt auch Mr. Wilson mit der allgemein in Rumänien vertretenen Ansicht, daß die Judenverfolgung in Rumänien im Interesse des Bestandes des rumänischen Staates eine absolute Notwendigkeit sei. Mr. Hay sollte sich von Herrn Wilson das diesem gegebene Reisegeld zurückerstatten lassen, da er seiner Mission in keiner Weise gewachsen war. Korrespondenzen. Für die kleinen jüdischen Salzhändler in Galizien. Im heurigen Frühjahre kamen dem Rechtsschutzburcan der „Oesterrcichisch-Jsraelitischen Union" aus Kalusz und anderen Orten Ostgaliziens zahlreiche Beschwerden darüber zu, daß den kleinen Salzhändlern der Bezug von Speise- und Viehsalz bei den ärarischen Salzämtern entweder unter allen erdenklichen Erschwerungen und nur zum geringsten Teile ermöglicht, oder unter grundlosen Ausflüchten gänzlich verweigert werde. Diese Zustände datierten von dem Austreten des Landesausschusses als Salzgroßhändler und standen im Widerspruche einerseits mit dem gesetzlich zu Recht bestehenden Salzfreihandel, andererseits mit der Verordnung des Finanzministeriums vom 31. Jänner 1903, wonach der Landesausschuß nur aus ein bestimmtes Quantum des produzierten Salzes Anspruch habe, während ei'.< entsprechender Teil den kleinen Salzhändlern reserviert bleiben müsse. Die ärarischen Verschleißämter verweigerten nun den kleinen Salzhändlern in durchaus unrichtiger Auslegung oder gänzlicher Nichtachtung dieser Verordnung den Bezug von Speise- und Viehsalz in den meisten Füllen mit dem Bemerken, daß die Salinen den Bestellungen des Landesausschusses nicht Nachkommen können und daher für die kleinen Händler kein Salz verfügbar sei. Das Rechtsschutzbureau der „Oesterrcichisch-Jsraelitischen Union" wendete sich im April d. I. ans schriftlichem und mündlichem Wege an den Finan minister Dr. von B ö h m - B a w e r ck mit der Bitte, diese gesetzwidrigen Zustände zu beheben. Es wies in der diesbezüglichen Eingabe insbesondere darauf hin, daß das Vorgehen der ärarischen Verschleißämter in Galizien auch aus sozial-politischen Gründen verurteilt werden müsse, da durch dasselbe das jüdische Massenelend in Galizien nur befördert werde. Private Bereinigungen seien bemüht, dem jüdischen Proletariate :it Galizien durch Förderung von Industrien und Gewerben neue Erwerbsquellen zu erschließen. Statt diese Bestrebungen zu unterstützen, paralysieren die amtlichen Organe dieselben dadurch, daß sie immer neue Schichten jüdischer Händler zugunsten eines einzigen Großhändlers brotlos machen. Der £>m Fiuauzministcr bekundete für diese Darlegungen das lebhafteste Interesse und sagte eingehende Erhebungen über die gerügten Uebelstände zu. Diese Erhebungen sind denn auch, dein vorurteilslosen und gere hten Geiste, welcher die Amtsführung des Finanzministers Dr. von B ö h m- B a w e r ck charakterisiert, entsprechend, im Sommer dieses Jahres durchgcsührt worden und das Ergebnis derselben war eine Weisung des Finanzministeriums an die ärarischen Verschleißämter, im Sinne der Verordnung vom Jahre 1903 einen entsprechenden Teil des produzierten Salzes den kleinen Salzhändlern jederzeit zur Verfügung zu halten. Diese Weisung ist vor Kurzem erflosscn und seither ist auch tatsächlich keine weitere Klage von Seite der kleinen Händler erhoben worden; Ein Besuch im israelitischen Hospiz zu Karlsbad August 1904. Von der Egerstraße gelangten wir nach kurzem Marsche, mäßig ansteigend, in die Bellevuestraße. Hier präsentiert sich das israelitische Hospiz, das nach den Plänen des Wiener Architekten Herrn k. k. Baurates W. Stiaßny ausgcführt und im Jahre 1903 fertig gestellt wurde, als ein drei stockhoher Prachtbau, welcher in Rechteckform an allen vier Seiten frei steht. Die der Straße zugekehrte Längssront trägt in Goldbuchstaben die Aufschrift: „Kaiser Franz Josefs-Regierungs-Jubiläums-Hospiz für arme Israeliten". Die rechte Schmalseite, der Stadt zugekehrt, zeigt die gleiche Architektonik wie die Hauptfront. Die rückwärtige Längsseite ist dem Garten zugekehrt, der etwa 1000 Quadratklafter im Umfange sich nach links weit ausdehnt und mit einem hübschen Eisengitter abgeschlossen ist. An der linken schmalen Front führt eine Freitreppe in das sehr geräumige, schön gemalte Vestibüle, wo wir vom Herrn Hausverwalter Moritz Wotzilka aufs Freundlichste begrüßt wurden und unter dessen Führung wir eingehend sämtliche Räumlichkeiten der Anstalt besichtigten. Der Rundgang begann im Hochparterre. Wir besichtigten zuerst die Verwaltungskanzlei, das Warte- und Ordinationszimmer der Aerzte, wo sich in Abwesenheit des Primarius Dr. R o s e n f e l d sein Sekundararzt Herr Dr. Brüll uns anschloß und uns das medi iuisch-chemische Laboratorium zeigte, welches nebst den gebräuchlichsten Reagentien in schönen Kästen ausgestellt ein Mikroskop, ein Polarisations-Saccharometer, sowie die neuesten Instrumente zur Blutuntersuchung und Apparate für die Färbungsmethoden beherbergt. Die Zimmer der Pfleglinge — so wollen wir die hier untergebrachten Leidenden nennen — für eine oder zwei Personen berechnet, sind hoch, geräumig, licht, vorzüglich ventiliert, ein jedes ist eigentlich ein kleiner Salon — enthalten, mit dem größten Komfort ausgestattet, alles, was den Aufenthalt daselbst angenehm machen kann. An eleganten Karnissen über den großen hohen Fenstern hängen Spitzenvorhänge. Im Jnnenraume befindet sich ein gutes, mit Federnmatratzen ausgestattetes Bett, nebst Pölstern und einer Decke, ein geräumiger Kleiderkasten, ein Spiegel, ein Tisch, zwei Sessel, ein Nachtkästchen, eine Ottomane mit schwerem Möbelstoff überzogen. Ein Waschkasten samt Garnitur kompletiert die höchst geschmackvolle, gleichmäßig gestrichene Einrichtung. Wir gelangten dann in den großen, geräumigen, rechteckigen Speisesaal, der mit dem lebensgroßen Bilde Sr. Majestät unseres allgeliebten Kaisers Franz Josef I. im Toisonornat geziert ist. Die hohen zum Teil spitzbogigen Fenster führen nach der Straße. An der Längsseite befinden sich Tische für das gemeinschaftliche Mal. Auch hier ist Alles elegant und sinnreich angeordnet. Der Saal ist wie das ganze Haus elektrisch beleuchtet. Anschließend besichtigten wir den großen Betsaal, dessen Ausstattung noch nicht vollendet werden konnte. Im I. Stock sind die Zimmer der Pfleglinge ganz analog wie im Hochparterre ausgestattet. Auch zwei Badezimmer befinden sich hier, deren prächtige Einrichtung Staunen hervorrief; sie steht gewiß keiner in einer vornehm bürgerlichen Wohnung nach. Sogar Gasheizung ist vorhanden. Im Parterre befindet sich die Küche, sehr licht, groß, hoch, mit zwei Kachelöfen, nebst Stellagen für Geschirr. Röhrenleitungen führen das Kochwasser zu, erwärmen es und andere führen das unbrauchbare ab. Große Spültische mit Wasserleitung zum Abwaschen der Geschirre und Eßbestecke (mit eigenen Abteilungen für milchig und fleischig). In demselben Geschoße befindet sich auch die Waschküche mit Auszügen für die Wäsche. — Einige herrliche Stiftungszimmer zeigen oberhalb der Eingangstüre in schöner Schrift die Namen der Stifter. Es sind diese der Frau Baronin Hirsch, des Herrn Baron Königswarter, Freiherrn v. Rothschild, Löbl Schottländer, Herrn Brodsky und Baron Popper v. Podragha. Die Zimmer der zwei obersten Stockwerke können dermalen nicht bewohnt werden, da die nötigen Summen für die notwendige Einrichtung mangeln. Wohl hat der ausgezeichnete Kanzelredner der israelitischen Kultusgemeinde Karlsbad, Herr Dr. Ziegler in seiner Predigt einen Appell an den Wohltätigkeitssinn und die Humanität der Zuhörer gerichtet, indem er von der Kanzel herab sagte: „Tausende

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