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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-09-23 · 39 (23.9.1904) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
39 (23.9.1904)
Date
1904-09-23
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 39 Dr. Mocd's MocbenscbrM. Sette 639 Gotteshause geweilt, gläubigen Herzens, andächtigen Sinnes. Nun ist, er eingezogen in das Weltgotteshaus, wo nach den Glaubenssätzen für den Gerechten jeder Tag ein Festtag ist, und die heißen Tränen seiner Familie und unsere warmen Wünsche begleiten ihn auf seiner letzten Wanderung, daß er nach rastloser Arbeit ausruhe, daß er nach seinem Erdenwallen den ewigen Frieden finde und daß leicht ihm sei die Erde, welche wir als letzten Gruß ihm -hinabsenden in den dunklen Schacht des Grabes. Der Vorstand und die Mitglieder des Tempelvereines werden dem Entschlafenen für alle Zeiten ein hochehrendes, dankbares Andenken bewahren." Tiefe Ergriffenheit übten die Worte des ausgezeichneten Sprechers auf die ansehnliche Trauerversammlung. Unter Vortritt von Dienern der Oesterr.-ungar. Bank in Gala-Uniform bewegte sich nun der imposante Trauerzug zur letzten Ruhestätte, in welche, was an Albert Ianowitz? r sterblich war, gesenkt wurde. B—y. Wien. (Tempelvereinfürden XIII. B ezirk.) Am 17. September fand die erste und konstituierende Generalversammlung dieses neuen Vereines statt. Der Delegierte der Kultusgemeinde, Herr Kultusvorsteher Gottlieb T a u s s i g hatte sein Fernbleiben unter besten Wünschen für den neuen Verein entschuldigt. Die Herren Dr. S. Krenberger, Zahnarzt H. K u n e r und Privatier I. R o s e n z w e i g, welche sich um die Bildung des neuen Vereines besondere Verdienste erworben hatten, wurden zu Stiftern ernannt. Als weitere Stifter wegen ihrer materiellen Unterstützung des Vereines wurden genannt die Herren Ludwig Wolf, Direktor i. R., und Präsident Theodor Ritter von T a u s s i g. Besonderer Dank für Unterstützung wurde ausgesprochen den Herren: Großgrundbesitzer Julius Frankl und Bankier Albert L a n d a n. In den Vorstand wurden gewählt: Dr. S. Krenberger als Präsident, Zahnarzt Hermann K u n e r als I. Präsident-Stellvertreter, Herr I. H e r tz k a als II. Präsident-Stellvertreter, Doktor I. R app a p o rt als Schriftführer, G. Jakob als Schriftführer-Stellvertreter, I. S m e t a n a als Kassier, L. Dicker als Kassenkontrollor. Die Herren I. B e r n f e l d, I. G ü n s, S. H o f f m a n n, E. Fischer sind Beiräte. Stellvertreter im Ausschüsse wurden die Herren Dr. E. K a r m a n n, Lichten st er n und H. B e r l i n e r. Zu Revisoren wurden gewählt Dir. Wolf, Rosenzweig und P a tz o f s k y. Wien. (E i n g e s e n d e ll) Geehrte Redaktion! Die in Ihrem geschätzten Blatte vom 16. d. M. gebrachte Korrespondenz „Jüdische Soldaten" ist sehr zutreffend und ein Argument mehr für die Pflege und Erhaltung des Turnens im Judentum, besonders aber in der jüdischen Jugend. Leider viel zu wenig wird es betont und darauf hingewiesen, welch ein erzieherischer Wert diesem Sport inneliegt, denn sonst würde der so treffliche „Erste jüdische Turnverein" eine viel gedeihlichere Entwicklung nehmen und dessen Plan,—die Erbauung einer eigenen Turnhalle — * schon feste Form gefunden haben. Es bleibt nur die Hoffnung, daß die weiten Kreise des Wiener Judentums mit der Zeit dieser schönen Idee doch nicht verschlossen bleiben werden und gerne die Mittel aufbringen werden, um eine eigene Turnhalle zu besitzen. Ich bitte die verehrliche Redaktion um Veröffentlichung dieser Zeilen und zeichne hiefür dankend Hochachtungsvoll Herrman König. Wien. Der Krankenunterstützungsverein „Odsseck Level Emes“ im Bezirke Sechshaus (Wien, XV., Turnergasse 22) feiert am 1. Oktober das Jubiläum seines 30jährigen Bestandes und findet aus diesem Anlasse im Bethause XIV., Storchengasse 21 ein F e st g o t t e s d i e n st mit folgendem Programm statt: 1. Schachrithgebet, Anfang */a7 Uhr Früh. 2. Hallelgebet, vorgetragen vom Kantor Herrn Karl Grünfeld. 3. Festpredigt, gehalten von Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Max Grunwald. 4. Maskir, vorgetragen vom Herrn Nathan Kohn. 5. Mussaphgebet, vorgetragen vom Kantor Herrn Karl Grünfeld. Um 8 Uhr Abends findet in F. B a u m a n n's Stadtgut-Sälen, XIV., Sechshauserstraße 3 ein Fest des Vereines, verbunden mit Konzert, Tanzkränzchen und Juxbazar statt. Der Verein wurde im Jahre 1874 von einigen schlichten Männern aus dem Volke der ehemaligen Gemeinde Sechshaus gegründet, welcher auch durch Spenden von Sr. Majestät und weiland Kronprinz Rudolf ausgezeichnet worden, und haben die Mitglieder bei einem Monatsbeitrage von 20 Kreuzern, vier Gulden wöchentliches Krankengeld erhalten. Die Vereinsleitung hat sich bemüht, sowohl den Mitgliederstand auf 150 Mitglieder als auch die Benefizien für die Mitglieder zu erhöhen, so daß gegenwärtig ein Mitglied bei einem Monatsbeitrage von 1 Krone 10 Heller, 12, Kronen Krankengeld, wie auch in der 8evmvo-Woche 12 Kronen erhält; weiters wird dem Mitglieds wenn es Kadisch sagen muß, Minjan nach Bedarf beigestellt; nach deffen Ableben wird viermal im Jahre Maskir gehalten, wie auch an dessen Witwe oder unmündige Kinder 75 Kronen als Abfertigung verabfolgt. Die jetzige Leitung, mit dem Präses Herrn Moriz Weiß an der Spitze, hat auch die Aenderung der Statuten, den neuen Bedürfnissen entsprechend, vorgenommen, welche von der Behörde genehmigt wurde, so daß der Verein musterhaft dasteht und ein Reinvermögen von 6000 Kronen besitzt. Prag. Das „Prager Tagblatt" vom 4. September a. c. bringt ein charakteristisches „Eingesendet". — Im jüdischen Handwerkerverbande sind etwa 600 Meister vertreten, die zum größten Teile um ihre Existenz schwer kämpfen — dem Notschrei in diesem „Eingesendet" kann daher die Berechtigung nicht abgesprochen werden. Es heißt in dem „Eingesendet": „Wir sind fest überzeugt, daß bisher kein christlich geistliches oder weltliches Konsistorium zum Bau einer Kirche oder Umbau einer solchen die Heranziehung jüdischer Baumeister oder Handwerker gestattet hat oder gestatten würde, ein Vorgang, insoferne gerechtfertigt, als er mit christlichem Bewußtsein im Einklänge ist. Der Vorstand der Meisel-Synagoge hingegen setzt sich mit Gleichgiltigkeit über das jüdische Bewußtsein und über das Pflichtgefühl hinweg. — Samstag den 27. v. M. hat in Dobris die Einweihung einer neuen Synagoge in feierlicher Weise stattgefunden. Der Vorstand der dortigen Kultusgemeinde hat einen Prager jüdischen Baumeister mit dem Entwurf und Aufbau derselben betraut. Er war sich der heiligen Sache, aber auch der Pflicht bewußt, die ihn vom Anfänge an bei derselben geleitet, und wenn er selbst zu ihrer Durchführung auch nichtjüdische Hilfskräfte nicht verschmäht hat, so war ihm immerhin die die jüdische Bauleitung bei einem jüdischen Gotteshause das oberste Prinzip. So ging der Vorstand der jüdischen Gemeinde einer Provinzstadt zu Werke, wogegen der einer großen Synagogengemeinde in Prag sich einer krassen Taktlosigkeit, eines Mangels an Rechtsgefühl und jüdischem Bewußtsein schuldig gemacht hat. Er möge dies vor seiner ganzen Gemeinde verantworten. Prag, im September 1904. Für den Vorstand des Verbandes israelitischer Handwerker: G. Ntitz, dz. Schriftführer, Ed. Taussig, dz. Obmann." Der Vorstand der Meisel-Synagoge hat nämlich die 600 jüdischen Meister „übersehen" und nur christliche beschäftigt. Brünn. Man schreibt uns: Ein jüdischer Religionslehrer, der die ihm anvertrauten Kinder zwingt, am Jom-Kippur in die Schule zu gehen, ist Herr Dr. Steinhart, Religionslehrer an der höheren Töchterschule in Brünn. Während, wie selbstverständlich, alle jüdischen Schüler der zahlreichen hiesigen Volks- und Mittelschulen am Montag vom Unterrichte dispensiert waren, befahl Herr Dr. Steinhart den jüdischen Kindern von der III. Klasse an, der feierlichen Eröffnung des Schuljahres durch Direktor Dr. Sonnek beizuwohnen. Nachdem einige hundert jüdische Kinder die Töchterschule und Präparandie besuchen, hätte der Direktor die feierliche Eröffnung des Schuljahres wohl auf den Dienstag verschieben können, — jedenfalls war es vom Religionslehrer Dr. Steinhart nicht zu rechtfertigen, daß er eine große Anzahl fastender Kinder in ihrer Feiertagsruhe störte und sie zwang, schon vor 7 Uhr aufzustehen. Ob wohl ein christlicher Katechet, eines solchen geringfügigen Anlasses wegen, den Schulbesuch an einem der höchsten christlichen Feiertage angeordnet hätte?- Wir hätten erwartet, daß die berufenen Faktoren, vor allem die gewählten Repräsentanten der Gemeinde gegen dieses Verfahren Einspruch erhoben hätten.

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