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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-09-23 · 39 (23.9.1904) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
39 (23.9.1904)
Date
1904-09-23
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 628 Dt. Mocb's Wocbenscbrlffc Nr. 39 Korrespondenzen. Militärgottesdienst. Neunzehn Jahre ist es nun her, seitdem eine Anzahl jüdischer Soldaten der damals in Wien garnisonierenden — vornehmlich galizischen — Infanterie-Regimenter anläßlich des Kosell-imsekouo- und Jom Kippur-Festes an die Kultusgemeinde mit der Bitte herantrat, man möge für sie ein Linz an veranstalten, damit auch sie an diesen Tagen ihr Gebet verrichten können. Dem Wunsche wurde entsprochen und seither findet in jedem Jahre an den hohen Feiertagen in einer der Wiener Kasernen ein Gottesdienst statt, der die jüdische Mannschaft der Wiener Garnison fast vollzählig vereinigt. Im ersten Teile des Dienstreglements für das kaiserliche und königliche Heer finden wir ein Kapitel (§ 58), das sich mit dem „Gottesdienste" beschäftigt. In diesem Abschnitte erscheint der Wille des Allerhöchsten Kriegsherrn deutlich ausgedrückt, daß allen Militärpersonen der verschiedenen Konfessionen an den dem Gottesdienste vornehmlich geweihten Tagen die Teilnahme an den Andachtsübungen ihrer Religionsgenossenschaft ermöglicht werden soll. Wo es angeht, sollen die Truppen nach chren Religionsgenossenschaften gesondert, mindestens allmonatlich einmal, zum Besuche des Gotteshauses geführt werden. Alljährlich wird nun auch vom k. u. k. 2. Korpskommando eine Kaserne bestimmt, in welcher ein Betlokal für den israelitischen Gottesdienst an den hohen Feiertagen zur Verfügung zu stellen ist und es wird den Kommandanten der Truppen und militärischen Anstalten anbefohlen, die jüdische Mannschaft gesammelt zu diesem Gottesdienste führen zu lassen. Wohl ist es kein schmucker Tempel, in dem unsere Soldaten ihr Gebet verrichten. Ein gerade leer stehendes Mannschaftszimmer, das, dank den Bemühungen des Offizials Jakob Stein der Wiener Kultusgemeinde, dem Zwecke entsprechend in Stand gesetzt wird, bildet das Gotteshaus für die jüdischen Soldaten. Aber, wahrhaftig, wer einmal einem solchen Gottesdienste beigewohnt, der wird mit Rührung an jene Andacht denken, die da alle Teilnehmer erfüllt, an jene Soldaten, die, einmal im Jahre in die Möglichkeit versetzt, inbrünstig beten und zeigen, daß sie den Glauben an ihre Religion treu bewahrt haben. Mit welchem Stolze erfüllt es jeden Einzelnen, zur Thora gerufen worden zu sein, wie glücklich ist dieser, Haftora geleint, der andere, das Maarivgebet vorgebetet zu haben. Und so sehen wir die jüdischen Soldaten am Jom-Kippur um 7 Uhr Früh das Betlokal betreten und es erst nach dem Nihlagebet verlassen, dankbaren Herzens, leuchtenden Auges, jene segnend, die es ihnen ermöglichten, sich an diesem Tage ganz ihrer Andacht, ihrem Gotte zu widmen. In der Heumarktkaserne fand in diesem Jahre der Militärgottesdienst statt. Herr Kantor Welsch versah die Funktion des Vorbeters, während zum ersten Male Herr Feldrabbiner i. d. R. Dr. Armin A b e l e s vor dem Minchagebet am Jom-Kippur die Predigt hielt. Anknüpfend an die Haftora, die eben zuvor gelesen worden war, und hinweisend auf das Beispiel Jona's hielt der Herr Rabbiner den Soldaten alle jene Tugenden vor Augen, die den Israeliten auszeichnen, nach denen sie streben mögen, damit auch sie ihren Feinden erhobenen Hauptes entgegentreten und stolz von sich sagen können: „Ja! wir sind Israeliten". Mit dem Segensspruche schloß der Herr Rabbiner seine Rede, die auf die Anwesenden tiefen Eindruck machte. — Nach dem Gottesdienste wurden die Soldaten auf Kosten der Kultusgemeinde ausgespeist. Bedauerlich ist es nur, daß die Auswahl des Lokales für den israelitischen Militärgottesdienst keine sehr glückliche ist. Wir zweifeln nicht daran, daß die Militärbehörde, wenn entsprechende Schritte kompetenten Ortes unternommen werden, künftighin nicht mehr ein einfenstriges, niederes, an den Garnisonsarrest anschließendes Parterrezimmer als für eine Religionsübung geeignet befunden wird. Gedenken doch wir Juden bei jeder Andacht des Kaisers in einem speziellen Gebete, und schon mit Rücksicht auf diesen Umstand sollte der Lokalsrage für den Gottesdienst in der Kaserne ein größeres Augenmerk zugewendet werden. Fb. Albert Janowitzer. Am Vorabende des Neujahrsfestes verschied in Marienbad Herr k. k. Kommerzialrat Albert I a n o w i tz e r, der Chef des großen und angesehenen Exporthauses A. Janowitzer in Wien. Der Verblichene war ein Mann von umfassender kaufmännischer und universeller Bildung, der durch besondere Tüchtigkeit, unermüdliche Tatkraft und verständnisvolles Erfassen der Bedürfnisse des Weltmarktes seine Firma zu einer der bedeutendsten und angesehensten des Kontinentes zu gestalten wußte. Seine eminente Arbeitskraft und seine gediegenen Fachkenntnisse wurden im Kreise seiner Berufsgenossen sehr geschätzt und sie betrauten ihn mit der Vertretung ihrer Interessen in der Niederösterr. Handels¬ und Gewerbekammer, in der Gremial-Repräsentanz der Wiener Kaufmannschaft, in der Export-Akademie, welchen Körperschaft^ Herr Janowitzer durch viele Jahre angehörte. In der Oesterr.-ungar. Bank bekleidete er das Ehrenamt eines Zensors, beim Neubauer Kredit-Verein die Stelle eines Direktors. Trotz -dieser vielfachen öffentlichen Beschäftigung fand Janowitzer noch Zeit und Muße, seine hervorragende Arbeitskraft in den Dienst der Humanität und der Kultuspflege zu stellen, und er war durch viele Jahre Vorstandsmitglied des Mariahilfer Tempelvereines, zu dessen verdienstvollsten und opferfreudigsten Gönnern er gehörte. Die große B eliebtheit, der sich der Verewigte in den weitesten Kreisen zu erfreuen hatte, zeigte sich am deutlichsten bei dem am 13. d. M. stattgefundenen Leichenbegängnisse; die weite Halle des Zentralfriedhofes konnte buchstäblich die Zahl der Leidtragenden nicht fassen, die eine Auslese der kaufmännischen und industriellen Kreise der Residenz repräsentieren. Man sah als Vertreter der Oesterr.-ungar. Bank Herrn Zentralinspektor Steinsberg und Oberinspektor F e y r e r, den Direktor der Ländcrbank Kraus, die kaiserl. Räte-Friedrich Pollak, Toffler, Reiß, Schweiger, Reichsratsabgeordneten Dr. Vogler, Generaldirektor N y i t r a i u. v. A. Geleitet vom Gesamtvorstand des Mariahilfer Tempelvereines, wurde der Sarg in die Zeremonienhalle getragen und unter tiefer Ergriffenheit der Anwesenden rezitierte Herr Oberkantor D ü n m a n n in unübertrefflicher Weise die Trauergesänge, worauf Se. Ehrwürden Rabbiner Dr. T a g l i ch t in einer ergreifenden Trauerrede ein Charakterbild des Verewigten entwarf, das, gleich vollendet nach Form und Inhalt, auf die Trauerversammlung in mächtiger Weise wirkte. Hierauf trat Herr Vizepräsident Dr. Jacob Engel des Mariahilfer Tempelvereines in Vertretung des verhinderten Präsidenten k. k. Baurates M. F l e i s ch e r an die Bahre und hielt folgenden Nachruf: „In tiefer Trauer umsteht der Vorstand des Tempelvereines für die beiden Gemeindebezirke Mariahilf und Neubau diesen Sarg, um seinen Heimgegangenen Kollegen Herrn Albert Janowitzer noch einmal zu grüßen. Wehmut beschleicht mein Herz bei dem Gedanken, daß derselbe für immer unseren Reihen entrissen ist. Ich gedenke noch der Zeit, als wir ihn aufforderten, in unser Kollegium einzutreten. Wir beschworen das Bild seines verewigten Vaters herauf, welcher einst Präsident unseres Vereines gewesen, und mit Freude nahm er das ihm angebotene Mandat an. Er gelobte, ein treues Mitglied zu werden, und er hat dieses Gelöbnis wie immer getreulich erfüllt. Mit wahrem Feuereifer nahm er sich der ihm überwiesenen Agenden an und in fteigebigster Weise förderte er unsere Zwecke. Es kann ausgesprochen werden, daß er zu den fleißigsten Vorstandsmitgliedern gehörte, fast nie den Sitzungen fernblieb, an den Debatten regsten Anteil nahm und es alsbald dahin brachte, daß seine Stimme im Rate nicht nur gezählt, sondern auch gewogen wurde. Nun ist er fortgezogen an dem Tage vor den hohen Festen, während welcher er so gerne in unserem herrlichen

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