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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-09-23 · 39 (23.9.1904) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
39 (23.9.1904)
Date
1904-09-23
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 630 ’Jir. 39 Dr. Blocfo’s MlocbenscbrM. Krakau. (Jüdische Kinder im Oginski'schen Institut.) In der für christliche Kinder bestimmten Kinderbewahranstalt der Fürstin Oginska in Bobrek bei Oswiecim befinden sich seit einiger Zeit 110 jüdische, nach Galizien zuständige und in der niederösterreichischen Findelanstalt geborene Kinder, die der obgenannten Anstalt vom galizischcn Landesausschusse zur Erziehung ül ergeben wurden. Dieselben werden dort entgegen den Bestimmungen des Gesetzes in der christlichen Religion erzogen. Der Krakauer Oberrabbiner Horowitz hat soeben einen Aufruf erlassen, in dem er auf diesen Sachverhalt hinweist und die Kultusgemeinden zur Einleitung einer Aktion auffordert. Die nötigen Schritte zur Sanierung dieses Zustandes hat der Krakauer Advokat Dr. Raphael Landau unternommen. Mittlerweile hat der Großvater eines dieser Kinder, der auch vom Gerichte zum Vormunde desselben bestellt wurde, die genannte Anstalt um Ausfolgung seines Enkels ersucht. Es wurde ihm die Herausgabe des Kindes von der Anstalt verweigert und vorerst die Bezahlung der bisherigen Erziehungskosten, die dieser zu bezahlen nicht in der Lage ist und wozu er gesetzlich hiezu verpflichtet werden kann, verlangt. Dr. Landau hat vom Vormundschaftsgerichte Dabrowa die zwangsweise Ausfolgung des Kindes verlangt, doch ist bis nun die diesbezügliche Eingabe nicht erledigt worden. Stauislau. Das hiesige Lokalblatt „Kurjer Stanistawowski" bringt folgende Mitteilung: Gelegentlich des jüngsten Besuches des Ministerpräsidenten Herrn v. Korber in Stanislau wurde u. A. auch eine Deputation des hiesigen israelitischen Kultusvorstandes empfangen. Der Präsident desselben, Herr K. Kiesler, richtete an den Ministerpräsidenten folgende Ansprache: „Die drittgrößte Kultusgemeinde des Landes bittet Euer Exzellenz, der Dolmetsch der Gefühle der jüdischen Bevölkerung, ihrer Treue, Liebe und Anhänglichkeit an ihren erhabenen Monarchen zu sein und gestatte ich mir noch die ergebene Bemerkung, daß ich mit Freude und Stolz konstatieren kann, daß unsere Beziehungen zu unseren christlichen Mitbürgern nicht nur nicht getrübte, sondern ausgezeichnete sind." Worauf der Ministerpräsident erwiderte: „Diese Ihre Bemerkung freut mich ganz besonders und möge die Bevölkerung sich ein Vorbild an den Staatsbehörden nehmen, welch: nur Menschen und Bürger, nicht aber Konfessionen kennen." Dobrisch. Ein herrliches, erhebendes Fest war es, welches die israelitische Kultusgemeinde hier am 28. v. M. beging. Dank der rührigen Tätigkeit unseres geschätzten Rabbiners Sr. Ehrwürden Herrn Dr. S. W. Link gelang es der Kultusgemeinde, ein neues Gotteshaus zu errichten, das, im romanischen Styl erbaut, eine Zierde der Stadt bildet. Punkt 2 Uhr wurden die Thorarollen aus dem alten Tempel gehoben und unter einem prachtvollen vom Israelitischen Frauenverein gespendeten Traubaldachin von den Herren Oberkantor G u t t m a n n, Wien, Dr. Link, Dobrisch, Dr. Deutsch, Prag, und Dr. Weiner, Kgl. Weinberge, zum neuen Tempel getragen. Es folgten dem Zuge die k. k. Behörden, der Stadtrat, viele Vereine und eine tausendköpfige Menschenmenge von Nah und Fern. Vor dem Tempel begrüßte Herr Rabbiner Dr. Link in böhmischer Sprache die Festgäste, worauf Frl. Erna B o n d y dem Statthaltereikonzipisten Ritter von Rittersheim den Schlüssel des Tempels übergab. Im Tempel sang Herr Oberkantor Bela Guttmann in unübertroffener Weise das ewig schöne Natowu von Sulzer, worauf Herr Dr. Deutsch das ewige Licht anzündete und in schönen Worten über das Symbol des Ner Tomid sprach. Nach den üblichen Hakafotli bestieg der verdienstvolle Rabbiner Dr. Link die Kanzel, um die eigentliche Festrede zu halten. Sichtlich gerührt, das schöne Werk selbst krönen zu können, besprach er die Bedeutung des Gotteshauses als Haus der Sammlung, als das des Gebetes und als Haus der Lehre. Nachdem noch der Psalm 100 gesungen wurde, bestieg Herr Rabbiner Dr. Weiner die Kanzel, um in böhmischer Sprache den Dank der Kultusgemeinde .den erschienenen Festgästen auszusprechen. Er feierte Herrn Rabbiner Dr. Link als denjenigen, der um die Gemeinde so mannigfache Verdienste hat, und sei nur ein Mißton in dieser Feststimmung, daß Dr. L i n k die Stätte seiner Wirksamkeit, die so segensvoll sich gestaltete und an der er bei der gesummten Bevölkerung in solcher Achtung und Verehrung stand, in kurzer Zeit verläßt. Mit einem Gebet für den Kaiser schloß Dr. Weiner seine schöne Rede. Die Absingung der Kaiserhymne beschloß die weihevolle, herrliche Feier, die Allen, die an derselben teilnahmen, unvergeßlich bleiben wird. Beim Gartenfest überreichte Frl. Elsa Lederer dem unermüdlichen Vorsteher Herrn Alfred B o n d y im Namen der Kultusgemeinde eine wunderschöne Silberkassette. Berlin. (Hochschule.) Die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin (Lindenstraße 48/50) hat für das Wintersemester 1904/1905 nachstehende Vorlesungen festgesetzt: Herr Dr. B a n e t h wird lesen: 1) Talmud Babli stat. Kidd uschin Kap. II (Fortsetzung) 4 Stunden, Montag und Donnerstag 8—10 Uhr. 2) Jore De'a (Tur und Schulchan 'Aruch, 87—90), 2 Stunden, Montag und Donnerstag 10—11 Uhr. 3) Eben ha'ezer XVII (Fortsetzung), 1 Stunde, Donnerstag 11—12 Uhr. 4) Mischne Thora, V. Buch, 2 Stunden, Montag und Donnerstag 12—1 Uhr. 5) More N'buchim II (Fortsetzung), 2 Stunden, Dienstag und Freitag 11—12 Uhr. 6) Pentateuch mit alten Kommentaren, 2 Stunden, Mittwoch 11—1 Uhr. 7) Der jüdische Kalender, 1 Stunde, Montag 11—12 Uhr. Herr Dr. E l b o g e n wird lesen: 1) Erklärung des Buches Hiob, 2 Stunden, Montag und Mittwoch 10—11 Uhr. 2) Exegetische Uebungen (für Fortgeschrittene), 1 Stunde, Freitag 11—12 Uhr. 3) Talmud Rosch haschanah Kap. III, 4 Stunden, Sonntag und Mittwoch 8—10 Uhr. 4) Geschichte der Juden in Deutschland (Fortsetzung) vom XVI. Jahrhundert bis zu Moses Mendelssohn, 2 Stunden, Dienstag 9—10 und Freitag 10—11 Uhr. 5) Historisch-literarische Uebungen, 1 Stunde, Dienstag 8—9 Uhr. 6) Geschichte der Schriftauslegung, 2 Stunden, Dienstag und Donnerstag 10—11 Uhr. Herr Prof. Dr. M a y b a u m wird lesen: 1) Midrasch Tanchuma, 1 Stunde, Dienstag 8—9 Uhr. 2) Homiletische Uebungen, 2 Stunden, Freitag 8—10 Uhr. Die Eröffnung des Wintersemesters findet am 17. Oktober um 11 Uhr vormittags statt. — Als Zuhörer für die Vorlesungen sind in erster Linie die rite immatrikulierten Studierenden der hiesigen Universität und zwar ohne Unterschied der Fakultät — in Aussicht genommen. Auch andere Personen können auf Grund besonderer Ermächtigung an den Vorlesungen teilnehmen. Die Anmeldung erfolgt bei dem zeitigen Vorsitzenden des Lehrerkollegiums, Herrn Rabbiner Prof. Dr. S. Maybaum, in seiner Wohnung, Hinter der katholischen Kirche 1, täglich (mit Ausnahme der Sabbathe und jüdischen Festtage) von 11—12 Uhr. Berlin. Professor Dr. Alb recht in Oldenburg gibt zur Abwehr der bekannten antisemitischen Angriffe gegen ihn in einem an den Herausgeber des Breslauer „Jüdischen Volksblattes" gerichteten Schreiben folgende Schilderung der mit seiner Lehrtätigkeit zusammenhängenden Vorgänge, die zu der antisemitischen Preßhetze gegen ihn geführt haben: „Im Religionsunterricht — es war in Prima oder Obetsekunda der hiesigen Oberrealschule — kam ich auch auf die sogenannte Blutbeschludigung zu sprechen und wies darauf hin, daß, wie den Christen in den ersten Jahrhunderten (sxulae Thyesteae), so auch den Juden noch in unserer Zeit der Vorwurf gemacht werde, daß sie B ut zu rituellen Zwecken benutzten. Ich machte die Schüler in ruhiger, nicht „eifernder" Weise auf die Lächerlichkeit dieser Beschuldigung aufmerksam, indem ich vor Allem betonte, wie streng den Juden jeder Blutgenuß verboten sei. Blutaberglaube finde sich zu allen Zeiten und bei allen Völkern, bei den Juden aber verhältnismäßig selten, eben wegen dieses scharfen Verbotes; Blutritus gebe es nicht, Geheimschriften existierten nicht, die angeblich geschichtlichen Tatsachen seien entweder erfunden oder tendenziös umgestaltet oder es seien

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