Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 27 (1.7.1904)
- Date
- 1904-07-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 432 Dr. Llocb's Mocbenscbritt. Nr. 27 anstalt; letzterem unter der Bedingung, daß die Mitglieder dem- „Vereine zur Pflege kranker Studierender der Wiener Hochschulen" beitreten. Das Ansuchen der Herren Dr. Sal. Krenberger und Konsorten um Genehmigung zur Bildung eines Tempelvereines für den XII l. Wiener Gemeindebezirk wird genehmigt. Der Bibliothek der israelitischen Kultusgemeinde werden bezüglich der Anlage eines neuen Realkataloges, Ankauf von Manuskripten Weisungen erteilt und wird die Einsetzung einer Bibliotheks-Kommission beschlossen, in welche gewählt werden die Herren: Dr. M. Altschiller, Prof. Dr. A. B ü ch l e r, Rabbiner Dr. E. David, Prof. Dr. S. E h r m a n n, Abraham E p ft e i n, Dr. S. Frankfurter, Rabbiner Dr. Max Grunwald, Rabbiner Dr. Armand Kaminka und Doktor Markus Spitzer. Verliehen werden: Die Dr. Moriz Rappaport-Preisausschreibe - Stiftung (1 Platz von K 800.—) an einen Gelehrten; die Klara Kahane - Ausstattungs - Stiftung (2 Plätze k K 405.—) an zwei verwaiste jüdische Bräute; die Jakob, Josef und Fanny Schnabl-Stiftung per K 400.— an Arme. Nach Erledigung von Steuer-Angelegenheiten und Personalien wird die Sitzung um 1 Uhr mittags geschlossen. Tempelspenden. Im Gemeindebethause I., Seitenstettengasse 4: Von Herrn Dr Hermann Bardach X 50, von Herrn Karl Leiuberger K 100, von Frau Adele Bloch X 20.-. Im Gemeindebethause II, Tempelgaffe 3: Von Herrn Moritz Grünbaum X 40, von Herrn David Mieser K 10, von Herrn Leopold Richter K 10, von Herrn Ernst Kohn X 20, von Herrn Isidor Schwarz X 30, von Herrn Albert Winterberg X 20, von Herrn Emil Hirsch X 50, von Herrn Samuel Hoffmann K 10, von Herrn Anton Beck X 80, von Herrn Ignaz Weiß K 10, von Herrn Ernst Kohn X 20. Im Gemeindebethause XV., Turnergaffe 22: Von Herrn Jakob Brückner X I, von Herrn Philipp Kohn X 2, von Herrn Bernhard Kohn X 5, von Herrn Bernhard Kurzweil X 4, von Herrn Josef Dohau K 4, von Herrn Salomon Hohenberg K 1, von Herrn Bernhard Kurzweil X 2, von Herrn Ferdinand Steiner K 6.—, von Herrn Adolf Sachs X 1, von Herrn Leopold Dörfler X 2, von Herrn Adolf Goldbach K-2, von Herrn Alexander Markus X l, von Herrn Simon Stadler X 25, von Herrn Bernhard Brückner X 2, von Herrn Michael Kohn X 4, von Herrn Noe Rosenstrauß X 2, von Herr Ludwig Spitzer X 1.—. Im Gemeindebethause XVI., Hubergaffe 8: Von Herrn Abraham Balasch X 20, von Herrn I. Mendl X 30, von Herrn Dr. Hermann Modern X *5. Im Gemeindebethause XVIII., Schopenhauerstraße 89: Von Herrn Max Kottony X 2, von Herrn Ignaz Katz X 6, von Herrn Max Kohn X 4, von Herrn Philipp Drexler X 4, von Herrn Ignaz Fantl X 20, von Herrn Max Kottany X 4, von Herrn Alexander Endewelt X 10, von Herrn Nathan Neumann X 6, von Herrn Heinrich Paschkes X 2, von Herrn Pinkas Frankfurter X 4, von Herrn Pollak jun. X 3, von Herrn Simon Weiß X 3, von Herrn Sigmund Frankel X?0, von Hekrn Leopold Kreilisheim X 2, von Herrn Gutmann Kncp'er X : . _ Girre Kreditrrrrd Uorschuß-Genoffenschaft für derr IL und XX. Kezirk. Aus Anlaß des in unserer letztwöchentlichen Nummer (vom 24. d. M.) enthaltenen „Memorandum" erhielten wir eine stattliche Reihe von Zuschriften, von denen wir einige der Oeffentlichkeit übergeben. Herr Redakteur! In Ihrem lctzterschienenen Blatte lese ich folgende Worte: „Der jüdische Kreditwerber erhält überhaupt kein Darlehen oder nur zu unerschwinglichen Bedingungen". Das ist lvörtlich wahr, wie ich an meiner eigenen Haut erfuhr. Seit Jahren erhielt ich zur Erleichterung meines Geschäftsbetriebes von der X-Vorschußkasse ein Darlehen von Tausend Kronen, welches ich während meiner sommerlichen Erzeugungs- Periode brauchte und von Weihnachten bis Ostern in Monatsraten samt Zinsen zurückzuzahlen pflegte. Vom April an war ich nichts mehr schuldig — im Juli erhielt ich von Neuem das Darlehen. Schon im Mai 1902 dauerte die Erledigung meines Kreditgesuches länger als gewöhnlich; ich mußte mehrmals urgieren — endlich im Juli ward es mir gewährt, doch unter allerlei lästigen Zusatzbedingungen. Als ich nach Pünktlicher Rückzahlung im Mai 1903 abermals ansuchte, wurde ich zum Obmann beschieden, der mir nach einigen Lobeserhebungen für meine stets pünktlich erfolgte Pflichterfüllung mit einigem Zögern eröffnete, daß der Vorstand wegen Geldmangel mir heuer keinen Kredit gewähren könne. Als ich um Aufklärung drängte, gestand er endlich ein, daß ein prinzipieller Beschluß gefaßt worden sei, nur an Arier Kredit zu gewähren. Er — ‘ der Obmann hätte sich dagegen gesträubt, sei aber überstimmt worden. Ich ging erschüttert weg und wendete mich an ein hiesiges Bankinstitut mit der Bitte, mir einen ähnlichen Kredit für 3 Monate einzuräumen, indem ich auf mein gutgehendes Geschäft und meinen guten Ruf hinwies und auseinandersetzte, daß schon allein das Weihnachtsgeschäft mir hinreichende Mittel zur Rückzahlung darbiete. Der Bureauvorstand — ein Glaubensgenosse — erklärte mir jedoch, daß die Bank nur an protokollierte Firmen und keinesfalls in so kleinen Beträgen Kredit gewähre, daher er — zu seinem Bedauern — ablehnen müsse. Wohin soll ich nun gehen? Eine gut geleitete Kredit- und Vorschußkasse für uns kleine jüdische Geschäftsleute wäre eine wahre Rettung. A. B . . . r, II., Fugbachgasse. Der Name des Einsenders ist der Redaktion bekannt. -i- * * Herr Redakteur! Mit Interesse habe ich Ihre Ausführungen betreffs einer Kreditkaffe gelesen. Es wäre eine nicht genug anznerkennende Wohltat für uns kleine Beamten! Welche Künste müssen wir anwenden, um von einem „Konsortium" einen Vorschuß zu erhalten und zu welchen Bedingungen! Es ist doch ein öffentliches Geheimnis, daß kaum ein privater Hochperzentiger es wagt, solche Provisionen und Nebenkosten anzurechnen, als die bekannten Darlehens-Institute dies unter der Sanktion ihrer Statuten und Konzession tun. Wenn noch dazu die Schwierigkeiten kommen, die dem jüdischen Bewerber entgegengestellt werden — man wendet ihm gegenüber stets die härtesten Interpretationen an — so mag man denken, W der Wische Beamte sich aus der verstrickenden Umarmung des „Konsortiums" gar nicht mehr frei machen kann. Es wäre ein Segen, wenn speziell für uns jüdische Privatbeamte ein Ausweg gefunden werden könnte. vr. 8. P. * * -i- An die Redaktion der „Oösterreichischen Wochenschrift". Ihr Blatt würde sich ein großes Verdienst erwerben, wenn es jene Herren, die sich mit der Gründung eines Kreditvereines für jüdische Geschäftsleute befassen, zur Eile anspornen möchte. Es ist wirklich Gefahr im Verzüge. Wie es in dem von Ihnen veröffentlichten Memorandum heißt, hat man uns zuerst die Kunden abwendig gemacht, da es hieß: „Kauft nur bei Christen!", und da man sah, daß wir trotzdem noch nicht am Bauche lagen, weil wir besser und billiger lieferten, als viele Arier, so verschließt man uns alle Kreditquellen. Ohne genossenschaftlichen Kredit können wir kleinen Leute nicht bestehen, da tvir fast nur mehr gegen Bar einzukaufen genötigt sind. Wo wir hinkommen, finden wir verschlossene Türen — hier sagt man uns offen, daß man an Juden keine Vorschüsse gibt, dort sucht man Ausreden oder läßt die Kreditgesuche unerledigt liegen — aber Geld ist für den jüdischen Gewerbetreibenden nirgends zu haben. Wenn das noch ein Jahr fortdauert, so muß gerade in der Leopoldstadt eine Krffis ausbrechen. Die bestehenden jüdischen Vereine haben kein Geld zu verborgen — an Banken können wir doch nicht herantreten und die Darlehen der Baron Hirsch-Stiftung haben den Charakter von Almosen, was nicht jedem paßt. Wer dort ein Darlehen sucht, gilt schon als kaput. Und sollten unsere reichen jüdischen Geschäftsleute nicht im Stande sein, das zu tun, was die Antisemiten tun, nämlich eine offene konfessionelle Kreditgenossenschaft mit hinreichenden Mitteln ausstatten. Sie würden Nichts dabei verlieren und ihren Glaubensbrüdern einen großen Dienst erweisen. J. M.