Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 20 (1903)
- Issue
- 48 (27.11.1903)
- Date
- 1903-11-27
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 768 Dr. Dlocb's Mocbertscbrtft. -tr. 48 und Hüten zu entnehmen, denen wohlthätige Frauenhände noch so manchen Toilettegegenstand zur Hebung des Reinlichkeitssinnes bcigepackt hatten, und mancher Mutter Auge wird frcudcnthränenfeucht, wenn nun ihr armes Kind auch noch ein Spiel — ein Buch erhält, um nun seine sonst freudelecren Freistunden mir kindlicher Unterhaltung auszufüllen. Die Segenswünsche der armen Beschenkten, die in den nach Maß und Individualität gewählten Kleidungs- und Wäschestücken die besonders liebevolle Fürsorge ihrer Wohlthäter erblicken können, Vereinen sich zu einer Hymne für die gütigen Spender! Mögen weiteste Kreise ein reges Interesse an dem Gedeihen des rührigen „Frauenhort" nehmen — des Wohlthuns kann niemals genug sein. K. R. Wien Die XXX. ordentliche Generalversammlung des Israelitischen Tempelvcreines für den IV. und V. Bezirk Wien fand am 15. November d. I. in Anwesenheit der Herren Cultusvorsteher Dr. Alfred Berger, Baurath Ritter v. Goldschmidt und zahlreicher Vereinsmitglieder statt. Der beifällig aufgenommene Jahresbericht constatirt das Aufblühen des Vereines. Von zahlreichen Mitgliedern wurde auf die dringende Nothwendigkcit hingewiesen, den seit Jahren geplanten Bau eines neuen, den Bedürfnissen der beiden Bezirke entsprechenden Gotteshauses endlich in Angriff zu nehmen, zumal nun alle anderen Wiener Bezirke würdige Gotteshäuser besitzen und nur die Glaubensgenossen des I V. und V. Bezirkes, zu welchen bekanntlich auch die höchstbcsteuerten Mitglieder der Cultusgemeinde zählen, ein solches entbehren müssen. Cultusvorsteher Dr. Berger versicherte namens der Cultusgemeinde, die diesbezüglichen Bestrebungen des Vereines nach Kräften zu fördern, und beglückwünschte den Verein zu dessem 30 jährigen Bestände. Bei den hierauf vorgenommenen Ergänzungswahlen in den Vorstand nmrden die ausgelosten Mitglieder einstimmig wicdergewählt. In der am 18. November stattgefundenen constituirenden Vorstandssitzung wurden die-bisherigen Funktionäre, die Herren : Adolf Hofmann als Obmann, Adolf Lichtblau als Obmann-Stellvertreter und Franz Frankl als Schriftführer wiedergewählt. Wien. Die Generalversammlung, des Vereines zu. Ausspeisung armer israelitischer Schulkinder des XII. — XV. Bezirkes fand am 17. November im Sitzungssaale der israelitischen Cultusgemeinde, XV-, Turnergasse 22 statt. Die Versammlung war seitens der Mitglieder sehr gut besucht. Unter den Anwesenden bemerkte man Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Max Grunwald, sowie dessen Frau Gemahlin: ferner den Gönner des Vereines Herrn Gottlieb Taussig, Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde, Herrn Dr. S. Bars, Präses der „Chewra- Kadischa" in Fünfhaus, u. s. w. Vor Beginn der Versammlung wurde der verdienten Präsidentin Frau Regine Landeis eine besondere Huldigung seitens der Mitglieder dargebracht. Die Beiräthe des Vereines hatten ein Porträt der Präsidentin anfertigen und,' von einem Blumen-Arrangement umgeben, im Sitzungssaale aufftellen lassen. In schwungvoller Rede feierte Se. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. Max Grunwald die Präsidentin. Se. Ehrwürden pries die Verdienste der Präsidentin, die mit dem Herz am rechten Fleck, mit dem nöchigen Verständnisse ft'ir die Durchführung der Vereinsaufgabe stets mit offener Hand für die gute Sache in kurzer Zeit ein so schönes Werk vollendet hat; sie könne sich glücklich schätzen, aus dem dornenvollen Wege des Schnorrens Blumen statt Dornen vorzufinden. Zum Schlüsse gibt Redner dem Wunsche Ausdruck, daß die Präsidentin das sich erworbene Recht, die Erste an der Spitze des Vereines zu stehen, auch weiterhin stets behalten und daß der junge Verein Gunter ihrer Leitung emporblühen und erstarken möge. Nachdem die Präsidentin in einigen Worten gedankt, wird um '/46 Uhr die Sitzung eröffnet. Auf Antrag des Herrn Moritz Heller wird von der Verlesung des Rechenschaftsberichtes abgesehen, der Caffebericht zur Kenntniß genommen und dem Vereinsausschusse das ertheilt. Hieraus wird der bisherige Vorstand per AcclaftWlMNHtzWeMtvähstzuHeM Dp. ,(S,„ Bars dankt im Namen der eWntlMr des AusspeisungsgmchuchM jnodbift /mbWlwH 'M Jln Vereines, der Vereinsleitung dafür, daß sie das hilflose Kind unter ihren Schutz genommen hat, und wünscht, der Verein möge weiterblühcn, wachsen und gedeihen. Nachdem die Präsidentin allen Mitgliedern und insbesondere dem Vorstande für die thatkräftige Mitwirkung im abgelaufenen Vereinsjahre den Dank ausgesprochen, wird über Anregung des Herrn Moritz Heller der Beschluß gefaßt, das Bild der Präsidentin im Ausspeisungslocale anzubringcn. Frau Barany ladet den Verein ein, sich an der Durchführung des Elberfelder Systems im Armenwesen zu betheiligen, worauf die Sitzung um 7.6 Uhr geschlossen wird. Wien Herr Redacteur! Die Mittheilung aus Suczawa, wonach der Erzbischhof Dr. Ritter v.Repta bei seiner Anwesenheit daselbst, um eine Kirche zu consecriren, auch vom dortigen Oberrabbiner und dem Cultusvorstande empfangen wurde und auf die Ansprachen sehr liebenswürdig antwortete, ist gewiß interessant — ich erlaube mir jedoch den Gefühlen vieler Glaubensbrüder Ausdruck zu verleihen, daß die Mitnahme gar zweier Thorarollen — superflua non nocent — nicht angezeigt erscheint. So oft ein Erzbischhof in Galizien empfangen wird, rückt die heilige Thora aus; ich kenne zwar die Verhältnisse in Suczawa nicht — tout comprenare, c’est tout pardonner — allein Sie gestatten mir die Bemerkung, daß im Jahre 1903 die heiligen Thorarollen nur vor dem Landesvater zu präsentircn sind, weil die irdische Majestät, nach unseren Satzungen, einen Abglanz der himmlischen Majestät bildet, s o n st vor g a r N i e m a n d e n nicht einmal vor dem Papste. Ich wage durchaus nicht, einen Tadel auszudrücken, aber ich habe das Gefühl, daß eine Aufwartung des ■ Oberrabbiners mit dem Gesammtvorstande ohne Thorarollen auch eine große Ehre für den Bischof gewesen wäre. Hochachtungsvoll S. L ö w i n. Leitmeritz. (Kauft n i ch t b e i Jude n.) In dem hier erscheinenden radical-nationalen, antisemitischen „Leitmeritzer Wochenblatte" erschienen wiederholt Notizen, die zum Boycott gegen die jüdischen Bevölkerung aufforderten. Der hiesige Rabbiner Dr. Max S ch o r n st e i n besprach nun eines Tages zwei Lehrpersonen des Gymnasiums gegenüber das Verhalten des „Wochenblattes" und sagte u. A.: Das Wochenblatt, welches in allen Tonarten predigt: „Kauft nicht bei Juden!", welches es als eine Schande bezeichne, bei Juden zu kaufen und Annoncen von Juden durch Blätter sogar als Verrath am deutschen Volke hinstelle; dieses selbe Blatt steht mit Juden in Geschäftsverbindung, kaufe selbst von Juden und nimmt von ihnen Annoncen auf. Herr Franz Seifert, Herausgeber des „Leitmeritzer Wochenblattes" und Theilhaber der Buchdruckereifirma Seifert u. Co. erhob infolge dieser Aeußerungen gegen den Rabbiner Schornstein die Anklage wegen Verspottung beziehungsweise Ehrenbeleidigung, worüber beim hiesigen Bezirksgerichte am 12. und 19. November verhandelt wurde. Der Angeklagte erklärte, daß er nicht die Absicht hatte, den Kläger Herrn Seifert zu verspotten, sondern er habe sich nur im Tone der Entrüstung über Theorie und Praxis beim „Leitmeritzer Wochenblatte" ausgelassen. Für die behaupteten Thatsachen trat er den Wahrheitsbeweis an. Im Verlaufe der Zeugeneinvernahme erklärte der Zeuge David Ofner, Tabakverleger, mosaischer Confession, daß er bei der Firma Seifert u. Co. seit 1900 Tabellen und Bücher drucken lasse, daß er das „Leit neritzer Wochenblatt" verschleiße und durch mehrere Monate sein Haus zum Verkauf im „Leitmeritzer Wochenblatt" inserirt habe und daß Herr- Seifert bei ihm Postwerthzeichen, Zigarren und Zigaretten kaufe. Zeuge Sigmund Engel, Papierhändler, mosaischer Confession, in Leitmeritz, gab an, daß er seit langer Zeit mit Seifert in Geschäftsverbindung stehe, daß Seifert von ihm kaufe und er von Seifert. Ueber den Umfang des Geschäftes und die Höhe der Forderung verweigerte der Zeuge mit Rücksicht auf das Geschäftsgeheimniß die näheren Angaben. Zeuge Vincenz Pollak, Glaswaarenhändler gab an: Vor mehreren Monaten saß ich