Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 20 (1903)
- Issue
- 48 (27.11.1903)
- Date
- 1903-11-27
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 48 Dr. Blocb’s MocvenscvrM. Sette 767 von Delegirten der Vorstand in kurzem Wege von den Wünschen der Bezirkscommissionen in Kenntniß gesetzt wird, während die Bezirkscommissionen jene Gesichtspunkte kennen lernen werden, von welchen der Cultusvorstand bei seinen Beschlüssen sich leiten läßt. Selbstverständlich kann nur die Erfahrung lehren, ob sich diese neue Institution bewähren wird. Er hoffe, daß von einer oder der anderen Seite schützenswerthe Anregungen kommen werden, welche der gesammten Gemeinde zum Nutzen gereichen werden. Natürlich sei diese Institution keine definitive und bleibt es dem Vorstande unbenommen, falls sich dieselbe nicht bewährt, sie jederzeit zu ändern. Es ergreift sodann das Wort Präsident kaiserlicher Rath Kling er, welcher — von seinem Unwohlsein noch nicht hergestellt — ob seiner Theilnahme an der Sitzung lebhaft begrüßt wird. Er erinnert an die Gründe, welche ihn seinerzeit veranlaßt haben, für die Creirung der Bezirkscommissionen einzutreten. Es sollte weiteren Kreisen Gelegenheit geboten werden, ihr Interesse für die Gemeinde zu bethätigen, und ein Versuch sein, gegen den stärksten Feind jedes Gemeinwesens, das ist die Indolenz in der Gemeinde, mit Erfolg anzukümpfen. Aber auch die beste Angelegenheit sei mit der Zeit reformbedürftig und verlange entsprechende Ausgestaltung. So habe, was er in Bezug auf die Ausführungen des Collegen Teltscher sagen müsse, sich der bisherige schriftliche Verkehr zwischen den Bezirkscommissionen und dem Cultusvorstande als ungemein schwerfällig erwiesen. Dagegen werde nun Abhilfe gesucht durch Heranziehung der von den Bezirkscommissionen zu entsendenden Delegirten zu den Berathungen der Commissionen des Cultusvorstandes. Auf diese Weise werde es hoffentlich gelingen, jüngere, thatkräftige Männer heranzuziehen, welche Gelegenheit haben werden,. kompetenten Orts Einblick in die Agenden der Gemeinde zu gewinnen und Erfahrungen zu sammeln, welche sie im Interesse der Gemeinde vcrwerthen sollen, andererseits auch schützenswerthe Anregungen zu geben.' Er ersucht, das Amendement des Herrn Knffner wegen Eliminirung der Zuziehung von Delegirten zur Unterrichts- Commission abzulehnen, da ja gerade der Unterricht zu den wichtigsten Obliegenheiten der Gemeinde zähle, und bittet um die eil dioe-Annahme der vom Vertreter-Collegium vorgelegten Anträge. Der Abünderungsantrag des Herrn Wilhelm Knffner tvird abgelehnt und die Anträge des Vertreter-Collegiums mit überwiegender Majorität angenommen. — Schluß der Sitzung 3/4 2 Uhr Nachmittags. Tempel spenden: Im Gemeindebethanse I., Seitenstettengasse 4: Herr Adolf Neumann K 100.—; Herr David Neumann K 190.—; Herr Josef Bielitz K 40.—; Herr Jacques Kellermann K 20.—; Herr Max Zerner K 10 —. Im Gemeindebethause XV., Turnergasse 22: Von Herrn Felix Pinkas K 25.—; von Herrn Franz Teltsch X I.—. Eröffnung einer israelitischen Volksküche im XX. Bezirk. In feierlicher Weise und in Gegenwart eines sehr zahlreichen Publicums wurde Dienstag den 24. November, um 11 Uhr Vormittags, im XX. Bezirke, Kluckygasse, eine neue, von Herrn Dr. Arnold Hildesheimer zur Erinnerung an seine verstorbene Mutter, die unvergeßliche Wohlthäterin Frau Rosa Hildesheimer, gestiftete und vom isr. Volksküchenvereine errichtete Volksküche eröffnet. Unter den anwesenden Gästen bemerkte man die Vertreter der k. k. Behörden, den Stellvertreter des Hern: Polizeipräsidenten, Herrn Reg.-Rath Ritter von F e y e r f e i l, den Herrn Polizei-Bezirksleiter Dr. Tauber, den Abtheilungs- Commandanten Herrn Baron S ch ö n e r s m a r k, den Vicepräfidenten der isr. Cultusgemeinde Herrn Tr. Alfred Stern, den Vertreter des Bezirksrathes Herrn Peter Mayr. Es hatten sich ferner eingefunden: die Schwester der Stifterin Frau Professor M a u t h n e r, der Gatte der Stifterin Herr Leo Hildesheimer, ferner der Gefammtvorstand des isr. Volksküchenvereines mit der unermüdlichen Ehrenpräsidentin Frau B e n v e n i st i, Frau Oberrabbiner G ü d e m a n n, die Vorstandsdamen der Frauenvereine im II. und XX. Bezirk, mit ihren Präsidentinnen, Frau kais. Rath Dr. K o h n und Frau Dr. Emilie Weiß, Cultusvorsteher Dr. Alfted Berger, Hofrath Prof. W i n t e r n i tz und Frau, Regierungsrath Dr. Schlag, Rabbiner Dr. David sammt Gemahlin, Dr. Feuchtwang sammt Gemahlin, Dr. Gelbhaus sammt Gemahlin, Architekt Baurath Melcher, welcher die Volksklichen-Localitäten adaptirt hat, der Vicepräsident der türkisch-israelitischen Cultusgemeinde Licco Addut,Herr Cultusvorstand Eltbogen sammt Gemahlin, Herr Marcus B o n d i, Herr Dr. F i a l l a und Frau Gemahlin, Herr Polizeiarzt Dr. P o l l a k, Herr Dr. Steine r, Herr Josef K o h n, Herr Kadi s ch sammt Frau, Herr Schiedsgcrichtsprüsident Josef L. N e u f e l d, Herr Bureauchef Hülle s, Frau T r e b i t s ch, Herr Stadtbaumeister F r a c n k e l, Präsidentin FrauJda Diamant, Herr kais. Rath Dr. K o h n, Vorsteher Herr Heinrich Weiner sammt Gemahlin, Frau Amalie B e ck, Präsidentin des Frauenvereines im VIII. Bezirk, Herr Ignatz F r i e d m a n n, Obmann des Brigittenauer Unterstützungsvereines u. s. w. Der Präsident des Volksküchenvereines Herr Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n n begrüßte zunächst die Vertreter der k. k. Behörden, den Präsidenten und die Repräsentanten der Cultusgemeinde, sowie die anwesenden Gäste, schilderte in einigen markigen Worten die Entstehungsgeschichte des neuen Wohlfahrtsinstitutes und schloß mit einem begeistert aufgenommenen dreimaligen Hoch auf Se. Majestät den Kaiser. Hieraus hielt Herr Rabbiner Dr. Feuchtlvang eine ebenso formschöne als begeisterte Gedenkrede auf die Verewigte Frau Rosa Hildesheime r, zu deren Erinnerung diese Volksküche gestiftet worden. Nach einem Segensspruch des Herrn Oberrabbiners Dr. G ü d emann begann die ''Ausspeisung, und zwar als am Eröffnungstage gratis. Die Speisen wurden sehr gelobt, und allgemein war die Anerkennung für die ersprießliche Thütigkeit namentlich der weiblichen Vorstandsmitglieder. Am Anrichtetisch bemerkten wir in eifrigem Bemühen zwei junge Damen, die reizenden Töchter «Grete und Else) des Herrn Regierungsrathes Doctor I. Schl a g. Als Ehrendamen sungirten die Frauen Kadi s ch, K o h n und T r e b i t s ch. Das Cabinei Giolilti. Die Freude der Antisemiten, daß mit dem Cabinet Zanar delli auch der jüdische Kriegsminister Ottolenghi, diese nach antisemitischen Begriffen contradietio in adjecto. hat zurücktreten müssen, hat nicht lange gedauert. Dem Cabinet Giolitti gehören gar — schrecklich! schrecklich! — zwei Juden an. Der Ersenbahnminister ist Jude und der Schatzsecretär Luzzatti, der schon wiederholt Minister war, ist es auch. Und dieser Luzzatti — die Juden kriegen eben Altes fertig — hat für die Meliorirung des Bodens und die Befreiung der Landwirthe aus Wuchererhänden als Erster den von dem jetzigen König gestifteten „Orden für Arbeit" erhalten. Ja, Italien durchkreuzt die antisemitischen Lehren. Zur Ostafrikasrage. Die Expedition, welche laut Beschluß des VI. Basler- Congresses nach Ostafrika ausgerüstet werden soll, wird im December die Reise antreten. Sie wird aus 15 Mann bestehen, darunter vier deutsche Gelehrte. Das Angebot der südafrikanischen Zionisten, an dieser Expedition theilzunehmen, wurde, wie es heißt, vom großen Actionscomite abgelehnt. 4vien. (Verein „Frauenhort".) Der einem pietätvollen Erinnern an weiland unsere unvergeßliche Kaiserin geweihte 19. November wurde Heuer über 200 armen jüdischen Familien in Wien zu einem doppelten Festtag, indem ihnen der Morgen dieses Tages die Winterbescherung des Vereines „Frauenhort" ins Haus brachte, die dieser rührige Verein unter der ausgezeichneten Leitung seiner Präsidentin Frau Rosa Zifferer und seiner beiden Vice-Präfidentinnen Frau Regine Kopstein und Frau Johanna Fröhlich seit einer Reihe von Jahren an diesem Tage veranstaltet. Wieviel Sorge wird den armen Eltern, wieviel Erkrankungen den armen Kindern erspart, wenn sie am 19., Morgens den eilenden Dienern der Firma Hirsch & Cie., die in uneigennützigster Weise die Bestellung ins Haus besorgt, die wohlverpackten Cartons abnehmen, um diesen in freudiger Erregung all die Herrlichkeiten an Wäsche, Kleidern, Beschuhung