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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-11-27 · 48 (27.11.1903) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
48 (27.11.1903)
Date
1903-11-27
Page
– (sequence 11)
Language
German
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mr. 48 Dr. JBlocb’s MocbenscbrM. Sette 769 mit dem Herrn Papierhändler Engel und noch zwei Herren im Hotel Krebs: hiebei wurde auch von Herrn Seifert gesprochen und Herr Engel sagte: Das Geschäftsverhältniß mit Seifert Verdrieße ihn schon, weil Seifert seinen Zahlungsverbindungen schlecht nachkommt, er habe Herrn Seifert auch scharf gemahnt. Der Angeklagte Dr. Schornstein erklärte, ihm habe es sich nur um die Wahrung allgemeiner öffentlicher Interessen gehandelt, eine Beleidigung der Person des Klägers sei ihm aber ferne gelegen. Der Bertheidiger Dr. Wunder führte aus, wenn das „Wochenblatt" die Juden boycottire, so sei es Pflicht des Herausgebers, diese Principien zu seinen eigenen zu machen, und wenn er davon abweiche, so müsse er es sich gefallen lassen, wenn man sagt, daß in seiner Brust zwei .Seelen wohnen. Der Angeklagte habe Seifert nicht beleidigt, sondern habe sich in der Abwehr befunden. Der Richter, Herr Landesgerichtsrath Flögt fällte folgendes Urtheil: Der Angeklagte Dr. Max Schornstein wird von der Anklage fr e i g e s p r o ch e n, da die Aeußerungen nicht den Thalbestand einer Ehrenbeleidigung bilden. Der Kläger hat dem Geklagten an Vertretungskosten 40 X zu ersetzen. Dr. Köcher meldete gegen das Urtheil die Nichtigkeitsbeschwerde und die Berufung an. Bozen. (Ein Clericaler gegen den Antisemitismus.) In einer Festversammlung der Bozener Clericalen, an der die hervorragendsten Führer der Tiroler Conservativen theilnahmen, hielt der Redacteur des Tiroler conservativen Hauptorgans, Dr. Jehly, eine Rede über den Antisemitismus. Er schilderte den Kampf, der in der Gegenwart gegen die katholische Kirche geführt wird, und hob hervor, daß die Führer in diesem Kampfe sämmtlich Antisemiten seien, so die Urheber der „Los von Rom"-Bewegung der antikatholischen Presse in Oesterreich und Bayern re. re. Die Antisemiten unterscheiden sich wohl in Racenantisemiten und christliche Antisemiten. Allein die Grenze sei nicht sicher zu ziehen. Der Antisemitismus, der nichts weiter sei, als der Nationalismus in höchster Potenz, sei auf alle Fälle ein unchristliches und unösterreichisches Princip. Die Rede Doctor Jehly's wurde in dem Hauptorgan der Conservativen sehr ausführlich wiedergegeben. Prag. (Centralverein zur Pflege jüdischer Angelegenheiten in Prag.) Unter lebhafter Betheiligung fand am 15. d. M. die ordentliche Generalversammlung unter Vorsitz des Obmann-Stellvertreters Herrn L i e b e r s statt. Derselbe gibt zunächst bekannt, daß der in der Vorwoche verstorbene Herr Ignaz Rosenberg in hochherziger Weise der Handwerker-Abrheilung 8000 Kronen letztwillig zugewendet hat. Aus dem sodann von Herrn Dr. Welt sch erstatteten Geschäftsberichte die Wirksamkeit des Vereines in socialer und kultureller Richtung und die Erfüllung aller progranimmäßig übernommenen Pflichten zu entnehmen. Der Bericht gedenkt insbesondere auch ehrend des verstorbenen Ausschußmitgliedes Herrn Docenten Dr. Herrnheiser, registrirt die bedeutsamen Vereinsveranstaltungen und Vortragsabende, berührt die wirthschastliche Lage und die bisherigen positiven Erfolge des Vereines, sowie die Beziehungen zu den Corporationen ähnlicher Richtung und widmet nach Erwähnung der bei verschiedenen Anlässen erfolgten Kundgebungen des Vereines nach Außen hin, auch den beklagenswerthen Kischenewern Opfern herzliche Worte des Mitgefühles. Der Bericht der Handwerkerabtheilung (Referent Herr Liebers) stellt das Gedeihen dieses Instituts, auch des erst vor wenigen Jahren gegründeten Lehrlingsheimes fest: insbesonders wurde heuer aus den Mitteln des Vereines eine Anzahl Schlosser nach Berlin und Speyer, wo sich ihnen lohnende Arbeit bot, weiterbefördert: neun Lehrlinge wurden wieder freigesprochen und bei der sommerlichen Schulschlußfeier eine große Anzahl verdienternmßen prämiirt. Die Präsidentin der Krankenpflegerinnen-Section Frau L e i p e n entrollt hierauf ein anschauliches Bild der auch weit über Böhmen hinaus anerkannten Sectionsthätigkeit, für die nur noch eine regere Unterstützung weiterer Kreise wünschenswerth erschiene. Auch Herr Director Wertheimer für die Studirenden-Abtheilung kann constatiren, daß seit deren 16jährigem Bestände bereits 879 Bewerber (75% der Angemeldeten) kostenlos, oft dauernd untergebracht wurden. Sämmtliche Berichte wurden unter lebhafter Zustimmung genehmigt und zwei gelegentlich der Debatte von Herrn Schulleiter Springer und Herrn techn. stn<L Arnstein namens des Unterftützungsvereines für mittellose israelitische Techniker vorgebrachte Anregungen der geschäftsordnungsmüßigen Behandlung zugeführt. Bei den zum Schlüsse vorgenommenen Ergänzungswahlen wurden neu gewühlt, und zwar in den Ausschuß: MUDr. Leopold Kramer, Herr Leopold Schmied, Herr DavidTroller: als Ersatzmänner: Herr Director Jg. Baier, Commereialrath S. Landesmann und Karl Sgallitzer und als Mitglied des Revisionscomites Herr Gustav Fürth. Ein neues Werk des Architekten Max Fleischer. Gleiwitz i. S. Sonntag den 15. November d. I. fand hier die feierliche Einweihung der neuen Friedhof-Anlage, eines Werkes Ihres Landsmannes, Herrn Architekten Mar Fleischer aus Wien, statt. Derselben toohnte eine zahlreiche Versammlung von Damen und Herren, die Vertreter sämmtlicher städtischer und Gemeiitdebehörden sowie auch anderer Corporationen bei. In der festlich geschmückten Ceremonieuhalle wurde die Feier durch ein Lied eingeleitet. Hierauf ergriff der Schöpfer des Werkes, Herr Architekt Max Fleischer, das Wort, um vor Allem den Repräsentanten der Synagogengemeinde zu danken für das Vertrauen, das sie ihm durch Berufung zu dieser Mission erwiesen. Er sei gerne diesem ehrenden Rufe gefolgt und habe sich bestrebt, ein Werk zu schaffen, das nicht nur seine Zwecke zu erfüllen habe, sondern auch der Stadt zur Zierde, der Gemeinde zur Ehre gereichen solle, ohne hiebei die Mittel der Gemeinde in unverhältnißmäßiger Weise in Anspruch zu nehmen. Nun, nachdem das Werk vollendet, sei es ihm eine heilige Pflicht, zu danken vor Allem dem Allmächtigen, der seine schirmende Hand gnädig über diesen Bau gehalten, sodann dem geehrten Vorstände der Gemeinde, den beim Baue beschäftigten Werksgenossen, namentlich Herrn Maurermeister Julius Scheer, den Mitarbeitern seines Bureaus in Wien, insbesondere Herrn Architekten Johann Miedl. Er schließt in folgender Weife: „Durch gemeinsame Arbeit ist dieses Werk entstanden, als eine Stätte ewiger Ruhe, ewigen Friedens. Indem ich die Einlage nunmehr übergebe, wünsche ich, daß es der Gemeinde noch lange erspart bleiben möge, dieselbe zu benützen". Hierauf ergreift der Vorsteher der Gemeinde, Herr Rechtsanwalt Schüller, das Wort. Er hält eine Rückschau auf die Entwicklung der Synagogengemeinde während der letzten Jahrzehnte, die mit dem machtvollen Aufblühen dieser industriereichen Stadt gleichen Schritt gehalten. Diesem natürlichen Wachsthume der israelitischen Bevölkerung entsprach aber auch eine reiche Ernte des Todes, und da der alte Friedhof zu klein geworden, mußte man an die Schaffung einer neuen größeren Gräberstätte schreiten. Es hat auch die Gemeinde ihre ganze Kraft eingesetzt, um zur Ehrung ihrer Todten ein Werk zu errichten, das ihr selbst zur Ehre gereicht. Von einem in seinem Fache ausgezeichneten, weit über die Grenzen seiner Wirksamkeit anerkannten Künstler ersonnen und geplant, von kundigen Meistern und regsamen Werkleuten durchgeführt, ragt dieser Bau nunmehr empor als ein Denkmal der Liebe und ein Zeichen der Kraft der Gemeinde. Nachdem der Redner noch namens der Gemeinde Allen, deren Thütigkeit zum Entstehen des Werkes beigetragen, gedankt, übernimmt er es in die Verwaltung der Gemeinde: „Möge dieser gute Ort, ein Hort des Friedens für die Dahingeschiedenen, ein Ort des Friedens auch für die Lebenden sein, wo sie, losgelöst von dem ruhelosen Hasten und Treiben der Alltäglichkeit, den Frieden ihres Herzens wiederfinden, ein Ort aber auch der Gottesverehrung, auf dem die Gottesfurcht, wie die Pflanze auf dem Acker, reiche Wurzeln schlägt und kräftig gedeiht. So sei dieser Ort im wahren Sinne ein Friedhof und ein Gottesacker!" Nach einem sehr gelungenen Vortrage einer Gesangs-Composition durch den Obercantor Davidsohn mit dem Tempelchore hielt der Gemeinderabbiner Ehrwürden Dr. Münz die Weihepredigt, der er als Text den Psalm 116 zu Grunde legte. In den einleitenden Worten führt

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