Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 20 (1903)
- Issue
- 38 (18.9.1903)
- Date
- 1903-09-18
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 36 Dr. Llocb's MocbenscbrM. Seite 611 Wien. Am 14. d. M. wurde der Gelehrte und jüdische Schriftsteller Herr Fabius Zolles zu Grabe getragen. Eine zahlreiche Schaar von Leidtragenden, unter denen sich Universitäts- Professoren, Schriftsteller, sowie der Geistliche der englischen Botschaft, Herr Hechler, befanden, waren in der Centralhalle erschienen. Herr Gemeinde - Rabbiner Dr. Gelbhaus hielt einen die Verdienste des Verblichenen würdigenden Nachruf. Wien. (Das Honorar für eine Interpellation.) Der Schriftsteller Karl Kellermann brachte gegen den Herausgeber des „Kikeriki", Fritz Gabriel Jlger, beim Bezirksgericht Josefstadt eine Klage auf Zahlung von 800 Kronen ein, worüber vor dem Richter Secretär Dr. v. Engel die Tagsatzung stattfand. Laut Behauptung des Klägers mußte er für den Geklagten, der die Feder nicht genügend beherrsche, jene Interpellation verfassen, welche die Abgeordneten Axmann und Genossen seinerzeit im Abgeordnetenhause betreffs der Entlassung Jlger's aus der Officierscharge an denLandesvertheidigungsminister gerichtet haben. Bekanntlich erkannte der Officiersehrenrath den Geklagten auf Grund einer ebrwidrigen Abmachung mit seiner Gattin der Verletzung der Officiersstandesehre schuldig, wogegen die viele Spalten umfassende Interpellation polemisirt. Kläger behauptet, mit der Arbeit drei Monate zugebracht zu haben. Soborten. Bei der am 30. August und 8. September stattgefundenen Neuwahl für die israelitische Cultusgemeinde in Soborten wurden gewählt: zum Cultus-Vorsteher Herr Carl Weinfeld, Cultusvorsteher - Stellvertreter Herr Adolf Bloch als Vorstandsmitglieder die Herren Dr. Isidor Freisinger, Gabriel Tausig, Adolf Pick, Turn; Salomon Eckstein, Offegg; Bernhard Stcckler, Soborten. In die Repräsentanz die Herren Dr. Julius Hirsch» Ferdinand Budlovsky, Eduard Löwy. Moritz Abeles, Ignatz Ornstein, Turn; Maffin Hahn, Karbitz; Philipp Bloch, Soborten. Als Ersatzmänner die Herren Gottlieb Bloch. Siegmund Pollak, Mex Fischel. In die Umlagscommiffion die Herren Alfred Heller, Ossegg; Salomon Läufer, Kosten; G. Bloch, A. Bloch, Ph. Bloch, Soborten; G. Tausig. A. Pick, Turn; M. Hahn, Karbitz. Teltsch. Mit großer Ehre und Auszeichnung wurden am Dienstag den 15. September die sterblichen Ueberreste des gefeierten Talmudgelehrten Josef Weisel aus Triesch, der die letzten Tageseiner 94 Lebensjahre bei seinen Kindern in Teltsch verbrachte, daselbst zu Grabe aeleitet^Aus Triesch waren seine Freunde und Verehrer der jüdischen WissMMft, Herr Moritz Meißner, Herr Albert Berger, Herr Ignatz rn^Merr Nathan Meißner, Herr Rabbiner Dr. Stern und Herrü^Wor Laub erschienen. An der Bahre des Verblichenen verherrlMeDr. Stern die Gottesgelehrsamkeit und schilderte der neu des geistigen Verlustes. Herr Außerdem habe er dem Kläger auch infolge^ seines "Auftrages /^gesteläe Neligionslehrer die Größe des Listigen .. ' Eantor Freld und Herr Cantor Laub, verrichteten m feierlicher Weue Vorarbeiten für eine neuzugrundende antisenntlsche Halbmonatsj,te Friedhofsgebet-. Die ganze Gemeinde der Israeliten in Teltsch, zeüung geliefert und er begehre demnach für Zeit und Mühe - - u J 3 zusammen 800 Kronen, nämlich 600 Kronen sür die Interpellation und 200 Kronen für die Vorarbeiten. Ein für den Geklagten erschienener Vertreter bestritt den Bestand irgend einer Forderung, wogegen Kläger Beweisanträge stellte und eine dem Geklagten jetzt nahestehende Dame, sowie mehrere seiner Angestellten als Zeugen namhaft machte. Der Richter erstreckte die Verhandlung, um die Zeugen einzuvernehmen. Wien. (Kaiser Franz Josefs-Ferienheim in T i s ch n o w i tz-V o r k l o st e r.) In der abgelaufenen Woche sind die letzten Serien der vom Vereine »Ferienheim" entsendeten Colonisten nach Wien zurückgekehrt. Das blühende Aussehen und die bedeutenden Gewichtszunahmen der Kinder geben Zeugniß von der besonderen Fürsorge, die der Verein für seine Schützlinge an den Tag legt. In den Colonien Tischnowitz. Petrau, Jodbad Hall und Austerlitz waren in diesem Jahre 525 Schützlinge untergebracht. — Beiträge und Spenden sür dos »Kaiser Franz Josefs-Ferienheim" wolle man an das Präsidium, I. Bez., Schottenring 2, gelangen lassen. Wien. (Jüdischer Schulverein für den IX. Bezirk. IX., Pramergasse 5.) Die Religionsschule tritt in ihr drittes Schuljahr. Die vom CultusVorstande, vom Schulinspectorat und anderen Fachkreisen anerkannt vorzüglichen Leistungen diesi s Vereines lassen eine Erweiterung der Schule sehr wünschenswerth erscheinen. Die schwierigen Erwerbsverhältniffe machen es zur Pflicht, das Schulgeld möglichst niedrig zu bemessen und Minderbemittelten noch weitgehendere Nachlässe zu gewähren, so daß sich die Schule größtentheils durch Mitgliederbeiträge, Subventionen und Spenden erhalten muß. Wir lenken die Aufmerksamkeit der Wohlthäter und Förderer alles Edlen auf diesen der Unterstützung höchst würdigen Verein. Die Einschreibungen sowohl für Knaben als Mädchen finden vom 10. September d. I. ab in der Zeit von 10—12 Uhr Vormittag und von 2—4 Uhr Nachmittag im Vereinslocale, IX., Pramergaffe 5, statt. Wien. Sonntag den 20. September d. I. um 2 Uhr Nachmittags findet in Wien, I., Seitenstettengasse Nr. 4, d'e Trauung des Fräuleins Anry Ho ff mann mit Herrn Otto Sohn des Nähmaschinen-Fabrikanten Leopold Obmann-Stellvertreter der Bezirks-Commission der Chcwra-Kadischa im XVI. und XVII. Bezirk, T r e b i t s ch, T r e b i t s ch, und Vorstand statt. Wien. (Todesfall.) Montag am 14. d. M. fand das Leichenbegängniß des Herrn Max H u p k a, welcher durch 40 Jahre Tempelsänger der Wiener israelitischen Cultusgemeinde in Fünfhaus war, unter zahlreicher Betheiligung statt. Im Trauerhause erschienen u. A. der Bethausvorstand mit dem Obmann-Stellvertreter Herrn I. N e u f e l d, kais. Nath Pollak, erster Cantor Blatt, Cantor L ö w i t und zahlreiche Berufscollegen. Die cantorale Function versah Obercantor J nrberger mit dem Tempelchor. Herr Rabbiner Doctor G r u n w a l d hielt dem Heimgegangenen einen ergreifenden Nachruf. Am offenen Grabe sprach im Namen seiner Berufscollegen Herr T h i e m a n n einige Worte des Abschiedes. Floridsdorf. (A b f a l l.) Dr. Felix Rosenfeld, aus Gaya gebürtig, und Armin T y r o l e r, aus Turocz gebürtig, sind aus dem Judenthum ausgetreten. ganze viele Freunde aus der Umgebung, Herr Vorsteher Pollak aus Tatschitz betheiligten sich an dem Ehrengeleite. welches dem bis in die letzten Tage geistesstarken 94jährigen Greise veranstaltet wurde. Nngarisck>-Ostra. Ein Fest- und Freudentag war der letzte Sabbath für uiMre Gemeinde. Es fand nämlich am Vorabende desselben die feierliche Einweihung unseres renovirten Gotteshauses und am Sabbathe Vormittags die Barmizwahfeier des zweiten Sohnes Ftzlix de^hiesigen Großindustriellen Jacob May und dessen Gattin Marianne, geborene von Engel, statt. Daß wir über beide Ereignisse als über Freudenfeste der Gemeinde berichten, hat darin feinen Grund, daß es eigentlich der Barmizwahfeier zu verdanken ist, daß wir auch eine Tempeleinweihung begehen konnten. Die Eltern des Confirmanden waren es nämlich, die anläßlich der im Vorjahre stattgefnndenen Barmizwahfeier ihres erstgeborenen Sohnes Fritz die Anreanng gaben zur Renovirung des überaus schadhaften Tempels. Da dieser Anregung auch die außergewöhnliche Opferwilligkeit der Anreger folgte — überdies sich zwei in Wien wohnhafte Ostraer, der Hof- und Gorichtsadvocat DReif und der Industrielle Julius Wolf, in überaus dankenswerther Weise mit namhaften Spenden zum Zwecke der inneren Einrichtung betheiligten lind auch unser Vorsteher Dr. Eduard Stern mit Eifer sich der Leitung der Arbeiten angenommen — konnte die diesjährige Barmizwahfeier in einem Gotteshause stattfinden, das jetzt unserer Gemeinde zum Stolze und unserer Stadt zur Zierde gereicht. Und so war es kein Wunder, daß die Barmizwahfeier, der seitens der Familie auch kaiserlicher Rath Alexander von Engel beiwohnte, nicht blos für die Eltern, sondern auch für die ganze Gemeinde zu einem Freudenfeste sich gestaltete, an welchem sich auch die Honoratioren unserer Stadt betheiligten. _ Nachdem der Konfirmand in tadelloser Weise die Haftarah verlesen hatte, hielt unser Rabbiner Dr. S. Friedmann an denselben eine Ansprache, in welcher er ihm in gedrängten Zügen die Bedeutung des Tages auseinandersetzte und ihm besonders ans Herz legte, gleich seinen Eltern ein treues Mitglied des Judenthums zu werden und zu bleiben. Die erhebenden Worte des Seelsorgers übten anf den Confirnmnden und auf die ganze Zuhörerschaft einen nachhaltigen Eindruck aus. Janosbäza. Am 8. d. M. hielt Se. Ehrwürden Herr Abraham Weiß (bisher Rabbiner in Koste!, Mähren) hier seinen Einzug. Schon als der Herr Rabbiner in Steinamanger ausstieg, wurde er von einer Deputation der Janoshäzaer und Steinamangerer Gemeinde herzlichst empfangen. Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Jungreis begrüßte seinen College» im Namen seiner Gemeinde, worauf dieser in einer kurzen Rede seinen Dank ausdrückte. Um 3 Uhr Nachmittags fuhr der Zug in die Station Janoshäza ein. Nun begann in . langsamen Tempo der Einzug in die Stadt in 26 Wagen, reichlich geschmückt, durch den Triumphbogen. In der Wohnung des Herrn Rabbiners angelangt, nahmen die Gäste eine Erfrischung und kehrtm in den Tempelhof zurück. Dort bewillkommte den Herrn Rabbiner in einer ungarischen Ansprache der Herr Dr. Götzel, worauf ihm der Vorsteher der Genieinde die Tenipelschlüssel überreichte. Se. _ Ehrwürden antwortete hierauf in ungarischer Sprache. Er dankte für den schönen Empfang, welchen man ihm zu theil werden ließ. Er betonte die Wichtigkeit der Eintracht und des Friedens, besonders aber die der Nächstenliebe ohne Unterschied der Confession und betete für das Heil und lange Leben unseres Monarchen, den Schutzengel des Friedens. Laute Eljen- Rufe begleiteten jeden Satz der Rede. Ein Fräulein überreichte nach einer kurzen Begrüßung der Frau Rabbinern! ein Blumenstrauß. Um halb 6 Uhr wurde in dem reichlich geschmückten Tempel das Mincha- Gebet verrichtet. Der Herr Rabbiner bestieg sodann die Kanzel und hielt seine Proar mmrede, die ungeheuren Beifall erntete. Um 7 Uhr, der prachtvollen Zeit halber unter freiem Himmel, begann das Diner, bei welchem der Herr Rabbiner einen schönen Toast hielt.