Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 20 (1903)
- Issue
- 38 (18.9.1903)
- Date
- 1903-09-18
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 610 Dr. Vlocb's Mocbenscbrlft Nr. 88 Vermischtes. Ablösung von Neujahrs-Gratulationen. Alljährlich wird eine ungezählte Summe ausgegeben, um Freunde und Bt kannte, Verwandte und Geschwister zum Neuen Jahr zu beglückwünschen. Was könnte indeß Alles mit dem Gelde Gutes gethan werden, wenn es nicht aus Gratulationskarten und Postwerthznchen ausgegeben würde. Wir glauben daher unendlich Bielen aus der Seele zu sprechen, wenn wir den Vorschlag machen, die Glückwünsche zum diesjährigen Roschhaschana-gefte durch Gaben für die „Chewra-Kadischa" abzulösen. Wir werden die Spender in unserem Blatte in einer besonderen Rubrik mit der Überschrift: „Die Unterzeichneten gratuiiren allen B rwandten, Angehörigen, Freunden und Begrünten nur auf diesem Wege zum Neuen Jahre und wünschen ihnen eine nnta nö'nm rß’TO", aufzählen und über die Gaben quittiren. Wir möchten im allgemeinen jüdischen Interesse wünschen, daß von dieser Einrichtung recht ausgiebiger Gebrauch gemacht wird. Krauzablösungsspeuden zu Gunsteu derChewra-Kadischain Wien I.» Seitenstettengasse 4 für arme kranke Glaubensgenoffen. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Hermann Stiaßny. Von Frau Anna Ritter, l., Wippliugerstraße 12, L 10.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Paul Schweiger. Von Herrn Hugo Winter, I., Eßlinggasse 18, L 20. -. Von Herrn und Frau Löwenstein anläßlich Grabbesuches K 10.-. Wien. (EhrungeinesGemeindethierarztes.)Jn Reichenau fand am 7. d. eine Vieh aus stellung statt, die auch Statthatter Graf Kielmansegg besuchte. In seiner Anwesenheit wurde seitens des Reichenauer landwirthschaftlichen Vereines dem Gemeindethierarzt Herrn Friedrich Schick ein Ehrendiplom überreicht. Nach Bürgermeister Weiser, der die Uebergabe mit einer Ansprache eiuleitete, ergriff auch Graf Kielmansegg das Wort und führte aus, daß er Herrn Schick seit längerer Zeit nicht nur persönlich, sondern auch aus dessen eifrigen und erfolgreichen Amtsthätigkeit kenne und ihm gern seine vollste Anerkennung ausspreche. Herr Schick dankte für die ihm gewordene Auszeichnung und wurde von dem zahlreich versammelten Publicum beglückwünscht. Gemeindethierarzt Schick ist aus Proßnitz gebürtig und genießt in Berufskreisen den Ruf als bewährter Fachmann. Wien. Gustav Brecher, der bis vor einem Jahre kurze Zeit an der Wiener Hofoper wirkte, kam auf dem Umwege über Olmütz nunmehr nach Hamburg, wo er soeben seine Thätigkeit aufnahm. Ueber sein Debüt in „Earmen" schreibt in den „Hamburger Nachrichten" Ferdinand Pfohl: „Einer von denen, die man ohne Titel nennt und deren Namen man wie eine Formel des Genialen ausspricht, stand vor dem Dirigentenpult, und was er schuf, war so außerordentlich, daß man den Sonnenfackeln seines eruptiven Genies, den Ausbrüchen seines glühenden Temperaments, seiner lebendigen, drangvollen, mit stürmischen Pulsen schlagenden Musikseele mit Staunen folgte. Gustav Brecher erinnert in seiner Art, zu dirigiren, auffällig an Mahler. Fast genau dieselben Bewegungen, das Locken und Schmeicheln mit der linken Hand, das Wiegen und Schweben mit der rechten, die präcisen, kurzen Tactschläge, das drohende Stechen. Hoffen wir, daß die Ähnlichkeit bei diesen Äeußerlichkeiten Halt macht. Brecher dirigirt mit einem so lebhaften Temperement, wie wir es bisher in der Oper kaum je erlebt haben; er wird aber auch geleitet von einem wundervollen Feingefühl für alles Musikalische." In ähnlichem Sinne äußern sich die anderen Hamburger Blätter. Brecher ist ein Enkel des weiland Gelehrten Dr. Gideon Brecher in Proßnitz und Sohn des Med. Dr. Alois Brecher in Leipzig. Wien. Am 11. d. M. starb hier in seiner Wohnung im I. Bezirke, Ebendorferstraße 6, der Chef der bekannten Wiener Exportfirma Robitsek und Reis. Herr Hermann R o b i t s e k, im Alter von 67 Jahren. Die Nachricht wird nicht verfehlen, in allen Kreisen der Wiener Geschäftswelt, i» der der Verblichene allgemein geschätzt war, tiefe Theilnahme zu erregen. D:r Verstorbene war ein Mann von anerkannt tüchtigen Fähigkeiten aus kaufmännischem Gebiete, von ausgezeichneten Charaktereigenschaften. die ihn stets bei seinem Wirken geleitet haben. Robttsek war der Begründer der Firma, die sich dank seiner hervorragenden kaufmännischen Fähigkeit bald einen ersten Rang unter den österreichischen Exportfirmen errungen und den österreichischen Erzeugnissen die wettesten Emporien erschlaffen hat. Dabei war er stets von einer liebenswürdigen Bescheidenheit und einem Wohlwollen, das Hilfsbedürftige nie vergeblich anriefen. Robitsek laborirte seit längerer Zeit an einem durch Verkalkung der Arterien hervorgerufenen Herzübel, das vor Kurzem in Folge einer Vergiftung durch Schwämme, die sich der ohnehin kränkliche Mann zugezogen hatte, eine wesentliche Verschlimmerung erfuhr und dem er gestern unvermuthet plötzlich erlegen ist. Robitsek war Commercial- und Handelskammerrath, bekleidete das Amt eines Censors der Oesterreichisch-ungarischen Bank, und hat sich namentlich große Verdienste um die Hebung des Exportes nach Rußland erworben, welches er vor Jahren noch per Schlitten bereiste, da es in den von ihm ausgesuchten Gegenden noch keine Eisenbahnen gab. Die Firma. I. L. Meyer, in die Robitsek als kleiner Beamter eintrat, liquidirte im Jahre 1873 und Robitsek gründete in Gemeinschaft mit dem damaligen Angestellten und gegenwärtigen Gesellschafter Julius Reis eine Exportfirma unter seinem Namen, welche bald darauf an Umfang und Bedeutung die alte Firma übertraf und als eine der ersten in Wien den Export von nicht nur Wiener Kurzuod Phantasiewaaren, sondern auch Textilwaaren, Artikel der Bekleidungsindustrie, Papier rc. nach vielen überseeischen Plätzen direct anbahnte. Der Export, der bis dahin meist durch Vermittlung Hamburger und Pariser Exporteure gepflegt wurde, nahm nunmehr durch Aussendung von zumeist im eigenen Geschäfte ausgebildeten jungen Kaufleuten die directe Richtung nach den großen Handelst mporien in Amerika und Ostasien. Namentlich nach letzterer Relation wurde derselbe durch Gründung von einer eigenen Niederlassung in Bombay, sowie Errichtung von Vertretungen und Musterlagern auf anderen Plätzen erheblich gesteigert. Der Verblichene war einer der bekanntesten und markantesten Vertreter der Wiener Geschäftswelt, in welcher er sich allgemeiner Achtung erfreute. Er war längere Jahre hindurch auch Mitglied der Permanenzcommission zur Bestimmung der Handelswerthe und wurde durch die Verleihung des Titels eines kaiserlichen Rathes ausgezeichnet. Als Juror der letzten Ausstellung in Brüssel erhielt er das Ritterkreuz des belgischen Leopold-Ordens. Wien. (Berichtigung.) In der Notiz über den Todesfall in der vorigen Nummer soll es anstatt Karl Hager richtig heißen Herr I s a k Hager. Wien. Sonntag Nachmittags ist im IX. Bezirke, Müllneraasse Nr. 5, der Commercialrath und Realitätenbesitzer Sigmund Neustadtl, im 67. Lebensjahre gestorben. Neustadtl war chedem Fabriksbesitzer. Zu Prag geboren, war er seit Jahrzehnten in Wien ansässig und hat sich im öffentlichen Interesse sehr eifrig bethätigt. In Wien war er Jahre hindurch Vorstandsmitglied des Tempelvereines im IX. Bezirke, Beirath der „Oesterreichisch- Jsraelitischen Union" und saß in der Leitung zahlreicher anderer humanitärer Institute. Die „Oesterreichische Wochenschrift" verliert in ihm einen aufrichtigen Freund und Gönner. Beim Leichenbegängniß war der Gejamwtvorstand dieses Vereines mit dem Obmann Herrn B e t t e l h e i m erschienen. Ferner sah man Vertreter aller Bethausvereine Wiens, der Oesterr.-Jsraelitischen Union, des „Frauenhortes" und viele Freunde des Verewigten. Gemeinderabbiner Dr. Gelbhaus widmete dem Verblichenen einen Nachruf, in welchem er darauf hiuwies, daß der Verklärte einer der vornehmsten Familien Prags angehörte, daß der selige Seminardirector Zacharias Frankl sein Onkel war, daß er, den Ueberlieferungen seiner Familie folgend, einer ideal-jüdischen Anschauung huldigte und darnach seinen Lebenswandel einrichtete. Die Rede des Seelsorgers war von großer Wirkung. Den gesanglichen Theil executirte Obercantor Kläger unter Assistenz des Cantors Pekarnik in Begleitung des Trmpelchores in ergreifender Weise. Wien. (Die er sie Krankencassenärztin.) Seit 1. d. M. hat Wien eine Krankencassenärztin, und zwar die erste in der Reichshauptstadt, sowie in Oesterreich überhaupt. ES ist dies Frau Dr. Friederike Lubinger, eine junge Dame, die ihre Studien in Bern und Zürich absolvirt und an letzterer Universität auch das Doctorat erworben hat. Hier in Wien wiederholte sie dann sämmtliche Rigorosen und wurde auf Grund derselben ebenfalls zum Doctor der medicinischen Facultät promovirt. Frau Dr. Lubinger hat in Zürich an verschiedenen Universitätskliniken gearbeitet, unter Anderem war sie Unterassistentin des bekannten Internisten Professor Eichhorst. Hier in Wien vervollständigte sie ihre geburtshilfliche und gynäkologische Ausbildung an den Kliniken der Hofräthe Chrobak und Schauta und wirkte längere Zeit am Carolinen-Kinderspital. Frau Dr. Lubinger ordinirt in Wien VII., Mariahilferstraße 88a von 3-4 Uhr. Wien. (Verlobung.) Fräulein Gisela Frater, Tochter des Herrn Carl Frater, hat sich mit Herrn Wilhelm Weiß, Beamter des Finanzministeriums, Sohn des Religionslehrers der israelitischen. Cultusgemeinde Herrn Simon Weiß, verlobt.