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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-08-28 · 35 (28.8.1903) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
35 (28.8.1903)
Date
1903-08-28
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 35 Dr. Blocb’s TK&ocbenscbrift, Seite 565 sehr viele, aber Alles war so betrunken und den» Wahnsinn nahe, daß Niemand sagen kann, wer ihnen die Wunden beigebracht hat. Daß viele Juden erschlagen, gequält und verwundet wurden, ist Thatsache; wir waren in diesem Augenbl ck keine Christen, sondern nur Barbaren, und Barbaren erster Classe. Ich schämte mich, ein Christ zu sein, obwohl ich keinen Antheil an der Juderprügelei genommen habe. Im Gegentheil, als freiwilliger Feuerwehrmann hatte ich genug zu thun, die angezündeten Judenhäuser zu löschen. Aber ich schäme mich der Christen, die noch heute mit größtem Vergnügen erzählen, wie die Zähne aus dem Judenmunde heraussprangen. Der Handel ist hier in Judenhänden. Wer verbietet uns aber, den Handel selbst zu betreiben? Die Deutschen machen ja hier ebenfalls brillante Geschäfte. Wir Christen ärgern uns, wenn wir einen kleinen Judenjungen sehen, der schon perfect lesen und schreiben kann, während unsere Kinder noch kaum vernünftig sprechen können. Und auf diese Art entsteht der Judenhaß. Wir Christen meinen, der jüdische Kaufmann schwindelt, man muß bei ihm doppelt zahlen, ich bin sehr oft bei christlichen Kaufleuten hineingefallen. Man muß eben nicht dumm sein. Die Juden, sagte man, betreiben Wuchergeschäfte; bei uns betreiben dieses Geschäft musterhaft auch die Christen. Viele Juden ziehen nach Amerika, denn Kischenew hat wenigstens auf zehn Jahre seinen Wohlstand verloren. Die Juden brachten die Stadt sehr empor, bauten schöne Häuser, die Geschäfte gingen gut, und Juden und Christen lebten gut. Jetzt ist Alles vorbei. Die Stadt ist in voller Trauer, alle Gesichter sind traurig, die Taschen sind leer, kein Theater wird besucht, die Restaurationen sind ganz leer, und wir Christen sind jetzt weeder auf die Juden wüthend, weil sie uns Christen durch ihre Trauer zu Bettlern machen. Auch können wir ihnen nicht verzeihen, daß sie so schnell auf die Beine gebracht wurden durch die Geldsendungen, die von aller Welt hieher kamen. Ein Christ meinte: »Wir hauten die Juden, und sie schrieen so laut, daß man es bis nach Amerika hörte", denn in zehn Tagen nach dem Blutbade kam schon von dort Hilfe. New-Nork. Zu den in den russischen Zeitungen angestellten Vergleichen zwischen der Lynch-Justiz in Amerika und den Greuelthaten in Kischenew schreibt die „Havarie Post" vom 4. v. M. Folgendes: „Das Massacre in Kischenew entstieg dem Racen- und Religions- Hasse, und die Opfer waren sowohl Frauen und Kinder, als auch Männer, Greise und Hilflose, als auch solche, die stark und widerstandsfähig waren; jene aber, die in den Vereinigten Staaten gelyncht zu werden pflegen, sind Opfer des Pöbelgesetzes, denen Verbrechen nachgewiesen werden konnten, wie das jenes Negers, der in Delaware verbrannt wurde. Das Lynchen wird von den gesctzachtenden Männern auf das Schärfste verurtheilt und die Theilnahme ohne weiteres mit mit dem Tode bestraft; darum aber können die russischen Mörder in Kischenew, die fast straffrei ausgehen, noch lange nicht zu den Amerikanern sprechen: „Gerade wie Du!" Im Uebrigen sind solche Mörder, die die Straßen von Kischenew mit Menschenblut besudelt, wohl die geeignetsten Objecte, um in Amerika gelyncht zu werden; darum schicket sie zu uns, und wir werden bemüht sein, dem beleidigten Menschenthum Genugthuung zu verschaffen." Weiter lesen wir in derselben Zeitung: Anläßlich derSchandverbrechen in Kischenew hielt Dr. Robert S. McArthur in der Calvary-Baptistenkirche eine Predigt, wo er unter Anderem noch Folgendes sagte: „Es ist eine unleugbare Thatsacte, daß der russische Gesandte in Newyork ein Geheimtribunal eingesetzt, um die Religion der Bürger herauszufinden, die ihn um sein Visum ihrer Auslandspässe ersuchen, und wenn er entdeckt, daß es Juden sind, dann entehrt er die amerikanischen Regierungsdocumente ihres Bürgerrechts, und legt auch nicht den geringsten Werth auf einen Paß, von dem amerikanischen Minister des Aeußern ausgestellt, sobald er in der Hand eines Juden sich befindet. Wenn beispielsweise morgen eine Versammlung der weltberühmten Musiker in Rußland stattfinden sollte, so könnten wohl Beethoven und Wagner einziehen, doch bei Leibe nicht Meyerbeer und Mendelssohn. Wäre es eine Versammlung der Staatsmänner, so könnten nur Bismarck und Gladstone auf freien Zutritt rechnen, nicht aber Disraeli oder Ottolenghi. Würde es sich um eine philanthropische Versammlung handeln, so würde man nur Peabody Einlaß gewähren, nicht aber Moses Montefiore. Bei einer Zusammenkunft der Finanzgrößen kämen nur Morgan, Rockfeller und Carnegie in Betracht, nicht aber Rothschild, Seligmann und Schiff. Bei einer Versammlung amerikanischer Staatsmänner würde diese zweifelhafte Ehre nur Roosevelt und Odell zu theil werden, nicht aber Simon in Oregon und dem edlen Oscar S. Strauß, der uns so würdig als Gesandter bei der Türkei vertreten hat. Ja, würden die Apostel Petrus, Jacobus und Johannes nach Rußland kommen, ungeachtet ihrer Ehrenstellung in der Gotteskirche und im Himmelreich, man würde alle drei ohne weiteres ausweisen, weil sie Juden waren. Ja, ich gehe noch einen Schritt weiter, wenn Jesus selbst hinkäme, man würde ihm keinen Einlaß gewähren; russische Grenzbeamte würden nach seinem Paß und seiner Racenzu» gehörigkeit fragen, und bei seiner Antwort ohne viel Federlesens ihn zurückweisen und die Thüre dem vor der Nase zuschlagen, denn sie angeblich als Sohn Gottes verehren! Wahrlich, Rußland wird sich schwer zu verantworten haben an der Pforte der Civilisation, des Christenthums, der Menschlichkeit und der Göttlichkeit, und es wird dort nur dem Hohn begegnen, den es selbst bisher über Humanität und Liberalismus ausgeschüttet hat!" Vermischtes.?An1ri11spredigt des Rabbiners Dr. M. Grunwald. Freitag den 28. August 1903, Abends 6 Uhr, findet im Gemeindetempel XV., Turnecgaffe 22, die Antrittspredigt Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiners Dr.Max Grunwald statt. Der Bethaus-Borstand für die Bezirke XII—XV.J Wien. (Auszeichnung.) Der Kaiser hat dem Journalisten Herrn Stefan Sk rein den Titel eines kaiserlichen R a t h e s verliehen. Kvanzablösungsspenden zu Gunsten der Chewra-Kadischa in Wien l.» Seitenstettengasse 4 für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens des ^el. Herrn Max Schiff: Von den Herren Max und John Schiff Nachfolgcr, I., Werderthorgaffe 7, K 20 —. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Adolf K o h n: Von Heinrich Breuer, I., Wollzeile l, K 3.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Aron B o n d y: Von Frau Esther Bondy in Baden, K ^00.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Leopold B r a ck l: Von Herrn Leopold Handl K 4.—. Wien. (Todesfal l.) Am 19. d. M. starb der kaiserliche Rath Max Schiff im 75. L-bensjahre. Er war im Jahre 1871 einer der Begründer des Creditorenvereines und wurde dessen erster Präsident. Diese Stelle hatte er bis 1900 inne, worauf er für seine Verdienste um den Verein zum Ehren» Präsidenten gewählt und sein Bild zum bleibenden Gedächtnis im Sitzungssaale des Creditorenvereines angebracht wurde. Der Verstorbene stand in der Wiener Geschäftswelt in hohem Ansehen. TUT Baden bei Wien. (Trauung.) Dienstag, den 18. d. M., fand im hiesigen Tempel die Trauung des Fräulein Hedwig Bäcker, Tochter des Amtsleiters der Wiener israelitischen Cultnsgemeinde Herrn Joachim Bäcker, mit dem k. u. k. Gymnafialprosessor Herrn Dr. Robert Bäcker aus Sereth statt. Dank dem freundlichen Eutgegenkommen des Präsidenten Herrn Moritz Leitner war der Tempel festlich beleuchtet und kaum im Stande, die so zahlreich erschienenen Gaste zu fassen. Unter diesen bemerkte man: den Vorstand der Cultusgemeinde Baden mit dem Präsidenten Moritz Lettner und Vice-Präsidenten Anton Schneider, Oberrabbiner Doctor G ü d e m a n n und Frau Gemahlin, die Rabbinen Dr. Bach mit Gemahlin, Dr. Reich, Dr. A b e l e s und Dr. Bau er, Obercantor Singer mit Frau Gemalin und Frl. Tochter, die ersten Cantoren Blatt und Schiller, kais. Rath S t r i n h o f, kais. Rath Doctor M o d r y und kais. Rath P o w o l n y, Chewra-Vorsteher Jacob Kann, W a s s e r v o g e l u. v. A. Nach dem vom Obercantor S e i f f e r t unter Assistenz seines Chores vorzüglich gesungenen Bachmann'schen Ma-towu und Mi-aiidir richtete Herr Rabbiner Dr. Reich an das Brautpaar eine herzliche Ansprache. Bei dem im Restaurant R a u ß n i tz abgehaltenen Hochzeitsdiner, das einen äußerst festlich animirten Verlauf nahm, eröpnete Herr Obercantor Singer aus Wien als Erster den Reigen der Toaste und sprach in seiner schlichten, herzlichen Weise, indem er dem Brautpaare und dessen fernerem Wohlergehen sein Glas weihte. Nach Herrn Obercantor Singer sprachen noch die Herren erster Cantor Schiller, erster Cantor Blatt und Herr.Rabbiner Reich. Dem Brautpaare kamen aus Nah und Fern viele Hunderte von Glückwunschtelegrammen zu, u. A. vom Vorstande der israelitischen Cultusgemeinde in Wien, kaiserlichen Rath Dr. Theodor Lieben und dem gesammten Beamteukörper der israelitischen Cultusgemeinde in Wien, den Rabbinern Dr. Schmied!, Dr. Gelbhaus, Mayersohn und Kramer, Baronin Charlotte Königswarter, David Cahn-Speyer, Reichsraths-Abgeordneten Dr. Julius Ofner, Dr. I. S. Bloch und Frau Gemahlin, Ortsschulrath S. Heit, den Obercantoren I. Bauer, B. Guttmann, S. Singer aus Kattowitz, I. Heller aus Brünn, Rector A. Schwas, den Bethaus-Vorstehern I. Jaiteles, A. Rosenbaum, A. Winterberg» A. Schrämet, A. Flaschner und H. Neufeld, kaiserlichen Rath S. Kohnberger, Stabsarzt Dr L. Bäcker, Gemeinderath D. Zlfferer, Frau Gustav Simon. Commercialrath L. Simon, Hermann Simon, den Hof- und Gerichtsadvocaten Dr. Josef Stern, Dr. W. Zucker und Dr. C. Kraus, Landesgerichtsrath E. Balling aus Brüx, den

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