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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-08-28 · 35 (28.8.1903) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
35 (28.8.1903)
Date
1903-08-28
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Nr. 36 Dr. Wlocb's Mocbenscbrltt. Seite"666 Vorstehern der Armenanstalt in Wien, Dr. M. Löwy, B. Kanitz, Jakob Ripper, Professor Dr. H. Pollak, Secretär Josef Fuchs, Director S. Heller, Dr. Adolf Herzfeld, Dr. B. Münz, Dr. S. Pfeffer, Dr. A. Nossal. LI. Seh. Brünn. Zn die Kochschule des Israelitischen Mädchen- Freitisch- und Fücsorgevereines werden auch heuer Mädchen ausgenommen, welche sich dem Berufe einer Köchin oder Stütze der Hausfrau widmen wollen. Der Unterricht ist unentgeltlich und der Beginn der Curse auf den 15. September, 1. Jänner und 1. April festgesetzt. Dürrruaul. Anläßlich des Geburtsfestes Sr. Majestät des Kaisers wurde am Dienstag den 18. August um halb? Uhr Abends in der altehrwürdigen Synagoge in Anwesenheit der Cultusrepräsenlanz und eines distinguirten Publicums ein besonders herrlicher Gottesdienst abgehalten, linier ueugewählter Cantor Herr Samuel Friedl leitete das Fest mit einem stimmungsvollen Ma-towu ein, bei welchem ihn der von ihm einftudirte Chor klangvoll begleitete. Nach dem Mincha-Gebete wurde das Kaisergebet bei offener Bundeslade gesprochen und hierauf endete die schöne Feier mit Absingen des Kaiserliedes. Reichenberg. Eines unserer ältesten Gemeü.d-mitglieder, unser verdienstvoller, langjähriger Caffier Herr Josef Pollak, feierte kürzlich seinen 70. Geburtstag. Der Vorstand ließ es sich nicht nehmen,, durch unseren verehrten Vorsteher Herrn Dr. Wilh. Schnürmacher und Rechnungsführer Herrn Alois Soudek die innigsten Glückwünsche zu entbieten und einen schönen Silberstock mit entsprechender Widmung zu übersenden. — 1.— Datschitz (Mähren). (Verlobung.) Fräulein Cilly Pächter, Tochter des Herrn Josef Pächter, Hausbesitzer und Fruchthändler, hier, hat sich mit Herrn Ferdinand Kurz, Kaufmann aus Allentsteig N.-Oe., verlobt. Budapest. An der Landes-Rabbinerschule beginnt das Schuljahr 1903/4 am 2. September l. I. Die Einschreibungen, Aufnahms- und Nachtragsprüfungen finden am 2. und 3. September von 8 Uhr Vormittags bis 12 Uhr Mittags statt. Mühr.-Ostrau. Wie wir vernehmen, beabsichtigt ein vorbereitendes Comits hier in nächster Zeit eine im großen Stile angelegte jüdische Volks-Lesehalle und Bibliothek zu errichten. Neben einer voraussichtlich reichhaltigen Bibliothek wird die Lesehalle, welche zur unentgeltlichen und allgemeinen Benützung täglich geöffnet sein wird, die meisten Zeitungen und Zeitschriften des In- und Auslandes, insbesondere die jüdische Interessen vertretenden Blätter enthalten. Dieses wirklich uneigennützige Unternehmen wird von den Gründern allen jüdischen Glaubensgenossen und Freunden wahrer Volksbildung zur Werktätigen Unterstützung bestens empfohlen. Blovie. Anläßlich des Geburtsfestes Sr. Majestät fand am 18. d. M., um halb 2 Uhr Nachmittags, die feierliche Einweihung der hiesigen Synagoge statt. Nachdem der Vorsteher Herr Josef Weißkopf die Erschienenen, namentlich den Herrn Landtagsabgeordneten F. I. Karlik, den Bürgermeister mit den Stadträthen, den Vorstand des Bezirksgerichtes und Steueramtes, die Deputationen des Feuerwehr- und Veteranenvereines begrüßt und der hiesige Rabbiner Herr Adler die rituellen Gebete verrichtet hatte, hielt der Beneschauer Rabbiner Herr Ottocar Kraus die Festpredigt „Ueber das religiöse Gefühl als Wesen der Religion". Nach Absingen der Volkshymne wurde dem Cultusvorsteher für dessen Verdienste um das Zustandekommen des Baues und für seine mehr als dreißigjährige Thätigkeit als Vorsteher und Matrikensührcr eine prachtvoll ausgestattete Adreffe überreicht. Feuilleton. Julian Meldohla. Von Mary Moß. (Fortsetzung.) »Ach, Tante Margarethe"' sagte Edith müde die Arme streckend, »das Leben neigt ohnehin so sehr zur Stumpfheit. Warum sollte man nicht eine kleine Unterhaltung mitmachen, wenn sie uns in den Weg kommt. Man hat gar keinen Lohn für die Mühen des Lebens, und wenn einem fünf gute Minuten begegnen, scheint es thöricht, sich dieselben entschlüpfen zu lassen/ »Wirklich, Kind, Du reizest mich. Ich weiß nicht, was Du noch wünschen kannst. Du bist hübsch — Edith runzelte die Stirn — wenn Du auch so lächerlich bist, böse zu werden, wenn jemand Dir es sagt, möchtest Du doch sicherlich ungern häßlich sein; Du hast genug Geld und man läßt Dir mehr Deinen eigenen Willen, als gut für Dich ist/ Edith veränderte ihre Stellung. »Ich bin so einsam!" »Nun ist das eine alberne Idee! bei all den vielen Leuten, die Du zu jeder Stund, Tag und Nacht um Dich hast!" »Ich weiß, aber manchmal ist es mir, als ob ich im Auslande gelebt hätte und zurückgekommen wäre, als ich erwachsen war. Andere Mädchen haben ihre Schulfreundinnen, so wie Leute, die sie. ihr ganzes Leben lang gekannt haben. Ich sehe Frauen bei Diners und in Salons bei Gesellschaften und wir sind so verschieden, aber das ist's nicht, nicht alles wenigstens/ »Was in aller Welt?" Frau Brand wurde hämisch. »Etwas in mir/ Edith's Stimme bebte in plötzlicher Bewegung. »Es ist ein Dualismus, der mir wehthut. Ich denke oft, daß es eine ungeschickte Anordnung ist, daß wir von Mann und Weib gezeugt und geboren sind, das ergibt eine zwiespältige Natur von Anbeginn, und —" »Edith!" Frau Brand war ehrlich entrüstet, und das junge Mädchen fuhr leidenschaftlich fort: »Du verstehst mich nicht, Du fühltest nie wie ich, als ob alle Fibern und Nerven so unheilbar verwirrt wären, daß sie nie eine gute brauchbare Lebenslinie bilden könnten. Manchmal scheint mein Blut im Kampfe mit sich selbst, als ob zwei feindliche Racen mich zu ihrem Schlachtfelde erwählt hätten/ Sie schwieg, vor Aufregung bebend, und fragte plötzlich: »Bist Du sicher, daß meine Mutter nicht von irgend einem fremden Volke stammte?" Frau Brand sah sichtlich geärgert aus. — »Du weißt Edith, wie peinlich es mir ist, darüber zu sprechen. Wie ich Dir schon wiederholt gesagt habe, heiratete Dein Vater, als er sehr arm war, und die Familie Deiner Mutter, reiche, gemeine Leute aus dem Westen, hielten es für gut, ihn als bloßen Glücksjäger zu behandeln und benahmen sich so schlecht gegen meinen armen Bruder, daß Deine Mutter selbst es als nöthig erachtete, alle Beziehungen abzubrechen". Edith fragte nicht weiter. Ihre Bemühungen, etwas mehr über eine Mutter zu erfahren, welche keinen Theil an ihr zu haben schien, wurden immer durch einen häßlichen Verdacht niedergehalten. Ihre Mutter mußte nicht ganz einverstanden gewesen sein, aber warum hatte der Vater sie dann geheiratet? War es. weil er zu jener Zeit arm gewesen? Eine Person, die sich mit Herbert Spencer und Darwin abgibt, schreckt vor dem Bewußtsein zurück, nicht wünschenswerthe Eltern zu haben. Darunter lag noch ein anderes Gefühl. Ihre Mutter war jung gewesen und unerfahren. Konnte sie glücklich gewesen sein bei dem Unterschiede zwischen ihr und ihrem Gatten? Edith hatte Visionen eines einsamen jungen Weibes das kränkelte und sich vor dem Leben fürchtete. — Frau Brand faßte alle Kraft zusammen. »Denke nicht, daß sie in irgend einer romantischen Weise fremd waren, sie waren so alltäglich als möglich. Du solltest wirklich dankbar sein, daß Du frei von so spießbürgerlichen Verwandten bist/ Edith's Feuer war ausgebrannt und ließ sie bleich und matt zurück. »Ich glaube, daß es nur die Erbsünde ist, die mich so ruhelos macht und — Was ist das Hanna, ein Brief? »Ja, Fräulein, der Bote wartet auf Antwort/ Liebes Fräulein Linton! Wollen Sie an meinen Freuden- Flitterwochen über ein neues Canoe theilnehmen? Und darf ich Sie heute Nachmittags um 4 Uhr abholen kommen? Wenn sich der Wind nicht ändert, können wir leicht zum Thee nach der Insel hinüberrudern. Ihr aufrichtiger Julian Meldohla. »Es ist recht Hanna, es ist keine Antwort", sagte Edith gleichgiltig. »Wenn er trotzdem kommt, beschloß sie innerlich und wenn Herr Tottingham nicht zuerst hier ist, werde ich gehen. Natürlich wird er nicht kommen", beruhigte sie sich selbst, nachdenklich auf Frau Brand sehend. Aber 10 Minuten vor der bestimmten Stunde fuhr Julian vor. Edith begegnete dem jungen Manne in sehr unbehaglicher Stimmung, aber ihre Furcht vor dem Erscheinen des Herrn Tottingham erstickte ihr Schuldbewuß'- sein in dem Wunsche in unpassender Eile fort zu sein. »Das Canoe ist jetzt an seinem Landungsplätze; sollen wir gehen?" sagte er, als er sah, daß sie ihm nicht anbot, sich zu setzen. »Ja, bitte, jede Minute, die ich an diesem herrlichen Nachmittage im Hause zubringen muß, ist mir lästig", sagte sie, etwas ärgerlich darüber, daß er ihrer so sicher schien, aber zur Eile gedrängt durch das Rollen ferner Räder, fügte sie hinzu

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