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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-08-28 · 35 (28.8.1903) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
35 (28.8.1903)
Date
1903-08-28
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 564 Dr. Dlocb's MoebenscbrM, Nr. 35 Krakau. (Kinderraub in Galizien.) Die Angelegenheit der u.iberechtigt getauften unmündigen Kinder Reiß ist noch immer nicht endgiltig erledigt. Auf Grund der rechtskräftigen Entscheidung der Statthalterei in Lemberg, daß die Taufe der Kinder ungesetzlich sei, und auf Grund des § 145 a. b. G.-B. verlangte der Vater dieser Kinder durch seinen Rechtsfreund, Landes- und Gerichtsadvocaten Dr. Rafael Landau in Krakau, vom Bezirksgerichte Stanislau die Zurückstellung der Kinder in das väterliche Haus, welches Ansuchen jedoch vom Gerichte abgewiesen wurde. Gegen diese Entscheidung recurrirte Dr. Landau an das Kreisgericht Stanislau, welches dem Recurse Folge gab, die Entscheidung des Bezirksgerichtes Stanislau aufhob und im Sinne des Recurses diesem Gerichte den Auftrag ertheilte, die nöthigen Verfügungen wegen Uebergabe der Kinder an den Vater zu treffen. Das Bezirksgericht Stanislau verständigte hievon die Parteien mit dem Bemerken, daß es erst nach Rechtskraft der Entscheidung die nöthigen Anordnungen treffen werde. Da das Kreisgericht Stanislau ohne Rücksicht auf die Rechtskraft des Beschlusses die Uebergabe der Kinder anordnete, so hat Dr. Landau eine Beschwerde an das Kreisgericht Stanislau überreicht, mit dem Ersuchen, entsprechende Weisungen an das Bezirksgericht Stanislau zu erlaffen. Frankfurt a. M. In der .Frankfurter Zütung" hatte jüngst ein Tübinger Mediciner einen Appell an die deutschen Studenten gerichtet und sich dabei besonders an die katholischen Couleurstudenten gewendet, zu vergeffen, was sie trenne, und sich zu nutzbringender Arbeit in den einzelnen Facultäten zu vereinigen. Es hatten sich dann einige Bemerkungen angeschloffen, die einen Commentar zu Obigem bilden sollten und den Protest eines katholischen Studenten herausgefordert. Nun kommt, um das Trifolium zu vervollständigen, dort ein Dritter, augenscheinlich ein Jude, zu Wort, dessen Auslassungen hier wiedergegeben seien. Derselbe schreibt: .Unter dem Titel .Ein Appkll an die deutschen Studenten" beschäftigt sich an dieser Still; .Ein Student"' mit den religiösen Verbindungen, d. h. richtiger mit den confeffionellen Verbindungen, wie aus seinen Ausführungen hervorgeht. Leider wirft der Einsender die confeffionellen Verbindungen wahllos zusammen, während doch ein großer Unterschied besteht. Die einen wollen, die anderen müssen sich absondern. Kein politisches, kein sociales, kein nationales Moment, auch kein akademisches treibt zur Trennung, nein, blos die Confeffion. .Semit" und .Germane" und Aehnliches sind die Schlagwörter aus der Racenfrage, wie man sie gebrauchen kann, mit denen die Sache .national" oder .wissenschaftlich" begründet wird. Nachdem so die akademische Jugend an den deutschen Universitäten in christliche Deutsche oder Germanen und in jüdische Deutsche oder Juden schlechthin zerfallen war, was heute im Corps- und Verbindungsleben durchweg ein Factum ist, führte die Nothwendigkeit und das moralische Gewissen ganz von selbst zu jüdischen Verbindungen, die sich in ihrer besten Gestalt als Kampfverbindungen mit bewußter Tendenz in einem Kartellverband, dem zusammenschloffen. Die Verbindungen, frei von aller religiösen oder nationalen Sonderpolitik, vielmehr im Ursprung und Ziel rein akademisch, fallen freilich auch unter den Begriff .confeffionelle Verbindungen", sind aber ganz anderer Natur als etwa die katholischen oder protestantischen Verbindungen. Sie entstanden als ein Product der Intoleranz, selbst nicht intolerant, während jene aus dem willkürlichen Willen herauswuchsen, ein Sonderdasein zu führen. Ich gebe dem Einsender vollständig recht, es ist ein Unglück, wenn man bei der Jugend liberale Gesinnung sucht und sie nicht findet; nur Engherzigkeit reißt sogar den Christen vom Christen. So bedauerlich derartige Erscheinungen im akademischen Leben sind, so sehr wird man jene confeffionellen Verbindungen begreifen und anerkeunen, bei denen confeffionelle Begrenzung Bedingung des seiner selbst sich bewußten Charakters und der freien menschlichen Persönlichkeit ist. — Auch ein Student. Der Bukarester Finanzscandal. Wie bekannt, hat der ehemalige Generalsekretär im Finanzministerium und nachmalige Generaldirector der staatlichen Spar- und Depositencaffe, Pictorian, vor dem Untersuchungsrichter eingestanden, daß er im Jahre 1901 eine Anzahl dem Staate gehörender 4procentiger rumänischer Rententitres durch falsche Losziehungen amortisirt habe, um dem Staate den Nutzen zu verschaffen, der sich aus der Differenz zwischen dem niedrigen Tagescours und dem nominellen Werthe ergab, zu welchem die amortifirten Titres eingelöst werden müssen. Pictorian, der die volle und alleinige Verantwortung der von ihm begangenen Fälschungen übernahm, wurde weiter nicht behelligt, sondern auf seinem Posten belassen, und erst nach einigen Monaten sah sich die Regierung veranlaßt, ihn auf seinen eigenen Wunsch von seiner Stellung zu suspendiren und gegen ihn die Comödie eines gerichtlichen Verfahrens einzuleiten. Nach mehrwöchentlicher Untersuchung wurde nun das Verfahren gegen Pictorian endgiltig eingestellt, mit der Begründung, daß kein strafbarer Thatbestand vorliege, da Pictorian die Fälschungen nicht zu seinem eigenen Bortheil, sondern in patriotischer Absicht ausgeführt und keine betrügerische Absicht gehabt habe. Pictorian wird aller Wahrscheinlichkeit nach in seine Stellung als Generaldirector der Depositencaffe wieder eingesetzt, und wenn sich dies nicht als opportun erweisen sollte, aus einen hohen Posten bei einem der vom Staate abhängigen privaten Bankinstitute gestellt werden. Kiew. (Wozu die Karobkagelder verwendet werden.) Die unter dem Namen Karobka in Rußland bekannte Judensteuer soll, wie allgemein bekannt, eigentlich zur Bestreitung der jüdischen Gemeindeausgaben, sowie zur Unterhaltung jüdischer Wohlthätigkeitsinstitutionen dienen. Es ist aber ebenso allgemein bekannt, daß die Erträgniffe dieser gerade die ärmsten unter den armen Juden am schwersten belastenden Steuer auf Fleisch von den unteren russischen Behörden häufig zu ganz anderen, vielfach selbst zu judenfeindlichen Zwecken verwendet werden. Jetzt hat sich aber auch das russische Gesammtministerium unter Zustimmung des Czaren an diesem Gelde vergriffen. In dem Ministerrath vom 16. April d. I. wurde beschlossen, die zur Verstärkung der Schutzmannschaft der Stadt Kiew erforderlichen Summen, welche seit 1891 .provisorisch" aus den Karobkageldern entnommen werden, auf weitere zwei Jahre zu bewilligen. Die .provisorische" Plünderung der Karobkagelder, die schon seit 13 Jahren dauert, wird wohl erst mit der Aufhebung der gleichfalls .provisorischen" Maigesetze ihr Ende nehmen. Es ist übrigens allgemein bekannt, daß ein großer Theil der Kiewer Polizei zur Ausführung von zahllosen Judenrazzias verwendet wird. Eine Stimme über die Exeeffe in Kischenew. Ein Einwohner von Kischenew, der offenbar ein Deutscher ist, sendet der .N. Fr. Presse" einen Brief, zu dem er sich — wie er schreibt — durch die vielen Unwahrheiten und Entstellungen veranlaßt sah. die er in deutschen antisemitischen Blättern über die Vorgänge in Kischenew und deren Ursachen gelesen hat. Der Kischenewer Einwohner schreibt: .Ich bin kein Beamter und hänge nicht vom Vicegouverneur oder Polizeimeister ab, aber ich sage nur, daß das die besten Leute sind. Strenge im Dienst, gerecht in allem Thun; B?ide sind nie zu kaufen gewesen. Die Strenge des Polizeimeisters hat ihn zu Fall: gebracht. Wir hatten noch nie einen solchen strengen Polizeimeister, und wäre derselbe vor der Judenprügelei hier gewesen, so wäre vieles Unglück nicht geschehen. Dieser Polizeimeister wurde, als der Vicegouverneur die Stelle des abgesetzten Gouverneurs vertrat, von demselben hieher berufen. Wir, die Einwohner von Kischenew, konnten ruhig schlafen, denn die Beiden wachten für uns. Die Beamten aber konnten sich dieser Strenge nicht fügen, und es kam zu einem Scandal zwischen dem Polizeimeister Bronikowski und einem Unterbeamten, und der Polizeimeister bekam unversehens eine Ohrfeige; hierauf mußte er Urlaub nehmen. Die Polizeibeamten waren froh des Geschehenen, wir Einwohner ließen die Köpfe hängen. Aber die Vorsehung schickte uns einen Gouverneur, Namens Fürst Uruffow. Ein junger Mann, energisch, kräftig, fein und sehr vernünftig, und wir sind wieder ruhig. Fürst Uruffow beweist, daß ihm Jude oder Christ gleich sind, jeder ist sür ihn vor allen Dingen ein Mensch. Weiter las ich in den Zeitungen, daß der Vicegouverneur Ustrugow und Polizeimeister Bronikowski von den Juden Geld bekommen haben. Ich kann Ihnen, Herr Redacteur, mein Wort geben, daß diese zwei Männer mit keinem Geld zu kaufen sind. Was den Vicegouverneur anbelangt, so haben wir genug deutliche Beweise hiefür. Er war arm, als er kam, und geht arm ab. Dann heißt es, daß die Frau des Vizegouverneurs eine getaufte Jüdin ist. Das ist eine Lüge; sie ist eine echte Russin. Weiter las ich noch, daß viele Christen bei der Judenprügelei erschlagen worden sind. Das ist auch nicht wahr; ich persönlich sah zwei erschlagene Frauen, aber bis heute kann man nicht sagen, ob sie von Juden oder Christen erschlagen worden sind, denn die Christen steinigten Alles, was ihnen in den Weg kam. Verwundete Christen gab es

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