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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-04-03 · 14 (3.4.1903) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
14 (3.4.1903)
Date
1903-04-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 218 Dr. Bloch's Wochvnschrrfl. Nr. 14 wenn unsere, gerade der besseren und besten Gesellschaftsclasse angehörenden Mädchen, da sie zur Vorbereitung für ihren künftigen Beruf als Gattinnen und Mütter ohnehin nicht mehr kochen lernen, doch wenigstens den K i n d e r g ä r t n e r in n e n-C ur s besuchten! Manche Thräne. mancher Kummer würde ihnen er'part. wenn sie die Gartenpflege für Menschenblümlein verstünden und segnen würden ihre Kinder sie noch in spätesten Tagen. Nach ZZjähriger rastloser und aufreibender Thätigkeit, die Albert S. Fischer dieser seiner Gründung, an deren Spitze er stand, zugewendet hatte, mußte er seiner geschwächten Gesundbeit wegen sich von der geliebten Stätte seines Schaffens zurückziehen. Vom Kaiser, wie von der Stadt Wien und dem nikderösterreichischen Landesschulrathe wurde er ausgezeichnet und geehrt! Möge er an der Fortentwicklung der beiden miteinander verbundenen Anstalten, die beide unter der nunmehrigen thatkrästigen Leitung seines Sohnes, des Directors Max Fischer, eines durch hohe Bildung und Fachkenntniß hervorragenden Pädagogen, blühen und gedeihen, noch lange Jahre sich erfreuen und beglückt nun sehen, wie die Saat, die er gesäet, in starke Halme schießt und reiche Früchte trägt. Hier wird des Dichterkönigs Wort zur Wahrheit: „Unter der Last der Aussaat seufzend zieht er hin, jubelnd trägt er die reichen Garben heim/ So wirkte die diesmalige und zwar s e ch z i g st e Gründungsfeier. zu der sich zahlreiche Verehrer und Gönner des Institutes eingefunden hatten, geradezu erhebend. Nach einem von Director Max Fischer verfaßten und von dem bekannten Componisten Herrn B. Rothenstein in Musik gesetzten Festgruße trug der Director das ebenfalls von ihm verfaßte, sehr eindrucksvolle Fettgedicht vor, woran sich dann die entzückendsten Reigen der Kleinen und deren Chorgesänge — zumeist poetische Gaben des Directors — würdig reihten. Mit Absingung der Volkshymne, die wie ein Chor der Engel aus hundert jungen Kehlen klang, schloß die schöne Feier. Die ausgestellten reizenden Kinderarbeiten erregten allgemeines Jntercffe und ist ein Theil derselben zu Gunsten der Anstalt verkauft worden. Vom Vorstande der Anstalt waren erschienen: Die Präsidentin Frau Sara v. Stern, die Cafftverwalterin Frau Pauline K a u d e r, dann die Vorstands - Mitglieder : Frau Rosa Schiff, Frau Hofrath G o m p e r z. Frau Charlotte Freifrau von Königswarte r, Frau Monika Mayer- Goldschmidt und Herr Baurath Th. R. v. Goldschmidt. Ferner in Vertretung des Unterrichtsministeriums: Herr Professor F i e g e r, sowie für den Bezirksschulrath der Bezirksvorsteher Niebauer und Schulrath Strauß. Weiters: die Reichsrathsabgeordneten Doctor Vogler, Dr. Ofner, Wrabetz und Gemeinderath Hohensinner. Endlich die Damen Frau Donat-Zifferer, Frau kais. Rath Dr. Ko h n, Frau Rabbiner Dr. Gelbhaus, Frau Prof. B ü ch l e r. Frau Commercialrath B i a ch und die Herren Rabbiner Dr. Stern aus Triesch, Dr. Marcell Hoffman n, Prof. K a n i tz, Director Stein, Commercialrath Stiaßny u. A. m. vr. 8. Wien. Der israelitische Frauen-Wohlthätigkeitsverein in Simmering versendet den Jahresbericht für das zweite Vereinsjahr. der nicht nur für die Mitglieder bestimmt ist, fordern auch in Kreise dringen soll, die heute dem Vereine noch ferne stehen, damit dieselben Gelegenheit haben, sich über das Wirken des Vereines zu informiren und so vielleicht Veranlassung nehmen, durch ihren Beitritt oder durch Zuwendung von Spenden den Verein zu fördern. Dem Gebahrungsauswkis entnehmen wir folgende Einzelheiten: Im 1900 bettugen die Einnahmen K 1158.12; die Unterstützungen, die ausgezahlt wurden, K 176.30. Im Jahre 1901 Einnahmen L1402 77; Unterstützungen K 506 —. Im Jahre 1902 Einnahmen L 2056.91; Unterstützungen X 6t2 80. Es verbleibt ein Baarvermögen von L 959.33. Der Verein steht unter der Leitung der Damen: Netty Vogel, kaiserl. Rathsgattin, Präsidenttn; Karoline Vogel, Kaufmannsgattin, Vicepräsidentin; Bilma Fischl, Uhrwachersgattin, Schriftführerin; Regine Tauber, Pferdehändlersgattin, Cassi-rin; Bertha Kohn, Fabrikantensgattin, L Controlorin; Schrötter, Branntweinersgattin, II. Controlorin; Johanna Neufeld, Pferdehändlersgattin, Borstandsdame; Rosiüie Stern, Privatiersgattin, Vorstandsdame. Pressburg. Das Preßburger israelitische Waisenknaben- Jnstttut „Jeruchem-Joßem" versendet den Jahresbericht pro 1902, dem wir folgende Einzelheiten entnehmen: Der Bericht erwähnt vor Allem den frühzeitigen Hingang des unvergeßlichen, langjährigen und verdienstvollen Präses Adolf Popper und spricht den Erben desselben den Dank für eine Stiftung von 600 Kronen aus. Die in Erledigung gekommene Präsesstelle wurde als Zeichen der Pietät bisher nicht besetzt. War der Anfang des Jahres für den Verein ein schicksalsschweres, so war auch das Ende desselben nicht weniger als erfreulich, denn auch zu dieser Zeit wurde uns ein äußerst wohlthätiges Vereins-Mitglied durch den Tod entrissen. Der ob seiner Wohlthätigkeit allseits bestbekannte Herr Simon Popper in Szempcz segnete das Zeitliche. Dank der Vermittlung dessen Bruders, des Herrn Max Popper dortselbst, erhielt unser Verein den Betrag von 1000 Kronen als „Simon, Rosalie und Mina Popper'sche Stiftung". Die Zahl der Jnftitutszöglinge betrug 8. Das Betragen derselben war ein gutes, der Gesundheitszustand zufriedenstellend. Die Einnahmen beliefen sich auf K 7868.44, die Ausgaben auf X 6110.52, das Cassa-Saldo hiermit auf X 1757.92. Der Verein steht unter der Leitung der Herren: Lazar G e st e t n e r, Cassier, Leopold F ü r st, Controlor, Israel Weiner, Jnspector, Heinrich Frankl, Curator. Ausschußmitglieder waren: Aron Lemberger, Moritz Frey, Ludwig Treusch, Leopold Fisch, Salomon L u st i g, Eduard S ch l e n g e r, Michael Kann, Max Frankl. Pilsen. Sehr geehrter Herr Redacteur! Gestatten Sie mir gütigst, über eine tief gehende Bewegung zu Gunsten unserer Wissenschaft, der Wissenschaft des Judenthums, zu referiren. Im Juni vorigen Jahres tagte der Verband der Rabbiner Deutschlands in Frankfurt a. M. Dort fand im Kreise hervorragender Fachgelehrter die erste Aussprache in Betreff einer zu gründenden „Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judenthüms" in öffentlicher Sitzung statt. Der Keim fiel auf fruchtbaren Boden. Denn kurz darauf erschien ein Aufruf: „An unsere Glaubensgenossen", der, von den glänzendsten Namen unterfertigt, zu einer Versammlung der interessirten Kreise behufs Constituirung der Gesellschaft auf den 2. November nach Berlin einlud. Ich will die Namen der Unterzeichneten Gelehrten nennen: Professor Dr. Wilhelm Bacher vom Rabbinerseminar in Budapest, Director Dr. Bärwald und Dr. Adler vom „Philanthropin" in Frankfurt a. M., die Docenten Doctor Markus Brann vom Rabbinerseminar in Breslau und Doctor Baneth von der Hochschule für die Wissenschaft des Judevthums in Berlin, Geheimrath Professor Hermann Cohen von der Universität in Marburg, Professor Ludwig Geiger von der Universität in Berlin, Oberrabbiner Dr. Moriz Güdemann und der Rector des Rabbinerseminars Professor Schwarz in Wien, der Rabbiner von Breslau Dr. Jakob Guttmann und derjenige von Budapest Dr. Kayserling, der Redacteur der „Zeitung des Judenthums" aus Berlin Dr. Ludwig Karpeles, Kirchenrath Dr. Kroner aus Stuttgart, Geheimrath Professor Lazarus aus Meran, Geheimrath Dr. Mayer aus Karlsruhe, Professor Martin Philippson aus Berlin, Oberrabbiner D. Simonsen aus Kopenhagen, Rabbiner Dr. Heinemann-Vogelstein aus Stettin, Rabbiner Dr. Weiffe aus Berlin und Rabbiner Dr. Cosman Werner aus München. Die Gesellschaft, so führte der Aufruf aus, soll zuvörderst begabte junge Leute, welche das Universitätsstudium, sowie eine der theologischen Anstalten absolvirt haben und welche Neigung und Beruf zur wissenschaftlichen Arbeit treibt, mit ausreichenden Stipendien versehen, damit aus ihnen ein Stamm von zulänglichen Lehrkräften uns gesichert werde, dessen wir zur Ausbildung unserer Theologen, sowie zur würdigen Ausgestaltung unserer Wissenschaft dringend bedürfen. Wir fordern weiterhin gediegene und aus gebreitete, das Ganze unserer Wissenschaft umfassende Werke, welche durch unsere Gesellschaft gefördert und in ausgiebiger Weise unterstützt werden sollen. Die Arbeiten, die in Betracht kommen, sollen sich auf die Wirthschafts-, Cultur-, Literatur- und Religionsgeschichte, Religionsphilosophie. Religionssystematik, Bibelexegese und hebräische Sprachwissenschaft beziehen. Die Gesellschaft soll ferner Jahresversammlungen veranlassen, wie sie in anderen wissenschaftlichen Zweigen üblich sind, zu denen die Vertreter unserer Wissenschaft sich einfinden, um den Stand der Fragen zu erörtern und eine Verständigung über die auszuführenden Maßnahmen zu erzielen. Am 2. November fand nun die constituirende Versammlung unter den glänzendsten Auspicien in Berlin statt. Herr Professor Martin Philippson wurde Präsident der Gesellschaft und Dr. Guttmann aus Breslau zum Bicepräsidenten gewählt. Der Secretär Dr. Lucas, Rabbiner in Glogau, entfaltete eine rührige Energie in der Vorarbeit, wofür ihm alles Lob gebührt.

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